Verschärfte Standards: Foxconn-Arbeiter streiken wegen iPhone 5
Manche iPhone-5-Käufer beschweren sich über Kratzer am Gehäuse ihrer neuen Geräte. In den Werken des Zulieferers Foxconn wurden daraufhin die Standards verschärft. Nach einer Massenschlägerei in einem Werk kam es nun zu einem Streik in einem anderen. Der Hersteller wiegelt ab.
Zhengzhou - Das iPhone 5 ist einmal mehr geeignet, den Konsumenten in der westlichen Welt eine Frage in Erinnerung zu rufen: Unter welchen Bedingungen werden die Kultobjekte und Fetische, mit denen wir uns umgeben, eigentlich hergestellt?
Die Arbeiter in einer Fabrik des Apple-Zulieferers Foxconn haben die Frage offenbar gerade auf ihre Weise beantwortet: drei- bis viertausend von ihnen sind laut der Organisation China Labor Watch in Streik getreten, in einer Fabrik im chinesischen Zhengzhou. Grund seien neue Qualitätsanforderungen gewesen, die nicht mehr hätten erfüllt werden können. Unter anderem hätten die neuen Standards vorgesehen, dass die Hüllen der neuen Apple-Handys keine Dellen größer als 0,02 Millimeter abbekommen dürfen. "Engadget" zitiert einen angeblichen Foxconn-Arbeiter, der über den chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo mitgeteilt habe, derart winzige Beschädigungen seien "jenseits unserer Sehfähigkeiten". Der Druck, der auf den Arbeitern laste, sei immens.
Mittlerweile hat Foxconn mit einer knappen Stellungnahme reagiert: Es habe in der Fabrik in Zhengzhou "keinen Streik" gegeben. Es handele sich um "Streitigkeiten mit kleinen Gruppen von Arbeitern", um "isolierte Vorfälle", die bereits beigelegt worden seien. Die Produktion laufe weiter. China Labor Watch dagegen hatte behauptet, die iPhone-5-Produktionsstraßen seien "gelähmt" gewesen.
Neues Gehäuse nicht so hart wie Edelstahl
Der Grund für die verschärften Qualitätsanforderungen dürften die Beschwerden von iPhone-5-Käufern sein. Kurz nach der Markteinführung waren massenhaft Klagen darüber laut geworden, dass die neuen Aluminiumgehäuse zum Teil feine Kratzer und ausgeschlagene Stellen, teils sogar leichte Beulen aufwiesen.
Ein Experte für Oberflächenveredelung erklärte SPIEGEL ONLINE damals, das liege an den neuen Materialien: "Kleine Dellen und Kratzer, wie in den Bildern zu sehen, können bereits während Fertigung und dem Verpacken des Gerätes auftreten und sind leider nicht haltbar auszubessern." Eine eloxierte Aluminiumoxidschicht mit einer Schichtdicke von 20 Mikrometern sei zwar etwa dreimal härter als blankes Aluminium, erreiche aber "lange nicht die Härte und damit auch nicht die Widerstandsfähigkeit des wohl bisher eingesetzten Edelstahls".
Ende September hatte es in einer anderen Foxconn-Fabrik eine Massenschlägerei gegeben, angeblich zwischen Arbeitern verschiedener Produktionslinien. Reuters zufolge waren damals 2000 Arbeiter involviert. Nach SPIEGEL-Informationen waren der Ausgangspunkt für die Krawalle, die schließlich mit Hilfe von 5000 Polizeibeamten eingedämmt wurden, Schikanen der Arbeiter durch das Foxconn-Wachpersonal in Taiyuan.
"Ich bin nicht für Sklaverei!"
Außer Zweifel dürfte stehen, dass die Arbeiter in den Fabriken des iPhone-Zulieferers unter hohem Druck tätig sind. Vor einigen Wochen berichtete ein chinesischer Journalist, der sich eigenen Angaben zufolge in eine Foxconn-Fabrik eingeschmuggelt hatte, von harten Bedingungen. Der Zeitdruck sei enorm gewesen, die Lebensbedingungen erbärmlich, im Anschluss an Nachtschichten seien schlechtbezahlte Überstunden eingefordert worden.
Erst im Mai hatten Apple und der Elektronikhersteller gelobt, die Bedingungen in den Fabriken zu verbessern. Die Kosten dafür wollten die beiden Unternehmen unter sich aufteilen, hieß es im Frühling. Vor wenigen Wochen hatte die englischsprachige chinesische Zeitung "Shanghai Daily" berichtet, Foxconn zuliebe würden Universitätskurse ausgesetzt und Studenten zur Arbeit gezwungen, weil es für die iPhone-Produktion an Arbeitskräften mangele. Foxconn widersprach kurz darauf: Bei den studentischen Arbeitskräften habe es sich um Praktikanten gehandelt, die den Betrieb jederzeit hätten verlassen können.
Foxconn ist mit etwa 1,2 Millionen Angestellten einer der größten Arbeitgeber Chinas, allein im Werk in Taiyuan, wo sich vor einigen Tagen die Krawalle ereigneten, arbeiten rund 79.000 Menschen. Das Unternehmen produziert iPhones und iPads für Apple, aber auch andere Computerprodukte für die Konkurrenz von Microsoft und Hewlett-Packard. In der Vergangenheit war Foxconn wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken in die Kritik geraten und hatte daraufhin einen höheren Mindestlohn sowie kürzere Arbeitszeiten zugesagt.
In einem Apple-Forum, in dem Käufer sich über die Kratzer an ihren neuen Telefonen beschweren, macht ein Nutzer nach dem Bekanntwerden der Zwischenfälle seinem eigenen zwiespältigen Gefühl Luft: "Das mag heuchlerisch von mir als Besitzer von Apple-Produkten sein, aber fürs Protokoll, ich bin Nicht Für SKLAVEREI!"
cis
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- Samstag, 06.10.2012 – 09:29 Uhr
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- Google Translate: Text der Shanghai Evening Post
- Micgadget.com: The Undercover Report on How the New iPhone 5 is Made Inside Foxconn Factory
- "Shanghai Daily": Studenten bei Foxconn?
- Bloomberg/Business Insider: Foxconn zu studentischen Arbeitskräften
- Apple-Forum: Kratzer-Diskussion
- Organisation China Labor Watch: Foxconn-Streik?
- "Engadget": Streik bei Foxconn
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