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Selbstporträts: Versailles verbietet Selfie-Sticks

Foto-Phänomen: Selfie-Stangen im Praxiseinsatz Fotos
DPA

Für den Urlaub schnell noch einen Selfie-Stick kaufen? Prüfen Sie vorher lieber, ob der an Ihrem Reiseziel überhaupt akzeptiert ist: Nach den USA verbieten auch immer mehr Touristenattraktionen in Europa die Nutzung des verlängerten Arms.

Es kann nur einen Sonnenkönig geben: Im Schloss Versailles nahe Paris machen die Museumsangestellten neuerdings höflich darauf aufmerksam, dass die als Selfie-Sticks bekannten Armverlängerungen unerwünscht seien. Man befürchtet Beschädigungen der wertvollen Spiegel und Ausstellungstücke, wenn bei der Besucherschwemme zur Hochsaison Nutzer unvorsichtig mit den Stangen herumfuchteln, um sich damit selbst zu fotografieren.

Ein offizielles Verbot wird in Versailles innerhalb der kommenden Wochen erwartet, schreibt "The Telegraph". Aus einer nicht ganz unberechtigten Furcht vor einem Wald von Alustangen, die den Blick auf die Kunstwerke behindern, haben das Pariser Kunstzentrum Centre Pompidou und der Louvre die Smartphone-Fotografierhilfen bereits verbannt.

Aber es geht nicht nur um die Sichtbehinderung: In der Schweiz fürchtet man versehentliche Beschädigungen der Exponate, die der Fotograf womöglich nicht einmal bemerkt.

In den USA ist der Nervfaktor der Stockträger offenbar so hoch, dass schon vor Monaten zahlreiche Museen entsprechende Verbote erlassen haben: Dazu gehören New Yorker Museum of modern Art (MoMA), die Metropolitan Museums, Washingtons National Gallery Of Art sowie Museen in Los Angeles und Chicago. Die 19 amerikanischen Smithsonian-Museen verkündeten letzte Woche per Pressemitteilung ein kategorisches Verbot von Selfie-Sticks.

Britische Fußballstadien haben die störenden Stöcke schon vor einigen Wochen verbannt - aus Sicherheitsgründen, da sie als Waffen missbraucht werden könnten.

Und auch in Deutschland gibt man sich zunehmend verstockt: So haben die staatlichen Museen in Berlin ein Stangenverbot ausgesprochen, das laut Benutzerordnung übrigens auch für andere "sperrige und scharfkantige Gegenstände" gilt - etwa für Regenschirme.

abr

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Was es nicht alles an Schwachsinn gibt
jorgos 10.03.2015
Selfies als solche sind schon peinlich genug. Aber seine Eitelkeit auch noch mit so einem Stock zu betonen, verlangt schon einiges an Schmerzfreiheit.
2. @ jorgos
Koalabärin 10.03.2015
Oh man, was gebe ich Ihnen Recht. Die Eitelkeit nimmt ein peinliches Maß an. Früher (als alles besser war ;-) ) mußte man noch einen Mitmenschen fragen, ob er so freundlich wäre ein Foto von einem selber vor irgendwas zu machen.
3.
ich2010 10.03.2015
wer meint er braucht so ein ding, der soll's haben. aber dann bitte auch so einsetzen, dass andere nicht drüber stolpern, dagegen laufen oder permanent der weg versperrt wird. in der londoner innenstadt nimmt das mittlerweile ausmaße eines hindernisparcours an. wenn man als ahnungsloser tourist aus irgendeiner seitenstrasse auf eine haupstrasse zu fuß einbiegen möchte, musste man früher nur zwischen den anderen passanten eine lücke finden. diese lücke ist nun aber mit diversen selfiestäben gefüllt über die der ahnungslose tourist dann stolpert oder dagegen läuft. und da hörts dann imho auf.
4. Wozu geht man in eine Ausstellung?
bluebill 10.03.2015
Gemeinhin gehen Menschen in Ausstellungen, Museen und zu Sehenswürdigkeiten, um die dort präsentierten Kunstwerke oder Locations anzusehen. Und weniger, um sich dort selbst abzulichten. - Allerdings gibt es eine breite, dumpfe Masse, die genau das als Zweck betrachtet. Ein wichtiges Museum oder Schloss besucht zu haben ist Pflicht, da muß man Beweisbilder herumschicken, sonst zählt das nicht... Ähnliche Variante: Im Trab durch die Ausstellung hetzen, vorher ausgeguckte "Pflicht"-Exponate mit dem Hanbdy ablichten, weiterhetzen. Um dann bei Fratzenbuch & Co damit aufzutrumpfen, wo man alles gewesen ist. - Solche Leute ohne wirklichen Zugang zu so etwas wie Kunst können genausogut gleich zu Hause bleiben oder im Hotel. Und bequem im Internet die vielen Bilder ansehen, die andere vor ihnen von der Ausstellung gemacht haben. Vielleicht auch eins bei Facebook posten, merkt eh keiner. Aber diese Massen noch Selfie-Stangen ausrüsten - bitte nicht. Auch nicht bei Konzerten, da ist es eh schon schlimm genug, durch einen Wald von hochgereckten, blitzenden Handys auf die Bühne sehen zu müssen...
5. Ein Lehrstück...
M Ebele 10.03.2015
...über die Probleme der Alten, spaßbefreiten Welt.
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