Smartphone- und Tablet-Markt Was Apples Rekordgewinn wirklich bedeutet

Apples Quartalszahlen lassen die Branche staunen. Schon wieder hat der Konzern seinen Gewinn verdoppelt, schon wieder seine Rendite erhöht. Der Erfolg von iPhone und iPad katapultiert das Unternehmen in die Post-PC-Ära - und macht es zum Marktführer in gleich zwei lukrativen Segmenten.

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Apple-Boss Tim Cook: Smartphone-Marktführer, Tablet-Alleinherrscher
REUTERS

Apple-Boss Tim Cook: Smartphone-Marktführer, Tablet-Alleinherrscher


Mehr geht nicht. Oder doch? In der Nacht zum Mittwoch gab Apple seine Bilanzzahlen für das vierte Quartal 2011 bekannt - und überraschte mit sensationellen Ergebnissen. Bei mehr als 46 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen 13 Milliarden Dollar Gewinn. Mehr als 37 Millionen verkaufte iPhones in einem Quartal machen den Konzern wieder zum Smartphone-Marktführer, mehr als 15 Millionen verkaufte iPads zum Tablet-Marktführer - und bei entsprechender Auslegung auch zum PC-Marktführer.

Seinen Gewinn konnte Apple damit gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 118 Prozent steigern. Was noch beeindruckender ist: Der Konzern konnte seinen Gewinn pro verkaufter Einheit um 40 Prozent steigern. Apple gibt seine Bruttogewinnspanne mit 44,7 Prozent an. Im Durchschnitt fließt also fast die Hälfte des Verkaufspreises jedes Apple-Geräts erst mal direkt auf das Konto des Unternehmens.

Darüber, in welchen Sphären diese Umsatz- und Gewinnzahlen Apple katapultieren, haben sie US-Medien gleich nach Bekanntgabe der Zahlen reichlich Gedanken gemacht und einige beeindruckende Relationen entdeckt:

  • Apples Gewinn ist höher als Googles Umsatz. 13 Milliarden Dollar Gewinn beim iPhone-Hersteller stehen 10,6 Milliarden Dollar Umsatz bei dem Internetkonzern gegenüber.
  • Mit dem aktuellen Quartalsgewinn erhöht sich Apples finanzieller Rückhalt auf ein Barvermögen von knapp 100 Milliarden Dollar. Das ist sechsmal mehr als der Konzern bei der Einführung des ersten iPhones 2007 auf der hohen Kante hatte und mehr als doppelt so viel wie Google derzeit an Barschaft vorweisen kann.
  • Das schon jetzt gigantische Unternehmen wächst rasant weiter: Der aktuelle Quartalsgewinn entspricht dem gesamten Umsatz, den das Unternehmen im zweiten Quartal 2010 erwirtschaftete, vor eineinhalb Jahren also.
  • Der Bau eines eigenen Rechenzentrums für den Datendienst iCloud hat sich nicht nur gelohnt, er war auch dringend nötig: Laut Apple haben sich seit der Einführung des Dienstes vor drei Monaten 85 Millionen Nutzer dort angemeldet.
  • Die Bedeutung von iPods für Apple lässt merklich nach. In dieser Kategorie musste das Unternehmen den einzigen Rückgang vermelden, setzte trotzdem noch 15 Millionen MP3-Player ab. Ganz klar: Dieser Markt verschiebt sich zu den iPhones - die ungleich teurer und profitabler sind.
  • Apples Bedeutung für die IT-Branche ist weiter gestiegen. Einer neuen Gartner-Studie zufolge war das Unternehmen 2011 der bedeutendste Kunde für Halbleiterprodukte. Für mehr als 17 Milliarden Dollar kaufte das Unternehmen Chips, Speicher und andere Bauteile bei vornehmlich asiatischen Zulieferern ein.
  • Auch als Software- und Entertainment-Vertrieb ist Apple längst ernstzunehmen: iTunes, iBooks und der App Store brachten über zwei Milliarden Dollar Umsatz ein.

Aus Apples Zahlen lassen sich mehrere Schlüsse ziehen. Vor allem der, dass die Firma ihre Transformationen vom Computerhersteller zum Hersteller von Mobilgeräten beinahe abgeschlossen hat. Zwar hat der Konzern schon vor einigen Jahren das "Computer" aus seinem Firmennamen gestrichen und bezeichnet sich nur noch als Apple Inc. Tatsächlich war aber im vergangenen Quartal erstmals das iPhone für mehr als die Hälfte des Umsatzes verantwortlich, wie Zahlen zeigen, die der Statistikdienstleister Statista aufbereitet hat.

Apple-Bilanz: Das iPhone dominiert, der Gewinn pro Einheit steigt
Statista

Apple-Bilanz: Das iPhone dominiert, der Gewinn pro Einheit steigt

Was Apple besonders freuen dürfte ist, dass man den Erzfeind und Bauteile-Lieferanten Samsung mit den aktuellen Zahlen wieder auf Platz zwei verweisen konnte. Vor gerade mal zwei Wochen triumphierte der südkoreanische Konzern und verkündete, im vierten Quartal 2011 etwa 35 Millionen Smartphones abgesetzt zu haben und damit Marktführer zu sein. Dass Apple heute noch höhere Verkaufszahlen bekannt geben würde, hätte damals niemand geahnt. Nun aber ist Apple bei den Smartphones wieder die Nummer eins und wird es wohl auch eine Weile bleiben. Von anderen Unternehmen droht dem Unternehmen jedenfalls keine Gefahr: Motorola konnte im letzten Quartal keine Zuwächse verzeichnen, HTC musste sogar leichte Verluste hinnehmen.

Es scheint, als könne niemand dem Apple-Konzern beikommen. Weder die Enttäuschung vieler, dass Apple 2011 anstelle eines nagelneuen iPhone 5 nur ein verbessertes iPhone 4S eingeführt hat, noch der Tod des Firmengründers Steve Jobs haben die erwarteten negativen Auswirkungen gehabt. Stattdessen verkaufte sich das neue Modell so gut, dass Tim Cook erklärte, Apple hätte noch mehr verkaufen können, hätte man mehr Nachschub bekommen.

Mutmaßungen, die Bedeutung des iPhones für die Handybranche werde bald drastisch abnehmen, erwiesen sich als unbegründet. Zwar führt Googles Android als Betriebsystem mit weitem Abstand vor iOS, doch am Handyhersteller Apple kommt niemand vorbei.

Das iPad macht Apple zum Pseudo-PC-Marktführer

Ohnehin hat das iPhone-Betriebssystem iOS, das auch iPads und iPods antreibt, bei Apple mittlerweile weit mehr Gewicht als das OS X der iMacs und Macbooks. Die logische Konsequenz wäre es, OS X und iOS einander stärker anzunähern, eines Tages zu einem einheitlichen Apple-Betriebssystem zu kombinieren. Microsoft versucht so etwas ansatzweise mit Windows 8, das für Desktop- und Notebook-Rechner ebenso geeignet sein soll wie für Tablet-PC. Nur Handys werden von Microsoft noch vom neuen Windows ausgeklammert.

Ein solches einheitliches Apple-Betriebssystem würde auch dem Tablet-Trend entgegenkommen. Denn Tablets kannibalisieren den Computermarkt, das gab Cook auf der Bilanzpressekonferenz unumwunden zu. Zwar beträfe das auch Macs, viel stärker jedoch Windows-PC. Zählt man Tablet-Computer, also auch das iPad, zu den PC hinzu, ist Apple jetzt PC-Weltmarktführer. Nach Stückzahlen besetzt das iPad im vierten Quartal 2011 17 Prozent des PC-Marktes. Vor einem Jahr waren es noch sieben Prozent. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen, schon gar nicht für Tim Cook. Er sagte nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen: "Ich glaube, eines Tages wird der Tablet-Markt größer sein als der PC-Markt."

"Spannende neue Dinge"

Ohnehin scheint der Konzern mit Tim Cook im Chefzimmer nichts von seiner Energie eingebüßt zu haben. Daran ließ der neue Boss keinen Zweifel als er seine Mitarbeiter per E-Mail über die Quartalszahlen informierte und sogleich zu einer unternehmensweiten Betriebsversammlung am Freitag einlud. Dort werde man nicht nur das Rekordergebnis besprechen, sondern auch "spannende neue Dinge" bekannt geben, die sich bei Apple tun.

Was damit gemeint ist, kann man derzeit nur spekulieren. Dass Cook auf einer Betriebsversammlung neue Produkte ankündigen wird, ist unwahrscheinlich. Doch auch davon kann man 2012 einige erwarten. Den Anfang wird vermutlich im Februar ein neues iPad machen, dem wenig später neue Macbooks, vor allem ein 15 Zoll großes Macbook Air, folgen dürften. Ein iPhone 5 kann man für den späten Sommer erwarten. Irgendwann dazwischen werden neue iMacs erscheinen. Und immer noch halten sich Gerüchte, der Konzern arbeite an einem Apple-Fernsehgerät.

Offiziell bestätigt ist all das natürlich nicht. Geheimhaltung ist schließlich Apple-Prinzip.

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
hubertrudnick1 25.01.2012
1. Profitsteigerung
Zitat von sysopApples Quartalszahlen lassen die Branche staunen. Schon wieder hat der Konzern seinen Gewinn verdoppelt, schon wieder seine Rendite erhöht. Der Erfolg von iPhone und iPad katapultiert das Unternehmen in die Post-PC-Ära - und macht es zum Marktführer in gleich zwei lukrativen Segmenten. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,811312,00.html
Wer mag das wohl alles erarbeitet haben? In der vergangenen Nacht hatte der US Präsident Barak Obama erst wieder einmal dazu aufgerufen, dass die US Konzerne nach Hause kommen mögen und dort mit dem Amerikanern die Wirtschaft hochbringen sollten. Denn Apple ist auch nur ein Schmarotzerkonzern, es lässt in Billiglohn und Steuerländer produzieren und verkauft seine Produkte zu viel zu hoch überteuerten Preisen, dank der Werbestrategie fallen nach wie vor so viele Kunden darauf hinein und kaufen sich ständig die Kurzzeitprodukte. Und wie danken es die Macher von Apple, sie zahlen möglichst nur sehr wenig Lohn und fast keine Steuern, also so macht man diese Profite. HR
May 25.01.2012
2.
Schon beeindruckend was Apple da macht. Bald kann Tim Cook Griechenland im Alleingang aufkaufen...und wer weiß, ein iGreece wäre wahrscheinlich auch schnell wieder lebensfähig. Aber im Ernst, was ich mich frage ist warum in Europa, bzw. in Deutschland kaum digitale Großkonzerne entstehen. Klar, wir haben SAP, aber im Vergleich zu Apple, Microsoft, Google, Facebook oder Amazon ist das doch recht dünn. In Anbetracht der Gewinne die in diesem Segment möglich sind sollte man doch einmal genauer beleuchten welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass die USA und insbesondere Kalifornien so erfolgreich bei der Ansiedlung von Technologieunternehmen sind.
dent42 25.01.2012
3.
Zitat von MaySchon beeindruckend was Apple da macht. Bald kann Tim Cook Griechenland im Alleingang aufkaufen...und wer weiß, ein iGreece wäre wahrscheinlich auch schnell wieder lebensfähig. Aber im Ernst, was ich mich frage ist warum in Europa, bzw. in Deutschland kaum digitale Großkonzerne entstehen. Klar, wir haben SAP, aber im Vergleich zu Apple, Microsoft, Google, Facebook oder Amazon ist das doch recht dünn. In Anbetracht der Gewinne die in diesem Segment möglich sind sollte man doch einmal genauer beleuchten welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass die USA und insbesondere Kalifornien so erfolgreich bei der Ansiedlung von Technologieunternehmen sind.
Deutschland ist einmal zu Innovationsfeindlich, man fragt eher "warum"? als "warum nicht"? es gibt nicht genug mutige Kapitalgeber und wenn Innovationen kommen, sind es andere die daraus Kapital schlagen. Nicht zu Vergessen Bürokratie und Amtsschimmel, die sich gerne quer stellen. Aber es gibt ja Ansätze zur Hoffnung, Berlin entwickelt sich gerade zur globalen Start-up-Hauptstadt, ohne dabei nur noch amerikanische Ideen zu kopieren. Solange Apple weiter auf billige chinesische Sklavenarbeit zurückgreifen kann und sich die unkritische Fanboymasse sich weiter von hübsch glänzenden Gadgets und dem Hype blenden lässt, haben die Aktionäre Grund zur Freude.
larsmach 25.01.2012
4. "kaum digitale Großkonzerne" in Deutschland
Zitat von MaySchon beeindruckend was Apple da macht. Bald kann Tim Cook Griechenland im Alleingang aufkaufen...und wer weiß, ein iGreece wäre wahrscheinlich auch schnell wieder lebensfähig. Aber im Ernst, was ich mich frage ist warum in Europa, bzw. in Deutschland kaum digitale Großkonzerne entstehen. Klar, wir haben SAP, aber im Vergleich zu Apple, Microsoft, Google, Facebook oder Amazon ist das doch recht dünn. In Anbetracht der Gewinne die in diesem Segment möglich sind sollte man doch einmal genauer beleuchten welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass die USA und insbesondere Kalifornien so erfolgreich bei der Ansiedlung von Technologieunternehmen sind.
Lassen Sie mal lieber jene "digitalen Großkonzerne" in Silicon Valley und unseren "altmodischen" Maschinenbau in Europa. Schließlich wollen wir Wohlstand durch hohe Löhne und Gehälte für möglichst breite Bevölkerungsschichten, nicht wahr? In Silicon Valley wurde kürzlich ein Windenergie-Startup mit 48 Mio US$ finanziert, dessen Gründer behauptete, die Physik "umgehen" zu können. Die betreffende Internetseite zeigt allerdings seit einer Weile keine Inhalte mehr.
antaron 25.01.2012
5.
Zitat von hubertrudnick1Wer mag das wohl alles erarbeitet haben? In der vergangenen Nacht hatte der US Präsident Barak Obama erst wieder einmal dazu aufgerufen, dass die US Konzerne nach Hause kommen mögen und dort mit dem Amerikanern die Wirtschaft hochbringen sollten. Denn Apple ist auch nur ein Schmarotzerkonzern, es lässt in Billiglohn und Steuerländer produzieren und verkauft seine Produkte zu viel zu hoch überteuerten Preisen, dank der Werbestrategie fallen nach wie vor so viele Kunden darauf hinein und kaufen sich ständig die Kurzzeitprodukte. Und wie danken es die Macher von Apple, sie zahlen möglichst nur sehr wenig Lohn und fast keine Steuern, also so macht man diese Profite. HR
Sehe ich nicht so. Wenn es nur um die Arbeitskraft in einem Billiglohnland ginge, hätte Apple in etwa so hohe Gewinnmargen wie HTC oder Samsung. Die außerordentlich hohe Marge geht auf das Konto der Innovationsbereitschaft und dem Schaffen von einzigartigen Produkten. Dafür sind wiederum Kunden bereit mehr zu zahlen. Wären die Produkte wie viele meinen austauschbar, wären sie nicht so erfolgreich oder könnten solche Preise verlangen. Zudem darf man nicht vergessen, dass Apple einen Großteil seiner Waren direkt über die Apple-Stores verkauft.
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