Sony Xperia XZ Premium und HTC U11 im Test Spieglein, Spieglein in der Hand

Mit Chrom und Glas sind die aktuellen Smartphones von HTC und Sony echte Glanzstücke - bis man sie anfasst. Was die Edel-Handys unterscheidet, zeigt unser Test.

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Einen Trend kann man es noch nicht nennen, wenn zwei Firmen das bei zwei Smartphones machen. Bemerkenswert ist es trotzdem, wie HTC und Sony ihre neuen Top-Geräte aufpoliert haben. Sonys großes und schweres Xperia XZ Premium glänzt fast wie ein Spiegel. Und das mehrschichtige Glas auf dem abgerundeten Rücken des HTC U11 bricht das Licht auf so vielfältige Weise, dass die eigentliche Form des Geräts manchmal kaum zu erkennen ist.

Aber das ist nur die Verpackung, die teure Verpackung. Beide Hersteller geben für ihre Oberklassemodelle einen Listenpreis von 749 Euro an. Zwar bekommt man sie im Internet auch 50 bis 70 Euro billiger, doch sie liegen damit in einem Preisbereich, den Firmen wie Apple und Samsung mit dem iPhone 7 und dem Galaxy S8 belegen. Ich habe im Test versucht herauszufinden, ob die beiden Smartphones mit den Geräten der Marktführer mithalten können.

Hinsichtlich der Rechenleistung muss man sich da keine Sorgen machen. Beide Geräte werden mit dem schnellsten derzeit verfügbaren Mobilprozessor von Qualcomm geliefert, der von normalem Websurfen und Chat-Apps deutlich unterfordert wird. Auch anspruchsvolle Spiele wie etwa "Real Racing 3" können den Prozessor nicht aus dem Tritt bringen.

Das gilt auch für Onlineverbindungen. Beide Geräte beherrschen LTE und Gigabit-WLAN. Bei Bluetooth hat Sony die Nase vorn und unterstützt bereits Version 5, während das HTC noch Version 4.2 hat. Auch haben beide Smartphones 64 Gigabyte Speicher, der per Steckkarte erweiterbar ist. Dann aber trennen sich die Wege.

Eine tolle Kamera, ein toller Bildschirm

Denn bei der Fotoqualität setzt sich das HTC klar vom Sony ab. Seine Zwölf-Megapixel-Kamera gehört klar in die Oberklasse und macht fast immer sehr gute Bilder. Nur bei schlechtem Licht hat sie leichte Schwächen.

Das Sony kann da nicht mithalten. Zwar hat seine Kamera 19 Megapixel und liefert meist gute Qualität, doch Feinheiten gehen bei den Aufnahmen oft verloren. In unserem Testfoto einer norddeutschen Landschaft etwa verschwimmen Details im Blattwerk entfernt stehender Bäume. Dafür kann es extreme Zeitlupenaufnahmen mit 960 Bildern pro Sekunden filmen. Da wird die Aufnahme eine brennenden Streichholzes zum abendfüllenden Film.

Genau umgekehrt verhält es sich bei den Bildschirmen. Hier liefert das U11 mit 2560 x 1440 Pixeln auf 5,5 Zoll Oberklassequalität mit kräftigen Farben und guten Details. Das Xperia XZ Premium legt da aber noch eine Schippe drauf. Mit 3840 x 2160 Pixeln auf derselben Bildschirmgröße liefert er Ultra-HD-Auflösung gepaart mit HDR-Technik.

Sony Xperia XZ Premium
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Sony Xperia XZ Premium

Hoch auflösende Filme, etwa von Amazon Prime Video, sehen darauf so gut aus, dass ich mir den Bildschirm in einer XXL-Version auch gern als TV ins Wohnzimmer stellen würde. Daraus wird wohl nichts. Und auch ein durchgehender UHD-Genuss wird beim Xperia bleibt erst einmal ein Wunschtraum. Die meisten Spiele und Apps werden vom Gerät auf ein Viertel der Bildschirmauflösung, also Full HD, herunterskaliert, weil sie nicht an die UHD-Technik angepasst sind.

Bitte drücken

Eine Eigenheit, die es nur beim HTC U11 gibt, ist Edge Sense. So nennt HTC die Möglichkeit, eine Funktion aufzurufen, indem man die Seiten des Handys drückt, so als würde man einen Schwamm ausdrücken. Die Idee dabei ist, maximal zwei häufig genutzte Apps oder Funktionen schnell und ohne Umwege über Menüs aufrufbar zu machen. Derzeit stehen acht auf diese Weise nutzbare Funktionen bereit, darunter die Kamera und Screenshots.

Mehr als eine nette Spielerei, die mir wenig praxistauglich erscheint, ist Edge Sense aber nicht. Meist dürfte die Option benutzt werden, um die Kamera aufzurufen. Über eine zusätzliche Taste am Gehäuse oder eine doppelt belegte Einschalttaste ließe sich das besser lösen.

Genau so eine Taste hat das Xperia XZ Premium. Und die funktioniert auch noch so wie bei einem Fotoapparat: Mit einem leichten Druck auf den Knopf fixiert man den Autofokus auf sein Motiv. Erst, wenn man dann noch einmal drückt, wird die Aufnahme ausgelöst.

Vorteile und Nachteile
Sony Xperia XZ Premium

Hohe Leistung

Sehr guter Bildschirm

Gute Kamera

Origineller Look

Klobig und schwer

HTC U11

Hohe Leistung

Guter Bildschirm

Sehr gute Kamera

Origineller Look

Überflüssige Edge-Sense-Funktion

Fazit

Wenn es nur darum ginge, ein bisschen mehr Farbe, ein bisschen mehr Originalität ins Smartphone zu bringen, hätten Sony und HTC mit diesen Modellen schon gewonnen. Beide sind sehr eigen, beide eindeutig Oberklasse - und beide zeigen diesen Anspruch auch auf ihren Preisschildern.

Aber ganz so einfach ist es nicht. Samsungs Galaxy S8 etwa bietet insgesamt den besseren Technikmix zu einem Straßenpreis, der mittlerweile sogar deutlich unter dem der beiden Testgeräte liegt. Noch günstigere Alternativen wären das Huawei P10, das LG G6 und das OnePlus 5. Den glänzenden Look von Xperia XZ Premium und U11 bietet aber keines davon.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
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Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
go2dive 20.07.2017
1. Sony
Nachdem mir zwei mal ohne ein Zutun das Glas von meinem Z3 Compact Monitor und meiner Frau (trotz Schutzhülle) zweimal das Glas auf der Rückseite gesprungen ist und Sony sich trotz häufender Berichte über das Problem im Internet weigerte die Schäden kostenlos zu reparieren, kommt mir kein Gerät von denen mehr ins Haus. Da mögen sie noch so toll aussehen.
darthkai 20.07.2017
2. Zwei der idiotischsten Features
die ein Smartphone haben kann: Glasgehäuse (geht besonders gut kaputt) und 4k Display (braucht besonders viel Strom)...
OliverMengedoht 21.07.2017
3. Kein Sony mehr
Die Sony-Radios in den 70ern und 80ern (Walkman) waren Legende. Mein Sony Xperia Z1 zerbrach auf dem Schreibtisch liegend so schnell, wie es die vielen Meldungen im Internet schon ansagten. Beim ersten Mal reparierte der Konzern das anstandslos (trotzdem eine Woche ohne Smartphone). Als wenige Wochen später das Display erneut knackte, während es ganz ruhig auf dem Schreibtisch neben mir lag, ohne jede Fremdeinwirkung, und Sony anschließend behauptete, es sei heruntergefallen, hatte ich genug. Den Schrott verkauft, zu iPhone gewechselt, und siehe: iPhones arbeiten fantastisch mit dem MacBook zusammen, all die Synchronisierungs-Tools und -Orgien, die vorher nötig waren, sind nun völlig überflüssig, iPhone 4, 4s und SE wirken haltbarer, wertiger und sind praktischer (das ist eine subjektive Wertung, klar). So bin ich dank Sony doch wieder bei Apple gelandet, obwohl ich diesem Konzern mit immer mehr geschlossenenen Systemen (proprietär) zumindest beim Smartphone den Rücken kehren wollte. Ist aber halt doch besser… Warum ich nochmal ein Xperia ausprobieren sollte? Keine Ahnung…
dannyinabox 21.07.2017
4. Schade
..hat Herr Kemp die Features die das U11 toll machen nicht erwähnt wobei er sie wahrscheinlich gar nicht ausprobiert hat. Nicht einmal das HTC Kopfhörer mit aktiver Rauschunterdrückung mitschickt +++ wurde erwähnt. Das HTC nicht verdient.
dimaco 21.07.2017
5.
Das Sony ist schon ein richtiger Klotz in der Hand. Das Htc sieht dagegen wunderschön aus. Beide Smartphones haben aber ein Problem und das heißt Sumsum und Eierfon, von daher werden sie ein Nischendasein führen, die müssten preislich bei ca. 400? liegen, damit sie sich auf dem freien Markt verkaufen können. 700? ist auch ein stolzer Preis für ein Smartphone, die breite Masse nutzt ja eh nur WhatsApp und Facebook, da reicht auch ein Mittelklassesmartphone. Ich selbst setze auf Direktimport aus China, so habe ich ein Xiaomi Mi5s plus für 255?, verwendet denselben Chipsatz Snapdragon 821 wie das Alternative genannte LG6, kostet aber nur die Hälfte. Und für den täglichen Einsatz ein Xiaomi Redmi Note4 für 133?, supertolles Gerät, top Display, Kamera, Fingerprintsensor und Performance. Reicht für die meisten täglichen Einsätze mehr als vollkommen aus.
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