Tactus-Touchscreen Wenn dem Bildschirm Tasten wachsen

Der amerikanische Erfinder Craig Ciesla will die Tastatur zurück auf den Touchscreen bringen. Eine Bildschirmfolie lässt bei Bedarf Tasten aufpoppen und sofort wieder verschwinden, wenn man sie nicht mehr braucht. Wir haben die Erfindung ausprobiert.

Aus Las Vegas berichtet

SPIEGEL ONLINE

Bisher waren Handy-Hersteller bei virtuellen Tastaturen nicht sehr kreativ. Wenn es darum ging, dem Anwender eines Touchscreen-Telefons eine fühlbare Rückmeldung zu geben, ob er eine der Tasten auf dem Display getroffen hat, ließen sie einfach das ganze Handy vibrieren. Diese Form des fühlbaren Feedbacks ist grob. Sie lässt nicht einmal erahnen, ob es denn auch die richtige Taste war, die man getroffen hat. An blindes Tippen ist gar nicht zu denken.

Das will Craig Ciesla ändern. Er hat mit seiner Firma Tactus Technology eine Bildschirmfolie entwickelt, die bei Bedarf richtige, fühlbare Tasten auf dem Bildschirm erscheinen lässt, die sofort wieder verschwinden, wenn man sie nicht mehr braucht. Ein damit bestückter Bildschirm ist also glatter Touchscreen und fühlbare Tastatur in einem, je nachdem, was man gerade braucht.

Wie das funktioniert, erklärt Ciesla in einer Hotelsuite in Las Vegas am Rande der Elektronikmesse CES. Mehrere Prototypen sind dort aufgebaut, einige davon sind klobige Android-Tablets, andere iPad minis. Ihnen gemein ist, dass auf den Bildschirmen eine Folie klebt - und eben sie ist es, aus der die Tasten auf Knopfdruck hervorschnellen.

Die Härte der Tasten ist verstellbar

Möglich wird das durch sogenannte Mikrofluide: In die Bildschirmfolie sind mikroskopisch kleine Kanäle eingelassen, durch die auf Befehl eine ölige Flüssigkeit gepresst wird, die den Kunststoff ausdehnt und so eine Taste aus dem Bildschirm wachsen lässt. Das Verfahren ist der elektronischen Tinte E-Ink ähnlich, die bei E-Book-Readern verwendet wird, denn Strom wird nur für den Umschaltvorgang benötigt, danach nicht mehr.

Beim Einschalten der Tastatur geht das so schnell wie ein Wimpernschlag. Sollen die Tasten wieder verschwinden, dauert es etwa eineinhalb Sekunden, bis das Display seine flache Form wiederhat.

Was das bringt, dürfte vor allem Blackberry-Nutzern klar sein: Die Ausbeulungen, die sich tatsächlich anfühlen wie echte Tasten, helfen bei der Orientierung auf der Tastatur, machen es möglich, dass man blind tippt. Wie weich oder hart sich die Tasten dabei anfühlen, lässt sich per Software einstellen.

Aufploppende Tastaturen als Zubehör im Computerhandel

Ciesla und Firmenmitgründer Micah Yairi zeigen in Las Vegas produktionsreife Technik. Schon in wenigen Monaten, verspricht Ciesla, würde es die aufploppenden und wieder verschwindenden Tastaturen als Zubehör im Computerhandel zu kaufen geben. Die Produktion werde man aber nicht selbst übernehmen, sagt Ciesla. Das wolle man Firmen überlassen, die sich damit auskennen und die etabliert sind.

Wie so etwas aussehen kann, zeigen die beiden Forscher anhand eines Prototyps, den sie für ein iPad mini entwickelt und mit einem 3-D-Drucker ausgedruckt haben. Das Zubehörteil sieht im Grunde aus wie eine normale iPad-Hülle. Nur dass sie einen kleinen Hebel hat, mit dem man rein mechanisch die Tastatur an- und abschalten kann.

Geplant sind auch Tasten für tastenlose Handys

Kurz nach der Tastatur, so Ciesla, soll auch das erste Handy mit Tactus-Tastatur auf den Markt kommen. Welcher Hersteller es produzieren wird, lässt Ciesla im Unklaren; man habe sich aber nur mit den ganz großen Firmen auf Gespräche eingelassen. Denkbar wäre, dass beispielsweise LG und Samsung jeweils der Erste sein wollen.

Der Aufwand zur Integration der neuen Technik in bestehende Geräte ist nach Angaben der Manager gering. Nicht mal das Design müsse geändert werden, da die neuartige Tastatur genauso dick sei wie die bisher genutzten Schutzgläser. Verglichen mit denen habe die Kunststoff-Lösung den Vorteil, dass ein solcher Bildschirm Stöße elastischer abfange und daher nicht so leicht breche.

Für Tastaturfans, die sich schwertun, ganz auf Tasten zu verzichten, ist die Tactus-Erfindung eine Wohltat. Die neue Technik ermöglicht es, ein Handy mit einem großen Touchscreen zu kaufen und doch auf einer fühlbaren Tastatur zu schreiben, wenn man will. Und faszinierend anzuschauen ist sie auch noch.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
sbi 12.01.2014
1.
Eigentlich nervt mich das übliche Kremp-Bashing hier, aber wenn ich lese, "einige davon sind klobige Android-Tablets, andere iPad minis," dann frage ich mich schon, ob da nicht was dran ist. :-)
ijf 12.01.2014
2. ciesla made my day...
...Er rettet mich vor der langsam aufkeimenden Panik, die mich seit ein, zwei Jahren hartnaeckig verfolgt, wenn ich die bad news ueber RIM lese... Das heisst also - ich muss meinen fast neuen (muehsam auf dem grauen markt beschafften) torch noch ein, zwei jahre pfleglich behandeln, dann besteht hoffnung, dass ein schickes LG mit tactus-tastatur mir auch weiter das blind- und schnelltippen ermoeglicht :)
verbal_akrobat 12.01.2014
3. Gut, dann muss ich doch noch mal mit der Neuanschaffung warten.
Mit dieser Technik kann man mich wirklich begeistern, genau das was den Geräten bisher gefehlt hat. Vorausgesetzt man kann einigermaßen Schreiben... (so ab 7-8 Finger) Einwurf, habe mir einen NEC2690 zugelegt (gebraucht), unglaublich, die Bilder mit der CANON450D sind fast alle "körnig" zu ersehen auf einmal, da sind NIKON`s D7000 Bilder schon eine Klasse besser. - Vorher auf neuen LG egded LED nicht zu sehen gewesen, der Unterschied. Will heißen, es gibt Techniken die sind ihren Mehrpreis Wert. Selbige denke ich für oben, weil ein echter Mehrwert in der Nutzung entsteht.
Newspeak 12.01.2014
4. ...
Ich bin sicher, wenn die Entwicklung zu großen Displays und Tastaturen etc. so weitergeht, trägt man in zehn Jahren Laptops als Handy mit sich rum und feiert das als große Neuentwicklung. Dabei scheint man zu vergessen, daß diese Geräte einen ganz anderen Anwendungsbereich haben und mögliche Alternativen (Sprachsteuerung, Direktverkabelung ins Gehirn) werden nur noch schleppend entwickelt.
mehrhirnbitte 12.01.2014
5. Pardon ich habe Zweifel:
Und wie bitte unterscheidet ein kapazitiver Touchscreen das Suchen der Finger vom eigentlichen Tippen? Herr Kremp hat im Video beim schlichten "leicht über die Tasten fahren" auch alle ausgelöst. Wenn beim Erfühlen aber schon der Tastendruck ausgelöst wird, nutzt die Struktur nicht besonders viel: genau dazu äussert sich auch weder Artikel noch Video. Dem Orientierungssinn wäre dennoch ein wenig geholfen. Bitte den Artikel diesbezüglich vervollständigen, um die armen BB User nicht in Illusionen zu führen...
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