Neue Smartphones Drei Handys, die Sie garantiert nicht kennen

Darf es auch mal etwas anderes sein? Neben Firmen wie Samsung und Apple bringen immer mehr unbekannte Unternehmen Smartphones auf den Markt. Ein Blick in die Nische.

Akyumen

Bis 2010 war die Smartphone-Welt noch unter wenigen Firmen aufgeteilt: Nokia hatte fast 40 Prozent Marktanteil, Blackberrys kamen auf 20 Prozent, den Rest teilten sich Samsung und Apple. Heute ist das anders, fast die Hälfte des weltweiten Smartphone-Absatzes erwirtschaften jetzt kleine Firmen, von denen man viele kaum oder gar nicht kennt.

Zwar liegen die Top drei - Samsung, Apple und Huawei - unangefochten weit vor dem Rest der Meute, doch knapp 45 Prozent des Marktes teilen sich die anderen, die Kleinen, von denen einige eigentlich riesige Konzerne sind. Sony gehört dazu, ebenso wie LG und Microsoft. Aber das Gros machen kleinere Hersteller aus, die meist aus Asien stammen. Offenbar lässt sich sogar mit einem Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich noch Geld mit Smartphones verdienen.

Android-Handys kann fast jeder bauen lassen

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wundert es nicht, dass sich immer mehr Firmen als Smartphone-Hersteller versuchen. Ein prominentes Beispiel war 2015 Marshall. Eigentlich für ausgesprochen analoge Röhrenverstärker für Gitarristen bekannt, hat die britische Firma sich an einem eigenen Smartphone versucht.

Im Test konnte das "London" genannte Gerät aber nicht überzeugen: Für ein Android-Handy mit eigenständigem Design und ein paar musikalischen Softwarebeigaben war das Smartphone einfach zu teuer.

Doch es ist ein typisches Beispiel dafür, wie schnell man zum Handy-Hersteller werden kann. Googles Android-Betriebssystem und günstige Hightech-Fabriken in Asien machen es möglich. Ein bekannter Markenname hilft bei der Vermarktung.

Das 99-Euro-Handy vom WLAN-Spezialisten

Eine ähnliche Motivation wie Marshall dürfte die chinesische Firma TP Link gehabt haben, als sie ein eigenes Smartphone auf den Markt brachte. Nach eigenen Angaben ist die Firma der weltweit größte Anbieter von WLAN-Netzwerkprodukten. Nicht unbedingt ein Geschäftsfeld, von dem aus man neue Smartphones erwartet.

Aber TP Link ist bekannt, die Produkte der Firma sind in vielen Computerläden zu bekommen, sie liegen in den großen Regalen der Elektroniksupermärkte. Und so dürfte es für die Firma kein Problem sein, ihr erstes Smartphone zu platzieren, zumal es mit einem extrem günstigen Preis lockt.

TP-Link

Nur 99 Euro soll das Neffos C5L genannte Produkt kosten. Natürlich gibt es dafür keine Highend-Ausstattung, aber mit einem 4,5-Zoll-Display (854 mal 480 Pixel), Vierkern-CPU und einer 8-Megapixel-Kamera dürfte das Gerät immerhin die grundlegenden Bedürfnisse von Smartphone-Einsteigern befriedigen.

Mittelklasse mit Mittelmaß

Eine Etage höher setzt Coolpad an. Das chinesische Unternehmen, das sich zu den zehn größten Handy-Produzenten der Welt zählt, will mit dem Modena gleich in die Mittelklasse einsteigen. Für 169 Euro bringt es einen 5,5-Zoll-Bildschirm, der nur magere 960 mal 540 Pixel anzeigt, und einen kleinen Vierkernprozessor mit.

DPA

Die Stärke des Coolpad-Erstlings sind eher seine Netzwerkfähigkeiten, die LTE mit bis zu 150 Mbit/s ermöglichen. Ansonsten bietet es Mittelmaß: Mit acht Gigabyte hat es wenig Speicherplatz und seine Kamera hat mit 8 Megapixeln eine eher unterdurchschnittlich hohe Auflösung. Premium-Mittelklasse, wie der Hersteller das nennt, ist das nicht.

Ein Taschenkino aus den USA

In eine ganz andere Kategorie will das US-Start-up Akyumen seine neuen Smartphones einsortiert wissen. Sie sind weder Einsteiger-, noch Mittelklasse und auch nicht Oberklasse. Stattdessen werden sie einfach als die "dünnsten Projektor-Handys der Welt" tituliert.

In den Korpus integriert ist ein winziger Projektor, den man zum Filme gucken oder für Präsentationen nutzen kann. Aktuell arbeitet die in Kalifornien beheimatete Firma an zwei Varianten, dem Hawk Prime und dem Hawk Dimension.

Vergleichsweise bescheiden ist das Hawk Prime ausgestattet, in dem ein Achtkern-Prozessor mit 4 GB Arbeitsspeicher und 300 GB Massenspeicher stecken. Der integrierte Projektor soll bei einer 2K-Auflösung gerade einmal rund 45 Lumen Lichtstärke liefern, ist also nur für abgedunkelte Räume geeignet.

Im Hawk Dimension steckt ein Projektor mit derselben Lichtstärke, aber 4K-Auflösung. Ihm stehen ein Zehnkern-Prozessor mit üppigen 8 GB Arbeitsspeicher und wiederum 300 GB Speicher zur Seite. Beide Geräte sollen unter anderem mit Saber Chat, einer App für verschlüsselte Chats, geliefert werden.

Wann genau die Geräte verschickt werden, ist allerdings ebenso unklar wie die Preisgestaltung. Ohnehin dürfte es schwierig werden, eines dieser Geräte in Deutschland zu bekommen. Denn zum Marktstart sollen zunächst nur die beiden Amerikas, Afrika, der Nahe Osten und Australien beliefert werden, heißt es seitens des Unternehmens.

mak

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.