Verspätungen und Flugstreichungen Spionageflugzeug bringt Luftüberwachung durcheinander

Ein Computerproblem hat die Luftverkehrskontrolle um Los Angeles lahmgelegt. Mehr als 200 Flüge waren verspätet oder mussten gestrichen werden. Auslöser war der Flugplan eines Militärflugzeugs.

US-Spionageflugzeug U-2: Extrem hoch fliegender Aufklärer
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US-Spionageflugzeug U-2: Extrem hoch fliegender Aufklärer

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Die Region um Los Angeles gehört zu den meistbeflogenen Lufträumen der Welt. Neben dem internationalen Flughafen liegen etliche kleinere Airports in und um die Millionenstadt verstreut. Kommt es dort zu Problemen, hat das meist erhebliche Auswirkungen. So wie am 30. April, als ein Computerproblem die Luftüberwachung von Südkalifornien lahmlegte.

Mehr als 200 Flüge konnten erst verspätet vom Los Angeles International Airport abheben oder musste gar ganz gestrichen werden. Dutzende weitere mussten auf kleinere Flughäfen verschoben werden. Zudem sollen etliche Linienmaschinen, die sich auf dem Weg nach Kalifornien befanden, betroffen gewesen sein. Zum Teil bekamen die Flugzeuge schon keine Startfreigabe, weil ihre Landung in Los Angeles nicht sichergestellt war.

Schuld an dem Fehler sei der Flugplan eines amerikanischen Spionageflugzeugs vom Typ U-2 gewesen, den die Computer der Luftverkehrskontrolle falsch interpretiert hätten, berichten nun die Nachrichtenagenturen AP und Reuters.

Die Flughöhe war das Problem

In einer Stellungnahme der US-Luftfahrtbehörde FAA heißt es: "Am 30. April 2014 traten im Luftüberwachungssystem Probleme auf, als das System den Flugplan eines U-2-Flugzeugs verarbeitete."

Die Computer hätten den Flugplan der U-2 behandelt, als wäre die Maschine in normaler Höhe unterwegs. Sie versuchten also sicherzustellen, dass die Route des Militärflugzeugs nicht mit zivilen Flügen entlang des Weges kollidiert. Tatsächlich aber fliegt die U-2 in rund 20.000 Metern Höhe, also doppelt so hoch wie der übrige Flugverkehr. Entsprechend wenig kümmern sich die Piloten darum, ob sie zivile Flugrouten kreuzen.

Das US-Militär sieht bei sich keine Schuld für den Vorfall. Ein Armeesprecher bestätigte Reuters, die U-2 sei an jenem Tag im Rahmen einer Trainingsmission über Südkalifornien unterwegs gewesen. Allerdings habe man zuvor "alle notwendigen Papiere eingereicht und den Flug entsprechend dieser Papiere durchgeführt."

Fluglotsen griffen zum Telefon

Um derartige Zwischenfälle künftig auszuschließen, wurde das Computersystem der Luftüberwachung zwischenzeitlich modifiziert. Zum einen verlangt die Behörde nun, dass die Flugpläne nicht mehr nur die Routenpunkte, sondern auch Angaben zur Flughöhe enthalten. Zum anderen habe man den Arbeitsspeicher erweitert.

Eine Gefahr für die Luftverkehr habe es durch den Computerausfall nicht gegeben, sagt Nate Pair von US-Fluglotsenvereinigung National Air Traffic Controllers Association. Die betroffenen Fluglotsen hätten einfach ihre Kollegen in nahegelegenen Kontrollzentren angerufen und sich von ihnen die Flugpläne anfliegender Flugzeuge durchgeben lassen.

Mit Material von Reuters/AP

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Hans58 06.05.2014
1.
Zitat von sysopAPEin Computerproblem hat die Luftverkehrskontrolle um Los Angeles lahmgelegt. Mehr als 200 Flüge waren verspätet oder mussten gestrichen werden. Auslöser war der Flugplan eines Militärflugzeugs. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/spionageflugzeug-u-2-flugplan-bringt-luftueberwachung-durcheinander-a-967747.html
Der Vorfall beweist eines: die Geräteausstattung der (zivilen) Flugsicherung in den USA ist veraltet.
Mach999 06.05.2014
2.
Zitat von Hans58Der Vorfall beweist eines: die Geräteausstattung der (zivilen) Flugsicherung in den USA ist veraltet.
Dieser Vorfall mag vieles beweisen, aber sicherlich nicht, dass die Geräteausstattung veraltet ist. Das mag sein, lässt sich aber aus diesem Vorfall nicht schließen. Man könnte das vermuten, wenn es sich bei der U2 um eine neu eingeführte Maschine handeln würden, mit der die Systeme nicht klarkommen. Allerdings ist die U2 schon seit über 50 Jahren im Einsatz; die Rechnersysteme der zivilen Flugsicherung aber sicherlich nicht. Es handelt sich wohl schlicht um einen konzeptionellen Fehler. Ungeschickt genug, aber das hat nichts mit "veraltet" zu tun.
cavete 06.05.2014
3. Vor rangig
So ist es nun mal: Wenn es um die Nationalen Sicherheits Angelegenheiten geht, haben diese Vorrang.
sarido 06.05.2014
4. Danke, Crew
Meine Kollegen und ich waren wie einige andere für drei Stunden nach Salt Lake City umgeleitet worden. Aber die gesamte Crew der Flugnummer 452 blieb professionell, freundlich. Und sie informierte stets die Passagiere über das weitere Vorgehen.
mcvitus 06.05.2014
5. Die Luftraumüberwachung funktioniert.
Gott sei Dank kam niemand zu Schaden.
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