Schreibtischfotos: Die Hardware der Kreativen

Von Christoph Künne

Welches Equipment nutzen Photoshop-Profis? Kaufen sie ihre Rechner von der Stange, oder jucken sie das letzte Quäntchen Leistung aus individuell zusammengestellten Komponenten heraus? Das Fachmagazin "Docma" hat bei sechs Bildbearbeitern auf und unter den Schreibtisch geschaut.

Fotograf, Fotomonteur, CGI-Spezialist und Docma-Autor: Uli Staiger Zur Großansicht
Uli Staiger

Fotograf, Fotomonteur, CGI-Spezialist und Docma-Autor: Uli Staiger

Sie arbeiten als Fotograf, Illustrator oder in der Postproduktion: Profis, die mit Photoshop Bilder bearbeiten. Die Fotozeitschrift "Docma" hat bei professionellen Photoshopper nachgefragt: Was für Technik kommt dabei zum Einsatz, was für ein Rechner steht auf dem Schreibtisch, welche Peripherie nutzen sie, womit wird gedruckt, und vor allem: Wie ernst nehmen sie die Datensicherheit?

Uli Staiger: "Seit etwa vier Jahren arbeite ich an einem 30-Zoll-Cinema-Display von Apple. Das Ding steht nicht im besten Ruf, was die Farbraumgröße betrifft, doch bin ich von der Performance des Monitors schon ein wenig beeindruckt. Er leuchtet quasi täglich zwölf Stunden lang und erledigt einfach ohne zu meckern seinen Job. Damit sich die Farbunterschiede durch Altern in Grenzen halten, profiliere ich ihn regelmäßig mit einem Spyder3 Elite von Datacolor. Einen zweiten Monitor traue ich mich nicht anzuschließen, der würde die Gefahr, einen Monitorbrand (vergleichbar mit einem Sonnenbrand) davonzutragen, beträchtlich erhöhen.

Mein Hauptrechner ist ein Mac aus dem Jahr 2008, zwei Doppelprozessorkerne rödeln mit insgesamt 12 Gigabyte Arbeitsspeicher. Für Photoshop reicht das aus, für 3D-Renderings wären allerdings mehr Kerne sinnvoll, da ihre Anzahl die Renderzeit maßgeblich mitbestimmt. Außerdem verwende ich ein 15"-Macbook Pro, welches ein knappes Jahr alt ist, für Präsentationen, Workshops oder Shootings vor Ort. Da meine Kommunikation über elektronische Medien in den letzten Jahren beträchtlich angewachsen ist, hilft mir ein iPad der ersten Generation, die Mailflut in Schach zu halten oder gar zu beantworten.

Eine Maus verwende ich ab und an aus purer Faulheit, weil das Tablett noch eingepackt rumsteht und ich eigentlich nur mal eben was nachsehen möchte. Aber nicht mal das Öffnen der Mails macht damit noch Spaß, selbst dafür ist mir das Tablett - ein Intuos 4 M wireless - lieber. Am Hauptrechner benutze ich es immer mit Wire, on Location, wo man oft wenig Abstellfläche hat, lieber ohne. Das ist sehr praktisch.

Einen Drucker? Habe ich. Hat 45 Euro gekostet und kann farbig. Jawoll. Die Farbpatrone ist aber nur von Nutzen, um Flugtickets netter aussehen zu lassen. Im Ernst, drucken ist nicht sonderlich interessant für mich, da ich hauptsächlich für Print oder Web arbeite, das Endresultat also von meinen Abnehmern und Kunden gelayoutet oder anderweitig bearbeitet wird.

Früher war alles besser. Da hat zum Archivieren noch eine DVD pro Woche gereicht. Doch spätestens, wenn man heute eine betagte DVD ins Laufwerk legt, stellt sich heraus, dass früher auch alles vergänglicher war. Deshalb lagern meine Daten auf vier gespiegelten 1 TB-Platten, die in einer Box von DataRobotics stecken. Die spiegelt nicht nur automatisch, sondern meldet sich selbstständig, falls die Platten sich langsam dem Rentenalter nähern und ausgetauscht werden sollten."

Staiger: "Nur um anteilnehmenden Nachfragen vorzubeugen: ja, ich höre gerne laut Musik und nein, ich bin nicht schwerhörig" Zur Großansicht
Uli Staiger

Staiger: "Nur um anteilnehmenden Nachfragen vorzubeugen: ja, ich höre gerne laut Musik und nein, ich bin nicht schwerhörig"

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insgesamt 7 Beiträge
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    Seite 1    
1. RAID ist keine Datensichung!!
Doubleudee 24.12.2011
Als IT-Security Fuzzi graust es mir, wenn ich lese, dass ein 12x 1,5 TB RAID 10 als Datensicherung benutzt wird. Im Übernächsten Beitrag wieder: "Die Datensicherung erfolgt zur Zeit auf diversen Festplatten, wobei ich mir schon Gedanken über ein ordentliches Raid-System mache." Ein kleiner Virus, ein kleiner Hausbrand und wech ist alles. Eine Datensicherung ist NIE dauerhaft mit dem Live-System verbunden und NIE an einem Ort mit den Live-Daten. Minimum drei Generationen Sicherung und immer mindestens eine ausgelagert. Nie alle drei miteinander transportiert. Dann kann man über Datensicherung sprechen. Da sind mehrere externe Festplatten immer noch weitaus besser als EIN RAID. Frohes Fest. WD
2. .
pek 24.12.2011
Oh je, der Kreative von heute muss ein ausgefuchster Computer-Profi sein, den ganzen Krempel am Laufen halten, ständig updaten und neue Klamotten integrieren. Dann noch eine Datensicherung mit mehreren Generationen ständig aktualisieren. Und ein wenig Kaufmann soll der arme Kerl auch noch sein. Und der größte Teil der Profits verschwindet mit der Anschaffung des neuesten Elektroschrotts. Haben sich die Honorare dementsprechend entwickelt?
3. ...
michaxl 24.12.2011
Zitat von DoubleudeeAls IT-Security Fuzzi graust es mir, wenn ich lese, dass ein 12x 1,5 TB RAID 10 als Datensicherung benutzt wird. Im Übernächsten Beitrag wieder: "Die Datensicherung erfolgt zur Zeit auf diversen Festplatten, wobei ich mir schon Gedanken über ein ordentliches Raid-System mache." Ein kleiner Virus, ein kleiner Hausbrand und wech ist alles. Eine Datensicherung ist NIE dauerhaft mit dem Live-System verbunden und NIE an einem Ort mit den Live-Daten. Minimum drei Generationen Sicherung und immer mindestens eine ausgelagert. Nie alle drei miteinander transportiert. Dann kann man über Datensicherung sprechen. Da sind mehrere externe Festplatten immer noch weitaus besser als EIN RAID. Frohes Fest. WD
Warum so aufgeregt? Ein Raid schützt aber vor einem Festplattenausfall. Und die Redundanz ist gegeben, sofern das Raid als Backup genutzt wird. Nun gut, vor einem Kometeneinschlag schützt es nicht ;-)
4. Es geht nichts über Leistung im professionellen Bildbearbeitungsbereich!
querdenker-ltd. 24.12.2011
Als kreativer Profi, der sich glücklicher Weise auch mit Rechnern sehr gut auskennt, baue ich meine Systeme selber. Da insbesondere in meinem Betätigungsfeld (Gigapixel Bilder) nichts über Ram geht, würde ein lahmer Apple mir nicht ins Haus kommen... Ich habe einen Dual Xeon Rechner mit 144GB Ram, meine Arbeitsplatte ist ein 8 Platten Raid 0 (für Daten BS usw. stehen noch weitere 8 Platten zur Verfügung und PCI Express SSDs). Zur Datensicherung kommt natürlich nur ein selbst gebautes NAS in einem anderen Raum zur Verfügung, bei dem regelmäßig auch die Daten in Kopie regelmäßig per Post verschickt werden, um Brände und Ähnlichen mit Datenverlust zu umgehen. Aufgrund der Gigapixel Bilder bin ich auch in ganz anderen Datensphären als die Meisten, momentan muss ich 55TB sichern. Monitore kommen mir nur Eizos unter, die sind qualitativ das Beste und jeder der schon einmal einen Monitor kalibriert hat und alle Linien exakt übereinander bringt ohne Probleme, freut sich einen Eizo zu haben. Hier sind gleich 4 x 24" Eizos parallel angeschlossen, um vernünftig Parallel arbeiten zu können. Den Rechner habe ich im übrigen schon 2009 aufgebaut.
5. Photo Shock
mulhollanddriver 24.12.2011
Um im Bereich der Fotografie bestehen zu können, braucht man weder Photoshop noch Apple-Produkte, zumindest bin ich die vergangenen sieben Jahre gut ohne diese Dinge klargekommen. Das wichtigste für mich ist Ruhe am Arbeitsplatz, wenn ich es möchte. Absolute Ruhe. Also lüfterloses System von Deltatronic. Als ich vor drei Jahren verschiedene große hardwarekalibrierbare Monitore ausprobierte, machten sie alle mehr oder weniger Geräusche. Nur der relativ kleine NEC Spectraview 2090 war genau so geräuschlos wie mein Computer. Im Rechner ist lediglich eine Festplatte mit 2 TB, sie ist umgeben von einem geräuschabsorbierenden Gehäuse und wird mit Gummibefestigungen im Rechner gehalten. Zwei dauerhaft laufende Festplatten wären zwei potentielle Geräuschquellen. Der Inhalt der internen Platte wird zweimal auf externen Platten im Büro und einmal auf einer externen Platte an einem entfernten Ort gelagert. Achso: Statt Photoshop habe ich Paint Shop Pro von 1998 und die aktuelle Version von Nikon View NX zur Bearbeitung der Rohdaten. Das reicht mir. Im Bereich der Reportagefotografie arbeitet man auch heute noch vorwiegend mit der Kamera und weniger mit der Software am Rechner...
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