Vernetztes Zuhause Kein System fürs Smart Home taugt uneingeschränkt als Einbruchsschutz

Technik fürs Smart Home soll dabei helfen, das eigene Zuhause vor Einbrechern zu schützen. Die Stiftung Warentest hat vier gängige Systeme ausprobiert - und ärgerliche Schwachstellen entdeckt.

Einbruchsversuch (Symbolbild)
imago/J ochen Tack

Einbruchsversuch (Symbolbild)


Wer sein Haus oder seine Wohnung vor Einbrechern schützen will, sollte sich nicht nur auf sein Smart-Home-System verlassen. Das legt ein Vergleichstest der Stiftung Warentest in der ab Donnerstag erhältlichen "test"-Ausgabe 8/2018 nahe, bei dem vier gängige Systeme ausprobiert wurden, mit besonderem Fokus aufs Thema Heimsicherung:

  • Devolo Home Control
  • Homematic IP von eQ-3
  • Innogy Smarthome
  • Telekom Magenta Smarthome

All diese Systeme sind für den Selbsteinbau gedacht, per App kontrollierbar und individuell konfigurierbar: Die Stiftung Warentest geht in ihrem Test von einem Haus aus, das mit einer Steuerungszentrale, zwei Bewegungs- und sechs Öffnungsmeldern für Fenster und Türen ausgestattet wurde. Dazu kommt eine Innensirene oder ein Gerät mit entsprechender Funktion sowie teils noch eine Kamera. Fällig werden für diese Konfigurationen je nach Hersteller zwischen 380 und 650 Euro.

Dass die Systeme grundsätzlich auch andere Einsatzzwecke als die Einbruchsabwehr haben, wie ein Erhöhen des Wohnkomforts, ließen die Tester weitgehend außer Acht: Die Frage etwa, wie einsteigerfreundlich Smart-Home-Zentralsteuerungen sind, beantworten sie in einem weiteren, allgemeineren Test. Viele Zentralen hätten einen "ordentlichen Funktionsumfang und solide Sicherheitskonzepte", urteilen die Produkttest-Experten darin.

Kein System schneidet gut ab

Ihr Fazit zu den Fähigkeiten der Systeme beim Einbruchsschutz liest sich weniger positiv: Einzig Homematic IP von eQ-3, das günstigste Paket im Test, sei ein "akzeptables Sicherheitssystem" heißt es - und auch dieses System schneidet nur mit "befriedigend" ab. Die drei anderen Systeme bekommen alle nur ein "ausreichend".

An der Bedienung der Systeme liegt das nicht: Das Montieren und Inbetriebnehmen der Systeme stellte jeweils kein Problem dar, loben die Tester. Abwertungen bekamen alle Geräte aber im Testbereich "Alarmfunktion".

Kritisiert wird von der Stiftung Warentest vor allem, dass die Steuerungszentralen der Systeme nicht für den Fall eines Stromausfalls oder eines versehentlichen Steckerziehens, etwa durch eine Putzkraft oder spielende Kinder, gerüstet seien. Im Zweifel würden ohne Warnton oder Hinweis auf das Smartphone des Besitzers den Betrieb einstellen. Schon mit einem Abrissalarm oder Batterien für die Zentralen - wie sie in anderen Smart-Home-Geräten zum Einsatz kommen - wäre diese Sicherheitslücke leicht zu stopfen gewesen, ärgern sich die Tester.

Das Sabotieren ist oft zu einfach

Das Homematic-IP-System schließt die Lücke den Testern zufolge zumindest teilweise. Hier würden die Melder bei einem Ausfall der Zentralen immerhin mit der Innensirene in Kontakt bleiben, schreiben die Tester, sodass im Haus selbst im Falle eines Stromausfalls bei einem Einbruchsversuch noch ein Alarm angehen könnte.

Gelobt wird von der Stiftung Warentest auch, dass eQ-3 als einzige Firma sowohl ihre Innensirene als auch seine Bewegungs-, Fenster- und Türöffnungsmelder vor Sabotage zu schützen versucht. Will jemand einen Melder zerstören, schlägt die Sirene Alarm und der Besitzer wird per Push-Nachricht aufs Smartphone über den Vorfall informiert.

Bei dem Devolos System schlägt den Testern zufolge zumindest die Innensirene Alarm, wenn jemand sie abreißen will. Bei den Produkten von Telekom und Innogy dagegen gelang es den Testern angeblich ohne akustische Gegenwehr, die Sirene zu sabotieren.

Grundsätzlich raten die Experten der Stiftung Warentest, vor dem Einbau eines smarten Sicherheitssystems lieber erst einmal in gute Schlösser sowie in Tür- und Fenstersicherungen zu investieren: So sollten etwa Kellertüren gesichert werden und Steighilfen wie Leitern weggesperrt werden.

Video: Aufgebrochen und ausgeräumt - Albtraum Einbruch

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