Sony Xperia Touch Mit diesem Beamer wird der Tisch zum Touchscreen

Mit dem Xperia Touch von Sony soll nahezu jede Oberfläche zum Touchscreen werden. Wir haben den kleinen Beamer ausprobiert, auf Tischen, an Wänden und auf Sofas.

SPIEGEL ONLINE

Von


Auf der Suche nach den smarten Gadgets der Zukunft probiert Sony einiges aus. Ein Bluetooth-Headset beispielsweise, mit Spracherkennung und Vorlesefunktion. Und einen digitalen Assistenten, ähnlich Google Home und Amazon Alexa. Das neueste Ergebnis von Sonys Bemühungen ist der Xperia Touch, ein Miniprojektor mit ungewöhnlichen Extras.

Sony bezeichnet das Gerät von der Größe einer "Herr der Ringe"-Gesamtausgabe als "tragbaren Projektor, der deine Wand oder deinen Tisch in einen interaktiven Touchscreen verwandelt". Und tatsächlich, als ich das Gerät einschalte, leuchtet der Tisch davor auf, fast wie ein Bildschirm.

Möglich macht das eine spezielle Optik, die darauf ausgerichtet ist, ein Bild auf sehr kurze Distanz zu projizieren. Deshalb erscheint bei mir auf dem Tisch jetzt wenige Zentimeter vor dem kompakten Kasten eine Benutzeroberfläche, wie ich sie von Android-Smartphones kenne.

Android an der Wand
SPIEGEL ONLINE

Android an der Wand

Ein Zufall ist das nicht, erklärt mir ein Sony-Manager. Neben der Projektortechnik stecke in dem Gerät im Grunde ein Android-Smartphone, nur eben ohne Bildschirm und ohne Mobilfunkanbindung. Dafür mit einem Mittelklasse-Prozessor und 32 GB Speicher. Der ist aber ab Werk schon ziemlich vollgepackt. Wer viele Filme, Fotos und Musik auf dem Gerät speichern will, braucht zusätzlich eine microSD-Speicherkarte.

Bis zu 80 Zoll Bildgröße

Sogar verschiedene Sensoren, die man auch in Smartphones findet, hat Sony in den kleinen Beamer eingebaut. Einer davon wird benutzt, um die Ausrichtung des Geräts festzustellen, denn außer auf die Tischplatte kann es sein Bild auch wie ein normaler Projektor an die Wand werfen.

Der feine Unterschied dabei: Auf der Tischplatte hat das projizierte Bild immer die gleiche Größe: 23 Zoll mit 1366 x 768 Pixeln. Von einer Wand aber kann man den Xperia Touch abrücken. Aufgrund der besonderen Optik wird die Projektion dabei schnell größer. Bis zu 80 Zoll Diagonale soll das funktionieren, sagt Sony.

Ich gebe schon viel früher auf, denn je größer man das Bild macht, desto flauer wird es auch. Bei direkter Projektion auf Wand oder Tisch erreiche die als Lichtquelle genutzte Laserdiode eine Helligkeit von 100 Lumen. Je weiter man den Projektor nun aber von der Wand entfernt, desto dunkler wird das Bild.

Ohnehin lohnt es sich bei diesem Gerät sehr, den Raum bei der Benutzung abzudunkeln, um ein gutes Bild zu bekommen. Zum Vergleich: Herkömmliche Heimkino-Projektoren haben meist mindestens 3000 Lumen. Damit kommen sie weit besser gegen Tageslicht an als der kleine Sony. Ein Ersatz für einen solchen Beamer ist der Xperia Touch nicht.

Finger weg von Rauputz

Aber der Schwerpunkt liegt hier ja auch eher auf der Möglichkeit, mit dem vom Projektor projizierten Bild zu interagieren. Dazu sind Infrarotsensoren eingebaut, die die Bewegungen von bis zu zehn Fingern verfolgen können. Das klappt oft auch richtig gut. Man kann damit durch Webseiten oder von einem Startbildschirm zum nächsten scrollen, Objekte auswählen, Apps starten, ganz wie an einem Smartphone oder Tablet, nur in groß.

Die Lichtquelle des Beamers
SPIEGEL ONLINE

Die Lichtquelle des Beamers

Fehlerlos hat das System im Test aber nicht funktioniert. Zum einen lässt sich der Infrarotsensor verwirren, wenn man beispielsweise seitlich und nicht direkt von vorne mit den Bildelementen agiert. Man versperrt dem Sensor dann schlicht mit seinen Fingern den Blick. Regelmäßig hatte ich auch Probleme, die virtuelle Home-Taste zu aktivieren oder etwa die "Zurück"-Taste zu treffen.

Letzteres ließ sich meist durch eine Neukalibrierung des Sensors beheben. Auf Dauer ist das aber störend. Auch gibt es mit manchen Oberflächen Probleme. Während die Touch-Erkennung auf aalglatten Bürowänden gut funktioniert, war sie auf dem Rauputz in meinem Haus nahezu unbenutzbar.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Einzigartiges Produkt

Hochwertig verarbeitetes Gehäuse

Einfache Bedienung

Hoher Preis

Beamer nicht hell genug

Touch-Erkennung funktioniert nicht fehlerlos

Mit dem Xperia Touch ist Sony seiner Zeit voraus. Genau das ist aber auch das Problem: In dem Gerät stecken viele gute Ideen, nur deren Umsetzung ist nicht immer überzeugend gelungen. So ist der Beamer bei Tageslicht nicht lichtstark genug und nervt auch noch mit einem ständig laufenden Lüfter. Zudem dürfte der für die miserable Akkulaufzeit von nur einer Stunde verantwortlich sein. Auch die Umsetzung der Touch-Funktion ist in Teilen gelungen, hakt dann aber doch immer mal wieder.

Für ein Gerät, das 1500 Euro kostet, sind das zu viele Abstriche. Trotzdem sollte Sony an der Produktidee festhalten. Ein Xperia Touch 2 könnte schon viel besser werden als diese Version 1.0.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark2@mailinator.com 09.08.2017
1.
Aber WOFÜR ist das gut ? Das findet man im Artikel leider gar nicht. Wozu soll man das denn verwenden ? Von der Größe her ist es eher ein stationäres Gerät, aber ein Notebook wär vom Bildschirm her besser, hätte ne Tastatur und wäre mobil. Ein Smartphone hat keine Tastatur, ist dafür aber handlich und wirklich mobil ... Ich bin sicher, Sony sieht einen Markt. Warum sagt mir der Artikel nicht, wo der sein soll ? Dann könnte man die (vermeintlichen) Nachteile auch besser einordnen ...
dbeck90 09.08.2017
2. Überteuert
Mini Beamer mit Android und 100 Lumen? Dazu eine miese Auflösung... Gibt es bereits seit 3 Jahren zum zehntel vom preis bei den Chinesen. Die einzige Neuerung ist die Touch erkennung, das aber rechtfertigt nicht den Preis für ein so nutzloses gadget.
hansfrans79 09.08.2017
3.
Zitat von dbeck90Mini Beamer mit Android und 100 Lumen? Dazu eine miese Auflösung... Gibt es bereits seit 3 Jahren zum zehntel vom preis bei den Chinesen. Die einzige Neuerung ist die Touch erkennung, das aber rechtfertigt nicht den Preis für ein so nutzloses gadget.
Deutschland, Meckerland.. Ja "bei den Chinesen" gibt es alles mögliche für wenig Geld, aber selten mit stimmigem Gesamtpaket. Wenn Sie die Toucherkennung nicht als gewaltigen Unterschied zu "bei den Chinesen" erkennen, werden Sie sich wohl immer wundern, weshalb die Leute eben doch lieber sogenannte Markengeräte kaufen.
lotharbongartz 09.08.2017
4. Super Idee
Wenn Sie einer kleinenr Gruppe etwas präsentieren möchten, wäre das Gerät eine perfekte Lösung. Ein weisser Tisch sollte überall vorhanden sein. Man hat weder die Fummelei mit dem Projektor in fremder Umgebung, noch muss man vor dem Notebkook die Köpfe zusammenstecken.
mein.kommentar 09.08.2017
5. neu?
ok. damals waren Smartphones nicht in und Android noch nicht geboren. aber ich sehe Parallelen zum Faxgerät. https://www.golem.de/0403/30350.html
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.