Systemkameras J1 und V1: So gut sind Nikons Kamera-Mischlinge
Schnell und kompakt: Nikons erste Systemkameras mit Wechselobjektiven sind ungewöhnliche Mischlinge. Die Bedienung erinnert an Anfängerkameras, die Geschwindigkeit bei Autofokus und Serienaufnahmen an Spiegelreflexmodelle. Eine Kamera für Kindergeburtstag und Katzensport.
Bislang war das Geschäft des Kamerariesen Nikon übersichtlich: Für Gelegenheitsfotografen gab es Kompaktkameras mit kleinen Bildsensoren und fest verbauten Objektiven. Spiegelreflex-Kameras waren für alle da, die viel Zeit mit dem Fotografieren verbringen - beruflich oder privat.
Nun hat Nikon seine ersten Systemkameras vorgestellt, die nicht in dieses Schema passen: Die Nikon J1 und V1 sind Mischlinge - die Objektive kann man auswechseln wie bei Spiegelreflexkameras, doch die Bedienung erinnert eher an Einsteiger-Kompaktkameras.
Die Bedienung der Nikon J1 und des teureren Modells V1 ist recht ähnlich. Als erstes fällt auf, dass Nikon bei beiden Modellen viele Elemente weggelassen hat, die Fotografie-Enthusiasten schätzen. Es gibt zum Beispiel kein Modus-Drehrad, mit dem man zwischen Automatik- und Halbautomatikprogrammen wählen oder ganz in einen manuellen Modus schalten kann.
Spielerische Modi wie bei der Kompaktkamera
Diese Einstellungen sind bei den Nikon-Systemkameras in einem Untermenü versteckt. Überhaupt gibt es wenig direkte manuelle Einstellmöglichkeiten: Die ISO-Empfindlichkeit ist nur über ein Untermenü veränderbar. Und die vier bisher verfügbaren Nikon-Objektive für das neue Kamerasystem lassen sich mangels Fokussierring nicht manuell scharf stellen.
Trotz dieser reduzierten Bedienung lassen sich bei den Nikon-Systemkameras Blendenöffnung und Verschlusszeit von Hand bestimmen - ein Drehrad und ein Wippschalter an der Rückseite taugen dazu leidlich. Die Nikon-Ingenieure gehen offenbar davon aus, dass Besitzer der J1 und V1 viel lieber im Vollautomatik-Modus fotografieren. Das Moduswahlrad an der Rückseite der Kamera bietet nur diese Optionen: Videoautomatik, Fotomodus, bewegter Schnappschuss und Smart Photo Selector.
Das ist eine Auswahl, die man bei Einsteiger-Kompaktkameras vermutet: Der bewegte Schnappschuss bastelt aus einer Aufnahme einen vertonten Mini-Clip, der ins Foto hineinzoomt und zur Seite scrollt. Untermalt wird das von merkwürdigen Musikstücken, man kann zwischen vier voreingestellten Werken wählen.
Schneller Serienbild-Modus
Der Smart Photo Selector ist interessanter: Hier nutzt die Kamera die verblüffende Serienbild-Geschwindigkeit aus: Bis zu 60 Fotos in voller Auflösung können die J1 und V1 aufnehmen - begrenzt wird das nur von der Kapazität des Zwischenspeichers. Im Automatikmodus Smart Photo Selector nimmt die Kamera bis zu 20 Fotos eines Motivs auf und lässt den Nutzer zwischen fünf von der Software als beste markierten Aufnahmen wählen. Diese Funktion ist sicher hilfreich, wenn man Kinder auf dem Spielplatz oder Katzen beim Kartonhüpfen fotografiert.
Kompakte Objektive, kleiner Fotosensor
Beim Fotografieren fällt auf, dass die Nikon-Systemkameras auch sonst schnell arbeiten: Sie sind fix eingeschaltet - allerdings muss man jedes Mal die Objektive per Knopfdruck entsichern und ausfahren, was diesen Geschwindigkeitsvorteil relativiert. Der Autofokus stellt sehr schnell und zuverlässig scharf, auch in der Dämmerung und nachts. Und auch wenn die Kamera in kurzer Abfolge mehrere Aufnahmen im Rohdatenformat speichert, friert sie nicht ein wie manche anderen Modelle.
Die J1 ist deutlich handlicher als die größere V1. Die größere, recht klobige und teurere Systemkamera hat unter anderem diese Vorteile gegenüber der kleinen Schwester: Der Bildschirm auf der Rückseite hat eine höhere Auflösung, man kann auch durch einen elektronischen Sucher blicken, es gibt einen Klinkenanschluss für ein externes Mikrofon, der Akku hält länger.
Ordentliche Bildqualität, sparsame Auflösung
Trotz dieser Vorzüge: Wer nur fotografiert, dürfte mit der eleganteren und günstigeren J1 mehr Freude haben, die V1 wirkt im Vergleich recht klobig. Ein Vorzug des Nikon-Systems ist die Größe der Objektive: Sie sind recht kompakt, das fällt insbesondere bei den Zoom-Objektiven auf, die deutlich kleiner ausfallen als vergleichbare Brennweiten für Kameras mit größeren Fotosensoren.
Das ist zugleich der Nachteil der Nikon-Systemkameras: Der Bildsensor ist knapp halb so groß (1,16 Quadratzentimeter) wie der Sensor von MicroFourthirds-Kameras (2,25 Quadratzentimeter). Dafür, dass der Sensor so klein ist, fällt die Bildqualität ordentlich aus. Bildrauschen ist bei Aufnahmen in der Dämmerung zu sehen, auch wenn man die Aufnahmen im Rohdatenformat speichert und später mit der Nikon-Software entwickelt. Dem Seheindruck bei unseren Aufnahmen nach ist die Bildqualität der Nikon Systemkameras gleichauf mit MicroFourthirds-Kameras wie der Panasonic GF3, die Messergebnisse der Softwarefirma DxO-Labs erlauben eine ähnliche Einschätzung.
Schnappschusskamera für Katzen und Kinder
Die J1 und V1 bieten eine merkwürdige Mischung: Einerseits sind sie schneller als viele teure Systemkameras, was Autofokus und Serienbilder angeht. Andererseits orientiert sich die Bedienung an der von Schnappschuss-Kompaktkameras - direkte manuelle Einstellmöglichkeiten fehlen, ein Touchscreen auch. Die Auswahl bei den Objektiven ist gering: Festbrennweiten mit großen Blendenöffnung fehlen, ebenso ein Makroobjektiv. Der kleine Bildsensor macht es sehr schwierig, gezielt Schärfe auf bestimmte Bildbereiche zu legen - bei den Nikon-Systemskameras ist qua Bauweise und Objektivauswahl einfach sehr viel standardmäßig scharf.
Für wen hat Nikon diese nicht ganz billigen Systemkameras gebaut? Die Bildqualität ist ordentlich, aber nicht überragend, die Bedienung richtet sich an Gelegenheitsfotografen, die Objektivauswahl und die Gestaltungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Die Nikon Systemkameras sind wohl am besten geeignet für Menschen, die schnelle Serienaufnahmen von Katzen, Kindern und allem anderen in Bewegung machen wollen. Kompaktkameras sind dafür oft zu langsam, die Geschwindigkeit in Verbindung mit ordentlicher Bildqualität, kompaktem Gehäuse und recht handlichen Zoomobjektive sprechen für die Nikon J1.
| Kompakte Kameras: Nikon J1, V1, Panasonic GF3, Sony NEX5N | ||||
| Kamera | Nikon J1 | Nikon V1 | Panasonic GF3 | Sony NEX5N |
| günstigster Preis Gehäuse * | 515,99 (inkl. Objektiv) | 746 (inkl. Objektiv) | 378,90 (400,99 inkl. Objektiv) | 546 (597 inkl. Objektiv) |
| Maße (Gehäuse) | 10,6 x 6,1 x 3 cm | 11,3 x 7,6 x 3,6 cm | 10,8 x 6,7 x 3,3 cm | 11 x 5,9 x 3,8 cm |
| Objektiv | VR 10-30mm 3.5-5.6 (27 - 81 mm Kleinbild-äquivalent) | VR 10-30mm 3.5-5.6 (27 - 81 mm Kleinbild-äquivalent) | Objektiv Lumix G Vario 14 - 42mm 3.5-5.6 (28 - 84 mm kleinbild-äquivalent) | Sony E 18 - 55mm f/3,5 - f/5,6 (27 - 83 mm kb-äquivalent) |
| Naheinstellgrenze | 20 cm | 20 cm | 30 cm | 25 cm |
| günstigster Preis Objektiv | 171 | 171 | 139 | 169,1 |
| Gewicht (Gehäuse mit Akku, Objektiv ca. in Gramm) | 392 | 498 | 387 | 419,0 |
| Auflösung (Megapixel) | 10,1 | 10,1 | 12 | 16,1 |
| Sensorgröße (cm²) | 1,16 | 1,16 | 2,25 | 3,75 |
| Megapixel pro cm² | 8,71 | 8,71 | 5,37 | 5,37 |
| Display (Zoll Diagonale) | 3 Zoll, 460.000 Pixel | 3 Zoll, 921.000 Pixel (zusätzlich elektronischer Sucher) | 3 Zoll, 460.000 Pixel | 3 Zoll, 921.600 Pixel |
| Dateiformat | RAW (Nikon-NEF) / JPG | RAW/JPG | RAW/JPG | RAW/JPG |
| Besonderheiten | Serienbild: bis zu 60 Fotos / Sekunde in voller Auflösung | USB, Audioeingang (Mini-Klinke), HDMI-Mini, Serienbildgeschwindigkeit: bis zu 60 Fotos / Sekunde in voller Auflösung | Touchscreen | Touchscreen, Display neigbar |
| * günstigster Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 7.11.2011) | ||||
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- Dienstag, 08.11.2011 – 14:07 Uhr
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Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.
Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.
Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.
Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.
Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.
Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Einige Beispiele für Sensorgrößen:
- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²
Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.
Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.
Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.
- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.
- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.
Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.
für die Inhalte externer Internetseiten.
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