Smarte Babyphones So leicht gelangen Hacker ins Kinderzimmer

Auch bei Babyphones geht der Trend zu smarten Geräten mit Kamera und WLAN-Anschluss. Sicherheitsforscher warnen: Einige Geräte lassen sich einfach hacken und geben den Blick frei ins Kinderzimmer.

Video-Babyphone (Symbolbild): So haben Eltern den Nachwuchs immer im Blick - aber allzu leicht auch andere.
Corbis

Video-Babyphone (Symbolbild): So haben Eltern den Nachwuchs immer im Blick - aber allzu leicht auch andere.


Babyphones mit Kamera und W-LAN-Anschluss sind gegen Hackerangriffe teilweise nicht gesichert. Das geht aus einem Bericht der Sicherheitsfirma Rapid7 hervor. Die Experten entdeckten sieben Babyphones, die gegen Attacken mehr oder weniger schutzlos sind.

Ohne besondere technische Fähigkeiten und ohne größeren Aufwand, sei es möglich, auf die Geräte zuzugreifen. Angreifer bräuchten nichts weiter als einen Browser. Die Vorgehensweise sei "trivial" für jeden fachkundigen Hacker, so die Experten.

Das Gerät "Philips In Sight B120E/37", ein HD-Babyphone, das in Deutschland in ähnlicher Ausführung unter der Endung "B120/10" erhältlich ist, erlaube beispielsweise einen unbemerkten einstündigen Audio- und Video-Stream aus dem Kinderzimmer. Die Experten von Rapid7 kritisierten besonders, dass die getesteten Geräte nicht gegen den Zugriff von unbekannten IP-Adressen geschützt seien.

Nur ein Hersteller kündigt Update an

Philips hat unterdessen als einziger Hersteller auf den Bericht reagiert und ein Update angekündigt. Das Gerät werde mittlerweile von der Firma Gibson Innovations unter dem Markennamen von Philips vertrieben. Man rechne damit, in der ersten Septemberwoche ein Update bereitstellen zu können, heißt es in einem Statement. Allerdings, so betonte der Konzern, sei bisher kein Fall bekannt, in dem die Sicherheitslücke ausgenutzt wurde.

Laut Rapid7 wiesen neben dem Philips-Gerät auch die "iBaby" Modelle "M3S" und "M6", das "Summer Infant Baby Zoom", die "TrendNet Wi-Fi Baby Cam", "Lens Peek-a-View" und ein Gerät von "Gynoii" Sicherheitslücken auf. Insbesondere in den USA sind solche smarten Babyphones bereits weit verbreitet.

Die meisten Anbieter hätten, so Rapid7 nicht auf die Sicherheitsbedenken reagiert oder konnten nicht kontaktiert werden. Außer Philips habe niemand ein Update angekündigt, die meisten Geräte blieben demnach offenbar anfällig, so die Experten.

mos

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
tom2373 03.09.2015
1. Aha - und welcher Hacker hätte jetzt
Interesse daran, schlafende Babys zu beobachten?
th.h.koester 03.09.2015
2. Konzernantworten...
"Allerdings, so betonte der Konzern, sei bisher kein Fall bekannt, in dem die Sicherheitslücke ausgenutzt wurde." Da im Regelfall die Bezieher illegaler Datenbeute dies sofort dem Hersteller melden, ist ja im Umkehrschluss nicht mit Fremdzugriffen zu rechnen... Leider scheint der grundsätzliche Schutz des privaten Raums Systemhersteller wenig bis kaum zu interessieren. Immerhin bietet Philipps ja auch umfassende Haus - und Heimüberwachungselektronik an. Und Voyeure gibt es leider auch und besonders im digitalen Zeitalter.
FriedrichDehnert 03.09.2015
3.
Zitat von tom2373Interesse daran, schlafende Babys zu beobachten?
Ich *liebe* ja die "Ich habe nichts zu verbergen!"-Fraktion. Also, als Interessenten fallen mir Entführer ein, Diebe, Exe(n), etc. pp. Die Begrenztheit Ihrer Phantasie begrenzt leider nicht Dieselbe der Missbrauchenden. Es gilt der alte Grundsatz: WAS VERFÜGBAR IST, *WIRD* missbraucht werden.
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