Das Wichtigste dürfte Nokias Navigationsapp sein. Ein großer Unterschied zu den meisten anderen Navi-Apps: Es steht weltweites Kartenmaterial zur Verfügung, kostenlos. Im Test funktionierte der Wegweiser hervorragend. Will man beispielsweise zum Kino fahren, reicht es, dessen Namen einzugeben, und man bekommt das Ziel angezeigt. Erstaunlich gut ist die Empfangsqualität des GPS-Moduls. Sogar auf der Mittelkonsole meines Wagens liegend, also ohne direkte Sichtverbindung zu GPS-Satelliten, zeigte es die Position korrekt an.
Anders als die Navigationssoftware kann das Musikangebot Nokia Musik nicht beeindrucken. Der Musikabspieler selbst basiert auf der Software von Microsofts Zune-Playern, was erst mal gut ist. Der integrierte Zugang zu Nokias MP3-Store ist aber nicht gelungen. Einzeltitel werden recht übersichtlich dargestellt. Doch wenn man ein Album Titel für Titel anzeigen lässt, werden Titelzeilen mit mehr als circa drei Worten abgeschnitten. Blöd, wenn man sich für eine Platte mit mehreren Remixes desselben Songs interessiert, die gleich bezeichnet sind. Das mit dem Lumia angekündigte, kostenlose Musikangebot Mix Radio lässt sich noch nicht nutzen, Nokia fehlen dazu die nötigen Lizenzen.
Was die Versorgung mit Apps angeht, hält das Lumia nicht mit der Android- und iOS-Konkurrenz mit. Zwar hat der von Microsoft Marketplace genannte App Store für Windows-Handys aufgeholt, verfügt über ein Angebot von Zehntausenden Apps, aber Menge allein macht einen App Store nicht gut.
Was man dagegen sieht, ist, dass Nokia sich endlich auch was die Benutzerfreundlichkeit angeht nicht mehr vor der Konkurrenz, vor allem vor Apple, verstecken muss. Microsofts Windows Phone 7.5 ist auch für jemanden wie mich, der bisher nur selten mit Windows-Handys herumgespielt hat, schnell verständlich. Die meisten Funktionen sind intuitiv und selbsterklärend. Manchmal hilft einem die Software sogar auf die Sprünge. Etwa indem sie, nachdem man eine bestimmte Funktion mehrmals benutzt hat, erklärt, wie man sie schneller aufrufen kann.
Ein paar Details aber hat Nokia nicht perfekt gelöst. Beispielsweise das Netzteil. Eigentlich eine tolle Idee: sehr klein, rund geformt, die Maße passen exakt zu einer Schuko-Steckdose, in der es unauffällig versinkt - besonders unauffällig, weil es weiß ist, so wie die meisten Steckdosen. Leider ist das mitgelieferte USB-Kabel tiefschwarz und hebt den geschilderten Tarneffekt auf, sobald es eingesteckt wird.
Nicht für jedermann
Aber solche Kritik ist Kleinkrämerei. Natürlich gibt es Fehlstellen im Lumia 800. Den nicht erweiterbaren Speicher von 16 GB beispielsweise, der mit Musik und Navi-Karten schnell vollgestopft ist und dem auch die 25 GB Online-Speicher nicht viel helfen, weil sie nicht für alles und überall nutzbar sind. Demgegenüber stehen Highlights wie die 8-Megapixel-Kamera, die für ein Handy überdurchschnittlich gute Fotos liefert.
Aber für wen ist Nokias Windows-Handy denn nun eigentlich das richtige? Für iPhone-Anwender kaum, sie müssten alle Apps neu kaufen, sich mit einem vergleichsweise mageren App-Angebot begnügen. Für Android-User auch nicht, denn sie wären von vielen Google-Diensten abgekoppelt, die in ihr aktuelles Smartphone integriert sind. Stattdessen dürften langjährige Nokia-Nutzer zum Lumia greifen, schon aus Markentreue. Vor allem aber, weil es ein Handy für Menschen ist, die bisher kein Smartphone hatten, sich den Einstieg leicht machen und gegenüber einem iPhone ein bisschen Geld sparen wollen.
Sorge, dabei ein defektes Gerät zu erwischen, muss man offenbar nicht haben. Nachdem es ein Wochenende lang Zeit hatte, seinen Akku zu entleeren, ließ sich das vermeintlich kaputte Testgerät Nummer eins am folgenden Montag problemlos wieder aufladen und in Betrieb nehmen.
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