Soundbar Playbase im Test Sonos macht das Heimkino platt

Kann ein kleiner flacher Kasten wie die Playbase ein Wohnzimmer mit überzeugendem Rundumklang füllen? Wir haben die neue Sonos-Soundbar ausprobiert. Die macht gleich zwei Geräte überflüssig.

SPIEGEL ONLINE

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Wäre das Leben als Hardware-Tester doch immer so einfach. Um die neue Soundbar von Sonos an den Fernseher anzuschließen, musste ich die Aufbauanleitung nicht mal auspacken. Ich hatte die 72 Zentimeter breite und knapp sechs Zentimeter hohe Lautsprecherbox einfach unter den TV geschoben, das Stromkabel eingesteckt und das optische Audiokabel in den entsprechenden Anschluss des Fernsehers gedrückt, dann konnte es losgehen - mit dem zweiten Schritt der Konfiguration.

Denn die Playbase, so heißt das neue Gadget von Sonos, ist nicht einfach nur eine Soundbar, also ein Zusatzlautsprecher für den Fernseher. Eher könnte man die Playbase als integriertes, vernetztes Soundsystem beschreiben. Zum einen kann sie den Ton des Fernsehers in Dolby Digital wiedergeben, zum anderen Musik in Stereo abspielen.

Letzteres macht sie genau wie etwa die Play:5 und alle anderen Lautsprecher von Sonos, aber nicht auf herkömmliche Weise, sondern über das Heimnetzwerk und das Internet. Man kann also sowohl Musik vom iPhone oder seiner Netzwerkfestplatte darüber hören als auch Dienste wie Spotify und Apple Musik nutzen. In der Box steckt also Netzwerktechnik.

Den meisten Raum nehmen aber die zehn Lautsprecher und deren zehn Digitalverstärker in Anspruch. Neun der Lautsprecher sind ähnlich angeordnet wie in der seit Jahren bekannten Sonos-Playbar: Sechs bedienen die mittleren Frequenzen, drei die oberen. Neu und nur wegen des größeren Gehäuses möglich, ist der Basslautsprecher, der für mehr Fülle im Klangbild und kräftige Bässe sorgt.

Das merkt man vor allem bei modernen Aufnahmen wie Beyoncés "Daddy Lessons". Wenn dort bei Sekunde 53 der Bass einsetzt, drückt er angesichts des schmalen Gehäuses erstaunlich kräftig. Gleichzeitig klappt Stereoauflösung trotz des recht schmalen Gehäuses gut, sodass die Mitglieder der Band klar ortbar auf einer virtuellen Bühne zusammengestellt werden.

Bei der alten Analogaufnahme "I don't care anymore" von Phil Collins klappt das nicht so überzeugend. Das Stereobild wirkt etwas zu eng, die Bassdrum nicht wuchtig genug. Beim Song "I cannot believe it's true" vom selben Album ist davon nichts mehr zu spüren: Die Percussion-Instrumente werden deutlich nach rechts gerückt.

Die Klarheit der Wiedergabe - ohne dröhnende Resonanzen oder Geklapper - sorgt dafür, dass auch feine Details der Aufnahmen hörbar werden, die manch anderer Lautsprecher verschluckt. Der Basslautsprecher kommt zwar nicht ganz so tief runter wie meine Hifi-Boxen, produziert aber ein kräftiges, trockenes Tieftonfundament.

Bei Filmen ist es ähnlich. In "Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere" beispielsweise bekommt die Stimme des Drachen Smaug deutlich mehr Tiefgang als mit der zum Vergleich angeschlossenen Playbar.

Auch Soundeffekte bringen die Lautsprecher knackig zu Gehör, und sie schaffen es auch, ein recht gutes Raumgefühl zu erzeugen. Eine richtige Surroundanlage klingt immer noch besser, man kommt dem Surround-Erlebnis aber doch recht nah. Stellt man der Playbase einen Sonos-Subwoofer und zwei Play:1-Lautsprecher zur Seite, ist der Effekt ähnlich überzeugend, wie ich ihn bei der Playbar erlebt habe. Und genauso teuer.

Fotostrecke

15  Bilder
Raumklang aus der Röhre: Das ist der Sonos Playbar

Dass Sonos neben der Playbar überhaupt eine zweite Soundbar ins Programm aufgenommen hat, dürfte zwei Gründe haben: Zum einen ermöglicht das größere Gehäuse der Playbase auch ohne zusätzlichen Subwoofer einen fetten Sound. Das kommt all jenen entgegen, die sich ihr Wohnzimmer nicht mit Lautsprechern vollstellen wollen oder die schlicht die Kosten scheuen. Ein Sonos-Subwoofer kostet immerhin 799 Euro extra.

Zum anderen ist die Playbase so gebaut, dass man seinen Fernseher darauf stellen kann. Laut Sonos kommt das dem Wunsch der Mehrheit entgegen, die ihre TV-Geräte auf Möbelstücke stellt und nicht an die Wand hängt. Die Playbar hingegen muss man entweder vor den Fernseher stellen oder unter einem an der Wand hängenden TV an die Wand schrauben.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Klang

Einfache Einrichtung und Bedienung

Umfangreiche Streaming-Funktionen

Hochwertige Verarbeitung

TV-Anschluss nur über optisches Kabel möglich

Hoher Preis

Mit der Playbase kann man Stereoanlage und Surroundsystem zugleich ersetzen. Sie erreicht verzerrungsfrei partytaugliche Lautstärken und provoziert bei Actionfilmen fast zwangsläufig Ärger mit den Nachbarn. Wer es sich mit denen nicht verscherzen will, sollte zumindest abends den etwas ruhigeren Nachtsound-Modus aktivieren.

Mit 799 Euro ist die Playbase allerdings kein Schnäppchen. Wer schon andere Sonos-Lautsprecher im Haus hat, wird eher bereit sein, diesen Preis zu zahlen, als jemand, der einfach nur besseren Sound für seinen Fernseher haben will.

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
PolitBarometer 07.04.2017
1. Klangwunder?
Was soll ich bitte mit solch überteuertem Plastikmüll-Mumpitz, der mir über virtuelle Soundfelder Räumlichkeit vorgaukelt? Schon mal echte, gute Lautsprecher mit ausreichendem Volumen getestet? Diese Kleinsatelliten-LS mit Integriertem Verstärker und BT oder Wireless-Anbindung sind akkustischer Sondermüll und von HiFi meilenweit entfernt. Aber man gewöhnt sich schnell an schlechten Klang. Und Steckdosen für die Stromleitungen muss man für diese System auch an allen Ecken bereithalten. Da kann ich zu vernünftigen Lautsprechern auch gleich ordentliche LS-Kabel mitverlegen.
e_c 07.04.2017
2. Guter Sound?
Man hört deutlich, dass der angebliche "Tiefgang" im Frequenzspektrum mit einer Überbetonung von zum Bass gehörenden harmonischen Obertönen erzeugt wird, der das klangliche Erlebnis schlicht und einfach verfälscht. Das Resultat ist so ziemlich das Gegenteil von "trocken". Ganz abgesehen von den, gelinde gesagt, verzwackten Phasenbeziehungen im Ausgabesignal, die zu einem Wildwuchs aus Auslöschungen und Überbetonungen führen - auch das springt einen förmlich an. Aber schick sieht das Gerät schon aus, keine Frage.
tonyhawks 07.04.2017
3. Mal mit einem relvanten Betriebssystem testen
Wieso nur mit iPhone getestet? Der Markt sieht anders aus. Ebenso mit Apple Music. In DE nicht sehr relevant.
derudo64 07.04.2017
4. Gibt es bei Teufel auch
Cinebase - mit mehr Anschlussmoglichkeiten und in Verbindung mit dem Raumfeld Connector ebenso Netzwerkfähig. Hat einen Hammersound und ist für Leute erschwinglich, die sich keine High-End Geräte leisten können oder möchten.
2cv 07.04.2017
5. SONOS - maßlos überteuert und insbesondere falsches Design für TV
Wir haben selbst ein SONOS System daheim im Einsatz, das vorweg. Erstes Manko: die heimische Firewall muss für die Node deutlich mehr Ports bzw. Freigaben erhalten als dies für den Musik-Betrieb notwendig ist: warum? Darüber hinaus muss die erste Node von SONOS per Kabel ans DSL/Internet verbunden sein, es reicht keine WiFi Verbindung aus. Bedeutet entweder noch ein weiteres SONOS-Device (Bridge) zu erwerben, oder mühsam Kabel zu ziehen. Nun zum eigentlichen Gerät: TV bzw. die Akustik von "Media-Erlebnissen" lebt nicht von Stereo (das kann der moderne Fernseher auch, und zwar nicht schlecht), sondern als Heimkino-Erlebnis von 5.1 oder 7.1 sprich einer ganzen Reihe im Raum verteilter Lautsprecher um den "Kinosessel" bzw. die Couch herum. Ausschließlich der Subwoofer kann als unausgerichteter Lautsprecher "irgendwo" versteckt werden, alle anderen müssen / sollten sauber eingemessen werden, um ein optimales Hörerlebnis zu haben. SONOS kann dies akustisch nie ausgleichen - das geht schon aus physikalischen Gründen nicht. Ein vernünftiges Hörstudio eines guten Hifi-Geschäfts kann das eindrucksvoll vermitteln. Und zuguter letzt: die Konstruktion ist leider nicht "flatscreen-kompatibel". Beispiel: Unser Flatscreen hängt an der Wand. Heisst: entweder geht nun vom TV ein Kabel runter zum neuen SONOS Device, und wir benötigen noch mal ein Beistell-Tischchen oder so, um das Gerät irgendwo unterzubringen (und natürlich noch mal einen Stromanschluss an dieser Stelle). Oder aber das TV steht nicht wandmontiert sondern auf einem Fuss. Dann kann man aber das SONOS Gerät nicht darunter postionieren: der Lautsprecher wird nicht nur den schönen weissen Kasten zum Vibrieren bringen, sondern auch den gesamten Fernseher - die Resonanzfrequenzen werden den Hörer zwingen, die Lautstärke deutlich herunterzuschrauben. Zu guter letzt: Was will ich mit einem TV Ton aus dem Wohnzimmer in einem entfernten Raum wie beispielsweise der Küche, wenn ich dort kein TV Bild sehe? Insbesondere ist das Bild in unterschiedlichen Räumen "dank" unterschiedlicher Receiver / Set Top Boxen i.d.R. *immer* zeitversetzt. Selbst mit 2 SKY Boxen, angeschlossen an die gleiche Satellitenschüssel, ist auf dem gleichen Kanel keine 100%-Synchronisation möglich: jedes TV hat eine andere Bild-Ton-Dekodier-Zeit. Somit "netto": nettes Gimmick aber deutlich überteuert und aus Sicht eines Audiophilen alles andere als sinnvoll. Und zurück gespielt an SpOn: Nettes Advertorial aber leider schlecht recherchiert und unzureichend bewertet. Sorry.
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