Supercomputer Tianhe-1A China hat den Schnellsten

So rasant rechnet sonst keiner. Die neue Technologie-Supermacht China nimmt den schnellsten Computer der Welt in Betrieb - Tianhe-1A liegt deutlich vor dem bisherigen Spitzenreiter aus den USA. Die Technologie-Führerschaft des Westens ist bedroht.

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China stand lange in dem Ruf, westliche Technik bloß zu kopieren. Tatsächlich ist das Land inzwischen eine Innovations-Supermacht: Der Drei-Schluchten-Damm ist die größte Wasserkraftanlage der Welt. Zwischen Shanghai und Hangzhou fährt seit einigen Tagen mit 350 km/h der schnellste Linienzug der Welt. Und jetzt auch noch das: China hat den schnellsten Supercomputer des Planeten in Betrieb genommen. In der kommenden Woche wird Tianhe-1A offiziell loslegen, der Testbetrieb läuft schon. Und offenbar ledert die Maschine in der Königsdisziplin der Computertechnik die USA und Deutschland ab.

Mit einer brachialen Rechenleistung von 2,5 Petaflops überrundet er sogar den berühmten "Jaguar"-Rechner des Oak Ridge National Laboratory in den USA, der derzeit die Top-500-Liste der Supercomputer anführt. Der von Großrechnerpionier Cray gebaute Mega-Computer in Tennessee kommt auf 2,3 Petaflops. Deutschlands schnellster Rechner steht im Forschungszentrum Juelich (FZJ). Die "Jugene" genannte Maschine mit einem Petaflop belegt immerhin Platz 5 in der Top-500-Liste.

Flops bezeichnen die Anzahl der Rechenaufgaben mit Gleitkommazahlen, die ein Prozessor pro Sekunde ausführen kann (mehr auf Wikipedia...). Die Vorsilbe Peta bedeutet eine Billiarde.

Energie ist kein Problem

Ganz ohne westliche Hilfe ist der Weltrekord allerdings nicht gelungen. Die Basis des Superrechners sind 14.336 Mehrkern-Serverprozessoren von Intel. Ihnen zur Seite stehen 7168 auf mathematische Berechnungen spezialisierte Grafikchips von nVidia. Ohne diese Spezialchips müsste laut nVidia der Rechner auf rund 50.000 PC-Prozessoren aufgerüstet werden, um dieselbe Leistung zu erbringen. Ein Aufwand, der nicht nur den Platzbedarf der Rechneranlage verdoppeln, sondern deren Stromverbrauch verdreifachen würde.

Die Erbauer der Riesenmaschine feiern deren vergleichsweise geringen Stromverbrauch als großen technischen Erfolg. 4,04 Megawatt zerrt die Anlage im Betrieb aus der Leitung - genug Energie, um 2500 Haushalte zu versorgen. Die Stromversorgung aber dürfte das kleinste Problem bei der Entwicklung des Großrechners gewesen sein. Schließlich steht Tianhe-1A in der nordchinesischen Industriestadt Tianjin, deren Stahl, Textilien und Elektronik produzierende Unternehmen ohnehin einen hohen Energiebedarf haben.

Die eigentliche Schwierigkeit beim Bau solcher Superrechner ist, die vielen Chips der Maschine schnell und reibungslos zusammenarbeiten zu lassen. Im Grunde nämlich werden sie aus vielen kleineren Einheiten zusammengesetzt. Die wahre Kunst ist es, dass diese möglichst schnell Daten austauschen können. Hier waren westliche Unternehmen immer vorne - und nun haben offenbar die Chinesen die Führung übernommen. Jack Dongarra von der University of Tennessee sagte der "New York Times", deren neue Technik zur internen Vernetzung von Supercomputern sei offenbar doppelt so schnell wie der bisherige Standard Infiniband.

Bald auch unabhängig von westlichen Chip-Herstellern?

In China werde derzeit intensiv daran gearbeitet, sich auch noch von den Chip-Zulieferern aus dem Westen unabhängig zu machen, sagt Dongarra. Schon in ein bis zwei Jahren könne es soweit sein, dass die ersten chinesischen Hochleistungschips fertig für den Einbau in neue Riesenrechner sind. Damit würde den US-Chip-Herstellern ein lukrativer Markt wegbrechen - und ihnen eine mächtige Konkurrenz erwachsen. Durch chinesische Konkurrenz wären auch westliche Computer bald nicht mehr auf Technologie von Intel, nVidia oder AMD angewiesen.

Vorerst ist der Sieg von Tianhe-1A vor allem ein riesiger Imageschaden für die USA. Über Jahrzehnte haben US-Einrichtungen mit ihren Rechnern die Hitliste angeführt - mit kurzen Ausnahmen - und so ihre technische Vormachtstellung demonstriert. Wenn ihnen Platz eins jetzt womöglich dauerhaft von China streitig gemacht wird, ist da ein Schlag für das Selbstbewusstsein der US-Technologiebranche. Und ein von der chinesischen Führung langersehntes Signal, dass man eben doch das bessere System hat, auch in technischer Hinsicht.

Die nächste Top-500-Liste der Supercomputer wird in der kommenden Woche veröffentlicht. Bis zum 1. November können sich Forschungseinrichtungen noch melden und ihre Rechenleistungsmesswerte einreichen. Dass es irgendjemandem gelingt, Tianhe-1A bis dahin seinen Vorsprung abzunehmen, ist unwahrscheinlich.



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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
w.-d.w 28.10.2010
1. wo haben sie den nun wieder
Zitat von sysopSo rasant rechnet sonst keiner. Die neue Technologie-Supermacht China nimmt den schnellsten Computer der Welt in Betrieb - Tianhe-1A ist viel schneller als der bisherige Spitzenreiter aus den USA. Die Technologie-Führerschaft des Westens ist bedroht. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,725788,00.html
abgekupfert. Unsere lieben "Schlitzaugen".
Luna125 28.10.2010
2. Glückwunsch !!
Zitat von sysopSo rasant rechnet sonst keiner. Die neue Technologie-Supermacht China nimmt den schnellsten Computer der Welt in Betrieb - Tianhe-1A ist viel schneller als der bisherige Spitzenreiter aus den USA. Die Technologie-Führerschaft des Westens ist bedroht. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,725788,00.html
Es wird auch irgendwann der letzte begreifen das das Abendland am Ende ist :)
endbenutzer 28.10.2010
3. Weltmacht
Zitat von sysopSo rasant rechnet sonst keiner. Die neue Technologie-Supermacht China nimmt den schnellsten Computer der Welt in Betrieb - Tianhe-1A ist viel schneller als der bisherige Spitzenreiter aus den USA. Die Technologie-Führerschaft des Westens ist bedroht. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,725788,00.html
Auch wenn es viele nicht hören wollen: China ist auf dem Weg zur Weltherrschaft. Auch die USA werden das nicht verhindern, es sei denn, sie machen von ihrer Erstschlagsdoktrin Gebrauch und versuchen China nuklear zu vernichten. Mit wirtschaftlicher Kraft jedenfalls wird China nicht mehr aufzuhalten sein. Und auch das Engagement Chinas in Afrika zeigt nur, auf welchem Weg China ist. Da können sich die USA noch soviel Erdöl unter den Nagel reißen: Die anderen wichtigen Rohstoffe sichert sich China.
FastFertig, 28.10.2010
4. Cray
1982 erreichte die Cray-1A ca. 80 Millionen Gleitkommazahl-Operationen pro Sekunde (FLOPS). Das war damals schon unglaublich viel! Wir waren alle von Erfurcht ergriffen. 1982 = 80.000.000 2010 = 2.507.000.000.000.000.000
Subtuppel 28.10.2010
5. was ein quark
Hat da eventuell jemand beim Abschreiben der englischen News übersehen, das 2.507 NICHT Zweitausenfünfhundertundsieben bedeutet? 1000 mal schneller, da hätte man möglicherweise stutzig werden können ....
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