Von Matthias Kremp
Der Name geht schon mal gar nicht: 900X3A heißt das neue edle, superflache Hightech-Notebook von Samsung. 900X3A. So kann man vielleicht den Verschlussnippel einer Kugelkopfdichtung bezeichnen, aber keinen Lifestyle-Laptop, der es mit dem derzeit wohl populärsten Leichtbau-Notebook aufnehmen soll. Denn das hat einen Namen, der in sich trägt, was das Gerät auszeichnet. MacBook Air hat Apple seinen Top-Seller genannt und damit klargemacht, dass dieses Gerät so leicht wie Luft sein soll.
Das ist natürlich maßlos übertrieben, der Name prägt sich aber ein. Apples Leicht-Laptop ist ein Top-Seller. Und der US-Konzern scheint optimistisch zu sein, sich noch steigern zu können. Einem Bericht der "Digitimes" zufolge hat Apple bei seinen Zulieferern in Taiwan mehr als acht Millionen Exemplare des MacBook Air geordert, mehr als doppelt so viele wie im Quartal zuvor. Die meisten davon dürften zudem neue Modelle sein, die im Juli erwartet werden.
Vieles von dem, was die Gerüchteköche für die künftigen Apple-Notebooks prognostizieren, hat Samsungs Unterwegscomputer bereits jetzt eingebaut. Zum Beispiel den schnellen Core-I5-Prozessor von Intel. Apple verwendet - bislang -Intels alte Core-2-Duo-Chips und liegt damit leistungsmäßig auf einem eher bescheidenen Niveau. Allerdings tickt der Intel-Chip im 900X3A auch nur mit bescheidenen 1,4 GHz. Per Turbo-Boost kann er aber auf Frequenzen von bis zu 2,3 GHz hochgetaktet werden, wenn nötig. Die Automatik schaltet die Taktfrequenz automatisch wieder herunter, sollte die Hitzeentwicklung zu groß werden.
Glanz ohne Spiegel
Im alltäglichen Umgang mit Webbrowser und Bürosoftware bekommt man davon freilich kaum etwas mit. Viel deutlicher macht sich dabei bemerkbar, dass Samsung ebenso wie Apple eine Flash-Festspeicherplatte (SSD) als Massenspeicher verwendet. Die kann das Betriebssystem im Samsung zwar nicht ganz so schnell starten wie jene im MacBook Air, katapultiert Windows 7 aber doch in weniger als 20 Sekunden in einen betriebsbereiten Zustand und startet Programme rasend schnell.
Während das MacBook Air in dieser Disziplin noch locker mithalten kann, muss es sich in fast allen anderen Bereichen dem 900X3A geschlagen geben. Einen Bildschirm, wie ihn Samsung benutzt, würde man sich bei Apple wenigstens als Option wünschen. Der Samsung-Bildschirm hat zwar dieselbe Größe (13,3 Zoll) und fast dieselbe Auflösung (1366 x 768 Pixel) wie der des MacBook Air, aber er ist wunderbar entspiegelt. Wie sehr man das angesichts der derzeit fast immer hochglänzend gebauten Displays vermisst, merkt man erst, wenn man wieder an so einem Bildschirm sitzt und feststellt, wie angenehm ruhig so ein Display ohne Reflektionen von Bürolampen oder strahlenden Zentralgestirnen aussieht.
Apple liefert Ethernet nur gegen Aufpreis
Ein weiterer Punkt, in dem das Samsung Apples Vorlage übertrifft, wenn auch nur leicht, sind seine Anschlüsse. Die sind zwar auch sehr sparsam angebracht, dafür aber moderner. So ist einer der beiden USB-Ports bereits mit der schnellen USB-3.0-Technik nutzbar. Außerdem liegt dem Gerät ein Adapter für Kabel-Netzwerke bei, der auch mit Gigabit-Netzen klarkommt. Beim Apple-Modell muss man 29 Euro Aufpreis für einen vergleichbaren USB-auf-Ethernet-Adapter zahlen, der allerdings nur 100-Megabit schnell ist.
Und schließlich bietet das 900X3A etwas, was dem MacBook Air bedauerlicherweise fehlt und lange ein Alleinstellungsmerkmal von Apples Pro-Notebooks war: Die Tastatur ist beleuchtet, man kann auch in abgedunkelten Räumen alle Tasten noch zuverlässig identifizieren. Bisher ließ sich vermuten, Apple habe darauf verzichtet, um Strom zu sparen und so die Laufzeit zu verlängern. Das Samsung 900X3A beweist nun aber, dass dem nicht so sein muss. Gut sieben bis acht Stunden hielt es im Test fast immer durch, außer, es wurde mit dem stundenlangen Abspielen von Full-HD-Filmen malträtiert. Länger kommt auch ein MacBook Air nicht ohne Steckdose aus.
Wer hat die Nase vorn?
Am Ende hat es das 900X3A nicht schwer, seine Stärken gegenüber Apple auszuspielen. Es ist ungefähr genauso dünn, ebenso leicht und dank Duraluminium-Gehäuse ebenso stabil wie ein MacBook Air. Dank SSD-Festplatte startet es Windows und Programme sekundenschnell, übertrumpft Apples Leichtbau-Laptop bei der Leistung klar. Damit nicht genug, wird es mit doppelt so viel Speicher (4 statt 2 GB) ausgeliefert. Samsung gibt drei Jahre Garantie, Apple nur ein Jahr.
Pragmatisch betrachtet ist Samsungs 900X3A demnach ein Gewinner, lässt Apples Vorbild in mehreren Disziplinen hinter sich - außer beim Preis. Während das Samsung-Model rund 1500 Euro kostet, bekommt man ein vergleichbares, auf 4 GB Arbeitsspeicher aufgerüstetes, MacBook Air bei Apple schon für 1400 Euro. Schließt man aber zusätzlich Apples auf drei Jahre angelegte Garantieverlängerung AppleCare Protection Plan ab, kehrt sich das Verhältnis um, und man wird mit 1650 Euro zur Kasse gebeten. Kauft man aber statt der Apple-Garantie das vergleichbare Safety Pack Plus bei der Apple-Handelskette Gravis, wird es wieder billiger, und man landet bei denselben rund 1500 Euro, die man bei Samsung zahlt.
Doch Rechnerei hin oder her: Am Ende steht ein klarer Gewinner auf dem Podest: Samsungs 900X3A. War das MacBook Air bisher auch für Windows-Nutzer attraktiv, weil man darauf eben auch Windows installieren kann, bekommt man mit Samsungs Flunder jetzt das bessere Gesamtpaket.
Außer natürlich, man ist Mac-Anwender.
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