Android-Smartphones: Angreifer können Sim-Karte aus der Ferne sperren
Smartphones sind anfällig für besonders heimtückische Attacken: Einige Android-Handys enthalten eine Sicherheitslücke, über die man die jeweils eingelegte Sim-Karte unbenutzbar machen kann. Abhilfe ist möglich, kommt aber nicht vom Hersteller selbst.
Angreifer können die in die Handys eingelegte Sim-Karte unbrauchbar machen, indem sie den Anwender dazu verleiten, beispielsweise eine präparierte Webseite anzusteuern. Dem Fachmagazin heise Security ist es gelungen, über eine eigens dafür eingerichtete Testseite die Sim-Karte in einem HTC One XL zu sperren.
Der Trick funktioniert so: In den HTML-Code der Webseite wird ein sogenannter USSD-Befehl (Unstructured Supplementary Service Data) eingebettet. In Kombination mit zufällig gewählten, falschen Pin-Codes wird dem Handy vorgegaukelt, der Anwender hätte die zum Entsperren des Telefons nötige Zahlenkombination mehrfach falsch eingegeben. Das Telefon reagiert darauf mit der vorgesehenen Vorsichtmaßnahme und sperrt das Gerät so lange, bis ein der Sim-Karte zugeordneter PUK-Code (Personal Unblocking Key) eingegeben wird, den man von seinem Telefonanbieter üblicherweise mit der Karte geliefert bekommt.
Während die Redakteure ihre zum Test genutzte Sim-Karte in diesem Fall also reaktivieren konnten, hätte ein böswilliger Angreifer auch die Möglichkeit, die Karte dauerhaft unbrauchbar zu machen. Dazu hätte man den Angriffscode nur so modifizieren müssen, dass er auch die "PUK zehn Mal falsch eingibt, was zur endgültigen Sperrung der Karte geführt hätte", erklären die heise-Redakteure.
Das Handy wäre folglich vorerst unbrauchbar, könnte sich nicht mit dem Mobilfunknetz verbinden und wäre weder für Telefonate noch fürs mobile Internet zu gebrauchen. Abhilfe wäre für die Betroffenen in einem solchen Fall nur möglich, wenn sie sich eine Ersatzkarte besorgen oder sich für ihre alte Rufnummer eine neue Sim-Karte zuschicken lassen würden. Beides wäre mit Kosten und gegebenenfalls mit einigen Tagen Wartezeit verbunden, während derer man unerreichbar wäre.
Hilfe durch Dritt-Apps
Die Entdeckung folgt nur wenige Tage nachdem ein Sicherheitsexperte der TU-Berlin eine Sicherheitslücke in Samsung-Handys entdeckt hatte. Sie ermöglicht es Fremden, auf ähnliche Weise einen Löschbefehl auszulösen, der den gesamten Speicher des jeweiligen Geräts auf den Werkszustand zurücksetzt. Laut Samsung sind nur ältere Modelle von dem Fehler betroffen, sie sollen per Software-Update immun gemacht werden. Unterdessen tauchen im Web Berichte auf, nach denen neben Samsung-Smartphones auch Geräte von HTC und Motorola betroffen sind.
Android-User, die sich vor den geschilderten Angriffsmöglichkeiten schützen wollen, bis entsprechende Software-Patches verfügbar werden, sollten sich in Googles Online-Shop Play eine der Apps TelSop oder NoTelURL herunterladen. Beide unterbinden die Ausführung von USSD-Befehlen. Der einzige damit verbundene Nachteil: Auch absichtlich eingegebene USSD-Codes werden nicht mehr ausgeführt. Das aber dürfte nur wenige User stören, unter Normalnutzern ist es eher ungewöhnlich, sich solcher Zifferncodes zu bedienen, um das Handy zu steuern.
Laut "heise security" sind neben den genannten Android-Smartphones keine anderen Geräte von den Schwachstellen betroffen. Wer sein Handy auf die Sicherheitslücke prüfen will, kann das über eine extra dafür eingerichtete Test-Webseite tun.
mak
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