Von Matthias Kremp
Die Suche nach Updates gehört für iPhone-Anwender zu den regelmäßigen Ritualen. Wer viele Apps installiert hat, kann sich fast täglich verbesserte oder erweiterte Versionen seiner Software aus dem App Store laden. Nutzer der iPhone-App tizi Remote geht es ganz anders: Am Montag wurde diese App per Update nicht etwa erweitert, sondern um eine ihrer schönsten Funktionen beschnitten, die Sprachsteuerung. Kunden reagieren genervt und fragen: Warum streicht der Hersteller Equinux diese wertvolle Funktion?
Zum Hintergrund: Für iPads und iPhones bietet Equinux verschiedene TV-Adapter an, mit denen sich DVB-T-Programme empfangen und anschauen lassen. Als kostenlosen Zusatz gibt es seit Dezember die Fernbedienungs-App tizi Remote. Damit lässt sich das Fernsehprogramm auf dem iPad per iPhone fernsteuern. Das iPad wird so zum Mini-Fernseher auf dem Tisch, das iPhone zur Fernbedienung.
Mit einem iPhone 4S funktionierte das sogar per Sprachsteuerung - bisher. Denn seit einem Update vom 13. Februar gibt es in der tizi-Remote-App keine Sprachsteuerung mehr. "Offenbar haben wir die Bausteine so kreativ zusammengebaut, dass Apple sein geistiges Eigentum verletzt sieht", schreibt der Hersteller zu seinem Update. Anders ausgedrückt: Apple war die Lösung von Equinux zu nah an dem, was der Sprachassistent Siri im iPhone 4S leistet.
Jobs-Biografie heizt Gerüchte an
Aber weshalb stört sich der iPhone-Konzern eigentlich an einer App, die Sprachsteuerung fürs Fernsehprogramm bietet? Apple äußert sich dazu nicht. Equinux-Vorstand Till Schadde rätselt über die Motive des Konzerns. Bisher habe Apple immer nur Funktionen oder ganze Apps für den App Store nicht zugelassen oder entfernt, wenn Funktionen dupliziert worden seien, die Apple für sich reklamiere. Schadde: "Bisher gibt es aber noch keine Sprachsteuerung zum Umschalten von Fernsehsendern von Apple. Wenn Apple jetzt reklamiert, diese Funktion verletze sein geistiges Eigentum, lässt das natürlich Raum für Spekulationen."
Will Apple sich das Umschalten von Fernsehprogrammen per Sprachsteuerung exklusiv für ein eigenes Produkt vorbehalten? Das würde gut zu Gerüchten passen, dass Apple einen eigenen Fernseher entwickelt. Angeblich soll das Gerät noch in diesem Jahr erscheinen - so Spekulationen in der Branche.
Angeheizt hat diese Gerüchte über einen Apple-Fernseher die Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson. In der ist zu lesen, Jobs habe seinem Biografen kurz vor seinem Tod verraten, dass er zuletzt an einem Apple-Fernseher mit Gesten- und Sprachsteuerung gearbeitet hatte. Der Branchendienst Digitimes berichtete zudem Ende 2011, Insidern zufolge wolle Apple das Gerät zwischen April und September 2012 einführen.
Ist Dragon TV ein Vorbild für Apple TV?
Anfang Februar meldete eine kanadische Tageszeitung, die ersten Exemplare der noch namenlosen Apple-Fernseher würden bereits in Kanada getestet. Erprobt würden dort vor allem die besonderen Fähigkeiten der Fernseher - Steuerung mit Gesten oder per Sprachkommando - im regulären Einsatz. Eine solche Integration von Sprach- und Gestensteuerung würde gut zu Apples Design-Politik des Minimalismus passen - und ließe sich hervorragend vermarkten.
Dass Sprachsteuerung für Fernseher möglich ist, hat das Unternehmen Nuance Communications bereits auf der Unterhaltungselektronik-Schau CES im Januar demonstriert. Dort führte das Unternehmen Dragon TV einen Fernseher vor, bei dem man unter anderem per Sprache die Programme umschalten kann. Nuance allerdings ist kein TV-Hersteller, sondern ein Technologie-Unternehmen, das seine Entwicklungen lizenziert, zum Beispiel an Apple. Gegenüber Tech.pinions erklärte Nuance-Manager Vladimir Sejnoha, dass man ein gutes Verhältnis zu Apple habe und Nuance-Technologie für verschiedene Produkte an Apple lizenziere. Dass auch Siri auf Nuance-Technik basiert, liegt nahe, ist aber nie offiziell bestätigt worden.
Es muss nicht immer ein Fernseher sein
Die Verstümmelung der tizi-Remote-App könnte also tatsächlich auf einen Apple-Fernseher mit Gesten- und vor allem Sprachsteuerung hindeuten.
Es könnte aber auch sein, dass Apple ein anderes Produkt mit Sprachsteuerung fürs Fernsehprogramm in Vorbereitung hat. Dem Mac-Blog 9to5Mac zufolge gibt es bei großen amerikanischen Elektronikketten einen Lieferengpass für Apple TV - Apples Settop-Box für Fernseher. Der britische Fachdienst The Register meldet Lieferengpässe auch in Großbritannien und eine von SPIEGEL ONLINE durchgeführte Stichprobe ergab, dass viele deutschen Versandhändler "Liefertermin unbestimmt" für Apples TV-Box angeben. Einzig in Apples Online-Shop wird das Gerät noch als sofort lieferbar geführt.
Für gewöhnlich deutet ein solcher Engpass bei Apple auf das baldige Ende eines Produkts hin. Dies kann man wie The Register als Hinweis darauf interpretieren, dass der sagenumwobene Apple-Fernseher bald eingeführt wird. Es könnte aber auch einfach bedeuten, dass der Konzern in Kürze eine neue Version seiner TV-Box vorstellen will, die sich dann auch per Sprache fernsteuern lässt - zum Beispiel von einem iPhone 4S aus.
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