Samsungs neue Smartwatch Gear S2 Jetzt wird an der Uhr gedreht

Samsung präsentiert auf der Ifa seine erste runde Smartwatch - inklusive neuem Bedienkonzept und interessanter Mobilfunktechnik. Wir haben die Gear S2 ausprobiert.

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SPIEGEL ONLINE

Nach den vielen unterschiedlichen Modellen der letzten Jahre hat Samsung auf der Ifa in Berlin nun seine erste runde Smartwatch vorgestellt, die Gear S2. Das Gerät unterscheidet sich massiv von seinen Vorgängern, bietet viele neue Funktionen und hat eine überarbeitete Bedienlogik. Zudem wird es verschiedene Varianten geben, die teils auch weitgehend autark vom Smartphone genutzt werden können.

Als Betriebssystem nutzt Samsung bei der Gear S2 wieder sein Tizen-System, das auch schon bei der 2014 vorgestellte Gear zum Einsatz kam. Mit Googles sehr strikt reguliertem Android Wear wäre es nicht möglich gewesen, die Funktionen und Fähigkeiten einzubauen, die in der Gear S2 zu finden sind.

Eine besonders prägende davon ist die Lünette, also der Ring, der das Ziffernblatt einfasst. Sie dient bei der Gear S2 zur Steuerung, abseits des Touchscreens.

Der Bildschirm bleibt frei

So wie man bei Apple die Krone dreht, um durch Apps und Texte zu scrollen, verwendet man bei Samsung die Lünette für ganz ähnliche Aufgaben. Der Vorteil gegenüber rein Touchscreen-basierten Smartwatches: Der ohnehin kleine Bildschirm wird bei der Verwendung von Krone und Lünette nicht durch die Finger verdeckt, mit denen man bei anderen Geräten auf dem Display agiert.

Beim ersten Ausprobieren der Gear S2 machte die bewegliche Lünette einen guten Eindruck als ergänzendes Bedienelement. Indem man den beweglichen Rand um das Display dreht, scrollt man durch App-Listen, Nachrichten, Fitnessdaten. Zusätzlich sind seitlich zwei Knöpfe angebracht, die eine "Zurück"-Funktion haben beziehungsweise zum Homescreen zurück führen.

Vollkommen logisch und konsistent erscheint diese Art der Steuerung nicht. Um die neue Smartwatch zu bedienen, muss man ständig zwischen Lünette, Steuerknöpfen und Touchscreen wechseln. Zumindest anfangs wirkt das etwas mühsam.

Zwei Tage Akkulaufzeit

Neben dieser Änderung der Bedienlogik hat Samsung auch die mitgelieferten Apps und Funktionen erweitert. So gibt es beispielsweise eine Inaktivitätswarnung, wenn man zu lange gesessen hat, das kennt man von der Apple Watch. Sportliche Aktivitäten soll die Uhr selbstständig erkennen, etwa unterschieden können, ob man joggen geht oder eine Radtour macht.

Die Akkulaufzeit gibt Samsung mit zwei bis drei Tagen an. Wenn die Gear S2 das tatsächlich schafft, würde sie damit alle Android-Wear-Smartwatches und die Apple Watch weit hinter sich lassen. Das Aufladen selbst wird kabellos erledigt, Kabel sind also nicht nötig.

Ab in die Mitte

Eine Folge des runden Designs ist, dass Texte grundsätzlich mittig zentriert auf dem Bildschirm dargestellt werden. Das sieht auf den ersten Blick ungewohnt aus, hat aber gegenüber anderen runden Smartwatches den Vorteil, dass Texte im unteren und oberen Bereich nicht so drastisch beschnitten werden wie im Blocksatz.

Dank NFC-Chip ist die Gear S2 darauf vorbereitet, mit dem Bezahldienst Samsung Pay zusammenzuarbeiten, der kommendes Jahr eingeführt werden soll. Samsung spricht außerdem davon, man könne die Smartwatch dank dieses Chips auch beispielsweise in Hotels als Zimmerschlüssel oder für andere Anwendungen nutzen.

Das setzt allerdings voraus, dass von Anbietern solcher Dienste angepasste Tizen-Apps programmiert werden. Genau das könnte ein Problem werden. Verglichen mit Android oder iOS ist Tizen kaum verbreitet und für Softwareentwickler deshalb nicht sehr attraktiv. Die Koreaner versprechen aber, dass zur Einführung der Gear S2 rund tausend Apps bereitstehen werden.

Bemerkenswert: Die embedded-Sim

Die Gear S2 wird es in verschiedenen Versionen geben. Zum einen wird die Gear S2 mit einem sehr schlichten Design und Kunststoffarmbändern angeboten, zum anderen wird es ein Modell mit der Bezeichnung Classic geben, dessen Look sich mehr an herkömmlichen Uhren orientiert und das mit einem Lederarmband geliefert wird.

Zudem wird es eine 3G-Variante geben, die sich ohne Hilfe eines Mobiltelefons in Mobilnetze einbuchen kann. Vollkommen eigenständig wird aber auch diese nicht funktionieren, sondern via Mobilnetz auf die Daten des Handys zugreifen. Technisch gibt es hier eine bemerkenswerte Neuerung, eine sogenannte embedded-Sim, also e-Sim.

Diese Technik macht eine herkömmliche Sim-Karte überflüssig. Die Daten, die sonst auf einer Sim-Karte gespeichert werden, können hier via Mobilnetz einprogrammiert werden. Das spart Platz und macht den Einbau einer Sim-Karten-Schublade überflüssig.

Laut Samsung wird diese Variante allerdings in Europa nicht angeboten. Offenbar beherrscht der verwendete Chipsatz nicht die hier nötigen Mobilfunkfrequenzen. Nach dem Galaxy Note 5 ist dies bereits das zweite wichtige Produkt, das der koreanische Konzern nicht nach Deutschland bringt.

Positiv ist dagegen, dass die Gear S2, anders als manche der früheren Modelle, nicht nur mit Samsung-Smartphones, sondern auch mit Handys anderer Hersteller verwendet werden kann. Die Voraussetzung ist, dass auf diesen mindestens Android 4.4 läuft und mindestens 1,5 GB Arbeitsspeicher eingebaut sind.

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Seite 1
heldvomfeld 03.09.2015
1. sieht gut aus
Und zum Glück ist Samsung Tizen treu geblieben. Dreimal besser als Android Wear. Meine gear 2 hält heute schon 3 Tage durch.
ichsagsja 03.09.2015
2. Lächerlich
Wer bindet sich eigentlich solchen unnützen Kram an den Arm??? Genauso bescheiden wie: Kühlschrank ruft Waschmaschine weil Zahnbürsten fehlen, die dann die Kaffemaschine beim Händler bestellt. Wer läßt sich eigentlich solchen Krempel aufschwatzen??
Fait Accompli 03.09.2015
3. @ichsagsja
Für manche Leute macht eine Smartwatch durchaus Sinn. Ich z.B. bin Golfer. Habe meine Golfapp, die mir die Entfernungen und Layups dank GPS sehr genau anzeigt. Ist doof, dafür immer das Smartphone heraus zu holen.
zugast 03.09.2015
4. @Fait
Wohl wie Tiger Woods auch.
gunnarqr 03.09.2015
5. Wie niedlich...
Hatte ja mal ernsthaft an so 'ne Smartwatch gedacht. Aber jeden abend an den Strom (oder jetzt jeden 2.?) Nee, wirklich nicht. Habe mich entschieden etwas mehr zu investitieren und mir etwas völlig Stromloses einer schweitzer Markenfirma zu besorgen. Bin hoch zufrieden. Und für die Hektik hab' ich mein Smartphone :-)
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