Blackphone 2 im Test Das Anti-Späh-Smartphone

Beim neuen Blackphone 2 sollen Schnüffler keine Chance haben: Der Speicher ist verschlüsselt, Gespräche und Nachrichten auch. Trotzdem kann man Apps ausprobieren, muss auf nichts verzichten. Hört sich gut an, ist es auch. Perfekt ist es aber nicht.

Matthias Kremp

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Die Vorgabe ist klar: Das Blackphone 2 soll es Angreifern so schwer machen wie nur möglich. Mehr kann man von einem Smartphone, das "kompromisslosen Datenschutz" bieten soll, nicht verlangen. Denn absolute Sicherheit gegen Hackerangriffe gibt es nicht. Aber man kann es Spähern wie denen von der NSA schwer machen, indem man sein Handy, seine Nachrichten und seine Gespräche verschlüsselt. Genau das tut das Blackphone 2.

Die Basis dafür bildet ausgerechnet Googles Android-Betriebssystem, das nicht gerade als Beispiel für besten Datenschutz gilt. Das allerdings wurde von den Entwicklern, darunter Phil Zimmermann, der die Verschlüsselungssoftware PGP (Pretty Good Privacy) erfunden hat, stark modifiziert. So stark, dass sie ihm am Ende einen eigenen Namen gaben: Silent OS.

Eine wichtige Komponente dieses Systems ist das sogenannte Sicherheitscenter. Im Grunde handelt es sich dabei um ein eigenes Einstellmenü für fast alle sicherheitsrelevanten Aspekte des Handys.

Selbst entscheiden: Im Sicherheitscenter lässt sich die Stärke das Datenschutzes einstellen

Selbst entscheiden: Im Sicherheitscenter lässt sich die Stärke das Datenschutzes einstellen

Und dazu gehört einiges. So kann man hier einstellen, dass sich die Daten auf dem Blackphone 2 notfalls aus der Ferne löschen lassen, falls es gestohlen wird oder verloren geht. Der Haken daran: Der Löschbefehl kann nur ankommen, wenn das Gerät online ist. Es genügt also, die Sim-Karten zu entfernen, um diesen Schutz auszuhebeln.

Ab Werk verschlüsselt

Aber selbst dann sind die Daten einem Dieb oder Finder nicht schutzlos ausgeliefert, denn der Speicher des Blackphone 2 ist ab Werk verschlüsselt. Bei anderen Android-Smartphones muss man eine solche Verschlüsselung in der Regel manuell aktivieren. Geschützt werden davon allerdings nur die Daten im internen Speicher des Blackphone 2. Alles, was man auf einer eventuell eingelegten Speicherkarte ablegt, bleibt davon unberührt.

Das Blackphone 2 im Test

Das Silent Circle Blackphone 2: Die zweite Version des Verschlüsselungssmartphones macht es dem Anwender leicht, seine Daten vor Fremden zu verbergen.

Die Rückseite ist ebenso verspiegelt wie die Vorderseite. Einen abnehmbaren Rückendeckel gibt es nicht, also auch keinen wechselbaren Akku.

Die 13-Megapixel-Kamera des Blackphone 2 macht brauchbare Bilder, kann es aber nicht mit den Kameras im iPhone 6s oder Samsungs Galaxy S6 Edge aufnehmen.

Die vorinstallierte Wifi-Manager-App kann bestimmte Funktionen anhand der WLAN in der Umgebung aktivieren und deaktivieren. Eine Entwicklung von Silent Circle ist sie nicht, sie kann auch einzeln im Google Play Store gekauft werden, für 2,11 Euro.

Auch zwischen verschiedenen Nutzungsprofilen kann das Smartphone automatisch umschalten. Also kann es etwa in den Auto-Modus wechseln, wenn es sich mit der Freisprechanlage im Pkw verbindet.

Die Verschlüsselung des Speichers ist ab Werk aktiviert, gilt aber nur für den eingebauten Speicher. Daten auf einer eventuell eingelegten Speicherkarte werden nicht verschlüsselt.

Das virtuelle Tastenfeld zur Pin-Eingabe kann randomisiert dargestellt werden. So muss man jedes Mal auf andere Stellen am Bildschirm tippen. Das macht es Zuschauern schwerer, den Code zu erraten oder von den Fingerabdrücken abzuleiten.

Gleichzeitig macht die bessere Sicherung des Pin-Tastenfelds es aber auch schwerer, die Pin richtig einzugeben, da man sich immer wieder konzentrieren muss.

Zur Ausstattung gehören auch Komfortfunktionen. Etwa jene, die den Klingelton besonders laut macht, wenn man zwei Anrufe nacheinander verpasst hat. Das Gerät geht dann davon aus, dass man es verloren oder verlegt hat.

Anders als in Googles Android lassen sich in der Silent OS genannten Android-Variante des Blackphone 2 die Berechtigungen von Apps sehr kleinteilig festlegen.

Im Silent Store bietet Silent Circle speziell auf Sicherheit geprüfte Apps an. Zum Start waren dort aber nur ein Dutzend Angebote zu finden.

Wer sich traut, kann auch im Silent OS Apps aus fremden Quellen installieren - auf eigene Gefahr. Immerhin lässt sich hier festlegen, dass diese Berechtigung nach einer bestimmten Zeit verfällt.

Ein wichtiges Extra ist die Möglichkeit, im Sicherheitscenter für jede installierte App einzustellen, auf welche Daten und Dienste sie zugreifen darf, auf welche nicht und bei welchen sie erst nachfragen muss, bevor sie sie nutzen darf. Damit kann man Apps einschränken, die sich bei der Installation allzu großzügige Rechte einräumen lassen. Mit Android 6 Marshmallow wird man das auch auf anderen Handys tun können, doch dieses Update wird wohl erst 2016 für aktuelle Geräte verfügbar sein.

Verschiedene Räume auf dem Handy

Ein anderes Extra sind die sogenannten Spaces. Das sind virtuelle Homescreens, der sich nach den eigenen Bedürfnissen konfigurieren lässt. So kann man beispielsweise einen privaten Space einrichten, in dem man Apps und sich selbst viele Freiheiten lässt. Hier kann man auch mal ein Spiel ausprobieren oder eine App aus einem alternativen App Store laden.

Für Berufliches aktiviert man stattdessen lieber höhere Sicherheitseinstellungen, verbietet beispielsweise die Nutzung nicht firmenkonformer Apps. Eine Verbindung zwischen den Spaces gibt es nicht, sodass eine eventuell in den privaten Space eingeschleppte Schadsoftware nicht auf die Firmendaten zugreifen kann.

Besser entsperren: Zufällig angeordnete Zahlen sollen es erschweren, eine Pin-Eingabe abzulesen

Besser entsperren: Zufällig angeordnete Zahlen sollen es erschweren, eine Pin-Eingabe abzulesen

Zwischen den Spaces kann man ohne Neustart beliebig wechseln, IT-Administratoren können sie per Fernsteuerung konfigurieren. Ein bisschen erinnert dieses System an Blackberrys Balance, bei dem man ebenfalls zwischen privaten und beruflichen Inhalten wechseln kann.

Das 72-Stunden-Versprechen

Eine Kernfunktion des Blackphone 2 ist jedoch die verschlüsselte Kommunikation. Die wird über die vorinstallierte App Silent Phone abgewickelt, die Nachrichten und Gespräche verschlüsseln kann. Das funktioniert jedoch nur mit Gesprächspartnern, die auch die Silent-Phone-App nutzen und ein Abo gebucht haben, das ab zehn Dollar pro Monat kostet. Im Preis des Blackphone 2 ist ein Einjahresabo inklusive 100 monatlicher Gesprächsminuten im Wert von 155 Dollar enthalten.

Technische Daten

Hersteller Silent Circle
Modell Blackphone 2
Maße (Millimeter) 152 x 76 x 8
Gewicht 165 Gramm
Sprechzeit k.A.
Standby k.A.
Display-Diagonale 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080
Prozessor 1,7 GHz Octacore
Arbeitsspeicher 3 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung microSD
Kamera (hinten/vorne) 13 MPx / 5 MPx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.0 LE
Betriebssystem Silent OS 1
Besonderheiten Verschlüsselungs- und Sicherheitsfunktionen
Preis (Euro) 875

Alle Daten sind Herstellerangaben

Hinsichtlich der Sicherheit gegenüber Hackerangriffen wirbt Silent Circle zudem mit einem großen Versprechen: Jede Sicherheitslücke, die bekannt wird, will man binnen 72 Stunden per Update schließen. Zumindest bei der Stagefright-Lücke hat das Unternehmen lange vor Google einen Patch für die Blackphone-Geräte der ersten Generation verteilt.

Fazit

Wegen der Hardware muss man das Blackphone 2 nicht kaufen. Vergleichbare Android-Smartphones mit 5,5-Zoll-Display, Octa-Core-Prozessor, 32-Gigabyte-Speicher und 13-Megapixel-Kamera bekommt man anderswo günstiger. Immerhin liegt es mit 875 Euro preislich auf Augenhöhe mit einem iPhone 6s Plus.

Wer es darauf anlegt, kann viele der Sicherheitsfunktionen mithilfe von Apps zudem auch selbst auf einem Android-Smartphone installieren. Das allerdings wäre sehr aufwendig, ist nur von Experten zu leisten und wird keinen so tief greifenden Schutz bieten wie das Silent OS.

Was dem Blackphone 2 allerdings fehlt, ist eine Möglichkeit, E-Mails verschlüsselt zu versenden und zu empfangen. Hier haben Blackberrys einen klaren Vorteil, wobei man mit aktuellen Modellen auch Android-Apps nutzen kann.

Vorteile und Nachteile

Umfangreiche Sicherheitsfunktionen

Relativ leichte Bedienung

Android-Apps voll nutzbar

Keine E-Mail-Verschlüsselung

Hoher Preis



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Mierscheid 07.10.2015
1.
Fast 700,- EUR Aufpreis für die vermeintliche Sicherheit? Die werden wohl kaum jede Codezeile in Android untersucht haben. Und wer garantiert, dass in der Hardware keine Spähroutinen versteckt sind? Ich vermute, da ist ein MT6752 drin, wenn die NSA das nicht im ARM-Kerndesign versteckt haben, dann vielleicht die Chinesen im MTK Chipdesign? Trauen würde ich so einem Gerät nicht – auch und gerade bei fast 700,- EUR Aufpreis nicht. Aber sicher, als Admin kann man sagen: "Mich trifft keine Schuld! Ich habe Sicherheit gekauft!". Die Verantwortlichen glauben so einen Blödsinn.
privacy=dignity 07.10.2015
2. Sprach-los
Ist ja toll, Kommunikation und privacy für Betuchte. Wie bei "echten Lebensmitteln" müssen wir jetzt auch noch tief in die Tasche greifen um ein wenigstens halbwegs ungestörtes Gespräch am Telefon zu führen. Dass die NSA da keinen key zur Entschlüsselung hat kann man wahrscheinlich nicht garantieren und nach eienm Jahr ist das Ding outdated und unsicher, es sei denn, man kauft für viel Geld 'ne Menge App-Kram der uns dann soweit man dem vertauen kann auch kurzzeitig halbwegs schützt. Blackphone my heini. Deutschland, das Land der Dichter und Denker. Dicht sind die schon lange nicht mehr und das Denken hat man dem Kapital überlassen. Dichten können nur noch Werbefachleute, die dem grössten Mist einen Mussmanhabenfaktor andichten. Brave new world!
cor 07.10.2015
3. Bitte nur mit Aluhut benutzen!
Ich kann nicht besonders viel erkennen, was ein stinknormales Android oder ein iOS nicht kann: -Remote Erase: Check -Verschlüsselung: Check -für jede App Zugriffe einstellen: Check -Virtuelle Homescreens: Nicht das ich wüsste (Android kann das evtl?) -nicht firmenkonforme Apps: Mit Zusatzapps wie beispielsweise MobileIron -Verschlüsselte Kommunikation: Geht mit Threema und co.
cheromo 07.10.2015
4. Google App installiert
Schon das erste Bild des Artikels zeigt auf dem Homescreen die Google-Suche. Grenzt es da nicht schon an Betrug es als "anti-späh-handy" zu vermarkten?!
cabeza_cuadrada 07.10.2015
5. was mich interessieren würde...
Funktioniert das Teil auch in meinem persönlichen Atimbunkerden ich mir für den nahen Weltuntergang angelegt habe, unter meinem Haus?
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