Von Matthias Kremp
Überhaupt nicht standardkonform ist dagegen das mitgelieferte Netzteil mit seinem Zwei-Millimeter-Stecker. Während sich der Rest der Industrie längst auf USB als Stecker der Wahl für Ladegeräte geeinigt hat, steuert Nokia hier einsam in eine andere Richtung. Immerhin: Auch per USB lässt sich der Akku laden. Nokia liefert dafür nur kein Ladegerät mit.
Der große Neustart, den man sich von einem neu entwickelten Betriebssystem wie Symbian 3 erwartet, das Nokia erstmals im N8 einsetzt, bleibt leider aus. 250 Neuerungen verspricht der Hersteller für die neue Software-Version, und das mag auch so richtig sein. An der Nokia-typischen Bedienung jedenfalls hat sich wenig geändert - was für langjährige Nokia-Nutzer durchaus von Vorteil ist.
Alle anderen werden von manchen Eigenheiten des neuen Systems eher genervt sein. So etwa von der virtuellen Tastatur, die im Hochformat stets als Telefontastatur, mit mehrfach belegten Tasten, angezeigt wird. Wer kein ausgesprochener Fan dieser Anordnung ist, muss das Handy deshalb für jedes Passwort und jede Notiz ins Querformat drehen. Ähnliche Ungereimtheiten scheinen sich durch das ganze System zu ziehen. Ein paar Beispiele:
Wer braucht schon Gigahertz?
Reichlich Fortschritte hat Nokias Ovi Store gemacht. Das Software-Angebot ist endlich brauchbar und bietet jetzt auch Titel wie das ebenso unterhaltsame wie kostenlose "Angry Birds". Überhaupt hat die Spieledichte zugenommen, und es gibt sogar Klassiker wie "Sim City" zu kaufen. Mit der Version 2.0 der Ovi-Store-App macht das Stöbern im Online-Shop bei entsprechend schneller Netzanbindung richtig Spaß. Wer allerdings das Angebot von Android Market und iTunes-App-Store gewöhnt ist, stößt schnell an die Grenzen des Angebots. Noch scheinen Bildschirmhintergründe und Klingeltöne das Portfolio zu beherrschen.
Das Nokia N8 hinterlässt zwiespältige Gefühle. Zum einen ist es großartig. Es fühlt sich gut an, sieht gut aus, ist robust und mit allem an Mobilfunktechnik vollgestopft, was man sich nur wünschen kann. Und auch die Bedienung per Finger geht locker von der Hand. Der 680 Megahertz schnelle Prozessor jedenfalls hat keine Mühe damit, Betriebssystem und Programme ruckelfrei zum Laufen zu bringen.
Gleichzeitig kann das Betriebssystem leider keine Begeisterungsstürme auslösen. Spätestens, wenn man tiefer in die Einstelloptionen von Symbian 3 abtaucht, dürfte für manchen Normalnutzer der Spaß aufhören. Da tauchen Begriffe wie "XDM-Profil" und "Zuschaltfähigkeitssignal" auf, mit denen wohl kaum jemand etwas anfangen kann, auch nicht das integrierte Handbuch des N8.
Genau das aber ist die Schere, die das N8 so schwer zu bewerten macht: Während die Hardware ausgereift und nahezu perfekt zusammengebaut zu sein scheint, macht das Symbian-3-Betriebssystem einen immer noch unausgereiften Eindruck. Nokias Entwickler haben den Rückstand zur Touchscreen-Konkurrenz offenbar immer noch nicht aufgeholt. Mit dem N8 liefert Nokia zwar endlich ein Touchscreen-Gerät, bei dem man Tastatur und Trackball nicht mehr vermisst, bietet dabei aber keinesfalls einen Grund, das Gerät als führend in seiner Art anzusehen.
Die Kamera des N8 ist beeindruckend gut, seine Fähigkeiten als Multimedia-Player sind nahezu konkurrenzlos. Ob das aber ausreichen wird, um signifikante Kundenzahlen vom Lager der Android- und iPhone-Fans abzuziehen, muss man bezweifeln. Deren Lockmittel bestehen längst in prall gefüllten App-Stores, hochauflösenden Displays und Systemen, die vom ersten Tag an auf Touchscreens ausgelegt waren. Argumente, denen Nokia mit dem N8 zu wenig entgegenzusetzen hat.
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