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Samsung Smart TV: So schlau kann Fernsehen sein

Mit Smart TV sollen Internet und Apps auf den Fernseher kommen - so könnte die Glotze zum interaktiven Mitmach-Bildschirm werden. Ob das wirklich klappt, hat Matthias Kremp an einem superflachen Samsung-Modell ausprobiert.

Fernsehen mit Netz: Samsungs Smart TV Fotos
SPIEGEL ONLINE

Smart TV, das ist das Buzzword der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin. Gemeint sind damit Fernseher, die mehr können, als bloß das TV-Programm darzustellen. Schlau sollen sie sein, genau wie Smartphones einen Zugang zum Internet bieten und sich mit Apps um neue Funktionen erweitern lassen. Ein Oberklasse-Vertreter dieser Gattung netzbereiter Fernseher ist Samsungs UE46D8090, den der Hersteller als "Die Zukunft des Fernsehens" anpreist.

Wenn die Zukunft so aussieht wie dieses Gerät, dann soll sie ruhig kommen. Trotz seiner 46 Zoll Bildschirmdiagonale (117 Zentimeter) wirkt der 3-D-fähige Fernseher rank und schlank, wiegt viel weniger als man zunächst befürchtet. Nur wenige Zentimeter ist er dick, der Rahmen des Bildschirms mit fünf Millimetern so schmal, dass man ihn kaum wahrnimmt. Das Resultat dieses Design-Tricks: Man hat den Eindruck, das Bild würde frei im Raum schweben.

Das Bild des LED-TV, der auch 3D beherrscht, ist hervorragend: Schon in der Voreinstellung strahlen satte Farben ins Wohnzimmer, und auch das Schwarz ist richtig schwarz. Ein Lichtsensor regelt in Abhängigkeit vom Umgebungslicht die Helligkeit. Bei mir ist das wichtig, weil die Sonne Nachmittags und am frühen Abend mit voller Wucht seitlich auf die Bildfläche strahlt und ich sonst immer nachregeln müsste.

Offline-Videorecorder

Aber ums Fernsehen geht es bei diesem Test ja nicht. Ich will herausfinden, was Smart TV denn nun eigentlich ausmacht und ob man so etwas zu Hause haben will. Also drücke ich auf den mit "Smart" beschrifteten Knopf auf der Fernbedienung und sehe, wie sich meine TV-Welt verändert. Im Smart Hub, wie Samsung seine Web-Benutzeroberfläche nennt, schrumpft das aktuelle Fernsehbild zu einem kleineren Fenster. Prima, so kann ich Werbepausen überbrücken, ohne den Anschluss zu verpassen.

Vor allem aber bekomme ich von hier aus Zugriff auf die Multimediafunktionen - und das sind einige. So kann ich vom Hub aus auf meine Musiksammlung im Heimnetzwerk zugreifen und den Fernseher als übergroßen MP3-Player verwenden. Das funktioniert auch mit Videos und Fotos. Gut klappt das allerdings nur per Kabelnetzwerk. Über W-Lan gibt es bei HD-Videos regelmäßig Aussetzer. Außerdem kann ich vom Smart Hub aus auf die elektronische Programmzeitschrift (EPG) und den Videorekorder zugreifen, den das Gerät anbietet, sobald man eine USB-Festplatte anschließt.

Online-Videothek

So richtig smart wird das TV aber erst mit zusätzlichen kleinen Programmen, sogenannten Apps, von denen einige vorinstalliert und etliche nachladbar sind. So gibt es Apps für Skype - die passende Kamera kostet rund 140 Euro - Twitter und Facebook. Außerdem die unverzichtbaren Wetter-Apps, diverse Spiele und Video-Anwendungen, die zu Portalen wie YouTube führen.

Und es gibt Apps für Online-Videoverleihe wie Maxdome. Gerade letzteres ist eine echte Aufwertung, denn so kann man sich viele Kinofilme und Fernsehserien in HD-Qualität und wahlweise in englischer Originalfassung ausleihen. Der einzige Nachteil: Nur die jeweils 100 populärsten Filme, TV-Serien etc. sind bei Maxdome einfach wählbar. Alles weitere muss man umständlich über eine Suchfunktion finden, die per Bildschirmtastatur mit der Fernbedienung gesteuert werden will. Eine eigene Drahtlostastatur bietet Samsung auch an, aber die kostet noch mal 120 Euro. Bluetooth-Tastaturen anderer Hersteller akzeptiert das Gerät Samsung zufolge nicht. Bedienen lässt sich der Fernseher auch über entsprechende Apps für Samsung-Smartphones und Samsung-Tablets. Hier zeichnet sich eine neue Standardkombination fürs Wohnzimmer der Zukunft ab: Touchscreen auf dem Schoß, LED-Schirm an der Wand.

Das Tippen auf der Bildschirmtastatur aber funktioniert mindestens ebenso umständlich und zeitraubend wie die Eingabe von Internetadressen im Webbrowser, der zwar Flash beherrscht, aber trotzdem keinen Spaß macht. Und das nicht nur wegen der mühseligen Adresseingabe, sondern auch weil er langsam ist und beim Scrollen ruckelt.

Klicken, wenn der rote Knopf kommt

Wie gut, dass es stattdessen Apps gibt - und HbbTV, eine weitere Funktion, die in ein Smart TV gehört. HbbTV, Hybrid broadcast broadband Television, ist quasi der aufgebohrte Videotext-Nachfolger. Bietet ein Sender HbbTV-Inhalte an, wird das durch ein rotes Symbol auf dem Bildschirm angezeigt. Klickt man auf die entsprechende rote Taste auf der Fernbedienung, wird das jeweilige HbbTV-Angebot eingeblendet. Den oft als Beispiel genannten Knopf, über den man die gerade gezeigte Kaffeemaschine bestellen kann, habe ich freilich nie gesehen. Vielleicht schaue ich die falschen Sender.

Klar wird jedoch, dass Qualität und Umfang der via HbbTV gebotenen Inhalte je nach Sender stark schwankten. Während man etwa bei ARD und ZDF Zugriff auf die jeweilige Mediathek bekommt und ganze Filme anschauen kann, werden andernorts nur kurze Videoschnipsel offeriert. Trotzdem: Füllstoff für Werbepausen wird hier reichlich geboten, manches Angebot geht auch weit darüber hinaus. Fast immer aber wünsche ich mir, Text und Bilder würden etwas schneller laden.

Ab in die Zukunft

Die Geschwindigkeit lässt sich bestimmt noch verbessern. Allein während der Testphase wurden zwei Software-Updates auf das Testgerät eingespielt. Auch das zeigt, dass die neuen Fernseher mehr Computer als Glotze sind. Bei ihnen werden Funktionsumfang und Geschwindigkeit nicht mit dem Tag des Kaufs festgelegt, sondern können später immer wieder per Update erweitert und verändert werden.

Aber auch ohne weitere Updates gibt Samsungs UE46D8090 schon jetzt einen beeindruckenden Ausblick auf die Zukunft dessen, was wir einmal Fernsehen genannt haben werden. Wenn alle Hersteller ihre Smart TVs ähnlich gut ausstatten, dürfte ihnen ein Boom bevorstehen, wie ihn jetzt Smartphones erleben.

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insgesamt 67 Beiträge
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1.
Der Meyer Klaus 31.08.2011
Finde ich hirnrissig. Die ganzen Funktionen bietet mein alter Sat-Receiver schon seit Ewigkeiten, läßt sich auch von überall per Web programmieren. Ähnlich mit T-Entertain das ja auch schon ein Weilchen älter ist oder mit der kleinen schlanken WD-Box, die sogar transportabel ist. Die Kopplung von Anzeigegerät und "Smart-Gedöns" ist doch nur ein Klotz, bringt nur Nachteile.
2. Samy-Go2
Crass Spektakel 31.08.2011
Ein paar Sachen die ich auf meinem gehackten Samy-Go installiert habe: Mail- und Chatnachrichten werden über libpurple während des laufenden Fernsehprogrammes eingeblendet. RSS-Feeds wandern als Laufschrift am unterem Bildschirmrand mit. Zugriff auf meine Video- und Audiosammlung klappt prima, dank VLC sogar mit absurden Spezialformaten. Der Fernseher läßt sich per Internet so programmieren daß er wie ein Videorekorder Inhalte aufzeichnet (leider verschlüsselt - wieso muß man unverschlüsselte, öffentlich-rechtliche Sender verschlüsseln???) Ein C64- und ein Amiga-Emulator sind natürlich auch drauf und ein paar moderne Linuxspiele natürlich auch. Natürlich wird das von Samsung heftigst bekämpft. Nicht daß man es besser könnte, einfach nur so aus Prinzip. Weil das iPwn hat ja gezeigt daß User nur Schrott im Appshop programmieren und sich damit kein Geld verdienen läßt...
3. .
_muskote 31.08.2011
Samsung UE46D8090 warum gibt man denn seinen geräten solch schreckliche namen? o.O
4. Schande
x33o 31.08.2011
... wenn das die Zukunft ist. Ich habe einen 40D60xxx gekauft. 2011er Baujahr, Mittelklasse mit Smart-TV. Nachdem er einen Netzwerkzugang bekam, war das einzig bemerkenswerte: Der TV fährt Updates. Der Internetzugang über die Fernbedienung ist ein Krampf. Paar mal versucht. WASTED! Aufnahmen über den internen Videorekorder sind ein Witz. Sie laufen nur auf DEM TV mit DIESER Platine, auf anderen Geräten spielt sich nichts ab. WASTED! Die Fernbedienung: Wozu gibts Programm-auf + Programm-ab und Ton-lauter + Ton-leiser UND noch ein vollständiges Navigationskreuz mit rechts links oben unten und nem OK Button. Waren die Ingenieure wohl nicht fähig alle Funktionen über das Navikreuz zu lösen. Von der Bedienung her (TV über Programm und Ton-Tasten; Interne Einstellungen über Navikrez) WASTED! In Summe ein gutes Display, aber das SMART-TV is echt für gar nichts gut. Dafür gibts dann sehr gutes externes Zubehör.
5. Toll,
archie, 31.08.2011
jetzt gucke ich das Debil-Programm auf dem Smart-TV. Wir wollen bessere Inhalte, nicht bessere Technik.
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Begriffserklärung Stream, IPTV und Co.
Streaming
Mit Streaming bezeichnet man die Übertragung von Audio- und/oder Videodaten über das Internet zur Darstellung in einem Browser oder Medienplayer, ohne dass dabei eine permanente Kopie der Datei übertragen und gespeichert wird. Alle Streams haben gemein, dass man mit dem Konsum der Daten bereits beginnen kann, während die Daten noch übertragen werden. Meist entspricht das dem Abruf einer Datei on demand ("sukzessiver Download"). Erheblich aufwendiger und teurer ist das Streaming im Multicast-Verfahren, bei dem ein Server zeitparallel Bilder an viele Empfänger ausliefert - eine Art "Rundfunk" via Internet, der meist zur Übertragung von Live-Ereignissen eingesetzt wird.
Internet Protocol Television (IPTV)

IPTV bezeichnet die Videoübertragung über das Internet, meist im Sinne der Übertragung regulärer Programme. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Das Senden findet in einem geschlossenen Netzwerk statt. Hier gehört dem Provider die Infrastruktur und er ist auch für Endgeräte wie etwa Settop-Boxen zuständig. Da der komplette Signalweg in seiner Hand liegt, kann er die Übertragung für sich kostengünstiger gestalten und auch optimieren. Über IP-Multicast werden mehrere Empfänger gleichtzeitig mit einem Video-Stream versorgt und bei der QoS-Technik (Quality of Service) haben die Video-Datenpakete eine höhere Priorität gegenüber normalen Datenpaketen. Im Idealfall sind die Inhalte in hoher Qualität und ohne Unterbrechungen zu genießen. Einige Anbieter senden auch in HD-Qualität, eine schnelle Internetleitung vorausgesetzt.

In einem halbgeschlossenen Netzwerk hat der IPTV-Provider die Leitung für die Übertragung nur angemietet.
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Hier benötigt der Nutzer nur eine Abspiel-Software für seinen Computer und schaut dann etwa über einen Flash-Player Videoinhalte. Die Daten liegen hier auf einem Server oder gelangen über die Bandbreitennutzung verschiedener Computer (P2P-Technik) zum Nutzer. Bei dem Verfahren wird jedes Video einzeln zu jedem Nutzer übertragen. Meist kommt hier ein Video-Streaming-Verfahren zum Einsatz, bei dem das Video nur temporär auf der Festplatte landet. Es gibt auch noch den sogenannten Progressive Download, bei dem das Video komplett auf der Festplatte gespeichert wird, die Wiedergabe aber schon während des Downloads startet. Im Gegensatz zum IPTV in einem geschlossenen Netzwerk ist eine konstante Signalqualität nicht gegeben. Inhaltlich: Mit Web-TV sind meist spezifisch für das Web produzierte Inhalte gemeint (z.B. YouTube-Clips).
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Bei diesem Verfahren wählt der Zuschauer die Videoinhalte selbst aus und bestimmt, wann er sie gucken möchte. Online-Videotheken bieten hier verschiedene Modelle an, die vom "Download to own" (Kauf einer Datei) bis zum Filmverleih reichen, bei dem die heruntergeladene Datei in der Regel innerhalb eines definierten Zeitfensters beliebig oft angesehen werden kann, nach Ablauf der Frist aber unbrauchbar wird.
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