Smartphone N8: Nokias letztes Aufgebot

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Nokia holt auf: Mit dem N8 will der finnische Konzern zeigen, dass er immer noch das Zeug hat, die Konkurrenz abzuhängen. Die Zutaten dafür stimmen, das Design ist edel, die Technik perfekt. Ob Android und iPhone jetzt einpacken können?

Nokia N8: Edles Design, Software mit Macken Fotos
Matthias Kremp

Ein Lob vorweg: Mit dem N8 ist Nokia etwas gelungen, das sich wohltuend vom Einerlei der Android- und bald auch der Windows-Handys abhebt. Das N8 ist auf den ersten Blick zu erkennen. Das ist gut, denn der finnische Handy-Hersteller hat es angesichts von Android, iPhone und Co. dringend nötig, sich unterscheidbar zu machen. Mit dem neuen Highend-Handy N8 soll das gelingen - und noch einiges mehr. Verlorene Marktanteile im boomenden Segment der Smartphones soll das Gerät zurückerobern, Nokias bröckelnde Dominanz als Marktführer wieder festigen. Ein neues Betriebssystem, reichlich Multimedia-Funktionen und ein neuer Look sollen das Wunder vollbringen.

Beim Gehäuse geht Nokia neue Wege. Der Rumpf selbst besteht aus Metall und ist komplett geschlossen. Der Akku lässt sich deshalb nicht so flink wechseln, wie man es von anderen Nokias gewöhnt ist. Mit Hilfe eines kleinen Torx-Schraubenziehers muss man zwei Schrauben lösen, um an den Stromspeicher zu kommen. Geht es nach Nokia, lässt man das in einem Nokia-Shop erledigen, was nur wenige Minuten dauern wird. Wer einen entsprechenden Schraubenzieher besitzt, kann den Tausch aber auch schnell zu Hause durchführen.

Was aber spätestens dann auffällt ist, dass es Nokia nicht gelungen ist, die Farbe der Kunststoffkappen oben und unten am Gehäuse exakt auf die Färbung des Metallrumpfes abzustimmen. Nötig sind diese Plastikdeckel, weil die Antennen für Mobilfunk, W-Lan und Bluetooth von einem reinen Metallgehäuse zu stark abgeschirmt würden. Die geschlossene Bauweise zwingt Nokia außerdem dazu, Steckplätze und Anschlüsse teilweise hinter Plastikverschlüssen zu verbergen. Bei Sim- und Speicherkarte funktioniert das auch gut, der Deckel für den Mini-HDMI-Anschluss klemmt beim Testgerät allerdings, ist nur mit viel Mühe ins Gehäuse zu drücken - er steht immer etwas über.

Bildschirm unter Panzerglas

Dass es diesen Anschluss überhaupt gibt, ist allerdings ein Segen. Über ein mitgeliefertes Adapterkabel lässt sich das N8 via HDMI an einen Flachbildfernseher anschließen und so als Mediaplayer nutzen. Im Test funktionierte das auch vollkommen problemlos. Bis zum HD-Format 720p lassen sich Filme samt Surround-Sound aus dem Handyspeicher abspielen - und nicht nur das. Über ein weiteres Adapterkabel lassen sich USB-Speicher an das N8 anschließen, so dass man auch Filme von einem Stick oder gar einer Festplatte abspielen kann. Letztgenannte Variante ist aufgrund des Strombedarfs von Festplatten ohne Netzteil allerdings wenig empfehlenswert. Trotzdem gibt das N8 als Multimediaplayer eine glänzende Vorstellung ab, kann durchaus einen herkömmlichen Player ersetzen. Auch, weil es im Web so beliebte Formate wie Matroska unterstützt, Dateiendung .mkv.

Ein Glanzpunkt des N8 ist die Kamera. Allein durch die hohe Auflösung von zwölf Megapixeln holt es aus vielen Motiven mehr heraus als die Konkurrenz. Zumindest aber liefert es erheblich mehr Rohmasse für eine eventuelle Nachbearbeitung. Ein besonderer Pluspunkt ist der Xenon-Blitz, mit dem sich dunkle Motive oder Gegenlicht-Porträts viel effektiver aufhellen lassen als mit den sonst in Handys üblichen LED-Lämpchen. Die Videofunktion liefert entsprechend brauchbare Handyfilmchen in 720p-Auflösung.

Auf dem knackigen OLED-Display kann man die freilich nicht in voller Pracht genießen. Nur mittelmäßige 640 x 360 Pixel zeigt es an, ist damit ein gutes Stück von den hochauflösenden Bildschirmen beispielweise der Windows Phone-Handys, vieler Android-Modelle und des iPhone 4 entfernt. Trotzdem ist der Bildschirm bestens zu gebrauchen, und das wohl auch auf lange Zeit. Denn das Deckglas besteht aus sogenanntem Gorilla-Glas, einem relativ neuen Hightech-Material, das extrem unempfindlich gegen Kratzer ist. Unsere Versuche, dem Material mit Schlüsseln und Messern Schaden zuzufügen, scheiterten jedenfalls alle. Das Glas sieht immer noch wie neu aus.

Das Ladegerät kennt keine Standards

Alle Schalter und Knöpfe - und das sind nicht viele - sind beim N8 am richtigen Platz, für Rechtshänder. So lässt es sich weitgehend einhändig bedienen. Ein Highlight ist der kleine Schiebeschalter an der Seite, mit dem sich das Gerät gegen versehentliche Eingaben verriegeln lässt, eine Funktion, an die Designer leider viel zu selten denken.

Und auch sonst gibt es am N8 aus technischer Sicht wenig auszusetzen. Mit 16 GB internem Speicher und der Möglichkeit, SDHC-Karten mit bis zu 32 GB einzusetzen, ist es als Multimedia-Gerät gut gerüstet. Ins Netz geht es mit allen aktuellen Funkstandards, beherrscht das neue Bluetooth 3.0 und den noch sehr vernachlässigten USB-on-the-go-Standard, der einen Datenaustausch beispielsweise mit Digitalkameras auch ohne PC ermöglicht. Der Web-Browser unterstützt zwar nicht HTML 5, dafür aber Flash-Animationen. Und natürlich ist auch ein GPS-Modul samt Nokias kostenloser Navigationssoftware Ovi Maps an Bord. Dass außerdem diverse Sensoren zur Lagebestimmung, Beschleunigungsmessung und Helligkeitsregelung eingebaut sind, gehört bei Highend-Smartphones ohnehin zum Standard.

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insgesamt 74 Beiträge
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1. Nach dem Test...
Knütterer 20.10.2010
Zitat von sysopNokia holt auf: Mit dem N8 will der finnische Konzern zeigen, dass er immer noch das Zeug hat, die Konkurrenz abzuhängen. Die Zutaten dafür stimmen, das Design ist edel, die Technik perfekt. Ob Android und iPhone jetzt einpacken können? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,723751,00.html
.. könnte man NOKIA eine Gute N8 mit dem N8 wünschen!!
2. Gute N8? Nö!
Gegengleich 20.10.2010
Ich bin mit dem N8 hochzufrieden. Für den Versuch, mit Schlüsseln das Display zu zerkratzen, bin ich SpOn jedoch sehr dankbar. Das hätte ich mich selbstverständlich mit meinem Gerät nicht getraut. Ob z.B. das iPhone einpacken kann, ist fraglich. Aber ich denke, Nokia wollte kein Nokia-iPhone bauen und der N8-Käufer kein Nokia-iPhone kaufen. Für mich war es aufgrund seiner Ausstattung, hier ist auch z.B. der FM-Transmitter zu erwähnen, die erste Wahl. Nokia N8 - gut gemacht. Gute N8 nicht im Sinne von: Tschüß, Nokia, sondern: Jetzt könnt ihr wieder beruhigt schlafen.
3. Bild?
wolfgangl 20.10.2010
Die reißerischen Überschriften werden immer "Bild" ähnlicher! Nokia sitzt fest im Sattel im Handymarkt. Auch kleinere Smartphones wie das 5230 haben ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis, ohne Knebelvertrag ala iPhone. Wo bitte ist das ein letztes Aufgebot?
4. *
mellem 20.10.2010
Hab noch nie von einem Smartphone names Android gehört. Äppel und birnen und so...
5. Verbesserungsvorschlag
Skywalker83 20.10.2010
Verbesserungshinweis: "Verlorene Marktanteile im boomenden Segment der Smartphones soll das Gerät zurückerobern, Nokias bröckelnde Dominanz als Marktführer weder festigen. " Hier ist ein "i" bei weder verloren gegangen. Ansonsten liest sich der Text ganz gut und kommt zu einem fairen Urteil, welches anderen Tests entspricht. Nur der Browser hätte etwas mehr Kritik verdient. Das gute ist aber, dass Nokia einen neuen Browser als auch eine neue Tastatur (dann auch Qwertz im Hochformat + Swype) wohl bald als Update nachliefert. Einzig die Überschrift kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen! Das Nokia N8 ist ja der Start zu einer neuen Generation von Nokia-Smartphones. Es ist das erste Gerät, welches auf Symbian^3 beruht. Und Symbian^3 ist erstmals Qt-fähig. Qt ist die neue Plattform für Softwareentwickler, wodurch in Zukunft die Anzahl der Apps aufgrund der einfacheren Entwicklung sowohl für Symbian als auch für Meego steigen sollte. Symbian^3 sollte auch mehr als Übergang gesehen werden, von den alten Symbian^1-Geräten zu dem komplett neu entwickelten UI in Symbian^4. In S^4 werden die alten Programme nicht mehr unterstützt und nur noch Qt-Apps. Das N8 kann sowohl mit neuen als auch mit alten Apps umgehen (daher wohl auch die niedrigere Bildschirmauflösung). Zusammenfassend: Wo das "neue" Nokia mit Meego und Symbian^4 vor der Tür steht, finde ich den Titel "Nokias letztes Aufgebot" nicht passend - auch nicht zum Inhalt des Testes. Daher bitte nochmals über einen geänderten Titel nachdenken. Beste Grüße Steffen
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Fotostrecke
N8 und E7: Die neuen Nokia-Mobiltelefone

Nokia N8
Betriebssystem Symbian 3
Integrierter Speicher 16 GB
Erweiterungssteckplatz microSD
Bildschirmauflösung 640 x 360 Pixel
Bildschirmdiagonale 3,5 Zoll
Digitalkamera 12 Megapixel
PC-Anschluss USB
Gewicht 135 Gramm
Maße 114 x 59 x 13 Millimeter
Drahtlose Verbindungen GPRS, EDGE, UMTS, HSDPA, W-Lan 802.11b/g/n, Bluetooth 3.0
Standby-Zeit bis zu 16 Tage
Sprechzeit bis zu 12 Stunden
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