Samsung NX100 vs. Nikon P7000 Viel Bildsensor für wenig Geld

Gleich schwer, ähnlich teuer, aber völlig unterschiedliche Aufnahmetechnik: Nikon stellt eine Edel-Kompaktkamera mit winzigem Bildsensor vor, Samsung bietet eine Systemkamera mit großem Sensor zum Kampfpreis - ein Vergleich der Fotozwerge.

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SPIEGEL ONLINE

Warum gibt es diese Kamera eigentlich? Nikons neue Edel-Kompakte P7000 kostet sogar etwas mehr als Samsungs Kompaktkamera NX100 mit einem Standardzoom-Objektiv, wiegt genauso viel, doch der Bildsensor ist ein völlig anderer: In der Nikon-Kamera digitalisiert ein 0,43 Quadratzentimeter kleiner Sensor das einfallende Licht, der Sensor in der Samsung-Kamera ist acht mal größer. Ein Fotosensor in der Größe ist sonst fast nur in Spiegelreflexkameras zu finden.

In der Praxis bedeutet das: Die Bildqualität ist auch bei Dämmerlicht erheblich besser, man kann die Schärfe bewusst auf einzelne Bildebenen legen und den Rest verschwimmen lassen (je kleiner die Sensoren, desto durchgehender die Schärfe). Nun macht ein großer Sensor allein eine Kamera nicht für bestimmte Nutzer zum idealen Werkzeug - da gibt es noch ein paar andere Details.

Ausstattung: Samsung spart sich den Blitz

Was sofort ausfällt: Bei der NX100 hat Samsung einen integrierten Blitz eingespart. Einen optischen Sucher (hilfreich bei starkem Licht) hat die Samsung-Kamera ebenso wenig. Die Nikon P7000 bietet beides, wobei man an der Nützlichkeit des Suchers zweifeln kann. Wegen des eingeschränkten Sichtfelds (etwa 80 Prozent des tatsächlich aufgenommenen Bildes zeigt das Sucherbild) kann man mit diesem Hilfsmittel nur grob festlegen, dass auf ein Motiv auf der Aufnahme zu sehen ist - feinere Komposition ist mit dem Nikon-Sucher kaum möglich. Für die Samsung NX100 ist ein elektronischer Sucher als Zubehör erhältlich, ein Aufsteck-Blitz ebenso.

Ein wesentlicher Unterschied bei der Ausstattung ist die Optik: Die Nikon P7000 hat ein fest verbautes Objektiv mit Siebenfach-Zoom und einer recht großen maximalen Blendenöffnung (f/2,8), die recht viel Licht einfallen lässt. Der Vergleich zur Samsung-Kompaktkamera ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick (gleicher Preis, größerer Bildsensor) scheint: Bei der Samsung NX100 können Fotografen die Objektive wechseln. Die Auswahl für das Samsung-eigene Bajonett ist derzeit aber noch recht überschaubar.

Das Kampfpreis-Paketangebot (ab 419 Euro derzeit) bündelt das NX100-Gehäuse mit einem Minimal-Zoomobjektiv (2,5-fach) mit mäßiger maximaler Blendenöffnung (f/3,5). Mit diesem Objektiv lässt es sich nicht ganz so frei mit selektiver Schärfe arbeiten, da ist das gut 100 Euro teurere Paket mit der Standard-Festbrennweite (20 mm, 30,8 mm kleinbildäquivalent) die bessere Wahl.

Bedienung: Große Gehäuse, viele Schalter

Die Bedienung ist bei beiden Kompakten hervorragend gelöst. Trotz der kleinen Gehäuse lassen sich sowohl bei der Nikon P7000 als auch bei Samsungs NX100 alle wesentlichen Details zur Bildgestaltung über fest belegte oder belegbare Knöpfe oder Drehschalter verändern.

Samsung hat den im Paket mit der NX100 angebotenen Objektiven eine interessante Lösung für das Bedienproblem der kompakten Systemkameras verpasst: Ein Drehrad am Objektiv lässt sich zusätzlich als Einstellwerkzeug für alle möglichen Funktionen nutzen - Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Blendenwert. Man aktiviert diese Funktionen mit einem kleinen Zusatzknopf am Objektiv.

Die Idee ist nicht neu, die Canon S90 hatte eine ähnliche Bedienung, aber sie funktioniert gut. Nikon hat ein ähnliches Bediensystem in einem zusätzlichen Drehrad an der Oberseite des Gehäuses untergebracht - das funktioniert beides sehr gut, trotz des kleinen Gehäuses kann man an beiden Kameras nach etwas Einarbeitung alle Funktionen schnell aufrufen.

Leistung: schneller Autofokus, lahme Rohdatenverarbeitung bei Nikon

Die Geschwindigkeit des Autofokus ist bei spiegellosen Kameras wie der NX100 ein heikler Punkt: Diese Geräte müssen eine andere Technik nutzen als Spiegelreflex-Kameras, und dieser kontrastbasierte Autofokus ist manchmal zu langsam. Nicht jedoch bei der Samsung NX100 - hier stellte die Fokusautomatik am Tag, aber auch in der Dämmerung recht schnell und zuverlässig scharf, fokussiert auch bestimmte Bildbereiche, wenn man die Einstellungen entsprechend ändert. Die NX100 ist auch sehr schnell aufnahmebereit - wenn man als Objektiv die Festbrennweite statt der Zoomoptik nutzt, die erst entriegelt werden muss. Die Nikon P7000 fokussiert schnell, das wegen des winzigen Bildsensors kleine Objektiv ist auch schnell einsatzbereit.

Ärgerlich ist bei der Nikon-Kompaktkamera allerdings die Geschwindigkeit, mit der Aufnahmen im Rohdatenformat gespeichert werden. Dieses Format, das bei der Bildbearbeitung viel Spielraum für Verbesserungen lässt, nutzen gerade anspruchsvollere Fotografen gerne. An die richtet sich sich diese 450-Euro-Kamera ja wohl. Das Problem: Bis die P7000 eine Aufnahme im Rohdatenformat gespeichert hat, vergehen ungefähr fünf Sekunden. Das ist bei Aufnahmen von Motiven in Bewegung eine Ewigkeit. Mit der Samsung NX100 konnten wir in vier Sekunden vier RAW-Aufnahmen belichten. Ähnlich schnell arbeitet zum Beispiel auch die Panasonic GF1.

Bildqualität und Fazit

Bei der Bildqualität zeigt sich der Nachteil des kleinen Bildsensors der Nikon P7000: Einerseits ermöglicht der kleine Sensor das leichte und kompakte Siebenfach-Zoomobjektiv. Bei der Bildgestaltung ist man da ein wenig freier, muss nicht ganz so viel laufen. Der Nachteil des kleinen Sensors ist, dass man die Schärfe in Aufnahmen nicht so selektiv auf bestimmte Bereiche legen kann wie bei der NX100 mit ihrem großen Bildsensor. Das ist natürlich bei allen vergleichbaren Kameras so - es gibt nicht eine Kamera, die alles gleich gut kann.

Bei Aufnahmen in der Dämmerung liefern die Kameras das durch die unterschiedlichen Sensorgrößen zu erwartende Ergebnis: Bei der Samsung NX100 fallen Bildstörungen auch bei höheren ISO-Empfindlichkeiten wie 800 nicht besonders auf. Bei der P7000 ist das Ergebnis aufgrund der hohen Dichte Fotodioden anfälliger für Bildrauschen, man sieht den Aufnahmen an, dass eine Software zur Rauschunterdrückung bei der Nikon stärker eingreift, was nicht nur Störungen, sondern auch Details der Aufnahme verwischt. Die Messergebnisse des Softwareanbieters DXOlabs (stellt einen Rohdatenentwickler her) bestätigen diesen Seheindruck.

Man kann sich durchaus vorstellen, dass Fotografen eine Kompaktkamera mit kleinem Sensor kaufen - als Alternative zum Immer-Dabeihaben zur Spiegelreflex oder zu kleinen, aber nicht Hemdentaschen-kompatiblen Systemkameras wie der Samsung NX100. Die Nikon P7000 taugt für einen solchen Einsatz aber nicht, sie hat zwar einen kleinen Sensor, aber auch ein klobiges Gehäuse. Die P7000 ist ähnlich groß und schwer wie die NX100. Natürlich erleichtert das die Bedienung - die Gestalter konnten viel mehr Schalter und Drehrädchen sinnvoll unterbringen.

Aber als Kaufargument taugt die gute Bedienbarkeit kaum, die bietet die Samsung NX100 auch, wer 100 Euro mehr ausgibt, bekommt diese Systemkamera im Paket mit einer lichtstarken Festbrennweite. Natürlich muss man dafür auf einen eingebauten Blitz und den Zoombereich der P7000 verzichten. Beide Kameras sind Kompromiss-Geräte, aber bei allen Einschränkungen erscheint Samsungs kompakte Systemkamera deutlich preiswerter.

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