Virtual-Reality-Brille von Samsung Smartphone an, Wirklichkeit aus

Handy einstecken, ab in fiktive Welten: Samsung bringt die erste marktreife Virtual-Reality-Brille in den Handel. Ist das die Zukunft der Unterhaltung? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

Sehen komisch aus und machen Spaß: VR-Brillen von Samsung (l.) und Oculus
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Sehen komisch aus und machen Spaß: VR-Brillen von Samsung (l.) und Oculus

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1. Was ist eigentlich Virtual Reality (VR)?

Matthias Kremp: Virtual Reality, die virtuelle Realität, versucht reale oder auch Fantasiewelten im Computer nachzubilden und über spezielle Ausgabegeräte für den Nutzer erlebbar zu machen. Im Idealfall wähnt sich der Anwender tatsächlich in der virtuellen Realität, agiert dort, als wäre er wirklich da.

Von diesem Idealbild ist die aktuelle Technik noch weit entfernt. Derzeit bieten VR-Brillen die beste Möglichkeit, sich in eine VR zu begeben. Manche nutzen Rechenleistung, Speicher, Sensoren und Bildschirm eines Smartphones, um virtuelle Welten entstehen zu lassen. So hat es Google mit seinem Project Cardboard vorgemacht.

Die Brille selbst dient dazu, das Bildschirmbild über spezielle Linsen zu den Augen zu führen, sodass ein räumlicher Effekt entsteht. Ein an der Seite montierter Magnet dient dazu, Menüpunkte im VR-Bild auszuwählen. Einfache VR-Brillen kann man sogar aus Pappkartons bauen, wie hier in Bildern vorgeführt:

Samsungs Gear VR hingegen hat ein paar eigene Sensoren. Die kommunizieren über die USB-Buchse mit dem Handy und beziehen von dort auch Strom. Durch diesen Trick werden Bewegungen von der Gear VR besonders schnell auf die virtuelle Welt übertragen.

Markus Böhm: Das Besondere bei VR-Apps ist das Gefühl von Präsenz. Spiele sind nicht nur in 3D, wie beim 3D-Kino, sondern man kann sich auch darin umgucken, da die Brillen Kopfbewegungen in alle Richtungen registrieren. VR lässt sich schwer beschreiben, im Prinzip hilft nur, sie selbst auszuprobieren.

2. Was ist besonders an Sam sungs Gear VR?

Matthias Kremp: Samsungs Gear VR ist die erste relevante VR-Brille mit eigener Technik, die wirklich in den Handel kommt: Bislang ließen sich zwar Testversionen von Brillen wie der Oculus Rift bestellen, diese waren jedoch nicht für Endkunden ausgelegt. Auch von der Gear VR wurden sogenannte Innovator Editions verkauft, Vorabversionen für Enthusiasten und Softwareentwickler. Wir haben das Gerät bereits im Januar getestet. Hier der Test in Bildern:

Irgendwann im Dezember soll die neue Version der Brille nun zum Beispiel auch in Elektromärkten angeboten werden, für voraussichtlich 99 Euro. In den USA ist die Gear VR schon seit Freitag im Handel.

3. Ist die Gear VR nicht dasselbe wie Googles VR-Brille aus Pappe - nur teurer?

Markus Böhm: Das könnte man auf den ersten Blick meinen - mit der Gear VR sind aber runder wirkende VR-Erlebnisse möglich. Das liegt daran, dass sie eigene Sensoren an Bord hat, konkret einen Beschleunigungssensor, einen Lagesensor und einen Näherungssensor. Mit dem Oculus Store hat die Brille auch einen eigenen App-Store, in dem man Apps bekommt, die exklusiv auf der Gear VR laufen.

Matthias Kremp: Unterschätzen sollte man Google Cardboard aber nicht. Die Pappbrille läuft zumindest mit wirklich vielen Smartphones und zum ersten Ausprobieren reicht sie allemal. Bei mir wird sie regelmäßig von Kollegen ausgeliehen, die "nur mal gucken" wollen. Bei Versendern wie Amazon gibt es Cardboard-Brillen auch schon für ein paar Euro.

4. Wie unterscheidet sich die neue Gear VR von den Vorabversionen?

Matthias Kremp: Das neue Modell ist etwas leichter als sein Vorgänger, soll dank eines größeren Touchpads einfacher zu bedienen sein. Und es ist mit 99 Euro billiger als die Testmodelle. Benutzen kann man die Brille nur mit dem Galaxy S6 edge+, S6 und S6 edge. Ebenfalls kompatibel ist das in Deutschland nicht angebotene Galaxy Note 5. Das Note 4 dagegen wird vom neuen Modell nicht mehr unterstützt.

Markus Böhm: In ersten Tests aus den USA, etwa von "Wired", heißt es, die neue Brille ziehe etwas weniger am Akku als die Vorabmodelle und werde nicht mehr ganz so schnell warm. Die Überhitzung war bislang ein Problem, offenbar wurde es auch jetzt noch nicht komplett gelöst.

5. Welche Apps gibt es für die Gear VR?

Markus Böhm: Das App-Angebot ist in den letzten Wochen spürbar umfangreicher geworden, vermutlich mit Blick auf den Marktstart in den USA. Mittlerweile gibt es ein paar Dutzend brauchbare Programme, wenngleich viele noch immer eher Demos oder Ideenskizzen sind.

Hier einige Beispiele für Gear-VR-Apps in Bildern:

Mein bisheriges Highlight ist das Krimispiel "Dead Secret". Das Spiel ist nicht wirklich gruselig, mich hat es aber tief in seinen Bann gezogen. Ich stand stellenweise allein in der Mitte meines Wohnzimmers und habe zur eigenen Beruhigung laut gedacht, wo ich nun als Nächstes hingehe.

6. Wie sieht es abseits von Spielen aus?

Markus Böhm: Schwer vorherzusagen, wann Chat-Apps wie "Oculus Social" ein breites Publikum erreichen. Bislang ist in den Chaträumen wenig los. Die Gear VR ist aber gut zum Filmgucken geeignet, allein wie gemeinsam: Apps wie die von Netflix und "Oculus Cinema" simulieren große Fernseher und Kinosäle, das ist beeindruckend. Gleichzeitig merkt man immer, dass man eine große, schwere Brille im Gesicht hat. Mehr als eine Serienepisode halte ich damit selten durch.

7. Ist die Gear VR ihre 99 Euro wert?

Markus Böhm: Ich nutze die Innovators Edition der Brille jetzt seit ein paar Monaten. Nicht ständig, aber immer wieder. Insgesamt bin ich angetan: Die Bedienung ist superleicht. 99 Euro finde ich einen fairen Preis, sofern man ein kompatibles Handy besitzt.

Ein neues Handy würde ich mir wegen der Gear VR aber nicht kaufen. Ich würde die Startphase der VR-Brillen mit der der Nintendo Wii vergleichen: Es ist eine neue Spielerfahrung, mit der man auch Nicht-Gamer beeindrucken kann. Ein Spiel auf dem Niveau von "Super Mario" gibt es bislang aber nicht - und vermutlich wird es noch dauern, bis VR-Spiele dieser Spieldauer und Qualität erscheinen.

Auch bis zum Massenmarkt-Durchbruch wird wohl noch einige Zeit vergehen: Durch die Beschränkung auf teure Android-Handys dürfte die Gear VR vorerst nur in der Nische Erfolg haben.

8. Wie gut kommen Einsteiger mit der Brille klar?

Markus Böhm: Man steckt einfach sein Handy in die Brille, und alles startet von selbst. Neben mir haben viele Freunde die Gear VR aufgehabt, die meisten ohne vorherige VR-Erfahrung. Fasziniert waren eigentlich alle, ein wenig schlecht geworden ist manchem Tester bei bewegungslastigen Spielen wie "Temple Run VR".

Eine kleine Hürde ist, dass man manche Apps nur per Gamepad steuern kann. Die Erfahrung ohne Gamepad ist mitunter kurios: Da steht man etwa in "Oculus Arcade" vor einem virtuellen "Sonic"-Spielautomaten und kann das Spiel starten, aber nicht beeinflussen.

9. Sollte man nicht lieber versuchen, an eine Oculus Rift zu kommen?

Matthias Kremp: Zumindest für die Entwicklerversion braucht man starke Nerven. Als ich die Rift zum ersten Mal installieren wollte, war das ein stundenlanges Gefummel. Das fängt mit den vielen Kabeln an: Wie nervig! Die Brille muss an HDMI und USB gestöpselt, dann noch mit dem Netzteil verbunden werden. Als ich dann auch noch die Bewegungskamera angeschlossen hatte, waren beide USB-Anschlüsse meines Notebooks belegt, und vor mir schlängelten sich diverse Strippen.

Richtig schlimm war dann die Software-Installation: Was brauche ich dafür? Wo bekomme ich die nötigen Treiber und in welcher Reihenfolge muss ich die installieren? Viel Hilfe dazu gab es bei Oculus nicht.

Markus Böhm: Ich weiß nicht, ob sich Warten auf die Rift lohnt. Der Gear VR fehlt zwar das coole Positions-Tracking der Oculus-Brille, das zum Beispiel das Vorbeugen im Spiel ermöglicht, und natürlich ist die Rift dank der PC-Verbindung technisch leistungsfähiger. Dafür hat man bei der Samsung-Brille aber auch kein Kabelchaos. Ein Drehstuhl ist für VR übrigens extrem praktisch.

10. Wie steht es denn um die restlichen VR-Brillen?

Matthias Kremp: Qualitativ die beste VR-Brille für Smartphones ist meiner Meinung nach die VR One von Zeiss. Das Optik-Unternehmen hat spezielle Linsen entwickelt, mit denen man immer ein scharfes Bild sieht, ohne sie an den Augenabstand anpassen zu müssen. Subjektiv habe ich das Gefühl, mit diesem Modell die besten Bildqualität zu bekommen.

Außerdem ist es vergleichsweise flexibel, es kann mit iPhones und mehreren Galaxy-Smartphones benutzt werden. Mit einem 3D-Drucker kann man sich sogar einen passenden Einschub für andere Handys herstellen. Eigene Sensoren, wie die Gear VR, hat die VR One aber nicht an Bord.

Spannend wird auch HTCs Vive, hinter der der Spielehändler und -hersteller Valve steckt. Als ich sie ausprobiert habe, war ich beeindruckt von der grafischen Qualität und der Geschwindigkeit. Vor allem aber ist das Spielerlebnis hier ein ganz anderes, weil man sich weitgehend frei im Raum bewegen kann. So fühlt sich die virtuelle Realität noch echter an.

Erste Exemplare der Vive sollen angeblich schon bald in den Handel kommen, ein genaues Datum oder ein Preis sind aber nicht bekannt. Wie die Oculs Rift wird die Vive wird wohl einige Hundert Euro kosten und einen Highend-PC benötigen, ein Smartphone reicht nicht.


Zusammengefasst: Die Samsung Gear VR erscheint im Dezember in Deutschland. Sie kostet 99 Euro und ist die erste relevante VR-Brille mit eigener Technik, die wirklich marktreif und einsteigerfreundlich ist. Leider ist sie nur mit vier Samsung-Geräten kompatibel.

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Seite 1
ernieb 23.11.2015
1. Sobald die Technik
Interessante Technik. Interessanter Preis. Das Ding hätte riesen Potential. Leider wird es von Samsung benutzt um ihre Highend Phones zu vermarkten. Am Ende zähl die auswahl an Software. Vielleicht gibt es bald Mods von Bastlern/Hackern, die es auch ermöglichen, die Brille auf anderen Geräten laufen zu lassen. Sollte das möglich sein, wird sie sicher ein Verkaufsschlager. So wird der Erfolg eher mäßig bleiben, denke ich.
osmanian 23.11.2015
2. Im Rauschzustand
Wenn man das Erlebnis im Rauschzustand erlebt, dann ist das ja echt krass. Dann würde man sich nicht Virtuell sondern wirklich in dieser Welt sehen. Vielleicht wäre es ein sehr guter Terapiemöglichkeit für manche Kranke Menschen, oder Empatie-Arme ect..Das könne man gut in die Gesundheitswesen einbringen
Wilbur_Walsh 23.11.2015
3. Innovator edition nur online erhältlich ?
Die Gear VR Innovator edition war nur online erhältlich ? Komisch, ich habs sie im Saturn gekauft (Note 4).
wanderer777 23.11.2015
4. Nix für 7 Zoll Tablets
Ich nutze ein 7 Zoll Tablet und habe bisher nicht EIN EINZIGES passendes Cardboard bzw VR Kit dafür gefunden. Habe deshalb entschlossen, diesen Trend auszusetzen.
valmorphanize 23.11.2015
5. Neue Art von Spielzeug
Habe schon verschiedene Konzepte von VR ausprobiert: Die Variante mit Smartphones und Programmen als APP ist für den Consumer Markt am besten, da gnadenlos einfach und kabellos. Das wichtigste ist die Auflösung des Handys, selbst bei einem FullHD Telefon stören die sichtbaren Pixel, da es ja nur ca. 12cm vom Auge weg ist. Hier ist für ein echtes "Eintauchen" zwingend ein high End Gerät notwendig! S6 mit 1440p oder am allerbesten Sony Z5 Premium mit 4K Display. Nachteilig bei den Smartphonsystemen ist die hohe Latenzzeit, d.h. die Zeit zwischen der Kopfbewegung und der Umsetzung der Bewegung auf dem Display, da wird einem schon mal schwummrig. Weiter ist die Graphik der Spiele noch nicht so dolle, wohl um auf vielen (nicht high End-) Smartphones lauffähig zu bleiben. Beachtenswert sind auch die Linsen, da verwenden mache Hersteller plankonvexe und manche bikonvexe, da kann ich aber keine Aussage bezüglich besser oder schlechter treffen. Um Spiele "richtig" spielen zu können benötigt man noch einen BT-Contoller um Aktionen ausführen zu können oder in Menüs umher zu switchen. Leider sind nicht alles Spiele mit allen Controllern kompatibel oder manche Smartphones erkennen einige Controller einfach nicht, sehr frustrierend. Also wenn die Technik mal richtig fertig entwickelt ist, wird es sicher einen rießen Spaß machen, derzeit ist man noch ein echter Abenteurer wenn man sich damit auseinander setzt.
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