Smartphone-System Google streicht Datenschutzfunktion aus neuem Android

Für kurze Zeit hatte Google die Android-Sicherheit etwas verbessert: Nutzer konnten Apps nachträglich verbieten, ihre Adressbücher zu kopieren und Positionsdaten aufzuzeichnen. Nun streicht der Konzern die Funktion wieder - die Bürgerrechtsorganisation EFF ist erschüttert.

"Brightest Taschenlampe": Diese App verriet den Aufenthaltsort ihrer Nutzer

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Google hat in der neusten Version seines Android-Betriebssystem für Mobilgeräte (4.4.2) eine wichtige Datenschutzfunktion wieder gestrichen: Nutzer können nun nicht mehr einzelnen Apps den Zugriffs auf Positionsdaten oder das Adressbuch verbieten. Google erlaubt nur noch mangelhafte Datenschutzeinstellungen nach dem Prinzip: Wer die App installiert, muss allen Datenzugriffen zustimmen, die eine App fordert. Man kann nicht selbst entscheiden, dass die Taschenlampen-Software zum Beispiel nicht das Adressbuch kopieren darf.

Beim Apple-System iOS sind solche Datenschutz-Einstellungen Standard. Der Nutzer bestimmt, was eine App darf. Google hatte eine Funktion mit Android 4.3 eingeführt. Sie wird nun wieder gestrichen. Google begründet diesen Rückschritt gegenüber der US-Bürgerrechtsorganisation EFF so: Man habe die Datenschutzfunktion versehentlich veröffentlicht, sie sei in einem "experimentellen" Stadium gewesen. Warum Google die Funktion nun komplett streicht statt sie zu verbessern, verrät der Konzern nicht.

Software für das Google-System war mehrfach bei Datenschutzskandalen aufgefallen. Anfang Dezember hatte die US-Handelsbehörde FTC berichtet, dass eine sehr beliebte Android-App die Standortdaten der Kunden kopierte. Der Anbieter der App verkaufte die Positionsdaten und Gerätekennungen heimlich an Werbenetzwerke.

Die EFF kommentiert Googles Entscheidung so:

"Die Tatsache, dass Nutzer Apps nicht nachträglich Berechtigungen entziehen können, reißt ein riesiges Loch in Androids Sicherheitssystem. Dieses Loch gefährdet die Daten von einer Milliarde Nutzern. Dieses Problem hat Apple in iOS bereits vor Jahren beseitigt."

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
der.tommy 13.12.2013
1.
das ist ja fast ein grund wieder auf apple umzusteigen. schoen waer noch kein kurzer abriss darueber, wie es beispielsweise bei windowsphones aussieht und anderen smartphoneherstellern
swnf 13.12.2013
2. halb so schlimm
Macht doch nichts - im Gegensatz zu dem doofen iOS ist Android doch total frei und offen und da schreib ich mir die Funktionen einfach selber ins Betriebssystem... [\Ironie]
moev 13.12.2013
3.
Das Loch reißt erst mal der Benutzer selbst, in dem er der App den Zugriff gestattet. Der Zugriff ist halt der Preis der "gratis" App. Wer das nicht will, der soll eben die App nicht nehmen. Ich habe mich durch etliche Batterieanzeiger und Barcodescanner geklickt bis ich endlich welche hatte die keine dubiosen Berechtigungen wollten. Wenn die App im Store 2,49€ kostet kann ich auch nicht sagen "Ok, den Preis akzeptier ich zum installieren und dann lass ich zurück buchen aber behalte die App"
zick-zack 13.12.2013
4. Habe fertig.
Ich bin mir immer sicherer, daß mein P880 mein letztes Android-Phone sein wird! Habe zwar CM drauf, aber dagegen hilft das ja auch nicht.
thseeling 13.12.2013
5. macht nix, gibt noch andere security apps
drüben bei heise.de wird das auch gerade diskutiert. http://heise.de/-2065505 Dort wird SRT Appguard empfohlen, funktioniert sogar ohne gerootetes Telefon. Es gibt eine kostenlose beschränkte Variante und eine kostenpflichtige. Ich verwende die App seit einigen Monaten und bin damit sehr zufrieden. Bei Internet-Zugriffen kann man sogar pro IP/Host wahlweise black- oder whitelisten.
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