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Smartphone statt Kreditkarte: Google schmiedet Handy-Bezahl-Allianz

Im Restaurant, im Supermarkt, an der Tankstelle: In Zukunft wird man seine Rechnungen unterwegs mit dem Smartphone begleichen können statt mit Bargeld oder Plastikkarte. In diesem Milliardenmarkt will sich Google jetzt etablieren - offenbar mit gewichtigen Partnern.

Samsung Nexus S: Eines der ersten Handys mit NFC-Chip Zur Großansicht
REUTERS

Samsung Nexus S: Eines der ersten Handys mit NFC-Chip

New York - Das Handy als Geldbörse, dieser High-Tech-Traum nähert sich offenbar seiner Verwirklichung. Wie das " Wall Street Journal" am Montag berichtet hat Google offenbar zwei gewichtige Partner für den Aufbau eines Handy-Bezahldienstes gefunden. Demnach hat sich der US-Konzern mit dem Kreditkartenunternehmen Mastercard und der Bankengruppe Citigroup zusammengetan. Dem Bericht zufolge entwickeln die drei Partner gemeinsam ein System, das es ihren Kunden ermöglichen soll, Handys mit Googles Android-Betriebssystem als elektronisches Portemonnaie zu benutzen.

Dass Google in den Bereich der mobilen Bezahlsysteme expandieren will, hatte sich bereits angekündigt, als der Konzern Im Dezember 2010 sein neues Vorzeige-Smartphone, das Nexus S, vorgestellt hatte. Zusätzlich zu aktuell üblichen Ausstattungsmerkmalen wie einem großen, hochauflösenden Display, schnellen Datenfunktechniken und einem 1-GHZ-Prozessor beinhaltet das neue Google-Phone, das baugleich auch von Samsung angeboten wird, einen sogenannten NFC-Chip.

NFC, die Nahbereichskommunikation (Near Field Communication), ist eine Funktechnik, von deren Möglichkeiten die Mobilfunkbranche seit ein paar Jahren begeistert schwärmt, die sich bisher aber, abgesehen von Pilotprojekten, noch in keiner massenkompatiblen Form materialisiert hat. Per NFC könnte man Informationen mit dem Handy einlesen, die beispielsweise in Form winziger Chips in Kleidung oder Plakaten eingearbeitet sind, erklärte Google.

Zur Abbuchung einfach das Handy an die Kasse halten

Viel spannender aber ist die NFC-Nutzung zum Bezahlen. In entsprechend ausgerüsteten Supermärkten etwa könnte man sein Handy zum Bezahlen benutzen, indem man es einfach auf ein entsprechendes NFC-Lesegerät auflegt. Die Abbuchung der fälligen Summen würde dann online autorisiert. Fahrkarten ließen sich auf dieselbe Weise kaufen: Handy an den Automaten halten, digitale Fahrkarte per NFC in Empfang nehmen, fertig. Eine entsprechende Infrastruktur und passende Abrechnungssysteme fehlen bislang aber noch, weshalb der NFC-Chip im Nexus S bislang brachliegt.

Genau das soll die neue Google-Kooperation offensichtlich ändern. Das Suchmaschinenunternehmen könnte seinen Partnern dabei Informationen über deren Kunden geben und ihnen damit helfen, Werbung gezielter zu platzieren, heißt es im "Wall Street Journal". Quasi nebenbei könnten Anwendern der neuen Bezahltechnik anhand der Ortungsinformationen ihrer Handys Gutscheine für Geschäfte in ihrer Umgebung aufs Handy geschickt werden. Transaktionsgebühren wolle der Internet-Konzern nicht kassieren, heißt es.

2011 wird das Jahr der NFC-Handys

Mobile Bezahldienste gelten als der nächste große Wachstumsmarkt. Derzeit streben diverse Anbieter aus verschiedenen Branchen auf den Markt. Neben Kreditkartenkonzernen wie Mastercard sind das auch Online-Bezahldienste wie PayPal, Mobilfunk-Anbieter sowie Start-Ups, die auf eine lukrative Nische hoffen.

Noch ist die Zahl möglicher Anwender der NFC-Technik allerdings bescheiden. Neben dem Nexus S gibt es kaum Geräte, in die die Funktechnik bereits eingebaut ist. Das könnte sich aber schnell ändern. Der finnische Konzern Nokia will ab 2011 alle neuen Smartphones mit NFC-Chips ausrüsten, hat einen solchen bereits in das Modell C7 eingebaut. Und auch der BlackBerry-Anbieter RIM will auf die Technik setzen. Darüber, ob die für Juni erwartete nächste Generation von Apples iPhone ebenfalls einen NFC-Chip enthalten wird, gibt es bisher nur Spekulationen.

mak/dpa

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1. Geil!
BadTicket 28.03.2011
Google ist einfach geil! Was die alles machen um an Daten zu kommen ist schon faszinierend. Ich bewundere diese Firma mit wie viel Genialität die ihr Geschäftsmodel voran treiben!
2. :)
peterkamm-mueller 28.03.2011
Zitat von BadTicketGoogle ist einfach geil! Was die alles machen um an Daten zu kommen ist schon faszinierend. Ich bewundere diese Firma mit wie viel Genialität die ihr Geschäftsmodel voran treiben!
Ja ich auch. Google ist sehr erfinderisch und breitet sich aus wie eine Krake. Immer mehr Informationen werden von Google erfasst und genaustens analysiert. Ein fein ziseliertes Netzwerk, das weiss: Wer Du bist, wo Du wohnst, was Du kaufs, wie Werbung Dich erreicht. Ableiten kann man daraus natürlich noch viel mehr, zb Einkommen und Bildungsstand, Interessen usw... New World Order made by Google
3. Uncool
gambio 28.03.2011
Zitat von BadTicketGoogle ist einfach geil! Was die alles machen um an Daten zu kommen ist schon faszinierend. Ich bewundere diese Firma mit wie viel Genialität die ihr Geschäftsmodel voran treiben!
Solange es Dumme gibt die da mitmachen, mögen Sie wohl Recht haben. Aber ganz zu meiner Freude strelle iich fes, das gerade US-amerikanische Firmen wie Google, Ebay, Twitter, Facebook usw. nicht so sehr angesagt sind wie mancher gern glauben möchte. Der Trend geht eindeutig zu nationalen Unternehmen und unsere "Freunde" aus Übersee werden wohl nicht noch ein paar Jahrzehnte absahnen dürfen.
4. .
PeteLustig, 28.03.2011
Zitat von peterkamm-muellerJa ich auch. Google ist sehr erfinderisch und breitet sich aus wie eine Krake. Immer mehr Informationen werden von Google erfasst und genaustens analysiert. Ein fein ziseliertes Netzwerk, das weiss: Wer Du bist, wo Du wohnst, was Du kaufs, wie Werbung Dich erreicht. Ableiten kann man daraus natürlich noch viel mehr, zb Einkommen und Bildungsstand, Interessen usw... New World Order made by Google
Dann bekomme ich wenigstens Werbung, die mich zur Abwechslung auch interessiert.
5. Na
ralf_si 28.03.2011
zumindest wird dann das Swift-Abkommen hinfällig, weil die Daten eh in den USA landen und Google auskunftsfreudig den US-Behörden zur Verfügung stellen wird. NAtürlich alles unter dem Deckmantel der Terrorismus-Bekämpfung. Hat sich Google eigentlich schon geäußert, wie es mit einer möglichen Anfrage der US-Justiz zu Wikileaks-Unterstützern umgegangen ist? (Naja, so viel zu "Don't be evil") Twitter war wenigstens so frei, seine Nutzer zu informieren. Für mich bedeutet das aber, keine Nutzung von derartigen über Google bereitgestellte Dienste.
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RFID und NFC
RFID steht für Radio Frequency Identification. Ein RFID-System besteht aus einem Transponder, der ankommende Funksignale beantwortet und sich an einem Gegenstand befindet. Außerdem gehört ein Lesegerät dazu. Der Transponder kann so klein wie ein Reiskorn sein.

Die Umsetzung von RFID für Handys wird als Near Field Communication (NFC) bezeichnet. Das ist ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten über sehr kurze Strecken. Entwickelt wurde sie von Philips und Sony. Mittels eines NFC-Handys sollen Verbraucher künftig bequem und bargeldlos beispielsweise Fahrkarten lösen oder durch Berühren eines sogenannten Tags auch Informationen von einem Plakat auf ihr Telefon übertragen können.

ddp

Fotostrecke
Funktechnik NFC: Bezahl-Handys im Feldversuch
Handy-Anwendungen
Apps
Sogenannte Apps (Applications) sind Software-Anwendungen, die zusätzlich gekauft und dann auf entsprechend ausgestatteten Handys installiert werden können. Sie reichen von der Wasserwaage über Spiele bis hin zu Navigationssystemen fürs Mobiltelefon.
Apple App-Store
Der App-Store der Apple Inc. ist ein Portal, auf dem Programme und Spiele aus dem iTunes-Store für das iPhone heruntergeladen werden können. Der Mac-Bauer war bei diesem Thema Vorreiter. Nach Konzernangaben wurden bereits mehrere Milliarden Programme aus dem App-Store heruntergeladen.
Nokias Ovi-Store
REUTERS
Seit Ende Mai 2009 gibt es auch von Nokia ein Portal, das eine Vielzahl von Programmen für Handys bietet. Im Nokia Ovi-Store können Kunden sich Spiele, Navigationskarten und Nachschlagewerke auf ihre Handys laden. Auch für den Ovi Store können sich externe Entwickler registrieren und versuchen, dort Software anzubieten.
Blackberry App World
Die Blackberry App World ist ebenfalls ein Pendant zum App-Store von Apple. Es ist ein vom Hersteller RIM betriebenes Software-Portal, in dem sich jeder Blackberry Nutzer Software kaufen kann. Die soll dann auf jedem Blackberry-Smartphone mit OS-Version 4.2 und allen folgenden sowie auf allen Geräte mit Trackball oder Touchscreen laufen. Ähnlich wie beim App-Store kann auch bei Blackberry jeder, der sich dort als solcher anmeldet, theoretisch Entwickler einer Handy-Anwendung werden.
Android Market
AP
Android ist ein Handy-Betriebssystem von Google. Aktuell gibt es im Android Market genannten Downloadshop Zehntausende Anwendungen. Auch hier kann theoretisch jeder eigene Programme entwerfen und anderen Nutzern kostenlos oder zum Kauf zur Verfügung stellen - vorausgesetzt, er registriert sich zunächst als Entwickler.


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