Subwoofer Sonos Sub: Druck von unten

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Streaming-Spezialist Sonos will in den Basskeller: Als Ergänzung zu seinen drahtlos vernetzten Streaming-Lautsprechern hat er jetzt einen W-Lan-Subwoofer vorgestellt, der dem Sound mehr Tiefe verleihen soll. Wir haben ausprobiert, wie tief er wirklich kommt.

Druck aus dem Basskeller: Sonos-Subwoofer Sub Fotos
Matthias Kremp

Der auf drahtlos vernetzte Audioanlagen spezialisierte US-Hersteller Sonos gibt sich ausgesprochen selbstbewusst, wenn es um sein neues Produkt geht: Dem Sub genannten Testgerät liegt ein Paar Ohrstöpsel bei. Nicht für den Tester, sondern für dessen Nachbarn seien die gedacht, heißt es im Begleitschreiben. Mit denen könne man es sich ansonsten leicht verscherzen, während man den neuen Tiefbasslautsprecher ausprobiert. Schließlich ist dessen Zweck, die bestehende Audioanlage um wirklich tiefe, durchdringende Bässe zu erweitern.

Bevor man aber ausprobieren kann, ob der Sub die Nachbarn wirklich ärgern kann, muss man kräftig zupacken. Satte 16 Kilogramm bringt der Sub auf die Waage, kein ungewöhnlicher Wert für einen Subwoofer. Zum einen müssen solche Boxen besonders stabil gebaut werden, damit sie den tiefen Tönen standhalten. Zum anderen brauchen ihre eingebauten Lautsprecher besonders starke Magnete, um die tiefen Frequenzen wiedergeben zu können.

Doch das Auspacken wird durch die besondere Bauform erleichtert. Fasst man den Sub an seinem Loch in der Mitte an, kann man ihn halbwegs rückenschonend aus dem Karton wuchten. Dabei ist jenes Loch nicht als Transporthilfe gedacht, sondern beherbergt die beiden Lautsprecher. Das ist ungewöhnlich.

Gemeinsam gegen Vibrationen schwingen

Viele Subwoofer haben ganz normal nach vorne abstrahlende Lautsprecher eingebaut, manche auch solche, die nach unten abstrahlen. Beim Sub ist das anders: Seine beiden Lautsprecher sind in der Mitte des ungewöhnlich schmalen Gehäuses in einer Aussparung angebracht. Statt vorne oder unten zu schwingen, schwingen sie aufeinander zu. Der Hersteller bezeichnet sie als Force-Cancelling-Lautsprecher, will damit sagen, dass sie so zueinander schwingen, dass keine ungewollten Vibrationen entstehen.

Viel mehr verrät Sonos zu der Technik nicht. Nicht einmal die Leistung der beiden eingebauten Verstärker wird angegeben, geschweige denn deren Frequenzbereiche. Man muss sich also einfach darauf verlassen, dass es schon passen wird. Aber das gehört zum Wesen der Sonos Systeme: Viel einzustellen gibt es da nicht. Entweder man mag den Sound oder eben nicht.

Und das gilt auch für den Sub, der sich bei der Einrichtung als ausgesprochen simpel erweist. Exakt einen Schalter hat er eingebaut. Ein Druck darauf verbindet ihn mit einem bestehenden Sonos-System. Ein solches braucht man zwangsläufig, denn mit anderen Lautsprechern spielt der Sub nicht. Er ist ausschließlich für die Steaming-Systeme seines Herstellers konzipiert, soll den Sound von Kompaktboxen wie der Play 3 und 5 oder der Sonos-Verstärker anfetten.

Markerschütternde Bässe

Wie er das tut, haben wir mit einem Sonos-Verstärker samt zweier kleiner Regalboxen ausprobiert. Deren Klang ist für sich schon recht gut, bewegt sich auf dem Niveau einer besseren Kompaktanlage. Um es nicht zu leicht zu machen, haben wir die Boxen in ein Bücherregal gestellt, das durch die Bässe der Kompaktboxen zu vibrieren begann. Das machte sich als Wummern in bestimmten Frequenzbereichen bemerkbar.

Nachdem wir den Sub hinzugefügt hatten, war der Klang kaum wiederzuerkennen. Tatsächlich donnerten plötzlich derart markerschütternde Bässe durch den Raum, dass wir augenblicklich die Lautstärke reduzierten, den Nachbarn zuliebe. Bemerkenswert war dabei, dass die Bässe wirklich trocken geliefert wurden, obwohl der Sub auf einem zu Schwingungen neigenden Parkettboden stand. Und sogar das Wummern des Regals war verschwunden. Weil der Sub die Wiedergabe der Bässe übernommen hatte, konnten sich die Regalboxen ganz den Höhen und Mitten widmen, die das Regal nicht im mindesten berührten.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Klang an Qualität gewinnt, nicht plötzlich um wummernde Bässe erweitert wird, sondern insgesamt runder wirkt. Etwa bis zur Hälfte aufgedreht, bekommt man noch einen normalen, sehr Hifi-artigen Sound um die Ohren gespielt. Dreht man die Lautstärke nur ein wenig höher, beginnt der Subwoofer sehr kräftig aufzuspielen. Schön ist dabei, dass er nie zum Dröhnen neigt. Und er ist laut, so laut, dass die Kombination aus dem Sub mit den beiden kleinsten Sonos-Aktivboxen, den Play 3, mühelos auch große Feste bespielen dürfte.

Nicht billig, aber besser

Hört sich alles super an, hat aber einen Haken: 699 Euro. So viel kostet allein der Sub. In Kombination mit zwei Play 3 und einer Sonos-Bridge, die man zur Anbindung des Systems an den heimischen Internetanschluss braucht, zahlt man 1346 Euro für eine solche Anlage. Dafür könnte man sich auch eine gute herkömmliche Stereoanlage oder beispielsweise ein Bose-Acoustimass-10-System kaufen.

Aber solche Systeme haben ein ganz andere Philosophie. Sie müssen aufwendig verkabelt werden und spielen in erster Linie Musik von lokalen Medien ab. Für ein Sonos-System dagegen reicht eine Steckdose pro Box, die Musik kommt entweder aus dem Heimnetzwerk, von iPhone, PC und Netzwerkfestplatte oder aus dem Internet. Es ist die Stereoanlage für Leute, die sich von der CD schon verabschiedet haben.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
dieterdax 22.06.2012
Nun ja, bei dem Preis bleibt eigentlich nur zu sagen, dass eine solche Anlage für halbwegs audiophile Personen nicht in Frage kommt. Aber den Aldi-Verköstigern wirds wie üblich schmecken.
2. neue technik?
derboesewolfzdf 22.06.2012
Das ist doch nur eine normale Push Pull Isobarik Anordnung. Aber gut, dass wenigstens der SPON autor von neuartiger Technik schreibt. Ein Sub für 699€ mit zwei Chassis und zwei Verstärkern KANN gar nicht gut klingen, zumindest nicht nach audiophilen Gesichtspunkten. Da gebe ich dem Vorredner recht..... den Unwissenden wirds wohl taugen.
3. Bowers & Wilkins PV1 anschauen!
SapMaster 22.06.2012
Die haben schon seit Jahren einen kompakten Sub mit ca 500W im Programm, der mit ebenfalls mit 2 gegenläufigen Lautsprechern arbeitet, um Virbrationen zu mindern. Mal schauen, ob das nicht einen Patentstreit gibt. ;)
4. Das Tal der Ahnungslosen
hardybayer 22.06.2012
scheint heute in Hamburg bei Spiegel Online zu sein. Wer Micky-Maus Subs als Erzeuger tiefer Bässe wahrnimmt, hat noch nie einen richtigen Sub gehört! Was das heißt, kann man/frau bei Spegel Online sogar nachlesen! http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/heimkino-die-messlatten-verschieber-a-580389.html
5. naja
meista 22.06.2012
für den der sich an das Sonos System hat fesseln lassen vielleicht eine nette Ergänzung. Für alle anderen: für 800,- gibts schon ganz ordentliche Lautsprecher z.B. Duevel Planets, da brauchts auch keinerlei Subwoofer mehr
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