Smartphone-Allianz: "Nokiasoft" startet verzweifelte Aufholjagd

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Gleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert.

Nokia-Smartphone: Keine Aussicht auf Erfolg mit dem eigenen System Zur Großansicht
REUTERS

Nokia-Smartphone: Keine Aussicht auf Erfolg mit dem eigenen System

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet, Nokia verbandelt sich mit Microsoft. Der weltgrößte Handy-Hersteller und das weltgrößte Software-Unternehmen wollen nach eigenen Angaben die "Marktführerschaft bei Smartphones" zurückgewinnen. Die Versprechen sind gewaltig: Die beiden Neu-Partner versprechen ein Mobilfunk-Ökosystem von unerreichtem globalen Ausmaß, die Bündelung ihrer Kräfte bei der Hardware- und Software-Entwicklung.

Drum wird heftig getrommelt bei "Nokiasoft" - bislang aber erntet der Zusammenschluss mehr Häme als Anerkennung. Ein Twitter-User kommentiert: "Die Schlacht wird auf Nokias brennende Plattform verlegt." An der Börse wurde der Zusammenschluss zunächst skeptisch aufgenommen: Die Nokia-Aktie verlor zeitweise zehn Prozent an Wert, die Microsoft-Aktie veränderte sich im Vergleich zum Vortag kaum.

Die Reaktionen haben einen Grund: Der Zusammenschluss der beiden Giganten ist weniger eine Allianz der Starken als die Schicksalsgemeinschaft zweier wankender Riesen. "Diese Partnerschaft gründet auf der Angst beider Seiten, von Apple und Google an den Rand gedrückt zu werden", sagt Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. "Sie tun, was sie können, um ihre verbleibenden Marktanteile zu retten", sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi SPIEGEL ONLINE.

Trends verschlafen

Tatsächlich haben beide Firmen in den letzten Jahren Trends verschlafen, Innovationen verschleppt - und sich durch diese Versäumnisse nach und nach selbst aus dem lukrativen Geschäft mit den Smartphones gekegelt.

Nokia etwa hielt Touchscreen-Handys lange für überbewertet, sah im iPhone ein Nischenprodukt und hatte dann Mühe, mit mehr als einem Jahr Verspätung endlich auch auf den Touchscreen-Zug aufzuspringen. Das dann aber auch nur halbherzig mit einem Symbian-Betriebssystem, das Apples Betriebssystem iOS und Googles Variante Android hoffnungslos unterlegen ist - ein Rückstand, den Nokia bis heute nicht aufholen konnte. Immer noch basiert Symbian auf schichtweise übereinandergelegten Menüstrukturen, mit tief verschachtelten Ordnern. Die sind zwar mittlerweile etwas einfacher per Finger bedienbar, aber immer noch nicht einfach zu durchschauen.

Auch Microsoft unterschätzte den Smartphone-Markt. Computer-Handys würden in erster Linie Business-Handys werden und nicht spaßige Gadgets für jedermann, prophezeite der Software-Riese. Viel zu spät entschied er, sein veraltetes Windows CE abzuwerfen und mit Windows Phone 7 eine komplett neue Smartphone-Plattform mit Zuschnitt auf Privatanwender zu entwickeln. Das Resultat ist ein Betriebssystem mit viel Potential - aber noch immer wenigen Funktionen.

Rapider Verlust von Marktanteilen

Die Versäumnisse rächten sich bitter. Während die Margen regulärer Handys immer kleiner werden, wächst der ungleich ertragreichere Smartphone-Markt rasant. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Absätze um 72 Prozent. Knapp jedes fünfte Mobiltelefon war Ende vergangenen Jahres ein Smartphone.

Nokia und Microsoft verlieren in diesem Zukunftsmarkt rapide an Boden. Obwohl Nokia im Vergleich zum Vorjahr mehr Handys verkaufte, schrumpfte sein Marktanteil von 36,4 auf 28,9 Prozent, teilte das Marktforschungsunternehmen Gartner mit. Symbians Anteil am Weltmarkt ging im selben Zeitraum von 46,9 auf 37,6 Prozent zurück.

Auch Microsoft ist weit abgeschlagen: Im vierten Quartal 2010 wurden gerade zwei Millionen Handys mit Windows Mobile 7 an den Handel geliefert. Wie viele davon verkauft wurden, ist unklar. Weltweit kommt das Mobilfunk-Windows auf einen Anteil von 4,2 Prozent. Androids Anteil kletterte im selben Zeitraum von etwas mehr als drei auf 22,7 Prozent.

Mit ihrer Allianz wollen die Konzerne nun wieder konkurrenzfähig werden. Doch Analysten sind skeptisch. "Es ist eine Kooperation mit vielen Fragezeichen", sagt der Nokia-Analyst Robert Jacobsen von der Jyske Bank SPIEGEL ONLINE.

Was taugt die Allianz - und wer profitiert von ihr am meisten? Eine Analyse der wichtigsten Punkte.

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Nokia wird untergehen
README.TXT 11.02.2011
Vor ein paar Tagen bin über einen Link gestolpert: Ein Langer Artikel mit Interviews mit Ex-Nokianers und deren Meinung warum der Laden hinkt, lest selbst: http://www.hs.fi/english/article/Knock+Knock+Nokias+Heavy+Fall/1135260596609 Der Laden ist nicht mehr zu retten.
2. Die Rückeroberung verlorenem Terrains...
wanderprediger 11.02.2011
Zitat von sysopGleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,744935,00.html
...sicherlich nicht mit dem Kundestamm, der sich im Spon in diversen Diskussionsforen als Nokiafan geoutet hat. Ich bezweifle auch strak, dass das funktioniert. Rückzugsgefecht trifft es eher.
3. Wenn die Smartphones von Nokia wenigstens schöner wären
GM64 11.02.2011
Die schauen auch nicht schön aus. So eckig, und dann kann man es auch nicht mit der FritzBox verwenden. Und dann findet man im Shop noch einen Kasperky Virenscanner. Das macht die Dinger aber nicht sympatisch. Und jetzt noch Windows. Wer will das denn kaufen? Android finde ich auch nicht so lustig. Da gibt es nur Java Apps. Und wenn man an die vielen Kündigungen denkt, dann ist es einem auch nicht sympathisch. Wenn Nokia geht, können die Anderen mehr verkaufen.
4. Wer . . .
hazet 11.02.2011
Zitat von sysopGleich und gleich gesellt sich gern: Microsoft und Nokia haben den Smartphone-Trend verschlafen - jetzt wollten die Konzerne gemeinsam verlorenes Terrain zurückerobern. Analysten bezweifeln, dass das funktioniert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,744935,00.html
zu spät kommt, den bestraft das Leben. Eine "me too" Strategie wird kaum helfen, den langsamen Tod von NOKIA aufzuhalten!
5. Vom Marktführer zum Sanierungsfall
Izmir.Übül 11.02.2011
Zitat von README.TXTVor ein paar Tagen bin über einen Link gestolpert: Ein Langer Artikel mit Interviews mit Ex-Nokianers und deren Meinung warum der Laden hinkt, lest selbst: http://www.hs.fi/english/article/Knock+Knock+Nokias+Heavy+Fall/1135260596609 Der Laden ist nicht mehr zu retten.
Interessanter Artikel. So etwas passiert immer dann, wenn man sich selbst für den Größten, Besten und de facto unangreifbar hält. Ich habe 1988 aus genau diesen Gründen das Ende von Nixdorf Computer prognostiziert, und damals haben alle gedacht, ich spänne. Zwei Jahre später war's dann so weit.
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Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix

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