Samsung-Notebook 900X3A: Turbo-Flunder auf der Überholspur

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Schafft Samsung, was Apple vorgemacht hat? Das 900X3A soll eine Art MacBook Air für PC-Nutzer sein: superflach, leicht, schnell, elegant und robust. Wir haben ausprobiert, ob Samsungs Air-Rivale gelungen ist.

Samsung 900X3A: Koreas Antwort auf das MacBook Air Fotos
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Der Name geht schon mal gar nicht: 900X3A heißt das neue edle, superflache Hightech-Notebook von Samsung. 900X3A. So kann man vielleicht den Verschlussnippel einer Kugelkopfdichtung bezeichnen, aber keinen Lifestyle-Laptop, der es mit dem derzeit wohl populärsten Leichtbau-Notebook aufnehmen soll. Denn das hat einen Namen, der in sich trägt, was das Gerät auszeichnet. MacBook Air hat Apple seinen Top-Seller genannt und damit klargemacht, dass dieses Gerät so leicht wie Luft sein soll.

Das ist natürlich maßlos übertrieben, der Name prägt sich aber ein. Apples Leicht-Laptop ist ein Top-Seller. Und der US-Konzern scheint optimistisch zu sein, sich noch steigern zu können. Einem Bericht der "Digitimes" zufolge hat Apple bei seinen Zulieferern in Taiwan mehr als acht Millionen Exemplare des MacBook Air geordert, mehr als doppelt so viele wie im Quartal zuvor. Die meisten davon dürften zudem neue Modelle sein, die im Juli erwartet werden.

Vieles von dem, was die Gerüchteköche für die künftigen Apple-Notebooks prognostizieren, hat Samsungs Unterwegscomputer bereits jetzt eingebaut. Zum Beispiel den schnellen Core-I5-Prozessor von Intel. Apple verwendet - bislang -Intels alte Core-2-Duo-Chips und liegt damit leistungsmäßig auf einem eher bescheidenen Niveau. Allerdings tickt der Intel-Chip im 900X3A auch nur mit bescheidenen 1,4 GHz. Per Turbo-Boost kann er aber auf Frequenzen von bis zu 2,3 GHz hochgetaktet werden, wenn nötig. Die Automatik schaltet die Taktfrequenz automatisch wieder herunter, sollte die Hitzeentwicklung zu groß werden.

Glanz ohne Spiegel

Im alltäglichen Umgang mit Webbrowser und Bürosoftware bekommt man davon freilich kaum etwas mit. Viel deutlicher macht sich dabei bemerkbar, dass Samsung ebenso wie Apple eine Flash-Festspeicherplatte (SSD) als Massenspeicher verwendet. Die kann das Betriebssystem im Samsung zwar nicht ganz so schnell starten wie jene im MacBook Air, katapultiert Windows 7 aber doch in weniger als 20 Sekunden in einen betriebsbereiten Zustand und startet Programme rasend schnell.

Während das MacBook Air in dieser Disziplin noch locker mithalten kann, muss es sich in fast allen anderen Bereichen dem 900X3A geschlagen geben. Einen Bildschirm, wie ihn Samsung benutzt, würde man sich bei Apple wenigstens als Option wünschen. Der Samsung-Bildschirm hat zwar dieselbe Größe (13,3 Zoll) und fast dieselbe Auflösung (1366 x 768 Pixel) wie der des MacBook Air, aber er ist wunderbar entspiegelt. Wie sehr man das angesichts der derzeit fast immer hochglänzend gebauten Displays vermisst, merkt man erst, wenn man wieder an so einem Bildschirm sitzt und feststellt, wie angenehm ruhig so ein Display ohne Reflektionen von Bürolampen oder strahlenden Zentralgestirnen aussieht.

Apple liefert Ethernet nur gegen Aufpreis

Ein weiterer Punkt, in dem das Samsung Apples Vorlage übertrifft, wenn auch nur leicht, sind seine Anschlüsse. Die sind zwar auch sehr sparsam angebracht, dafür aber moderner. So ist einer der beiden USB-Ports bereits mit der schnellen USB-3.0-Technik nutzbar. Außerdem liegt dem Gerät ein Adapter für Kabel-Netzwerke bei, der auch mit Gigabit-Netzen klarkommt. Beim Apple-Modell muss man 29 Euro Aufpreis für einen vergleichbaren USB-auf-Ethernet-Adapter zahlen, der allerdings nur 100-Megabit schnell ist.

Und schließlich bietet das 900X3A etwas, was dem MacBook Air bedauerlicherweise fehlt und lange ein Alleinstellungsmerkmal von Apples Pro-Notebooks war: Die Tastatur ist beleuchtet, man kann auch in abgedunkelten Räumen alle Tasten noch zuverlässig identifizieren. Bisher ließ sich vermuten, Apple habe darauf verzichtet, um Strom zu sparen und so die Laufzeit zu verlängern. Das Samsung 900X3A beweist nun aber, dass dem nicht so sein muss. Gut sieben bis acht Stunden hielt es im Test fast immer durch, außer, es wurde mit dem stundenlangen Abspielen von Full-HD-Filmen malträtiert. Länger kommt auch ein MacBook Air nicht ohne Steckdose aus.

Wer hat die Nase vorn?

Am Ende hat es das 900X3A nicht schwer, seine Stärken gegenüber Apple auszuspielen. Es ist ungefähr genauso dünn, ebenso leicht und dank Duraluminium-Gehäuse ebenso stabil wie ein MacBook Air. Dank SSD-Festplatte startet es Windows und Programme sekundenschnell, übertrumpft Apples Leichtbau-Laptop bei der Leistung klar. Damit nicht genug, wird es mit doppelt so viel Speicher (4 statt 2 GB) ausgeliefert. Samsung gibt drei Jahre Garantie, Apple nur ein Jahr.

Pragmatisch betrachtet ist Samsungs 900X3A demnach ein Gewinner, lässt Apples Vorbild in mehreren Disziplinen hinter sich - außer beim Preis. Während das Samsung-Model rund 1500 Euro kostet, bekommt man ein vergleichbares, auf 4 GB Arbeitsspeicher aufgerüstetes, MacBook Air bei Apple schon für 1400 Euro. Schließt man aber zusätzlich Apples auf drei Jahre angelegte Garantieverlängerung AppleCare Protection Plan ab, kehrt sich das Verhältnis um, und man wird mit 1650 Euro zur Kasse gebeten. Kauft man aber statt der Apple-Garantie das vergleichbare Safety Pack Plus bei der Apple-Handelskette Gravis, wird es wieder billiger, und man landet bei denselben rund 1500 Euro, die man bei Samsung zahlt.

Doch Rechnerei hin oder her: Am Ende steht ein klarer Gewinner auf dem Podest: Samsungs 900X3A. War das MacBook Air bisher auch für Windows-Nutzer attraktiv, weil man darauf eben auch Windows installieren kann, bekommt man mit Samsungs Flunder jetzt das bessere Gesamtpaket.

Außer natürlich, man ist Mac-Anwender.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Äpfel und Birnen?
cor 06.07.2011
Hier werden meiner Meinung nach Äpfel und Birnen verglichen. Gibt es so viele Leute, die vor der Entscheidung zwischen MacBook und Notebook stehen? Die OS unterscheiden sich grundsätzlich stark und imho weiss man schon vorher, auf welchem System man arbeiten möchte. Oder sehe ich das falsch?
2. Samsung vs. Apple
bpilgrim 06.07.2011
Zum Vergleich mit dem MacBook Air muss aber fairerweise gesagt werden, dass Apple sehr wahrscheinlich noch im Juli neue Modelle vorstellen wird.
3. der Vergleich hinkt etwas
the_flying_horse 06.07.2011
Ohne jetzt für das eine oder andere Partei ergreifen zu wollen: der Vergleich mit dem MacBookAir hinkt etwas, weil hier ein komplett neues Gerät mit einem schon länger am Markt befindlichen (das kurz vor der Ablösung steht) verglichen wird. Da ist das neue zwangsläufig besser... Qualitätsjournalismus sieht anders aus... oder anders ausgedrückt: liebe Leute von SPON, überlasst solche Themen lieber den Kollegen von heise, die kennen sich da bedeutend besser mit aus.
4. Safety Pack bei was?
chrome_koran 06.07.2011
Dass das "Safety Pack" der im Artikel - aus welchem Grund auch immer - namentlich genannten, *schweren* Handelskette nicht auch nur entfernt mit Apple Care vergleichbar ist, weiß jeder, der beide Versicherungen schon mal in Anspruch nehmen durfte. Bei Apple ist man mit AppleCare Kunde erster Klasse, am Telefon kommen schnell und freundlich kompetente und hilfreiche Antworten, es wird nicht selten schon mal vorab ein Austauschgerät geschickt, defektes Gerät abgeholt, defekte Teile (Batterie, Kopfhörer, Dock…) ausgetauscht, ohne dass der Kunde die alten Teile zurücksenden muss, und und und. Das ist nicht billig, aber im Endeffekt preis-wert. Zu den entsprechenden Abläufen bei der *schweren" Kette schweige ich lieber, um möglichen Konflikten und Klagen aus dem Weg zu gehen.
5. Turbo Flundern haben auch andere
sjarndt 06.07.2011
Also auch andere haben mittlerweile recht hochwertige "Turbo-Flundern" im Angebot. Also ich habe sowohl ein Airbook (alt) welches in der Tat mittlerweile in puncto Performance hinterherhinkt und das neue Dell Vostro V130 mit einem Intel i5 Prozessor, der dem flachen und recht kleinen Teil ordentlich Dampf macht. Insofern vor allem vor dem Hintergrund des attraktiven Preises sicherlich eine nennenswerte Alternative. Mehr zu meinen persönlichen Erfahrungen unter: http://nahklick.wordpress.com/2011/07/06/dell-vostro-v130-mit-intel-i5/
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