Selbstkonstruierter Flugsimulator: Der Mann, der sich ein Cockpit baute

Von und

SPIEGEL ONLINE

Matt Ford ist ein Hobbypilot, der nicht abhebt: Seine Ausflüge startet er im Flugsimulator in der Garage, den er sich aus einem alten Boeing-Cockpit und vielen PC selbst gebaut hat. Ein Mammut-Projekt, das viel Geld kostet und noch mehr Zeit.

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet Matt Ford jetzt an seinem simulierten Boeing-Cockpit, das seine Garage fast ganz ausfüllt. Ein Ende sei nicht in Sicht, es gäbe immer etwas zu tun, sagt der Lichtdesigner, der in Los Angeles beim Fernsehen arbeitet. Um das, was er schon geschafft hat, werden ihn viele PC-Piloten beneiden.

Die Grundlage für sein Projekt ist ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte. Ende der neunziger Jahre nahm Ford Flugstunden, überflog bei einem seiner Lehrflüge das Gelände eines Schrotthändlers, der ausgemusterte Jets zerlegte. Dutzende alte Maschinen warteten dort darauf, zu Altmetall zerlegt zu werden.

Für 1000 Dollar kaufte Ford dem Schrotthändler die ausgeschlachtete Nase einer Boeing 737 ab. Das Flugzeug war eines der ersten Exemplare dieses Typs und im April 1968 an die Lufthansa ausgeliefert worden. Erst 30 Jahre später, nach mehrfachem Wechsel des Besitzers, wurde die robuste Maschine außer Dienst gestellt. Mit einem geliehenen Lkw transportierte Ford die rund eine Tonne schweren Rumpfteile in seine Garage. Das war erst der Anfang. Seit damals habe er etwa 50.000 Euro in seinen Flugsimulator gesteckt, sagt Ford.

Fotostrecke

8  Bilder
Selbstprojekt: Das Boeing-737-Cockpit in der Garage
Ein großer Teil dürfte in die Nachbildung der Instrumentenkonsolen geflossen sein. Firmen wie Sismo Soluciones und Flightdeck Solutions bieten fast jedes Teil eines 737-Cockpits als Nachbau an. Aus diesem Angebot dürfte Matt Ford sich üppig bedient haben, denn er sagt: "Unsere Simulation umfasst jeden Schalter".

Das unterscheidet ein Selbstbau-Cockpit wie das von Matt Ford von den PC-Cockpits normaler Flugsimulator-Piloten: Statt mit der Maus virtuelle Schalter umzulegen kann und muss man in Fords Garagensimulator Knöpfe drücken und Schalter betätigen wie in einem echten Flugzeug. Doch das kostet. Für einen Drucktaster mit der Beschriftung "Master Caution - Push to Reset" zahlt man 33 Euro, für eine komplett bestückte Schalttafel über den Piloten, das Overhead Panel, werden bis zu 6000 Euro verlangt.

"Die meiste Rechenleistung braucht die Grafik"

Neun Computer braucht Ford, um die Systeme des Flugzeugs, das Wetter und das Flugzeug selbst nachzubilden. Sie machen gegenüber den Investitionen in die Instrumente einen vergleichsweise geringen Teil der Kosten aus. Jeder Rechner hat eine bestimmte Aufgabe, fungiert als Flugcomputer des Jets oder kontrolliert bestimmte Instrumente. Nur ein PC ist dafür zuständig, den eigentlichen Flugsimulator laufen zu lassen, Ford verwendet X-Plane. "Am schwierigsten ist es dafür zu sorgen, dass jedes System seine Aufgabe erledigt und korrekt mit den anderen kommuniziert," sagt Ford.

Besonders viel Mühe und Geld hat Ford allerdings investiert, damit der Blick aus seinem Cockpit möglichst realistisch erscheint. "Die meiste Rechenleistung braucht die Grafik", erklärt der Bastler. Er habe sich für ein besonders hochentwickeltes visuelles System entschieden. Es sei "dasselbe Zeug, das auch in Airline-Simulatoren benutzt wird, State of the Art", sagt Ford. Statt einfach Bildschirme vor die Cockpitfenster zu hängen, hat er sich ein aufwendiges Projektionssystem der texanischen Firma RSI Visual Systems angeschafft, das fast eine Tonne wiegt.

Noch mal umziehen?

Ford bezeichnet seinen Selbstbau als Level-D-Simulator. Diese Bezeichnung steht für die Königsklasse der Flugsimulatoren mit dem höchsten Realitätsgrad. Das einzige was Matt Ford jetzt noch fehlt, um es mit den Anlagen der Fluggesellschaften aufnehmen zu können, wären hydraulische Stützen, die das komplette Cockpit entsprechend der jeweiligen Fluglage neigen, so dass man im Pilotensitz glaubt, Beschleunigung und Fliehkräfte zu spüren. Aber so eine Anlage wäre wohl nicht nur zu teuer, sie wäre auch viel zu groß, um in Fords Garage zu passen.

Aber das muss kein Hinderungsgrund sein. Zweimal ist Ford mit seiner 737 schon umgezogen. Warum also nicht auch ein drittes Mal, in ein Haus mit einer größeren Garage?

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gibt es auch in Deutschland
faceman 25.03.2013
Liebe Readaktion, scheinbar haben wir schon Osterflaute. In Deutschland gibt es vergleichbare Konstruktionen. Ich selbst haben in Karlsruhe auf so einem Simulator ein tolles Erlebnis gehabt. Wie in dem Beispiel gab es Knöpfe, Instrumente und die Displays. Wer es noch etwas professioneller mag, kann auch einen Hydraulik Simulator z. B. in Frankfurt testen. Einfach mal bei Jochen Schweizer suchen. Viele Grüße faceman
2. In meiner Garage...
michaelkaloff 25.03.2013
befindet sich das absolut originalgetreue Cockpit eines Smart Cabrio. Alles funktioniert. Das Teil ist sogar mobil und erlaubt das Verlassen der Garage. Die dann eingeschaltete, ruckfreie und höchstauflösende Echtzeitgrafik ist einfach umwerfend. Die Krönung ist die Wettersimulation per Zufallsgenerator!
3. Schönes Hobby
masterploxis 25.03.2013
Ein schönes Hobby. Es verbindet nicht nur handwerkliche Fähigkeiten und Computerwissen. Zusätzlich möchte man ja das Flugzeug auch noch regelkonform fliegen können und die simulierten Systeme verstehen und beherrschen. Es gibt auch in Deutschland eine aktive Szene welche dieses Hobby betreibt. Eine Google Suche nach Homecockpit 737 zeigt ein paar schöne Beispiele.
4. Toll!
mikaiser 25.03.2013
Toll, wenn Männer Kinder bleiben und diese Kinder sich dann ihre Träume erfüllen! Andere zahlen für ein Auto mehr. Ich wette, dass unser Pilot mehr Freude pro Euro hat...
5. Wenn ich die Kohle hätte...
hirsnemehism 25.03.2013
...und auch die Zeit, würde ich mir auch ein Cockpit bauen, allerdings eines einer 747-400, für mich immer noch das schönste Flugzeug der Welt. Allerdings müsste für ein solches Projekt zuerst der entsprechende Lottogewinn auf mich fallen! ;) Nur, RECHNEN kann ich damit naturgemäß nicht! :( Auf jeden Fall Hut ab vor dieser Leistung!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Kuriose Technik
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 21 Kommentare


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.