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Streit um Verschlüsselung Indien kann bald Blackberry-Kurznachrichten lesen

Blackberry-Werbung in Indien: Imageproblem durch Offenheit gegenüber BehördenZur Großansicht
AFP

Blackberry-Werbung in Indien: Imageproblem durch Offenheit gegenüber Behörden

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion geht auf Forderungen der indischen Regierung ein. Das Unternehmen will den Behörden des Landes ermöglichen, künftig Kurznachrichten mitzulesen, die verschlüsselt zwischen Blackberrys ausgetauscht werden. Doch die Regierung will noch mehr.

Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) steckt in der Klemme. Mehrere Länder des Nahen Ostens und Asiens fordern Zugriff auf die verschlüsselten Datenübertragungen der meist von Geschäftsleuten genutzten Smartphones. Länder wie Saudi Arabien und Indien drohen, die Blackberry-Dienste abzuschalten, wenn das Unternehmen sich ihren Forderungen nicht fügt. Jetzt hat RIM der indischen Regierung einige Zugeständnisse gemacht. Dem "Handelsblatt" bestätigte ein Unternehmenssprecher, RIM werde den dortigen Behörden noch in dieser Woche Informationen übermitteln, die zur Entschlüsselung seines Kurznachrichtendienstes Messenger benötigt werden.

Das Argument, dessentwegen die Behörden auf eine Mithörmöglichkeit drängen, ist stets dasselbe: Terroristen könnten die Blackberry-Dienste nutzen, um Anschläge vorzubereiten. Weil nun aber das Verschlüsselungssystem von RIM als unknackbar gilt und dessen Server zudem in Kanada, den USA und Großbritannien stehen, haben Geheimdienst und Polizei von Staaten wie Indien keine Möglichkeit, den Nachrichtenfluss per Blackberry mitzulesen. Ein Problem, über das auch die US-Geheimdienste nicht glücklich sind. Gleichzeitig ist diese sichere Verschlüsselung aber RIMs größtes Kapital. Ein Kapital, an das RIM bisher niemanden herangelassen hat.

Nun aber scheint der Widerstand des Unternehmens zu bröckeln. Offenbar zeigt der massive Druck, den Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi Arabien und Indien ausüben, Wirkung. Für RIM geht es um neue Märkte, die enormes Potential haben. Indien mit seinen knapp 1,2 Milliarden Einwohnern wird als einer der großen Zukunftsmärkte der Mobilfunkbranche angesehen.

RIM: Kein Zugriff auf Firmen-Mails von Blackberry-Nutzern

Meldungen, wonach RIM den indischen Behörden Zugriff auf alle in Indien per Blackberry verschickten Mails ermöglichen will, kann man aber als übertrieben ansehen. Dazu, darauf weist RIM seit Tagen unentwegt hin, sei man selbst technisch gar nicht in der Lage. Zumindest nicht, wenn es um Firmenkunden geht, die den Enterprise-Service des Unternehmens nutzen. Eine vergleichbar sichere Verschlüsselung werde laut RIM "nahezu überall in traditionellen Virtual Private Networks (VPNs) sowohl in verkabelten als auch kabellosen Netzwerken für die Kommunikation in Unternehmen und auch Regierungen eingesetzt."

Das Mitlesen von Nachrichten, welche Privatkunden verschicken, könnte das Unternehmen dagegen durchaus ermöglichen, erklärt Heise online. Deren E-Mails würden von den jeweiligen Providern nicht verschlüsselt, sondern lediglich komprimiert, um Bandbreite zu sparen. Beim Dekomprimieren solcher Nachrichten, so Heise online, könnte RIM den indischen Behörden durchaus Hilfestellung leisten.

Eine offizielle Stellungnahme des kanadischen Unternehmens zu seinen Verhandlungen mit indischen Regierungsvertretern und zu möglichen Eingeständnissen, die zu machen man bereit wäre, liegt bislang allerdings nicht vor. Dass RIM sich damit Zeit lässt, ist allerdings kaum verwunderlich. Zum einen will man sich für die Gespräche sicher so viel Spielraum offenhalten wie nur möglich. Andererseits nagen die Berichte über RIMs Zusammenarbeit mit Geheimdiensten und Polizeibehörden schon jetzt am Image des Unternehmens. Wichtige Kunden wie die US-Investmentbanken Goldman Sachs und JPMorgan haben sich dem " Wall Street Journal" zufolge schon besorgt gezeigt, ihre per Blackberry verschickten Geschäftsdaten seien möglicherweise nicht mehr sicher vor dem Zugriff Dritter.

mak

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