Polaroid Snap Touch und Insta-Share Printer im Test Die Rückkehr der Sofortbilder

In den Siebziger- und Achtzigerjahren waren Polaroidkameras hip: Dank ihnen musste man nicht wie sonst tagelang auf Papierabzüge aus dem Labor warten. Und heute? Wir haben zwei moderne Geräte getestet.

Matthias Kremp

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Lange vor der Erfindung der Digitalkamera waren Polaroid-Sofortbilder die simpelste Möglichkeit, ein Motiv zu fotografieren und kurz darauf zu begutachten - nur eben auf Papier. Fotografen und Künstler benutzten die Schnellschussbilder zum Beispiel, um sich einen Eindruck von der Aufnahmesituation zu machen, als Vorschau, würde man heute sagen. Andy Warhol war ein Fan dieser analogen Fototechnik.

Auch wenn die Popularität von Polaroidkameras über die Jahre nachließ, hat sich die Firma in die digitale Gegenwart gerettet. Eine 2008 eigentlich schon aufgegebene Fabrik in den Niederlanden produziert seit Längerem wieder Sofortbildkameras nach den alten Vorbildern und bietet sowohl alte als auch neue Kameras an.

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Vor allem aber hat sich Polaroid der Digitaltechnik geöffnet, das Unternehmen bietet Kameras und Drucker an, die das moderne ZINK-System (Zero Ink) nutzen, eine Drucktechnik, bei der die Tinte im Papier statt in einer Patrone steckt.

Zwei Geräte, die Bilder mit dieser Technik produzieren, habe ich ausführlich ausprobiert. Zum einen die Polaroidkamera Snap Touch, die im Grunde eine Digitalkamera mit integriertem ZINK-Drucker ist. Zum anderen den Insta-Share Printer, der ein Moto Mod ist, ein Zusatzmodul zum Aufstecken auf Motorola-Smartphones der Z-Serie.

Die Kamera

Die Snap Touch bietet eine Festbrennweite, 13 Megapixel Auflösung, einen mäßigen Bildschirm und Speicherplatz für nur zehn Aufnahmen. Den Speicherplatz kann man zwar per Steckkarte erweitern, aber der eigentliche Sinn einer solchen Kamera ist es ja nicht, schöne Fotos für die Ewigkeit zu machen, sondern schnelle Schnappschüsse, die man ebenso schnell auf Papier weitergeben kann.

Und genau das klappt mit der Polaroid ziemlich gut. Mit einem Druck auf den ausklappbaren Blitz wird die Kamera eingeschaltet, über das Display das Motiv anvisiert, fertig. Anders als bei den alten Kameras rutscht allerdings nicht direkt nach dem Fotografieren ein Bild aus dem Gerät. Man kann das Foto am Bildschirm begutachten, bevor man es ausdrucken lässt.

Das Smartphone-Modul

Der Insta-Share Printer funktioniert ähnlich, er hat jedoch keine eingebaute Kamera. Stattdessen wird er auf ein Moto-Z-Gerät aufgesteckt und nutzt dessen Kamera mit. Auf dem Handy nutzt man dann freilich eine Polaroid-App zum Fotografieren und drückt zum Auslösen den Auslöseknopf auf dem Druckermodul. Der Druckvorgang wird, ebenso wie bei der Snap Touch, manuell ausgelöst.

Fotostrecke

15  Bilder
Das neue Smartphone von Motorola: Das Moto Z2 Play im Test

Motorola-Nutzer müssen in Kauf nehmen, dass ihr schickes schlankes Smartphone mit dem aufgesteckten Insta-Share Printer zum dicken Klopper wird. Das knapp sechs Millimeter dünne Handy versinkt regelrecht unter dem fingerdicken Drucker.

Drucken

Die Drucktechnik in den beiden Geräten ist weitgehend identisch. Der Druckvorgang wird von einem leisen Summen begleitet, ein Ausdruck dauert etwa 30 Sekunden. Das Ganze ist aber locker schnell genug, damit es mit traditionellen Sofortbildern mithalten kann, die nach dem Auswerfen aus der Kamera auch eine Weile gebraucht haben, bis Konturen und Farben sichtbar wurden.

Video: So lang dauert der Ausdruck beim Polaroidgerät

SPIEGEL ONLINE

Das Fotopapier wird stapelweise in die entsprechenden Fächer geladen, es kann in Stückelungen zu 20, 30 oder 50 Blatt gekauft werden. Billig ist das nicht. Pro Foto kostet der Ausdruck je nach Packungsgröße zwischen 58 Cent und 65 Cent.

Die Fotoqualität

Bei diesem Preis könnte man eine hohe Fotoqualität erwarten, doch weit gefehlt. Positiv ausgedrückt retten die beiden Sofortbilddrucker den Charme alter Polaroids in die Gegenwart. Man darf hier weder kräftige Kontraste noch feine Details oder knallige Farben erwarten. Etwas flau wirken alle meine Ausdrucke.

Interessanterweise machte es auch kaum einen Unterschied, mit welchem der beiden Geräte ich meine Motive knipste. Von der Bildqualität der Motorola-Kamera bleibt beim Ausdruck nicht viel übrig, die fotografische Qualität der Snap-Touch-Kamera liegt sowieso weit dahinter. Auch sonst macht sie mit ihrem klapprigen Ausklappblitz und dem billig wirkenden Plastikgehäuse eher den Eindruck, der Straßenpreis von etwa 180 Euro sei zu hoch angesetzt. Ein Schnäppchen ist aber auch der Insta-Share Printer nicht, der online für 130 bis 150 Euro angeboten wird.

Fazit

Vorteile und Nachteile
Polaroid Snap Touch

Schnelle Ausdrucke

Einfache Bedienung

Kann auch als Handydrucker genutzt werden

Speicher erweiterbar

Mäßige Material- und Verarbeitungsqualität

Mäßige Fotoqualität

Polaroid Insta-Share Printer

Schnelle Ausdrucke

Einfache Bedienung

Mäßige Fotoqualität

Letztlich lässt sich sagen: Sofortbildfotografie macht Spaß, auch mit diesen beiden neuen Gadgets. Allerdings nur dann, wenn man sich voll auf die Technik und deren Einschränkungen einlässt. Man muss die typische, etwas verwaschen wirkende Anmutung der modernen Sofortbilder mögen. Und man muss bereit sein, regelmäßig teures Fotopapier nachzukaufen.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
raetzmann 05.04.2018
1. Komische Vertreter...
..also jeder der sich mit dem Thema beschäftigt, wählt eigentlich sofort die Instax Kameras bzw. Drucker aus, da diese definitiv am meisten Charme bzw. am besten an das Original herankommen. Instax 90 mini oder wide 300 als Kamera. Oder aber sogar Instax Share SP-3. Ein Drucker nicht nur für ein Handymodell konzipiert, sondern per Bluetooth an alle Smartphones zu koppeln.
hardeenetwork 05.04.2018
2. Leica Sofortbild
Warum ist die neue Leica Sofortbildkamera hier nicht mit aufgeführt? Die hat nämlich, im Gegensatz zu den gezeigten Kameras, eine gute Bildqualität. Denn eine Kamera ohne Bildqualität ist einfach nur Schrott.
g_bec 05.04.2018
3. Preis
Wenn ich mich recht entsinne, haben die Polaroid-Filmmagazine damals um die 20 Mark für zehn Bilder gekostet. Die neuen Polaroid-"Filme" sind also ein Schnapper im Vergleich zu damals;-)
NoBrainNoPain 05.04.2018
4. Sehr eingeschränkter Vergleich,
in dieser Kategorie gibt es z.B. den HP Sprocket Minidrucker. Auf den kann man von jeder Bluetoothfähigem Kamera Bilder schicken und ausdrucken. Nicht größer als eine Zigarettenschachtel kann man ihn überall mit hinnehmen, wegen des Thermodruckverfahrens ist die Qualität allerdings die gleiche wie bei den beschriebenen Produkten.
spatenheimer 05.04.2018
5.
Zitat von hardeenetworkWarum ist die neue Leica Sofortbildkamera hier nicht mit aufgeführt? Die hat nämlich, im Gegensatz zu den gezeigten Kameras, eine gute Bildqualität. Denn eine Kamera ohne Bildqualität ist einfach nur Schrott.
Ist das nicht einfach nur eine Fuji im von Leica entworfenen Gehäuse?
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