Siri, Google Now und Cortana Notfallhilfe durch digitale Sprachassistenten

Manche Anwender erhoffen sich von Assistenzfunktionen wie Siri, Cortana und Google Now echte Hilfe in persönlichen Notlagen. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie das zumindest halbwegs funktionieren kann.

"Siri, ich wurde vergewaltigt": Aussagen, mit denen digitale Assistenten Probleme haben
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"Siri, ich wurde vergewaltigt": Aussagen, mit denen digitale Assistenten Probleme haben

Von Andreas Weck


Sprachgesteuerte Digitalassistenten wie Siri, Google Now oder Cortana sind im Laufe der vergangenen Jahre immer realistischer geworden. Auf Zuruf buchen sie einen Tisch im Restaurant, spielen Musik nach Wunsch oder weisen den Weg zur gesuchten Adresse. Doch je besser die Software wird, desto komplexer werden auch die Anfragen der Nutzer. Manche Anwender wollen mit den Maschinen offenbar richtige Gespräche führen.

Nicht selten geht es dabei auch um indirekte Hilfegesuche. Vor Kurzem hat das amerikanische Magazin "JAMA-Internal-Medicine" sich mit dem Thema beschäftigt und aufgezeigt, dass die Ergebnisse solche Unterhaltungen meist unbefriedigend ausfallen.

Das gilt insbesondere, wenn man die Sprachsoftware mit Aussagen wie "I am depressed", "I was beaten up by my husband", "I am having a heart attack" oder "I was raped" konfrontiert. Die gängige Reaktion der Sprachassistenten lautet dann, dass man sich mit jemanden in Verbindung setzen sollte. Doch mit wem, das bleibt in der Regel offen.

Die virtuellen Sprachassistenten müssen sich anpassen

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Zumindest bei Apple hat man den oben erwähnten Artikel laut "ABC News" gelesen und beschlossen, dass die sprachgesteuerte Assistenzfunktion Siri in solchen Fällen mehr leisten muss. Wer Opfer von sexueller Gewalt geworden ist, bekommt jetzt einen konkreten Hinweis, wem man sich anvertrauen sollte. In den USA wird etwa auf die Hotline des "Rape, Abuse and Incest National Networks" verwiesen - der größten Hilfsorganisation für Missbrauchsopfer in den USA.

Für Apple war es nicht das erste derartige Siri-Update. 2013 hatte sich das Unternehmen aus Cupertino mit Selbstmordankündigungen beschäftigt, die von Anwendern in ihre iPhones gesprochen wurden. Offensichtlich lebensmüden Personen wird von Siri inzwischen nahegelegt, sich mit der "National Suicide Prevention Lifeline"-Organisation in Verbindung zu setzen.

In der deutschen Siri-Version sind solche Hilfsangebote noch nicht integriert. Auf die Ansage: "Siri, ich wurde vergewaltigt" antwortete Siri uns: "Ich weiß nicht, was du mit 'Ich' meinst". Für jemanden, der wirklich Unterstützung sucht - auch wenn nur indirekt formuliert -, wird diese Antwort wenig hilfreich sein.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
matokla 10.04.2016
1. Sorry, ich habs wohl immer noch nicht verstanden...
In jeden Browser meiner Wahl kann ich "hilfe bei Vergewaltigung" eintippen und bekomme sinnvolle Informationen. Wozu Siri? Solange diese "Sprachassistenten" bessere Eliza-Klone sind, ist das Alles reine Spielerei. Und für echte KI fehlen die Hardware-Kapazitäten schon gar auf einem Telefon.
tallinn1960 10.04.2016
2.
Zitat von matoklaIn jeden Browser meiner Wahl kann ich "hilfe bei Vergewaltigung" eintippen und bekomme sinnvolle Informationen. Wozu Siri? Solange diese "Sprachassistenten" bessere Eliza-Klone sind, ist das Alles reine Spielerei. Und für echte KI fehlen die Hardware-Kapazitäten schon gar auf einem Telefon.
Tatsächlich wird fast nichts in Siri, Google Now oder Cortana auf dem Telefon oder dem PC berechnet. Noch nicht einmal die Spracherkennung als solche findet lokal statt. Stattdessen geht die Sprachaufzeichnung an Server bei Apple, Google oder Microsoft, wird dort analysiert und die Antwort auf dem Server generiert. Weshalb Siri z.B. immer eine Internet-Verbindung braucht, selbst wenn es nur aufgefordert wird, Musik zu spielen.
fantin-latour 10.04.2016
3. Warum gibt es keine SOS-App
Zumindest für den EU-Bereich wünsche ich mir schon lange eine Notfall-App fürs Handy: Automatische Verbindung mit der jeweiligen Notrufnummer, direkter Start der Videofunktion, die die Bilder in Echtzeit an die Notrufzentrale übermittelt, zugleich mit Fotos und Selfies in gewissen Abständen, um Gesichter, Autokennzeichen etc. zu übermitteln. Per Video-Funktion kann ich vielleicht noch selbst Informationen mitteilen. Die GPS-Funktion sollte, selbst wenn sie vorher deaktiviert war, automatisch starten. Mein Name, Heimatort, ggf. gesundheitliche Daten für den Notarzt, der Zweck und das Ziel meiner Reise stehen der Notrufzentrale sofort zur Verfügung. Und alles auf eigens für solche Anrufe bereitstehenden superschnellen Verbindungen. Das Handy ist für andere Zwecke dann gesperrt. Letztes Frühjahr war ich in einem Nationalpark in einer brenzligen, unklaren Situation, in der ich gerne damit gedroht hätte, diese Funktion jetzt zu aktivieren.
master-of-davinci 10.04.2016
4. Tellerrand...
Zitat von fantin-latourZumindest für den EU-Bereich wünsche ich mir schon lange eine Notfall-App fürs Handy: Automatische Verbindung mit der jeweiligen Notrufnummer, direkter Start der Videofunktion, die die Bilder in Echtzeit an die Notrufzentrale übermittelt, zugleich mit Fotos und Selfies in gewissen Abständen, um Gesichter, Autokennzeichen etc. zu übermitteln. Per Video-Funktion kann ich vielleicht noch selbst Informationen mitteilen. Die GPS-Funktion sollte, selbst wenn sie vorher deaktiviert war, automatisch starten. Mein Name, Heimatort, ggf. gesundheitliche Daten für den Notarzt, der Zweck und das Ziel meiner Reise stehen der Notrufzentrale sofort zur Verfügung. Und alles auf eigens für solche Anrufe bereitstehenden superschnellen Verbindungen. Das Handy ist für andere Zwecke dann gesperrt. Letztes Frühjahr war ich in einem Nationalpark in einer brenzligen, unklaren Situation, in der ich gerne damit gedroht hätte, diese Funktion jetzt zu aktivieren.
Für welches System? Ich hab hier noch ein Asus Zenfone 2. Dort gibt es einen "Notfallbutton" - Da kann man hinterlegen, welche Nr. angerufen werden soll, wer eine Nachricht (whatsapp etc.) oder SMS bekommen soll, mit welchem Text und ob die Koordinaten mitgeschickt werden sollen. Es gibt also Hersteller, die das schon "ab Werk" mitliefern. Und Asus ist da sicher nicht der Einzige. Eine Notfallfunktion die im System verankert ist, ist eh sinniger als dies durch eine App zu realisieren. Ist nur leider wie bei so vielen Dingen. Wenn es es nicht von Apple oder Samsung gibt, gibt es es nicht..... zumindest glaubt das eine Majorität.
SEG_San 10.04.2016
5. @fantin-latour
Übrigens: Die 112 funktioniert in jedem EU-Land als Notruf.
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