Smartphone-Allianz: "Nokiasoft" startet verzweifelte Aufholjagd

Von Matthias Kremp und Stefan Schultz

Gleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert.

Nokia-Smartphone: Keine Aussicht auf Erfolg mit dem eigenen SystemZur Großansicht
REUTERS

Nokia-Smartphone: Keine Aussicht auf Erfolg mit dem eigenen System

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet, Nokia verbandelt sich mit Microsoft. Der weltgrößte Handy-Hersteller und das weltgrößte Software-Unternehmen wollen nach eigenen Angaben die "Marktführerschaft bei Smartphones" zurückgewinnen. Die Versprechen sind gewaltig: Die beiden Neu-Partner versprechen ein Mobilfunk-Ökosystem von unerreichtem globalen Ausmaß, die Bündelung ihrer Kräfte bei der Hardware- und Software-Entwicklung.

Drum wird heftig getrommelt bei "Nokiasoft" - bislang aber erntet der Zusammenschluss mehr Häme als Anerkennung. Ein Twitter-User kommentiert: "Die Schlacht wird auf Nokias brennende Plattform verlegt." An der Börse wurde der Zusammenschluss zunächst skeptisch aufgenommen: Die Nokia-Aktie verlor zeitweise zehn Prozent an Wert, die Microsoft-Aktie veränderte sich im Vergleich zum Vortag kaum.

Die Reaktionen haben einen Grund: Der Zusammenschluss der beiden Giganten ist weniger eine Allianz der Starken als die Schicksalsgemeinschaft zweier wankender Riesen. "Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden", sagt Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. "Sie tun, was sie können, um ihre verbleibenden Marktanteile zu retten", sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi SPIEGEL ONLINE.

Trends verschlafen

Tatsächlich haben beide Firmen in den letzten Jahren Trends verschlafen, Innovationen verschleppt - und sich durch diese Versäumnisse nach und nach selbst aus dem lukrativen Geschäft mit den Smartphones gekegelt.

Nokia etwa hielt Touchscreen-Handys lange für überbewertet, sah im iPhone ein Nischenprodukt und hatte dann Mühe, mit mehr als einem Jahr Verspätung endlich auch auf den Touchscreen-Zug aufzuspringen. Das dann aber auch nur halbherzig mit einem Symbian-Betriebssystem, das Apples Betriebssystem iOS und Googles Variante Android hoffnungslos unterlegen ist - ein Rückstand, den Nokia bis heute nicht aufholen konnte. Immer noch basiert Symbian auf schichtweise übereinandergelegten Menüstrukturen, mit tief verschachtelten Ordnern. Die sind zwar mittlerweile etwas einfacher per Finger bedienbar, aber immer noch nicht einfach zu durchschauen.

Auch Microsoft unterschätzte den Smartphone-Markt. Computer-Handys würden in erster Linie Business-Handys werden und nicht spaßige Gadgets für jedermann, prophezeite der Software-Riese. Viel zu spät entschied er, sein veraltetes Windows CE abzuwerfen und mit Windows Phone 7 eine komplett neue Smartphone-Plattform mit Zuschnitt auf Privatanwender zu entwickeln. Das Resultat ist ein Betriebssystem mit viel Potential - aber noch immer wenigen Funktionen.

Rapider Verlust von Marktanteilen

Die Versäumnisse rächten sich bitter. Während die Margen regulärer Handys immer kleiner werden, wächst der ungleich ertragreichere Smartphone-Markt rasant. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Absätze um 72 Prozent. Knapp jedes fünfte Mobiltelefon war Ende vergangenen Jahres ein Smartphone.

Nokia und Microsoft verlieren in diesem Zukunftsmarkt rapide an Boden. Obwohl Nokia im Vergleich zum Vorjahr mehr Handys verkaufte, schrumpfte sein Marktanteil von 36,4 auf 28,9 Prozent, teilte das Marktforschungsunternehmen Gartner mit. Symbians Anteil am Weltmarkt ging im selben Zeitraum von 46,9 auf 37,6 Prozent zurück.

Auch Microsoft ist weit abgeschlagen: Im vierten Quartal 2010 wurden gerade zwei Millionen Handys mit Windows Mobile 7 an den Handel geliefert. Wie viele davon verkauft wurden, ist unklar. Weltweit kommt das Mobilfunk-Windows auf einen Anteil von 4,2 Prozent. Androids Anteil kletterte im selben Zeitraum von etwas mehr als drei auf 22,7 Prozent.

Mit ihrer Allianz wollen die Konzerne nun wieder konkurrenzfähig werden. Doch Analysten sind skeptisch. "Es ist eine Kooperation mit vielen Fragezeichen", sagt der Nokia-Analyst Robert Jacobsen von der Jyske Bank SPIEGEL ONLINE.

Was taugt die Allianz - und wer profitiert von ihr am meisten? Eine Analyse der wichtigsten Punkte.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 109 Beiträge
README.TXT 11.02.2011
Vor ein paar Tagen bin über einen Link gestolpert: Ein Langer Artikel mit Interviews mit Ex-Nokianers und deren Meinung warum der Laden hinkt, lest selbst: [...]
Vor ein paar Tagen bin über einen Link gestolpert: Ein Langer Artikel mit Interviews mit Ex-Nokianers und deren Meinung warum der Laden hinkt, lest selbst: http://www.hs.fi/english/article/Knock+Knock+Nokias+Heavy+Fall/1135260596609 Der Laden ist nicht mehr zu retten.
wanderprediger 11.02.2011
...sicherlich nicht mit dem Kundestamm, der sich im Spon in diversen Diskussionsforen als Nokiafan geoutet hat. Ich bezweifle auch strak, dass das funktioniert. Rückzugsgefecht trifft es eher.
Zitat von sysopGleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,744935,00.html
...sicherlich nicht mit dem Kundestamm, der sich im Spon in diversen Diskussionsforen als Nokiafan geoutet hat. Ich bezweifle auch strak, dass das funktioniert. Rückzugsgefecht trifft es eher.
GM64 11.02.2011
Die schauen auch nicht schön aus. So eckig, und dann kann man es auch nicht mit der FritzBox verwenden. Und dann findet man im Shop noch einen Kasperky Virenscanner. Das macht die Dinger aber nicht sympatisch. Und jetzt noch [...]
Die schauen auch nicht schön aus. So eckig, und dann kann man es auch nicht mit der FritzBox verwenden. Und dann findet man im Shop noch einen Kasperky Virenscanner. Das macht die Dinger aber nicht sympatisch. Und jetzt noch Windows. Wer will das denn kaufen? Android finde ich auch nicht so lustig. Da gibt es nur Java Apps. Und wenn man an die vielen Kündigungen denkt, dann ist es einem auch nicht sympathisch. Wenn Nokia geht, können die Anderen mehr verkaufen.
hazet 11.02.2011
zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine "me too" Strategie wird kaum helfen, den langsamen Tod von NOKIA aufzuhalten!
Zitat von sysopGleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,744935,00.html
zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine "me too" Strategie wird kaum helfen, den langsamen Tod von NOKIA aufzuhalten!
Izmir.Übül 11.02.2011
Interessanter Artikel. So etwas passiert immer dann, wenn man sich selbst für den Größten, Besten und de facto unangreifbar hält. Ich habe 1988 aus genau diesen Gründen das Ende von Nixdorf Computer prognostiziert, und damals [...]
Zitat von README.TXTVor ein paar Tagen bin über einen Link gestolpert: Ein Langer Artikel mit Interviews mit Ex-Nokianers und deren Meinung warum der Laden hinkt, lest selbst: http://www.hs.fi/english/article/Knock+Knock+Nokias+Heavy+Fall/1135260596609 Der Laden ist nicht mehr zu retten.
Interessanter Artikel. So etwas passiert immer dann, wenn man sich selbst für den Größten, Besten und de facto unangreifbar hält. Ich habe 1988 aus genau diesen Gründen das Ende von Nixdorf Computer prognostiziert, und damals haben alle gedacht, ich spänne. Zwei Jahre später war's dann so weit.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Gadgets
alles zum Thema Smartphones

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Freitag, 11.02.2011 – 16:15 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 109 Kommentare



Marktanteile der Tech-Riesen
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications




TOP



TOP