Sigma DP2M Kamera-Exot glänzt mit detailreichen Fotos

Klare Aufnahmen mit enormer Detailtiefe: Bei günstigem Licht schafft die Sigma-Kompaktkamera DP2 Merrill verblüffend schöne Bilder. Wie gut die Jackentaschen-Kamera funktioniert, verrät der Test.

SPIEGEL ONLINE

Sigma produziert seit Jahren Kompaktkameras mit enorm großen Bildsensoren. Inzwischen drängen große Fotohersteller in dieses Segment, Sony und Fujifilm haben schon vergleichbare Fotoapparate im Angebot. Die Nachfrage steigt, aber Sigma, der Innovator auf diesem Gebiet, ist nach wie vor ein Nischenanbieter.

Auch die neueste Sigma-Kompaktkamera DP2 Merrill wird wohl kein Bestseller werden. Dabei gelingen mit dieser kleinen Kamera - bei richtiger Beleuchtung - Bilder mit atemberaubender Detailtiefe und traumhaften Farben.

Das liegt an der speziellen Sensortechnik der Kamera: Sigma nutzt als einziger Hersteller die Foveon-Bildsensoren. Entwickelt hat sie maßgeblich der 2008 verstorbene US-Ingenieur und Fotograf Richard B. Merrill. Foveon-Sensoren zeichnen das einfallende Licht der Grundfarben Rot, Grün und Blau in unterschiedlichen Schichten auf. Das ist möglich, weil der Siliziumsensor die unterschiedlichen Wellenlängen unterschiedlich tief einfallen lässt. Diese Konstruktion gibt Foveon-Aufnahmen eine ganz eigene Charakteristik, ähnlich wie bei bestimmtem Filmmaterial.

Die interessante Sensortechnik kam bei älteren Sigma-Kameras in Kombination mit einem trägen Autofokus und langen Schreibzeiten. Das hat sich bei der DP2 Merrill geändert.

Vorteile: Schneller Prozessor, höhere Auflösung

Geschwindigkeit: Die DP2 Merrill speichert die enorm großen Bilddateien schneller auf die Speicherkarten als die Vorgängerkameras. Mit einer schnellen SD-Speicherkarte (Panasonic 8 Gigabyte Class 10) muss man nicht warten, bis man erneut auslösen kann. Selbst wenn man Rohdaten und JPGs speichert, läuft die Datenverarbeitung im Hintergrund, während man ohne Verzögerung weiter fotografieren kann. Im Serienbildmodus hat unser Testgerät dank eines großen Zwischenspeichers sieben Raw-Dateien in einem Durchlauf gespeichert, danach muss man warten, um erneut aufnehmen zu können.

Autofokus: Die DP2 Merrill ist schneller als sämtliche Vorgänger, aber im Vergleich zur Konkurrenz ist das Tempo bei der Bildverarbeitung nicht überragend. Um ein gerade aufgenommenes Bild zu betrachten, muss man nach wie vor kurz warten, aber es geht schneller als bei früheren Sigma-Kompaktkameras. Der Autofokus arbeitet auch erheblich fixer und zuverlässiger - nicht überragend, aber gut brauchbar. Für Sportfotografie ist die DP2 Merrill bei dieser Geschwindigkeit eher nichts, für Landschaften und Straßenszenen hingegen ist sie gut geeignet. Die Kombination aus Automatik und manuellem Fokus ist bei der DP2 Merrill sehr gut gelöst: Man drückt den Auslöser halb durch zum automatischen Scharfstellen, dann kann man am Objektiv manuell nachstellen, die Darstellung auf dem Display wird automatisch vergrößert.

Sensor: Der Foveon-Bildsensor liefert bei entsprechendem Licht hervorragende Ergebnisse. Die Aufnahmen sind enorm detailreich, scharf und haben einen ganz eigenen charakteristischen Ton. Der Sensor ist derselbe wie in der erheblich teureren Profi-Kamera SD1 - die Auflösung ist gut dreimal so hoch wie bei früheren DP-Modellen (15 Megapixel nach herkömmlicher, 46 nach Sigmas Rechnung).

Nachteile: Software-Unterstützung, Extras, Preis

Größe: Die DP2 Merrill ist größer und etwas schwerer als die Vorgängermodelle. Das liegt vermutlich am größeren Bildsensor, jedenfalls passt diese Kamera in keine Hemdentasche, so gerade eben noch in manche Jacke. Die Bedienbarkeit profitiert davon, die Kamera liegt gut in der Hand - für manchen Fotografen ist das Wachstum vielleicht sogar ein Vorzug.

Software: Wie bei einigen Vorgängermodellen muss man die Raw-Dateien der DP2 Merrill mit einer speziellen Sigma-Software entwickeln und in JPG-Dateien umwandeln. Das ist unpraktisch, wenn man Fotos verlustfrei mit Programmen wie Lightroom oder Bibble verwaltet und entwickelt. Nicht alle Foveon-Kameras werden von den Bildverwaltern unterstützt, manchmal muss man auf den Komfort verzichten, alle Originaldateien und die verschiedenen Bearbeitungsstufen in einer Datenbank zu verwalten. Die Sigma-Software (getestet auf dem Mac) läuft stabil, der Funktionsumfang ist ausreichend, aber nicht mit Bildverwaltern wie Aperture oder Lightroom zu vergleichen.

Extras: Die DP2 Merrill filmt nur in VGA-Auflösung, ein Blitz ist nicht eingebaut, Schnickschnack wie Gesichtserkennung, Panoramamodi oder spezielle Aufnahmemodi für absurde Details wie Mittag- oder Abendessen gibt es nicht. Dass all das fehlt, wird aber potentielle Käufer wahrscheinlich nicht stören, die wollen in der Regel fotografieren.

Fazit: Ein schönes, teures Nischenangebot

Die DP2 Merrill ist eine besondere Kamera: In bestimmten Situationen gelingen mit ihr außergewöhnliche Aufnahmen, die man sowohl nur mit dieser Sensortechnik als auch nur mit diesem Objektiv machen kann. Allerdings fotografiert man nicht immer Landschaften und statische Strukturen im Sonnenlicht. Als Immer-dabei-Kamera sind Modelle wie die Sony RX100 oder die Fujifilm X10 oder X100 besser geeignet. Die DP2 Merrill ist eine Kamera für bestimmte Stunden, und sie kostet 1000 Euro - so schön die Foveon-Aufnahmen auch sind, dieser Fotoapparat ist ein Nischenangebot.

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Vergleich: Sigma DP2M, Sony RX100, Canon S100, Fujifilm X100

Kamera Sigma DP2M Sony RX100 Canon S100 Fujufilm X100
günstigster Preis * 998 625 359 884
Maße (Gehäuse) 12,1 x 6,67 x 5,92 10,2 x 5,8 x 3,6 9,9 x 6 x 2,8 12,7 x 7,5 x 5,4
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 477,78544 212,96 166,32 514,35
Gewicht (Gehäuse mit Ojektiv ca. in Gramm) 330 213 198 405
Objektiv (kb-äquivalente Brennweite in mm, Blendenöffnung) 45 mm, f/2,8 28 - 100 mm, f/1.8 - f/4,9 24 - 120 mm, f/2-f/5,9) 35 mm f/2 fest
Naheinstellgrenze 28 cm 25 cm 3 cm 10 cm
Auflösung (Megapixel) 15,3 / 46 (15,3 in drei Schichten) 20,1 12,1 12,3
Sensorgröße (cm²) 3,69 1,16 0,45 3,73
Megapixel pro cm² 4,15 / 12,46 17,33 26,8 3,29
Display Diagonale (Zolll) 3 3 3 3
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 306.666 / 920.000 409.666 / 1.229.000 153666 / 461000 153.333 / 460000
Dateiformat JPG/RAW JPG/RAW JPG/RAW RAW/JPG

* * günstigster Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 30.8.2012)

Anmerkung der Redaktion: In einer vorigen Version dieses Artikels stand, dass Bildverwaltungsprogramme wie Lightroom die Raw-Dateien der Sigma-DP2M-Vorgänger nicht verarbeiten können. Das ist nicht korrekt, Adobe unterstützt nach eigenen Angaben beispielsweise die Raw-Dateien der Modelle DP2 und DP1s, allerdings derzeit nicht die der DP2M, DP2x und DP2s. Wir haben den Artikel entsprechend überarbeitet.



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
vhn 31.08.2012
1. Preis-Leistung
Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei den Sigma Kameras einfach nicht gegeben. Der Foveon-Bildsensor wird (v.a. von Sigma) hoch angepriesen, bringt aber in der Praxis nicht viel und hat sich dementsprechend bis dato auch nicht durchgesetzt. Die hier gezeigten Beispielbilder zeigen auch kaum Unterschiede zur Sony RX100, die ja auch nur eine etwas bessere Kompakte ist. Alles in allem wüsste ich nicht, was mich dazu bewegen sollte, 1000 (!!!) Euro in diese Kiste zu stecken.
tmo123 31.08.2012
2. Sigma ist schwierig und faszinierend
Mit den Vorgängermodellen DPs habe ich fotografiert. Sie sind vom Bedienkomfort und der Geschwindigkeit ein Graus. Immer wieder habe ich überlegt, sie wegzuverkaufen; sie jedoch behalten und immer mal benutzt. Auf der anderen Seite habe ich Landschaftsaufnahmen erstellt, die einzigartig sind. Das Licht darf nicht von der Seite kommen, dann treten berüchtigte Farbschleier auf, die im Post Processing nicht beseitigt werden können (grün, magenta "color cast"). Sigma ist eine zickige Kamera, die viel Geschick und Erfahrung erfordert. Ich werde die neue aber nicht kaufen. Mit der alten Version - wenn es gelingt - sind die Aufnahmen ausserordentlich detailscharf und von ungewöhnlicher Farbtiefe. Ich habe aber für alle Fälle eine ordentliche DSRL jedoch immer noch dabei. Aus der Praxis kann ich sagen, dass die Sigma in der Gesamtanmutung der Bilder die sterilen Boliden wie eine Nikon 800 (E) schlägt. Bei Gelingen haben die Bilder den "Wow"-Faktor. Wer noch keine Sigma besitzt und Sinn für aussergewöhnliche Bilder hat, sollte sie sich kaufen. Sie hat eine Daseinsberechtigung für Landschaft und stille Aufnahmen.
frustschieber 31.08.2012
3. Preis-Leistung
Ich habe ein DP1S. Neu für 180 Euro in der Bucht. Die Bildqualität für eine Kamera < 500 Euro ist so enorm, dass ich über die beschriebenen Nachteile nur müde lächeln kann. Die "Foveon"-Raw Problematik besteht nur noch bei der Verwendung freier Software wie RawTherapee. Das wird sich aber nur noch um Monate handeln, da dcraw in der neuesten Version alle Sigma Kameras unterstützt.
deuterius 31.08.2012
4. Vergleich der Auflösung
Da hapert es im Artikel. Der Sigma Sensor kann mit seinen 45 Millionen Pixeln tatsächlich 15 Millionen Bildpunkte darstellen. Wenn man das mit herkömmlichen Bayer Sensoren vergleichen will, muss man deren Pixelanzahl auch durch drei teilen, da auch dort pro Bildpunkt drei Pixel,notwendig sind. Von den eindrucksvollen 20 Millionen Pixeln der Sony bleiben somit nicht mal 7 Millionen Bildpunkte übrig.
vhn 01.09.2012
5. Preis-Leistung
Zitat von frustschieberIch habe ein DP1S. Neu für 180 Euro in der Bucht. Die Bildqualität für eine Kamera < 500 Euro ist so enorm, dass ich über die beschriebenen Nachteile nur müde lächeln kann. Die "Foveon"-Raw Problematik besteht nur noch bei der Verwendung freier Software wie RawTherapee. Das wird sich aber nur noch um Monate handeln, da dcraw in der neuesten Version alle Sigma Kameras unterstützt.
Danke für den Tipp. Für den Preis wird es dann doch mal interessant, diese Technik auszuprobieren. Hier gibt es übrigens einen netten Vergleich der DP2M mit der Nikon D800: Sonstiges Vergleich Sigma DP2M vs. Nikon D800 - DSLR-Forum (http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=1132017). Wenn man diese Bildqualität hinbekommt, ist die Kamera im Landschafts-Architekturbereich wirklich eine erstaunliche Alternative...
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