Sonos Play 5 im Test Diesem Lautsprecher ist egal, wo er steht

Sonos bringt eine neue Version seines WLAN-Lautsprechers Play 5 auf den Markt. Klingt die Neuauflage besser als der Vorgänger? Ergebnis des Tests: Die Magie liegt in der Software.

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Neue Version der Sonos Play 5: Können horizontal und vertikal aufgestellt werden
Matthias Kremp

Neue Version der Sonos Play 5: Können horizontal und vertikal aufgestellt werden


In der Computerbranche wären solche Produktzyklen undenkbar: Sechs Jahre hat sich Sonos Zeit gelassen, um eine neue Version des vernetzten Lautsprechers Play 5 zu entwickeln. Prototypen davon konnte ich mir schon im Sommer in einem Sonos-Labor anhören, jetzt sind die ersten Seriengeräte verfügbar. Zwei davon habe ich getestet.

Abgesehen von den groben Abmessungen hat das Design des neuen Play 5 nichts mit seinem Vorgänger gemein. Vielmehr wurde es an den Look des kleineren Play-3-Lautsprechers angepasst. Das Ergebnis ist eine komplett geschlossene Box, die sich ebenso wie die Play 3 sowohl horizontal als auch vertikal aufstellen lässt.

Hinter einem fein gelochten Schutzgitter sind drei Tiefmitteltöner und drei Hochtöner eingebaut, die jeweils von einem eigenen Digitalverstärker angetrieben werden. Um den Empfang von WLAN-Signalen zu verbessern, sind sechs Antennen im Gehäuse verteilt.

Bemerkenswert sind die neuen Steuerungselemente auf der Oberseite. Statt mechanischer Schalter reagieren hier Touch-Sensoren auf Berührungen. Mit einer Wischbewegung kann man zum nächsten oder vorherigen Song wechseln. Mit leichtem Druck lässt sich die Lautstärke ändern und die Musik pausieren oder fortsetzen.

So klingt der neue Play 5

Im direkten Vergleich mit einem Play 5 der ersten Generation schieben sich beim neuen Modell vor allem die Bässe ausgesprochen deutlich nach vorn. Die Tieftonwiedergabe scheint deutlich weiter hinunter zu reichen, ohne dabei schwammig zu werden oder zu dröhnen. Die geschlossene Konstruktion dürfte ihren Anteil an dieser trockenen Basswiedergabe haben.

Zum Durchklicken: Hausbesuch bei Sonos

Das erste Büro: Hinter dem vergitterten Fenster im ersten Stock dieses Gebäudes gründeten Craig Shelburne, Tom Cullen, Trung Mai und John MacFarlane 2002 die Firma Sonos. Direkt darunter befindet sich im Erdgeschoss ein mexikanisches Restaurant, in dem es jeden Tag ab dem späten Nachmittag laut wird.

Bevor er mit Sonos begann Lautsprecher zu entwickeln, die Musik per WLAN empfangen, war Firmenchef John MacFarlane schon mit seiner ersten Firma erfolgreich. Sein auf E-Mail-Software spezialisiertes Unternehmen Software.com wurde für 6,8-Milliarden-Dollar von Phone.com übernommen.

Fast schon idyllisch: Das bisherige Hauptquartier von Sonos lud die Mitarbeiter zum Arbeiten im Freien ein. Weil es zuletzt viel zu eng wurde, zog die Firma 2015 in mehrere neue Gebäude in Santa Barbara um.

Viel Platz bot der ehemalige Firmenparkplatz nicht. Umso wichtiger war es offenbar klarzustellen, dass hier wirklich nur Sonos-Mitarbeiter parken durften.

Vor dem neuen Hauptquartier findet man mehrere solcher Schilder. Sie reservieren Parkplätze für Job-Bewerber, die hier offensichtlich regelmäßig vorstellig werden.

Bloß kein Stress: Während im nahen Los Angeles nichts ohne Auto geht und Staus zum Alltag gehören, geht es im Küstenstädtchen Santa Barbara sehr geruhsam zu. Das Foto zeigt die morgendliche Rushhour auf einer der Hauptverkehrsadern der 90.000-Einwohner-Stadt.

Das Wetter bei unserem Besuch war untypisch: In Santa Barbara scheint an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne, was es leicht macht, neue Mitarbeiter anzulocken. Das neue Laborgebäude von Sonos, auf dessen Dach diese Aufnahme entstand, ist nur ein paar Schritte vom Strand entfernt. Im Erdgeschoss steht ein Abstellraum bereit, in dem die Angestellten ihre Surfbretter unterstellen können.

Ein besonderes Lichtspiel hat sich Sonos im Großraum seines neuen Bürogebäudes geleistet. An einer mehrere Meter hohen Plexiglaswand sind Dutzende Netzwerklautsprecher angebracht, aus denen Musik tönt. Die Farbe der Wand ändert sich in einem steten, ruhigen Rhythmus, während die Mitarbeiter an davor verstreuten Tischen arbeiten.

Im Marketing läuft gerade Rage Against The Machine. Überall in den Gebäuden sind Lautsprecher verteilt, überall sind iPads wie dieses an der Wand befestigt, über die sich das Musikprogramm steuern lässt. Wer morgens zuerst kommt, darf bestimmen, was gespielt wird.

Konferieren, sinnieren, hören: In den Gebäuden des Unternehmens stößt man immer wieder auf solche kleinen Konferenzräume. Jeder ist individuell gestaltet, nur eines haben sie gemeinsam: Sonos-Lautsprecher, die stets zur Einrichtung gehören.

Mobil ohne Sprit: Mitarbeiter, die zwischen den verschiedenen Sonos-Gebäuden pendeln müssen, können einen Elektroscooter oder eines der Firmenfahrräder ausleihen. Reserviert werden die Drahtesel per App.

Gleichzeitig bleiben die Mitten präsent und die Höhen brillieren - ohne zu zirpen oder sonstwie zu nerven. Insgesamt ist das Klangbild sehr klar und offen. Das ändert sich nur maßvoll, wenn man den Lautsprecher vertikal statt horizontal aufstellt. Sensoren erkennen das und ändern, wie die sechs eingebauten Lautsprecher angesteuert werden.

Für richtigen Stereosound lassen sich zwei Play 5 auch zu einem Paar koppeln. In dieser Konfiguration hängt das Klangbild deutlich davon ab, wie man die Lautsprecher aufstellt. Horizontal erzeugen sie eine sehr breite Bühne, vertikal verengt sich das Stereobild, sodass man nur in einem begrenzten Bereich optimalen Stereoton hört.

Mit Trueplay selbst vermessen

Obwohl es also einige Dinge gibt, die den neuen Play 5 besser machen als den Vorgänger, muss man als Besitzer des alten Modells jetzt nicht zwangsläufig in den Laden laufen. Vorher sollte man lieber das Update der Sonos-App installieren, das mit der Play-5-Einführung veröffentlicht wird.

Zum Durchklicken: Der neue Oberklasse-Netzwerklautsprecher

Die neue Version der Sonos Play 5: Wie schon die Modelle Play 1 und Play 3 kann auch dieses Modell sowohl horizontal als auch vertikal aufgestellt werden. Im Stereobetrieb macht das einen substanziellen Unterschied.

Auf der Rückseite befindet sich außer dem Stromanschluss eine Netzwerkbuchse, die man in der Regel nicht braucht. Den rechts sichtbaren Taster muss man nur einmal drücken: wenn man den Lautsprecher mit seinem Netzwerk verbindet. Die kleine Buchse in der Mitte ist ein Miniklinkenanschluss. Hier kann man externe Audioquellen anschließen.

Die Einrichtung des Play 5 ist so einfach wie von Sonos gewohnt: Nach dem Einschalten startet man die Sonos-Software auf seinem Smartphone und wird in wenigen Schritten durch die Installation geleitet.

Designer und Soundexperten kämpften hart um die Platzierung des Firmenlogos. Die einen wollten es unbedingt mittig an der Front platzieren, die anderen fürchteten dadurch Klangeinbußen. Die Lösung: Auch das Logo wurde perforiert.

Mit dem neuen Play 5 führt Sonos auch ein Update seiner Smartphone-Software ein. Dessen wichtigste Neuerung ist die Trueplay-Funktion. Sie ermöglicht es, den Klang von Play 1, Play 3 und Play 5 an den jeweiligen Raum anzupassen.

Leider funktioniert Trueplay derzeit nur auf iPads und iPhones. Während der Vorgang läuft, sollte es im jeweiligen Raum bis auf die Testtöne möglichst ruhig sein.

Das Ergebnis der Klangkalibrierung ist beeindruckend. Selbst wenn der Lautsprecher so ungünstig platziert ist wie hier, eingequetscht in einem Bücherregal, kommt auf diese Weise ein guter Sound zustande.

Neben etlichen Feinheiten, wie etwa einer besseren Unterstützung von Spotify, bietet die Software nämlich eine neue Funktion namens Trueplay - und die ist ein Killerfeature. Sie nutzt die Mikrofone in einem iPhone, iPad oder iPod Touch, um den Raum, in dem der Lautsprecher steht, akustisch zu vermessen.

Als würde man einen Vorhang wegziehen

Startet man die Funktion, ertönen aus den Sonos-Lautsprechern Messtöne. Gleichzeitig geht man, das Tablet oder Smartphone in Kreisen schwenkend, durch den Raum. Nach etwa einer Minute meldet die App Vollzug: Sie errechnet ein an den Raum und die Position der Lautsprecher angepasstes Klangprofil und sendet dieses an die Lautsprecher. Man kann sich das so vorstellen wie einen extrem fein justierbaren Equalizer. So kompliziert das funktioniert, so einfach ist es in der Anwendung.

Ich habe Trueplay mit verschiedenen Sonos-Lautsprechern der Typen Play 1, Play 3 und Play 5 ausprobiert und kam immer zu demselben Ergebnis: Nach dem Einmessen per Trueplay klangen die Boxen, als hätte man einen Vorhang davor weggezogen. Der Sound wird klarer, brillanter, trockener.

Noch nicht für Android

Vor allem in klanglich schwierigen Umgebungen, in der Nische eines Bücherregals oder einem Kellerraum mit stark reflektierenden Wänden, macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar. Teils werden dabei die Tiefmitten beschnitten, wohl um ein Dröhnen zu verhindern. Subjektiv kann man das auch als verringerte Basswiedergabe wahrnehmen.

Insgesamt aber lässt sich der Effekt von Trueplay auf den Klang der Sonos-Lautsprecher ganz einfach beschreiben: Mit Trueplay klingen sie teurer.

Leider gibt es dafür eine große Einschränkung: Trueplay funktioniert nur mit iPhones, iPads und dem iPod Touch. Das Fehlen einer Android-Variante erklärt Sonos mit der Vielfalt unterschiedlicher Android-Geräte und der darin verbauten Mikrofone. Bei Apples Geräten hingegen wisse man genau, welche Mikrofone darin stecken. Nur so sei es möglich, die klanglichen Eigenschaften eines Raumes zuverlässig zu erfassen.

Fazit

Der neue Play 5 ist ein gutes Produkt. In Sachen Technik, Sound und Design ist Sonos ein spürbarer Schritt nach vorn gelungen. Leider macht gleichzeitig auch der Preis einen Sprung, der Lautsprecher kostet 579 Euro.

Für Neukunden ist das schmerzlich, sie müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen, als es beim Vorgänger der Fall gewesen wäre. Bestandskunden hingegen können sich freuen. Ihre Sonos-Boxen werden mit dem Trueplay deutlich aufgewertet, und das kostenlos.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Sound

Klang per Trueplay an die Umgebung anpassbar

Einfach bedienbar, leicht vernetzbar

Häufige App-Updates

Hoher Preis

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Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
Timmaey 29.10.2015
1. So so...
...Das Regal ist also ein Ort, an dem der Sonos schlecht platziert ist, aber dennoch einen guten Klang hergibt?! Liebe SPON-Redakteure, etwas mehr Recherche zum Thema Resonanz und Klangkörper und dieser Fauxpas wäre nicht passiert.
flkthm 29.10.2015
2. Bose
macht das mit AdaptIQ und den jedem Gerät beigefügten Kopfhörer schon längst
bettini 29.10.2015
3. Schale Ausrede
Wenn es um irgendwelche Mikrofrontypen gehen würde, dann hätte Sonos auch ganz einfach ein eigenes Messmikro mitliefern können. Wenn schon so ein Apple-Mikro dafür ausreicht, sollten die Mehrkosten ohnehin nicht so gravierend sein. Da sind bekanntlich auch keine Goldbarren verbaut.
divb0 29.10.2015
4.
Der Bedienkomfort von Sonos ist zweifelsohne hoch, klanglich verblasst der (alte) Play 5 neben einem halb so teuren aktiven Lautaprecher, z.B. aus der nuPro Serie. Dort fehlt andererseits eine komfortable zuspielmöglichkeit
melmag 29.10.2015
5. Fanboy
So sieht es aus, wenn ein richtiger Fan für "sein" Produkt schwadronieren darf. Alles top, auch wenn 90% der Menschheit als Kunde ausscheiden, weil sie kein iPhone ihr Eigen nennen wollen. Und klar, das miserable Micro eines Handys zaubert Supersound wenn man sich armkreisend durch den Salon bewegt. Ein Hoch auf die Psychoakkustik... Son Sch... bietet sogar der Kassettenspieler meiner Tochter. Da heisst es Superbass und Virtualsound. Funktioniert sogar, wenn man dran glaubt.
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