Software für Smart-TVs Wenn Millionen fernsehen, schaut Samba TV mit

Egal, ob Netflix-Serie, Playstation-Spiel oder Nachrichtensendung: Die Software Samba TV hält nach, wofür Besitzer von Smart-TVs ihr Gerät nutzen. Ihr Wissen macht die Firma zu Geld.

Website von Samba TV

Website von Samba TV


Samba TV ist ein Programm, das Millionen Menschen nutzen - bei dem aber vermutlich längst nicht alle Nutzer wissen, wie es eigentlich arbeitet. Allein in den USA zeichnet die Software laut einem Bericht der "New York Times" auf, was auf mehr als 13 Millionen Smart-TVs geschieht. Die App analysiert dafür im Sekundentakt Pixel. Der Bildschirminhalt verrät so beinahe in Echtzeit, welcher Film gerade läuft und ob der Nutzer eine Netflix-Serie schaut oder Playstation spielt.

Offenbar habe Samba TV den Werbekunden sogar Zielgruppen angeboten, die als politisch konservativ und liberal eingestuft wurden, heißt es in der "New York Times", abhängig davon, ob sich mit einem Gerät die TV-Debatten der Republikaner oder die der Demokraten angesehen wurden.

Werbekunden wiederum bezahlen Samba TV dafür, dass Zuschauer maßgeschneiderte Werbung anhand ihres TV-Konsums zu sehen bekommen - und zwar auf allen Geräten, die mit demselben Internetanschluss wie das TV-Gerät verbunden sind. Wenn ein Nutzer sich beispielsweise eine Reise-Doku im Fernsehen anschaut, kann Samba TV eine Urlaubsanzeige auf dem Smartphone-Browser des Zuschauers ausspielen.

"Spitzel in euren Wohnzimmern"

Bei einer Diskussion im Onlineforum "Hacker News" beklagen sich Nutzer seit einigen Monaten darüber, dass es sich bei der Software um ein nutzloses Programm handle, von dem lediglich die Werbeindustrie profitiere. Der Software-Entwickler David Kitchen bezeichnet die Software als "Spitzel in euren Wohnzimmern, der alles ausspäht, was ihr euch im Fernsehen anschaut".

Tatsächlich scheint es realistisch, dass Samba TV viele Nutzer hat, die nicht ahnen, was das Programm tut. Die Software ist in vielen Fällen durch die TV-Hersteller auf Fernsehern vorinstalliert: Da liegt es nahe, die Software zu aktivieren und damit zu akzeptieren, dass sie die eigenen Nutzungsvorlieben aufzeichnet und zu Geld macht.

Und wer wissen will, welche Informationen genau sein Fernseher über ihn sammelt, muss sich erst die Nutzungsbedingungen (rund 6500 Wörter) und die Datenschutzbestimmungen (rund 4000 Wörter) zu Samba TV durchlesen.

Investoren haben mehr als 40 Millionen Dollar investiert

Weltweit ist Samba TV auf mehr als 70 Millionen Fernsehern aktiviert, zudem erreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt mehr als eine Milliarde Geräte wie Smartphones, Tablets, Macs und PCs.

Seit zwei Jahren scannt der Konzern auch das TV-Verhalten der Deutschen. Wie viele Nutzer die Software hierzulande aktiviert haben, ist jedoch unklar. Auf eine SPIEGEL-Anfrage am Freitagmittag hat Samba TV bisher nicht reagiert.

Samba TV arbeitet mit rund einem Dutzend Geräteherstellern wie Sony, Sharp und Philips zusammen, die das Programm auf ihren Geräten zur Verfügung stellen. Dafür zahlt Samba TV Gebühren an die Konzerne, doch die Einnahmen aus dem Werbegeschäft übertreffen die Ausgaben offenbar. Investoren wie Time Warner sind überzeugt von der Geschäftsidee und haben bisher rund 40 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.

Um Kunden davon zu überzeugen, die Software per Opt-in zu aktivieren, wirbt Samba TV mit den Vorteilen von Echtzeitdaten: So werden etwa Listen mit den beliebtesten Fernsehshows angezeigt. Außerdem stellt Samba TV individuelle Vorschläge anhand der Sehgewohnheiten zusammen und weist den Nutzer darauf hin, wenn die Lieblingsshow startet.

Samba TV zufolge werden die Daten konform mit der EU-Datenschutzgrundverordnung verarbeitet. Es sei der Kern jeder Entscheidung, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, heißt es.

jbr



insgesamt 16 Beiträge
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spysong 06.07.2018
1. Und was hab ich davon?
Werd ich am Gewinn Beteiligt von MEINEN Daten? Oder nur abgespeist mit "kostenlosen" "Erfahrungen" "zur Verbesserung" meines "TV Erlebnis"? Ich mein es steht ja da. Die rhetorische Frage musste aber leider sein. Braucht kein Mensch und ich bekomme keine Kohle von denen und die machen Kohle mit meinem Nutzerverhalten und speisen mich mit digitalen Müll zu.
lupo62 06.07.2018
2. Weitverbreitet
Ich habe mir vor kurzem einen neuen Computer gekauft und war erschrocken, wie viele Programme schon vorinstalliert waren und nur darauf warteten, nach Hause telofonieren zu können. Auf dem Smart-TV lässt sich das etwas einschränken, indem man das Gerät nur dann online verbindet, wenn man tatsächlich ins Internet will. Gerade bei den Fernsehern wird man die Tefoniererei wohl nicht vollständig unterbinden können, weil sie man die Geräte nicht überwachen kann.
kalsu 06.07.2018
3.
Und wo ist jetzt die News? Das ist den Nutzern solcher Dienst doch sowas von egal. Sie haben nichts zu verbergen.
shardan 06.07.2018
4. Wäre es nur Samba
Wäre es nur Samba, wäre es schon schlimm genug. Ich hab mir mal den Spaß gegönnt und mit Hilfe eines Networksniffers mitprotokolliert, wohin mein TV denn so gern telefoniert - es ist erschreckend. Da werden etliche Internetadressen angesprochen - nicht gelegentlich, sondern permanent. Vieles ist verschlüsselt, so dass man nicht sehen kann, was übermittelt wird. Allein das Datenvolumen ist schon heftig. Konsequenz: Mein TV kann nicht mehr ins Internet. Hier würde ich mir mal eine tiefer gehende Recherche und Berichterstattung wünschen.
Oberleerer 06.07.2018
5.
Bereits vor mehreren Jahren hat die c´t den elektronischen Programmguide analysiert, z.B. von Pro7. Diese Webseite wird über das Bild gelegt und aktualisiert sich ganz einfach per Metarefresh jede Minute. Benutzt man den EPG nicht, wird dieser nicht etwa geschlossen, sondern nur in den Hintergrund gelegt. Diese Webseite nimmt jede Minute Kontakt auf zu 7 Werbenetzwerken (vor 2 Jahren), die auf diese Weise ebenso die Dauer ermitteln, wie lange man welches Programm eingeschaltet hat. Dem TV den Weg ins Internet zu verwehren sorgt meist dafür, daß das Gerät unentwegt nach freiem WLAN sucht, um seine gesammelten Daten loszuwerden.
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