Japan Alarm-App soll Handy-Dauernutzer vor Unfällen schützen

Hans-guck-in-die-Luft war früher, heute schaut man aufs Smartphone, auch unterwegs. Damit die eifrigen Gerätenutzer nicht mit ihrer Umwelt kollidieren, will sie ein japanischer Mobilfunkanbieter mit einer Alarm-App vor Gefahren warnen.

Ankündigung der "Anshin"-App: Beim Gehen besser nicht nach vorne schauen

Ankündigung der "Anshin"-App: Beim Gehen besser nicht nach vorne schauen


Smartphone-Besitzer, die mit starrem Blick auf ihr Gerät schauen, das ist längst ein gewohnter Anblick. Während sie unterwegs sind, chatten sie mit Freunden, schreiben oder lesen SMS und E-Mails. Leider bekommen sie dabei nicht immer mit, was unmittelbar vor ihnen passiert. Das kann im Fall eines Laternenmasts schmerzhaft, bei einer vielbefahrenen Straße womöglich tödlich sein, fürchtet der japanische Mobilfunkanbieter Docomo.

Um zu verhindern, dass seine Kunden derart zu Schaden kommen, hat das Unternehmen eine kostenlose Sicherheits-App für Android-Handys veröffentlicht. Ist die "Anshin" (japanisch für Seelenfrieden) genannte Software aktiviert, blockiert sie das Gerät, sobald der Nutzer sich in Bewegung setzt.

Versucht der Besitzer, unterwegs sein Smartphone zu benutzen, erscheint auf dem Bildschirm ein Warnhinweis, dass der Gerätegebrauch während des Gehens gefährlich ist und sofort beendet werden sollte. Die Erfassungsgenauigkeit für Bewegungen kann dabei über drei Stufen geregelt werden. Der Hinweis lässt allerdings auch ganz einfach beseitigen, indem man zehn Sekunden lang auf den "Schließen"-Button der Meldung tippt - oder kurz stehen bleibt.

"The Register" ist von der Idee nicht recht überzeugt. Da es sich um einen Opt-In-Dienst handelt, liege die Vermutung nahe, Docomo verschwende mit der App nur Zeit. Das Programm könne auch als originelle PR-Aktion verstanden werden, mit der die Japaner ihren Ruf als sozial verantwortungsvolles Unternehmen aufpolieren wollen.

meu

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insgesamt 12 Beiträge
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Cyman 05.12.2013
1. Kurioses Phänomen
Das fiel mir in Japan auch extrem auf - dass auffällig viele junge Menschen beim Gehen völlig auf ihr Telefon fixiert sind und so gut wie nichts um sich herum wahrnehmen und entsprechende Schwierigkeiten haben, dies mit dem Geschehen auf der Straße zu koordinieren. Natürlich habe ich mir daraufhin Gedanken gemacht, weshalb dies so ist, da mein subjektives Empfinden war, dass die Menschen hierzulande solche Schwierigkeiten in der Regel nicht haben.
Growling Mad Scientist 05.12.2013
2. Das ist hierzulande nicht anders
Zitat von CymanDas fiel mir in Japan auch extrem auf - dass auffällig viele junge Menschen beim Gehen völlig auf ihr Telefon fixiert sind und so gut wie nichts um sich herum wahrnehmen und entsprechende Schwierigkeiten haben, dies mit dem Geschehen auf der Straße zu koordinieren. Natürlich habe ich mir daraufhin Gedanken gemacht, weshalb dies so ist, da mein subjektives Empfinden war, dass die Menschen hierzulande solche Schwierigkeiten in der Regel nicht haben.
Wo wohnst Du denn, dass es bei Dir solche Telefonzombies noch nicht gibt? In Berlin laufen die Untoten mit ihren Handies jedenfalls schon blind durch die Gegend.
troy_mcclure 05.12.2013
3. Alter Hut
Zitat von sysopHans-guck-in-die-Luft war früher, heute schaut man aufs Smartphone, auch unterwegs. Damit die eifrigen Gerätenutzer nicht mit ihrer Umwelt kollidieren, will sie ein japanischer Mobilfunkanbieter mit einer Alarm-App vor Gefahren warnen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/smartphone-app-blockiert-handynutzung-beim-gehen-a-937333.html
Die Fachpresse berichtete schon letztes Jahr darüber ;-) Der Postillon: Neue Smartphone-App warnt beim Gehen vor Kollisionen mit anderen Smartphone-Nutzern (http://www.der-postillon.com/2012/09/app-warnt-smartphone-nutzer-beim-gehen.html)
Stefan_G 05.12.2013
4. Ist leider nicht so
Zitat von CymanDas fiel mir in Japan auch extrem auf - dass auffällig viele junge Menschen beim Gehen völlig auf ihr Telefon fixiert sind und so gut wie nichts um sich herum wahrnehmen und entsprechende Schwierigkeiten haben, dies mit dem Geschehen auf der Straße zu koordinieren. Natürlich habe ich mir daraufhin Gedanken gemacht, weshalb dies so ist, da mein subjektives Empfinden war, dass die Menschen hierzulande solche Schwierigkeiten in der Regel nicht haben.
In meiner Stadt wurde vor einiger Zeit ein Frau Anfang 20 von einer Straßenbahn überfahren und getötet. Bei normalen Sichtverhältnisse an einer übersichtlichen, ca. 1 km schnurgerade verlaufenden Stelle lief sie quasi direkt vor die Bahn. Man nimmt an, dass sie auf ihr Smartphone fixiert war, sie hörte wohl auch Musik mit Ohrhörern.
Wolf im Wolfspelz 05.12.2013
5. Lasst Darwin seinen Job machen!
Ich halte so eine App für Kontraproduktiv. Die natürliche Auslese hat der Evolutionsbiologie große Erfolge beschert. Das sie weiterhin notwendig ist, beweissen gerade Handy-am-Ohr-Autofahrer und nicht links und rechts glotzende Ich-trag-Earplugs-auch-in der-Rushhour-Passanten. Soziale Verantwortung bedeutet, den größten Vollpfosten unserer Gesellschaft auch die Chance zu geben, sich wieder aus dem gemeinsamen Genpool zu verabschieden.
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