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Samsung Gear VR im Test: Virtuelle Welt vorm Kopf

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SPIEGEL ONLINE

Andere Firmen forschen noch daran, Samsung hat sie bereits: Die Gear VR ist eine Datenbrille, mit der man in virtuelle Welten eintauchen kann. Ein Handy dient als Computer und Bildschirm. Wir haben die faszinierende Technik ausprobiert.

Selten hat ein Testgerät in der Redaktion so viele begehrliche Blick auf sich gezogen wie Samsungs Virtual-Reality-Brille Gear VR. Es reicht vollkommen aus, die recht groß geratene Konstruktion auf dem Schreibtisch liegen zu lassen, um neugierige Blicke und Fragen zu provozieren. Eine verständliche Reaktion, denn die Samsung-Brille sieht mit ihrem weißen Kunststoff-Korpus und den gepolsterten Kopfbändern schon ungewöhnlich aus.

Vor allem aber sieht man selbst ungewöhnlich aus, wenn man sich das Gestellt auf den Kopf setzt. Nicht so sehr, weil sich andere über die klobige Brille wundern, sondern, weil man sich in einer für Beobachter sehr irritierenden Weise bewegt, wenn man die Gear VR trägt.

Denn sobald man die neue Samsung-Brille aufsetzt, taucht man in eine andere Welt ein. Schließlich ist das Sinn und Zweck einer VR-Brille. Sie soll den Eindruck erzeugen, man wäre in einer anderen Welt, eben in einer Virtual Reality (VR).

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Samsung Gear VR im Test: Per Brille und Smartphone in virtuelle Welten

Das gelingt der Gear VR ausgesprochen gut. Sobald ich die Brille aufhabe, beginne ich mit dieser Welt zu interagieren. Ich drehe mich herum, schaue in alle Richtungen und versuche Gegenstände zu greifen, die vor meinen Augen erscheinen. Für mich scheint das ganz natürlich, von außen sieht es aus, als würde ich durchdrehen.

Kein Gadget für die Masse

An einer solchen Technik forschen viele Firmen, allen voran das US-Unternehmen Oculus, dessen VR-Brille wir schon mehrmals ausprobiert haben. Allerdings braucht die Oculus einen PC als Steuerungsrechner, mit dem sie per Kabel verbunden ist. Zudem ist sie noch kein fertiges Produkt, das man einfach kaufen könnte.

Ein so richtig fertiges Produkt ist auch die Gear VR nicht, weshalb sie von Samsung als Innovators Edition bezeichnet wird. Ausdrücklich weist der Konzern darauf hin, dass die Gear VR für Software-Entwickler gedacht ist. Und für Early Adopters, also Anwender, die immer die neueste Technik haben wollen und auch vor kleinen Macken nicht zurückschrecken.

Highend muss es schon sein

Eine der wenigen Macken ist zugleich ein großer Vorteil gegenüber der Technik von Oculus: Die Gear VR braucht keinen PC. Stattdessen legt man ein Smartphone in die Brille, das als Steuerungsrechner und Bildschirm zugleich dient. Das ist gut, weil die Brille dadurch kabellos arbeiten kann. Zugleich ist es aber auch eine Einschränkung, denn in der aktuellen Version funktioniert die Gear VR nur mit Samsungs Galaxy Note 4, das seinerseits mit 769 Euro in Samsungs Preisliste steht.

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Samsung Galaxy Note 4 im Test: Mit Stift und Schnelllade-Akku
Das Note 4 ist aber auch ein extrem wichtiger Baustein des Gesamtkonzepts. Als Highend-Smartphone ist es mit einem sehr schnellen Prozessor, viel Speicher und etlichen Sensoren ausgestattet, die für ein realistisches Virtual-Reality-Erlebnis nötig sind. Vor allem hat es einen extrem hochauflösenden Bildschirm mit 2560 x 1440 Pixeln.

Die Auflösung ist nötig, weil der Bildschirm für die 3D-Darstellung der virtuellen Realität in der Mitte geteilt wird, jede Bildschirmhälfte ein Auge bedient. Tatsächlich wirkt das so erzeugte Bild nicht besonders hochauflösend und wird oft von einem feinen Gitterraster überlagert.

Samsung Gear VR: Virtual Reality per Smartphone Zur Großansicht
Matthias Kremp

Samsung Gear VR: Virtual Reality per Smartphone

Aber diese technischen Feinheiten vergesse ich schnell, wenn ich die Gear VR auf der Nase trage. Auch wenn das Bilderlebnis nicht gerade fotorealistisch ist, sind die virtuellen Welten doch so überzeugend, dass man bald die reale Welt um sich vergisst. Schon beim ersten Selbstversuch - eigentlich wollte ich nur kurz reinschauen - versank ich für zwei Stunden in einem VR-Spiel.

Hier kommt man zum zweiten Manko: Groß ist die Auswahl an passender Software noch nicht. Samsung arbeitet mit Oculus zusammen, um möglichst viel Oculus-Software auf der Gear VR nutzen zu können. Einige Spiele gibt es: virtuelle Tauchgänge, einen 360-Grad-Fotobetrachter, ein virtuelles Kino und noch einiges mehr. So kann man mit der Brille zum Beispiel auch wunderbar Filme anschauen, als wäre man in einem richtigen Kino mit Leinwand, Projektor und Sesselreihen. Nur für Popcorn muss man selbst sorgen.

Fazit

Samsung wird oft vorgeworfen, die Ideen anderer zu kopieren. Bei der Gear VR war das allerdings gewollt. Das Konzept basiert auf einer Idee von Google-Ingenieuren, die im Sommer 2014 ihr Project Cardboard vorstellten, eine extrem günstige VR-Brille aus Pappe, der ein Smartphone als Rechner und Bildschirm dient. Nachahmer waren erwünscht.

Samsungs Variante des Project Cardboard ist ausgesprochen gelungen. Die virtuellen Realitäten darin sind nicht superrealistisch, aber doch so überzeugend, dass es einfach Spaß macht, damit herumzuspielen. Der Preis ist auch vollkommen in Ordnung. Trotzdem sollte man sich die Anschaffung genau überlegen. Massentauglich wird das System erst, wenn es mit mehr unterschiedlichen Smartphones funktioniert und wenn die Software-Auswahl größer wird. Bis dahin bleibt es ein Nerd-Spielzeug. Allerdings ein sehr schönes.

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Cardboard: So bastelt man die Pappbrille

Vorteile und Nachteile

Günstiger Preis (für die Brille)

Sehr intensives Nutzungserlebnis

Sehr kurze Reaktionszeiten

Hoher Tragekomfort

Einfache Bedienung

Funktioniert nur mit dem Galaxy Note 4

Derzeit nur in den USA bestellbar

Leicht gerasterte Grafik

Eine neue Art von Herrenhandtasche: Die Samsung Gear VR Innovator Edition wird mit einer solchen Tasche geliefert, in der sie unterwegs gut geschützt ist. Allerdings ist die Tasche recht klobig.

Zusammengefaltet: In der Tasche findet die Brille nur Platz, wenn man die Tragebänder löst.

Aufgebaut: Die Tragekonstruktion sieht unbequemer aus als sie ist. Tatsächlich sitzt die Gear VR sehr angenehm und stabil am Kopf.

Hilfestellung: Ein Aufdruck auf der linken Seite zeigt, dass Samsung sich für die Gear VR Hilfestellung bei Experten geholt hat. Die US-Firma Oculus arbeitet seit Jahren an einer eigenen VR-Brille.

Einblick: Auf der Innenseite der Brille ist rechts der Annäherungssensor zu erkennen, der registriert, wenn man die Gear VR aufsetzt.

Das ist das Vorbild: Im Sommer 2014 präsentierte Google diese VR-Brille mit der Bezeichnung Project Cardboard. Die Pappbrille sollte das Grundprinzip zeigen, nach dem VR-Brillen auf der Basis von Smartphones funktionieren könnten.

Speziallinsen: Einer der großen Unterschiede zu Googles Project Cardboard sind die Linsen, die von weit besserer Qualität sind als bei Googles Pappbrille.

Kontaktstelle: Erst wenn das Galaxy Note 4 auf diesen USB-Stecker aufgesteckt wird, lassen sich die VR-Apps auf dem Handy starten.

Es kann nur eines geben: Einzig Samsungs Galaxy Note 4 ist mit der Gear VR kompatibel. Zu den 200 Dollar für die Brille kommt also der Kaufpreis des Handys dazu. Nach Liste sind das 769 Euro.

Prallschutz: Samsung liefert einen transparenten Plastikdeckel in Rauchglasoptik mit, den man über dem Handy auf die Brille stecken kann. Einen praktischen Nutzen hat die Abdeckung nicht.

Scharfmacher: Über ein Rädchen wird die Bildschärfe justiert, in dem der Abstand zwischen Display und Linsen verändert wird.

Bedienelemente: Auf der rechten Seite des Gehäuses befinden sich ein Touchpad und eine Zurück-Taste. Mehr braucht man nicht, um VR-Apps zu steuern.

Komplettpaket: So sieht die Gear VR samt Galaxy Note 4 zusammengebaut aus. Der relativ schwere Vorbau wird von mehreren Gummibändern am Kopf fixiert.

Die Gear VR am Kopf: Sieht komisch aus, fühlt sich aber gut an. Auch nach mehreren Stunden Dauernutzung drückte nichts. Allerdings wird es unter der Brille recht warm.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. lustiges Spielzeug
schwallofix5000 22.01.2015
interessant wäre zu erfahren ob eine Sehschwäche (z.b. kurzsichtigkeit), durch Samsung Brille korrigiert werden kann. Denn ich bezweifle das man seine eigene Brille darunter tragen kann.
2. Alter Hut?
nickmason 22.01.2015
Ich bin immer wieder erstaunt, dass es bislang keine serienreifen Produkte gibt. Habe eine solche Brille das erste Mal 1992(!) auf der Expo in Sevilla getestet, und war wie alle anderen Besucher auch extrem beeindruckt. Damals hieß es: in wenigen Jahren kann das jeder für zu Hause kaufen. Das ist jetzt 23 Jahre her, getan hat sich seitdem verblüffend wenig.
3.
alfamo 22.01.2015
Ich habe in einem anderen Testbericht gelesen, dass man seine eigene Brille darunter tragen kann. Bin schon gespannt auf richtig fertige Produkte, vor allem das von oculus. Nett sich auszumalen was in Zukunft alles möglich sein könnte.
4. Ne, sicher nicht
BSPollux 23.01.2015
Zitat von nickmasonIch bin immer wieder erstaunt, dass es bislang keine serienreifen Produkte gibt. Habe eine solche Brille das erste Mal 1992(!) auf der Expo in Sevilla getestet, und war wie alle anderen Besucher auch extrem beeindruckt. Damals hieß es: in wenigen Jahren kann das jeder für zu Hause kaufen. Das ist jetzt 23 Jahre her, getan hat sich seitdem verblüffend wenig.
Ganz sicher haben sie 1992 keine VR-Brille mit vergleichbarer Technik getestet. Nicht alles was auf der Nase sitzt und Bilder erzeugt funktioniert gleich.
5. wow, Microsoft zündet bereits die nächste Stufe...
fessi1 23.01.2015
und der Redakteur begeistert sich am Altmetall.
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