Stereolith M 232: Luxus-Raumklang statt Aufwand

Kann das funktionieren? Stereolith verspricht satten Hifi-Klang und Kino-Sound aus einer einzigen Box. Statt aufwendiger Elektronik sollen physikalische Finessen das Wohnzimmer zum Klingen bringen. Ob das wirklich funktioniert, hat Matthias Kremp ausprobiert.

Konzertsaal-in-a-Box: Raumklangbox Stereolith M 232 Fotos
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"In der Natur gibt es kein Stereo." So argumentiert die Schweizer Firma Stereolith, weshalb man mit ihrer Lautsprecherbox M 232 einen besseren Raumklang erzeugen könne als mit den für Stereosysteme üblichen zwei Boxen. Der Trick wie das funktionieren soll: Bei der Stereolith-Box strahlen zwei Lautsprechen jeweils nach links und rechts, ein dritter gibt seinen Klang nach vorne ab. Das Ergebnis soll ein entspannterer Klang sein, der an jeder Stelle im Zimmer räumlich wirkt. Bei Stereoklang hingegen gibt s nur eine einzige optimale Hörposition.

In der Praxis muss man sich ziemlich umgewöhnen, wenn man Musik mit dem Stereolith M 232 hört. Wer sich über Jahre daran gewöhnt hat, zum Musikhören auf einem Sofa Platz zu nehmen, das genau im sogenannten Sweet Spot des Stereoklangbilds positioniert wurde, vermisst vor allem die starken Stereoeffekte, mit denen auf machen Stereoaufnahmen die Ortbarkeit einzelner Instrumente optimiert wird. Der Raumeindruck, den die vergleichsweise kleine Box erzeugt, ist ein ganz anderer. Er ist eher mit dem vergleichbar, der sich ergibt, wenn man sich mit den Musikern im selben Raum befindet. Angeschlossen wird der Stereolith dabei an einen herkömmlichen Stereoverstärker.

Erstaunlich ist dabei, wie sehr sich der Sound verändert, wenn man die Box an unterschiedlichen Stellen im Raum platziert. Viel intensiver als bei Stereosystemen haben die Geometrie und Materialbeschaffenheit des Raumes einen Einfluss auf den Klang.

Im Testraum mit vielen verschiedenen Oberflächen (Fenster, Wände, Bücherregale) ergab sich der beste Sound, wenn der M 232 mehr oder weniger mittig im Raum aufgestellt war. Der Versuch, die Box als Ersatz für ein Surround-System am TV zu betreiben, brachte ein erstaunliches Ergebnis. Vor und unter dem Fernseher plaziert schaffte der Stereolith es, ein sehr angenehm rundes Klangbild zu erschaffen. Nur im Bassbereich hätte er etwas mehr Wumms vertragen können.

Lieber erstmal Probehören

Dasselbe gilt auch für Musik. Klassik, vor allem Kammerkonzerte und Ähnliches, reproduzierte die Box ausgesprochen angenehm und realistisch. Epische Rockmusik oder bassstarker Hiphop sind dagegen nicht ganz ihr Revier. Ein Subwoofer zur Basserweiterung dürfte hier gute Dienste leisten. Der Stereolith-Subwoofer wird auf der Website des Herstellers aber als ausverkauft gelistet, so dass man sich nach alternativen Tieftonhilfen umschauen müsste.

Billig ist der Stereolith M 232 mit knapp 1000 Euro nicht. Verglichen mit einem Paar ähnlich hochwertiger Stereolautsprecher kann man ihn aber auch nicht als teuer bezeichnen. Definitiv ist er ein Klangerzeuger für Menschen, die sich nicht scheuen, gelernte Hörgewohnheiten über Bord zu werfen. Ob man selbst dazu gehört kann man glücklicherweise zu Hause ausprobieren. Für Bestellungen im Stereolith-Onlineshop gewährt der Hersteller eine Frist von vier Wochen zum Probehören. Dem Unternehmen zufolge vom Rückgaberecht aber nur ein Prozent der Käufer Gebrauch.



Hersteller: Stereolith
Preis: 985 Euro (inklusive Versand)

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insgesamt 38 Beiträge
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1. .
Lennard Green 26.09.2011
Seit etlichen Jahren basteln verwegene Klangzauberer an den Lautsprechern der Zukunft - und doch klingt das Zeug irgend wie... falsch. Die Firma Stereolith ist seit längerem auf diesem Sektor aktiv, aber kommerziell nicht sonderlich erfolgreich. Der nette Werbeartikel im Spiegel sollte unbedarfte Kunden oder ewig Suchende anspitzen, aber ob ein Speaker allein wirklich glücklich macht, dürfte Ansichtssache sein und bleiben. Zwei Ohren - zwei Lautsprecher... klingt gar nicht so abwegig, oder?
2. In der Natur gibt´s kein Stereo?
DeeDeeBee 26.09.2011
Zitat von sysopKann*das funktionieren? Stereolith verspricht satten Hifi-Klang und Kino-Sound aus einer einzigen Box. Statt aufwendiger Elektronik sollen physikalische Finessen das Wohnzimmer zum Klingen bringen. Ob das wirklich funktioniert, hat Matthias Kremp ausprobiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,782209,00.html
Schon der Ausspruch disqualifiziert einen Lautsprecherhersteller als Akustiker. Die Aussage stimmt nur dann, wenn sie an einen Einohrigen gerichtet ist. Wie die Feststellung, dass Einäugige kein dreidimensionales Bild sehen können. Diesen "Stereolith" so aufzubauen, dass er seinen Klang so diffus in alle Richtungen abstrahlt, dass möglichst viele Reflexionen entstehen, um dem Hörer "Raumklang" vorzugaukeln, ist ebeno alt, wie völlig unbrauchbar, wie man schon an den offensichtlichen Schwierigkeiten im Bassbereich unschwer erkennen kann. Den Phasengang von dem Ding möchte ich gar nicht wissen, schon der physische Aufbau lässt leicht darauf schließen, dass hier nicht alle Frequenzen zur gleichen Zeit am richtigen Ort ( Hörer)ankommen. Das bedeutet, dass auch die Empfehlung des Autors, einen Subwoofer von einem anderen Hersteller mitzuverwenden, äußerst fraglich daherkommt. Ab welcher Übergangsfrequenz soll der denn arbeiten? Wie soll denn bitte eine einigermaßen vernünftige Raumentzerrung bewerkstelligt werden? Dann die Aufforderung vom Autor, "bereit zu sein, die eigenen Hörgewohnheiten" anzupassen... spricht Bände. Die Referenz für´s Hören und Wahrnehmen sollte immer die unverstärkte Sprache, das unverstärkte Orchester oder Instrument sein. Je weiter der Lautsprecher von dieser Referenz abweicht, desto schlechter ist er gemacht. Und je schlechter er gemacht ist, desto gravierender muß man "seine Hörgewohnheiten ändern". Wieder eine Preziose mehr am Markt, die uns vom ehrlichen Hören und Wahrnehmen von Musik durch Marketingsprech entfernen soll.
3. Herr Bose, sind Sie es?
berufskonsument 26.09.2011
Nichts gegen neue Technik, aber "guter Klang" und "kleine Box" schließt sich einfach aus. Kann man physikalisch begründen, wenn man mag, aber spätestens wenn man mit offenen Ohren hinhört, weiß man es. Wenn die Beschreibung "zwei Lautsprecher in einer Box" stimmt, dann gibt es noch einen weiteren Grund, warum das Ding nicht wirklich gut klingen kann: Breitbandlautsprecher sind einfach nicht so der Bringer. Aber vielleicht hat der Autor auch einfach exakt die richtige Einrichtung, damit dank Reflexion und Interferenzen aus den Schallwellen des Brüllwürfels ein sauberer Sound wird. Wahrscheinlich wendet er sich auch stets von seinen Gesprächspartnern ab und redet gegen die nächste Wand, wegen der besseren Verständlichkeit.
4. "Erstaunlich wie sehr sich der Sound verändert... "
README.TXT 26.09.2011
---Zitat--- Erstaunlich ist dabei, wie sehr sich der Sound verändert, wenn man die Box an unterschiedlichen Stellen im Raum platziert. Viel intensiver als bei Stereosystemen haben die Geometrie und Materialbeschaffenheit des Raumes einen Einfluss auf den Klang. ---Zitatende--- Das gilt für jede Box, egal ob normale Stereo, ... damit kann man mehr falsch/gut machen als mit Wunderkabeln oder anderem sündhaft teurem Blödsinn. Überhaupt wird viel zu viel auf die Technik geschaut und praktisch überhaupt nicht auf die Raumakustik. Der Klang ändert sich schon merklich wenn man einen Sessel verrückt oder sich mehrere Personen im Raum befinden. Da werden 10k€ für Technik ausgegeben und dann unterm Dach mit zwei Schrägen Wänden betrieben (=mieseste Raumakkustik) => Hopfen und Malz verloren. Selbst ne simple Bassfalle kann den Klang deutlich verbessern, kennen aber die meisten selbsternannten HiFi-Experten nicht, die kaufen lieber Wunderkabel und nen neuen CD-Player weil das sooo viel besser klingt.
5. Teurer Dilettantismus
J.Lindert 26.09.2011
Zitat von sysopKann*das funktionieren? Stereolith verspricht satten Hifi-Klang und Kino-Sound aus einer einzigen Box. Statt aufwendiger Elektronik sollen physikalische Finessen das Wohnzimmer zum Klingen bringen. Ob das wirklich funktioniert, hat Matthias Kremp ausprobiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,782209,00.html
Es gibt viele Möglichkeiten, Krach zu machen. Generationen von Toningenieuren und Audiofachleuten bemühen sich jedoch seit vielen Jahren darum, Schallereignisse möglichst originalgetreu wiederzugeben. Dabei geht es nicht um Effekthascherei, sondern eben um Originaltreue. Wie auch im Artikel beschrieben, vermag das diese teure Schachtel mitnichten. Ich will Geigen von links vorn hören und nicht irgendwo aus dem Raum, schön reflektiert von gardinenlosen Fenstern und Laminatfußboden. Teurer Dilettantismus, den der Artikel beschreibt. Aber, wem's gefällt ...
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