Streit um Actionfigur Apple will Verkauf von Plastik-Jobs verbieten

Apple duldet keine Kopien seines Gründers: Einem chinesischen Unternehmen, das jetzt für eine Actionfigur im Steve-Jobs-Look wirbt, ließ der Konzern eine Unterlassungserklärung zustellen, droht mit Klage. Dessen Chef zeigt sich unbeeindruckt, will die teure Devotionalie trotzdem verkaufen.

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An Details mangelt es dieser Figur nicht. Ihr Blick ist fokussiert, die Proportionen stimmen, die Gesichtszüge sind klar erkennbar: Das hier ist Steve Jobs, der 2011 verstorbene Apple-Gründer. Nur eben aus Kunststoff, lebensecht modelliert. Für 110 Dollar (86 Euro), inklusive Versand, bietet der Hersteller In Icons die Puppe in seinem Onlineshop an, will ab Februar liefern, weltweit. Genau das versucht Apple zu verhindern. Der Konzern hat der chinesischen Firma von seinen Anwälten eine Unterlassungserklärung zustellen lassen und droht mit weiteren rechtlichen Schritten, sollte In Icon die Erklärung nicht unterzeichnen.

Zur Begründung heißt es, Apple halte die Rechte am Erscheinungsbild von Steve Jobs, meldet "Digital Trends". Jeder Versuch, diesen Look auf eine Puppe zu übertragen und diese zu verkaufen, werde als krimineller Akt angesehen - und auch so geahndet.

Dass Apple es damit ernst meint, steht außer Zweifel. Zuletzt hatte der Onlineshop M.I.C Gadget im November 2010 eine Steve-Jobs-Figur angeboten. Auch hier hatten Apples Anwälte umgehend eine Unterlassungserklärung verschickt, die das Unternehmen offenbar auch unterzeichnete und den weiteren Verkauf der Figur stoppte. Die Anfangsauflage von 300 Exemplaren soll aber zu diesem Zeitpunkt bereits vergriffen gewesen sein. Prompt tauchte eine der cartoonhaft wirkenden Jobs-Figuren an einem improvisierten Traueraltar auf, den Fans in Hongkong dem Apple-Gründer nach dessen Tod gewidmet hatten (siehe Fotostrecke).

Bloß keine Apple-Produkte nachmachen

Wenig später tauchten die für 80 Dollar (62 Euro) erworbenen Puppen mit ihrem übergroßen Kopf und einem iPhone in der Hand bei Ebay auf. Bis zu 2500 Dollar sollen für die Mini-Steves gezahlt worden sein, bis Apple auch diese Online-Auktionen entfernen ließ. Anfang 2011 versuchte es M.I.C Gadget noch einmal. Offenbar glaubten sie, Apples Anwälten entgehen zu können, indem die Puppe als Ninja gekleidet als "Ananas-CEO" angeboten wurde. Apple war anderer Meinung und schickte eine neue Unterlassungserklärung.

Gegen die Puppen der US-Firma Podbrix ist Apple dagegen offenbar nie vorgegangen. Das kleine Unternehmen hatte sich auf Lego-Figuren im Stil der Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak spezialisiert, 2009 eine Steve-Jobs-Plüschpuppe herausgebracht.

Gegen diese groben Nachbildungen ist der neue Plastik-Jobs allerdings ein Wunder an Detailreichtum. Neben der eigentlichen Figur im typischen Jeans- und Pullover-Look werden dem Hersteller zufolge winzige Nike-Turnschuhe, ein Barhocker, angebissene Äpfel und eine Bühnenwand mit dem Titel "One more thing" geliefert. Sogar drei unterschiedliche Handpaare liegen bei. Eines mit ausgestreckten Zeigefingern, eines mit steifen und eines mit beweglichen Fingern. Einzig Apple-Zubehör, wie eine iPhone, iPod oder iPad wird nicht mitgeliefert. Darauf weist der Hersteller ausdrücklich hin. Vermutlich wollte die Firma einen Rechtsstreit vermeiden, der sonst darauf hätte fußen können, dass In Icon das Apple-Design kopiert hätte. Da reagiert man in Cupertino ja bekanntlich besonders allergisch.

Ist Steve Jobs ein Produkt?

In-Icons-Chef Tandy Cheung gibt sich trotzdem kämpferisch. "Apple kann machen, was es will", sagte er dem Fernsehsender ABC, "ich werde trotzdem nicht aufhören. Wir haben schon mit der Produktion angefangen." Verschiedene Anwälte in Hongkong hätten ihm versichert, er sei auf der sicheren Seite, so lange er keine Apple-Produkte nachahme. Er sei außerdem überzeugt, es sei die beste Art, an Steve Jobs zu erinnern, wenn man ihn als Actionfigur unsterblich mache.

Dass er ein Apple-Fan ist, will er augenscheinlich auch damit unter Beweis stellen, dass er unter die Werbe-Seite zur Jobs-Figur schreibt: "Dem Genius, großen Erfinder und Visionär gewidmet: Steve". Trotzdem ist der Apple-Gründer in seinen Augen eine ganz normale Person. "Steve Jobs ist kein Produkt", sagt Cheung. "Ich glaube nicht, dass Apple auf ihn ein Copyright hat."

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Seite 1
HuFu 06.01.2012
1.
Warum? Weil sie damit keine Einnahmen machen? Ich bin froh, wenn der Appel endlich weg vom Fenster ist.
Nonvaio01 06.01.2012
2. sicher doch
weil einer in den USA etwas nicht will huepft der Manager in China natuerlich. Als wenn sowas die Chinesen irgendwann interessiert hat.
rolforolfo 06.01.2012
3. ja ja
....auch darauf hätten sie gerne ein copyright. Aber ein Mensch ist made by god. Apple go home, verkauf ipad, ipod, ipud und iped.... Entlass deine Anwälte und stell Leute ein, die was Sinnvolleres arbeiten wollen.....gelle??
SPION&NOIdS 06.01.2012
4.
Zitat von sysopApple duldet keine Kopien seines Gründers: Einem chinesischen Unternehmen, das jetzt für eine Actionfigur im Steve-Jobs-Look wirbt, ließ der Konzern eine Unterlassungserklärung zustellen, droht mit Klage. Dessen Chef zeigt sich unbeeindruckt, will die teure Devotionalie trotzdem verkaufen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,807566,00.html
Na, so neu ist die Idee jetzt nicht. Es gibt ja schon den Playmobil-Apple-Store. Inclusive Steve Jobs-Figur im Keynote Theater: ThinkGeek :: PLAYMOBIL(TM) Apple Store Playset (http://www.thinkgeek.com/interests/looflirpa/e8bb/) Jedenfalls besser umgesetzt, als es die Chinesen je könnten. Fast schon zu gut, um wahr zu sein...
Rodri 06.01.2012
5. ...
Zitat von sysopApple duldet keine Kopien seines Gründers: Einem chinesischen Unternehmen, das jetzt für eine Actionfigur im Steve-Jobs-Look wirbt, ließ der Konzern eine Unterlassungserklärung zustellen, droht mit Klage. Dessen Chef zeigt sich unbeeindruckt, will die teure Devotionalie trotzdem verkaufen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,807566,00.html
Mich wundert ehrlich gesagt, dass Apple da nicht schon selbst aktiv geworden ist, wo doch scheinbar alles mit Apfel-Logo gekauft wird.
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