Neues Tablet "Surface" Microsoft präsentiert seinen iPad-Konkurrenten

Microsoft will ein bisschen wie Apple werden: Auf einer mysteriös angekündigten Pressekonferenz stellte der Konzern zwei Tablet-Modelle vor, die den Software-Konzern zum Hardware-Hersteller machen und mit einigen interessanten Ideen aufwarten können.

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Microsoft macht seinen besten Kunden Konkurrenz, den PC-Herstellern. Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles enthüllten Konzernchef Steve Ballmer und Entwicklungsleiter Steven Sinofsky zwei Tablet-PC. Die Surface genannten Geräte warten mit einigen innovativen Techniken und Ideen auf - und basieren natürlich auf Windows 8.

Microsoft hatte sich zuvor nach Kräften bemüht, der Veranstaltung einen mysteriösen Touch zu geben. Die Einladungen wurden Ende vergangener Woche verschickt, der Veranstaltungsort bis fünf Stunden vor Beginn der Veranstaltung geheim gehalten. Die Taktik funktionierte und stieß eine Flut von Spekulationen über mögliche Ankündigungen an. Microsofts Timing war aber alles andere als gelungen. Die Veranstaltung begann kurz nach 16 Uhr am Nachmittag in Los Angeles. Zu einer Zeit also, zu der man an der Ostküste der USA zum Abendessen geht und die meisten Europäer längst im Bett liegen.

Einige waren aber doch aufgeblieben und wurden nicht enttäuscht. Konzernchef Ballmer holte kurz zu einem Rückgriff auf 30 Jahre Hardware-Entwicklung bei Microsoft aus und mühte sich ab, zu rechtfertigen, weshalb der Windows-Hersteller jetzt unter die PC-Produzenten geht.

Flüssiges Metall

"Es war uns immer klar, dass unsere einzigartige Vorstellung davon, was Software tun kann, die Hardware auf eine Weise fordern würde, die selbst Hardware-Hersteller sich nicht vorstellen können", erklärte Ballmer den Journalisten und fügte an, die Dinge würden besser funktionieren, "wenn Hardware und Software aufeinander abgestimmt sind." So wie Windows 1.0 seinerzeit die Maus brauchte, so Ballmer, habe man Windows 8 ebenfalls eine innovative neue Hardware zur Seite stellen wollen.

Das Resultat sind die Surface-Tablets, die es in zwei Varianten geben soll, aber auch einige Eigenschaften teilen. So sind ihre Gehäuse aus einem Material geformt, dass Microsoft als VaporMG bezeichnet. Es basiere auf einer Magnesiumlegierung, die geschmolzen in eine Form gepresst wird, ganz so wie man es vom Kunststoffformen kennt. Der neuartige Herstellungsprozess soll besonders dünne und dabei stabile Gehäuse ermöglichen.

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Microsoft: Zwei Surface-Tablets gegen Apple
Zudem haben sie beide einen eingebauten Standfuß, so dass man sie am Tisch benutzen kann, ohne sie festhalten zu müssen. Die eingebauten Webcams sind so gewinkelt eingebaut, dass sie den Nutzer auch in dieser Position gut ablichten können.

Eingehüllt mit Tastaturen

Begeisterung lösten die Touch Cover genannten Schutzhüllen aus. Sie werden, ähnlich wie Apples Smartcover, magnetisch am Gehäuse gehalten, arretieren so immer in der richtigen Position. Anders als Apple hat Microsoft in die bunten Touch Cover allerdings eine Touchscreen-Tastatur integriert. Ein in die Tastatur eingebauter Beschleunigungssensor soll erkennen, ob man tatsächlich tippt oder bloß die Finger ausruht. Alternativ wird eine Type Cover genannte Hülle angeboten, in die eine physikalische Minitastatur eingesetzt ist.

Das kleinere der beiden Surface-Tablets nutzt als Antrieb einen Nvidia-Mobilprozessor und den an solche Chips angepasste Windows-8-Ableger Windows RT. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 10,6 Zoll und soll HD-Auflösung aufweisen, was 1280 x 720 Pixel bedeuten dürfte. Neben USB 2.0 und einem Micro-HDMI-Anschluss wird ein Micro-SD-Steckplatz enthalten sein. Das Gewicht gibt Microsoft mit 676 Gramm an, die Dicke mit 9,3 Millimetern. Es soll Versionen mit 32 und 64 GB Speicherplatz geben.

Verkauf über Microsoft-Läden

Die Profivariante soll Surface for Windows 8 Pro heißen, wird mit einem Intel-Core-i5-Prozessor und Windows 8 Pro betrieben. Statt USB 2.0 wird hier USB 3.0 integriert. Außerdem sind ein Micro-SDXC-Steckplatz und ein MiniDisplayPort vorgesehen. Der Speicher wird mit 64 oder 128 GB bestückt sein, das ebenfalls 10,6 Zoll große Display Full-HD-Auflösung aufweisen.

Eine weitere Besonderheit ist die Pen-Funktion des Bildschirms: Statt per Finger lässt er sich auch mit einem Zeigestift bedienen, wie man ihn von Zeichentablets kennt. Sobald man den benutzt, wird die Touchscreen-Funktion aktiviert, so dass man seine Hand auf dem Bildschirm abstützen kann. Auch der Stift wird magnetisch am Gehäuse gehalten.

Ob - und wenn ja, wie gut - Microsoft mit diesen beiden Modellen Apples iPad ausstechen kann, werden erst Tests zeigen können - und auf die werden wir wohl noch einige Monate warten müssen. Denn der offiziellen Pressemitteilung zufolge soll Surface for Windows RT zeitgleich mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Windows 8 auf den Markt kommen, die für den späten Sommer oder Herbst erwartet wird. Das Modell mit Intel-Prozessor und Windows 8 Pro soll 90 Tage später in den Handel kommen.

Doch selbst dann, so muss man Microsofts Mitteilung lesen, sollen beide Varianten ausschließlich über Microsofts Ladengeschäfte in den USA sowie "ausgewählte Microsoft-Online-Stores" verkauft werden.

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insgesamt 331 Beiträge
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Seite 1
propangu 19.06.2012
1. abends Mittagessen?
Wenn es in LA 16 Uhr ist, dann geht man in NY vielleicht Abendessen - aber das Mittagessen ist längst verdaut!
fessi1 19.06.2012
2. oh ein Bericht, ein Bericht
Wäre es eine Apple Keynote gewesen, hätte es einen LiveBlog gegeben.
tuobob 19.06.2012
3. Mal dumm gefragt...
Ich kenne mich mit Windows nicht aus. Windows 8 Pro als OS bedeutet, dass zb die PC Version von Excel ohne weiteres auf dem Teil läuft, oder bedarf es da einer angepassten Tablett-Variante?
buschheuer 19.06.2012
4.
Ein großer Schritt für Microsoft, ein kleiner für die Menschheit. Wo bleibt das Diskettenlaufwerk?
Ha.Maulwurf 19.06.2012
5. smart oder dumb?
Zitat von sysopAFPMicrosoft will ein bisschen wie Apple werden: Auf einer mysteriös angekündigten Pressekonferenz stellte der Konzern zwei Tablet-Modelle vor, die den Software-Konzern zum Hardware-Hersteller machen und mit einigen interessanten Ideen aufwarten können. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,839591,00.html
Die richtige Bezeichnung wäre Apples *Dumbcover*. Wie so was in klug aussieht, hat Microsoft gestern gezeigt. In Cupertino werden derweil die Kopierer heiß laufen. Wie schon bei iOS 6 hat Apple alle Hände voll zu tun, überhaupt noch den Anschluss zu schaffen. Nach dem gestrigen Abend ist jedenfalls klar: Wer mit einem Tablet arbeiten will, kommt auch in Zukunft nicht an Microsoft nicht vorbei. Wie man die Kopierprofis aus Cupertino kennt, wird es eine richtige Stifteingabe sicherlich auch in iOS geben. Irgendwann in 2015.
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