Lauschfunktion Samsung warnt vor eigenen Smart-TVs

Smart-TVs von Samsung hören zu, wenn in ihrer Umgebung gesprochen wird. Nun warnt das Unternehmen seine Kunden: Wer sicher sein will, dass niemand mithört, der soll auf die Spracherkennung verzichten.

Vorstellung eines Samsung-TV auf der CES in Las Vegas: Der Fernseher hört mir
DPA

Vorstellung eines Samsung-TV auf der CES in Las Vegas: Der Fernseher hört mir


Auf dem Weg zum vernetzten Zuhause ist Samsung etwas ins Stolpern geraten. In den Nutzungsbedingungen seiner neuesten Smart-TV-Geräte warnt der Elektronikhersteller vor der eigenen Spracherkennungsfunktion. Wer sie benutzt, heißt es da, riskiert die Weiterleitung auch von vertraulichen Informationen an Unternehmen, mit denen Samsung zusammenarbeitet.

"Wenn Sie die Spracherkennung aktivieren", schreibt das Unternehmen in den Datenschutzbedingungen, "können Sie mithilfe Ihrer Stimme mit Ihrem SmartTV interagieren." Dazu leite Samsung die aufgezeichneten Audiodateien an eine Firma weiter, die Sprache in Text umwandelt. "Bitte beachten Sie, dass sämtliche gesprochenen Worte, auch persönliche oder sensible Informationen, bei Ihrer Nutzung der Spracherkennung erhoben und an einen Drittanbieter übertragen werden."

Die Warnung bezieht sich allerdings nur auf eine bestimmte Funktion. Samsung setzt nämlich zwei verschiedene Systeme zur Spracherkennung in Smart-TVs ein. Das ältere System von 2011 funktioniert mit einem Schlüsselwort, standardmäßig hört der Fernseher auf "Hi TV". Dazu muss das Gerät zwar ständig zuhören, um das Wort aus den Gesprächen heraus zu hören. Allerdings sendet das Smart-TV dazu keine Daten an irgendwelche Server.

Mithören auf Knopfdruck

Die Warnung in den Datenschutzbestimmungen hingegen bezieht sich auf ein neueres Verfahren von Samsung, das gesprochene Sätze als Ganzes an einen Server zur Auswertung überträgt - solange man dafür an der Fernbedienung die Taste "Sprachsteuerung" drückt. Dann würden Tonaufnahmen an Drittanbieter übermittelt, sagte ein Sprecher. Ausdrücklich nur für diesen Fall sei die Warnung in den Nutzungsbedingungen gedacht, dass dabei auch eventuelle vertrauliche Gespräche übertragen werden könnten.

Das ältere Schlüsselwortsystem ist derzeit Industriestandard. Bei Google heißt das "Okay, Google", bei Amazon horcht zum Beispiel der Raumlauscher Echo beim Ruf nach "Alexa" auf, Microsofts Kinect-Konsolenkamera reagiert standardmäßig auf "Xbox". So ein Schlüsselwortsystem hat den Vorteil, dass das Gerät in der Regel nur zeitweise mithört, nämlich, sobald es angesprochen wird - auch, wenn das Mikrofon ständig eingeschaltet ist.

Als Risiko für die Privatsphäre gelten solche Geräte dennoch schon länger - auch Microsofts Kinect-Kamera und Amazons Echo hatten entsprechende Diskussionen hervorgerufen. Doch eine so deutliche Warnung in den Datenschutzrichtlinien des Unternehmens selbst ist neu.

Die Lauschfunktion lässt sich abschalten

Vernetzte Geräte sind an sich schon ein Datenschutzproblem, könnte man also argumentieren. Dass Smart-TVs häufig Daten an die Server des Herstellers übertragen, ist auch schon lange bekannt und war auch schon Thema datenschutzrechtlicher Untersuchungen. Samsung dürfte mit der Formulierung nur vorweggenommen haben, was viele anderen Hersteller angesichts des Booms an Sprach-, Gesten-, Gesichts- und Biometrieerkennung noch nachholen werden; sicherlich auch als Schutz gegen entsprechende Klagen.

Samsung hat sich mittlerweile geäußert. Man halte sich an Industrienormen zum Datenschutz, so eine öffentliche Stellungnahme: "Samsung speichert keine Sprachdaten oder verkauft sie an andere Firmen." Letztlich wird die Verantwortung den Nutzern übertragen: Wer der Funktion misstraut, kann sie einfach abschalten - oder den Fernseher gleich ganz vom Internet trennen. Im letzteren Fall allerdings funktionieren dann eben auch andere Smart-TV-Funktionen nicht mehr.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die Warnung gelte auch für Samsungs Spracherkennungsfunktion mit dem Schlüsselwortsystem. Das ist nicht korrekt. Wir haben den Text entsprechend angepasst und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

kno/dpa



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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
ClausWunderlich 09.02.2015
1.
Geht noch leichter! Einfach kein Samsung TV kaufen.
auf_dem_Holzweg? 09.02.2015
2. sorry aber...
wer sich wirklich so einen Fernseher ins Wohnzimmer stellt ist nicht wirklich ganz dicht oder? Ebenso könnte man seine Couch direkt auf den Makrtplatz in Berlin stellen - da verbreiten sich Nachrichten schneller als beim BND!
p-schrader 09.02.2015
3. Das stimmt nicht
Auch bei anderen Herstellern gibt es diese Sprachbefehle. Sie weisen nur nicht auf die Problematik hin.
Nonvaio01 09.02.2015
4. hat mit Samsung
nicht viel zu tun, den das geht mit jedem TV, jedem lap-Top, eitgentlich alles was ein microfon hat und Internet. Es gibt keine 100% sicherheit, das sollte man sich mal endlich merken. Wer also seinen naechsten ueberfall auf die Postkutsche im Wohnzimmer plant vor dem Flat screen, am besten erst den stecker rausziehen, sonst hoert der oertliche Dorf polizist noch mit.
rogerlapin 09.02.2015
5.
Zitat von ClausWunderlichGeht noch leichter! Einfach kein Samsung TV kaufen.
Das hilft leider auch nicht weiter, denn einige Mitbewerber machen technisch das Gleiche, haben das nur noch nicht öffentlich kundgetan...
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