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28. August 2010, 10:26 Uhr

Tarifvergleich

Das taugen Datenflatrates für Smartphones

Von Urs Mansmann und Christian Wölbert

Was ist die beste Drosselungsgrenze? Wer hat die günstigsten Roamingtarife? Für das mobile Surfen gibt es eine große Auswahl von Flatrates - mit vielen verwirrenden Details. Das Fachmagazin "c't" erklärt im Themenheft "iPhone, iPad & Co." die Vertragstücken - und gibt Tipps für die passende Flatrate.

Smartphones fragen im Hintergrund Mails ab, synchronisieren Termine und empfangen RSS-Feeds. Dem Nutzer ist dabei gar nicht bewusst, wann die Apps online gehen und wie viele Daten geladen werden. Tarife mit Zeit- oder Volumenabrechnung eignen sich deshalb nicht - man sollte seinem Smartphone eine Datenflatrate spendieren, ganz gleich ob es unter Android, iOS oder einem anderen Betriebssystem läuft, zumal die Kosten mittlerweile überschaubar sind.

Bei O2 kostet die günstigste Flatrate 9 Euro im Monat, bei Vodafone 15 Euro und bei T-Mobile 35 Euro. Allerdings kombinieren die Netzbetreiber ganz unterschiedliche Telefon- und SMS-Konditionen mit diesen Datenflats, daher sind die Preise nur bedingt vergleichbar.

Außerdem sollte man die Netzqualität beachten, am besten sogar mit dem Handy eines Bekannten testen. GPRS, das auf ISDN-Niveau liegt, und EDGE bremsen beim Surfen spürbar. Musik-Downloads versucht man lieber nur über UMTS. Generell gilt: T-Mobile und Vodafone betreiben die dichtesten UMTS-Netze, O2-Nutzer surfen nur in den großen Städten genauso schnell. E-Plus berücksichtigen wir hier nicht, weil das Unternehmen den anderen Providern beim Netzausbau mit dem UMTS-Datenturbo HSPA hinterherhinkt.

Bei den drei genannten Tarifen drücken die Provider nach 200 bis 300 MByte kombiniertem Sende- und Empfangsverkehr auf die Bremse. Bis zum nächsten Monat surft man dann mit GPRS-Tempo. Doch die 200-MByte-Grenze reicht meist aus, sie überschreitet nur, wer große Mengen an Apps und Musik herunterlädt oder stundenlang Videos schaut. Die meisten c't-Redakteure schöpfen ihr UMTS-Volumen nicht aus, allerdings surfen sie zu Hause und im Büro vorwiegend über W-Lan. Es gibt auch Tarife mit größerem UMTS-Volumen: O2 zum Beispiel verlangt für 1 GByte 13,50 Euro und für 5 GByte 22,50 Euro.

Sonderfall iPhone

Das iPhone ist ein teurer Sonderfall: Nur T-Mobile und Apple selbst verkaufen Geräte, die offiziell für den deutschen Markt vorgesehen sind. Der günstigste Flatrate-Tarif für das iPhone (Complete S) kostet 45 Euro im Monat, was über zwei Jahre inklusive Telefon (iPhone 4 mit 16 GByte) stolze 1249 Euro ergibt. Wer Nutzer anderer Mobilnetze anruft, zahlt abschreckende 29 Cent pro Minute.

Da Online-Händler für ein aus dem Ausland importiertes iPhone 4 ohne SIM-Lock zurzeit noch um 1100 Euro verlangen, lohnt sich der Umweg um den T-Punkt dennoch nicht. In Kombination mit dem Internet Pack M von O2 würde man über zwei Jahre gerechnet rund 1300 Euro zahlen, müsste auf die Festnetz- und W-Lan-Flatrate verzichten und mit einem weniger gut ausgebauten Netz auskommen. Ein weiterer T-Mobile-Vorteil ist Visual Voicemail, eine visuelle Mailbox, die Sprachnachrichten in einer Liste anzeigt.

Bei Reklamationen schicken die Importeure das iPhone zur Reparatur übrigens in das ursprünglich vorgesehene Verkaufsland, zum Beispiel nach Italien - nur dort können die Händler Apples Garantie in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt beim Eigenimport während des Adria-Urlaubs: Der Betrieb ist legal, die Gewährleistung läuft über den Händler und die Garantie je nach Laune des Mitarbeiters nicht über die deutsche Apple-Niederlassung.

Surfen im Urlaub

Sobald man im Ausland unterwegs ist, kann der Griff zum Internet-Handy teuer werden. Zweistellige Euro-Beträge pro Megabyte sind im Daten-Roaming immer noch an der Tagesordnung. Derart überhöhte Forderungen sind im EU-Raum eigentlich ein Skandal, denn die EU-Kommission hat die Verrechnungspreise der Anbieter untereinander auf 80 Cent netto pro Megabyte begrenzt. Die Anbieter schlagen also auf ihre gedeckelten Kosten Margen von bis zu mehreren tausend Prozent auf.

Die EU hat daher eine Kostengrenze eingeführt: Wenn man innerhalb eines Abrechnungsmonats 59,50 Euro versurft hat, muss der Provider die Verbindung unterbrechen - außer, man wünscht die Fortsetzung ausdrücklich. Manche Provider warnen außerdem per SMS, sobald man 80 Prozent des Limits (47,60 Euro) erreicht hat.

In vielen Fällen kann man mit den Auslands-Optionstarifen der Provider Geld sparen. Der Kunde erwirbt dabei ein Kontingent, das einen Tag oder eine Woche lang verbraucht werden kann, zum Beispiel 50 Megabyte für 15 Euro. Ist das Kontingent erschöpft, muss er ein neues Paket erwerben. Allerdings hat sich aus den Optionen ein wahrer Tarifdschungel entwickelt - und man muss aufpassen, dass nicht im Kleingedruckten die EU-Kostenbremse aufgehoben wird.

Zwar sind innerhalb der EU die Preise geregelt, jedoch ist längst nicht jedes Urlaubsland Mitglied der EU: die Schweiz, Norwegen, Island und viele Staaten Ex-Jugoslawiens beispielsweise. So richtig teuer wird es außerhalb Europas, hier liegen die Spitzenpreise immer noch bei über 30 Euro pro Megabyte.

Einheimische Karten

Günstiger wird die Handy- oder Surfstick-Nutzung, wenn man sich vor Ort eine Prepaid-SIM-Karte des jeweiligen Landes kauft. Das reduziert das Kostenrisiko auf das einbezahlte Guthaben, außerdem sind die Preise vor Ort durchweg niedriger als im Roaming. Voraussetzung ist allerdings ein SIM-Lock-freies Gerät. Android-Smartphones sind meist kein Problem, viele iPhone-Besitzer gucken in die Röhre.

Einige Händler vermarkten SIM-Karten für beliebte Urlaubsländer im Internet und verlangen zwar oft satte Aufschläge, ersparen ihren Kunden aber die Rennerei am Urlaubsort und die durch die Sprachbarriere mühseligen Verhandlungen im Mobilfunkladen.

Den Netzbetreibern lässt sich vielerorts auch ein Schnippchen schlagen, indem man ihre Leistungen komplett verschmäht und auf andere Zugänge zugreift. In vielen Hotels, Cafés, Flughäfen oder Bahnhöfen finden sich W-Lan-Hotspots, auf die viele deutsche Breitband-Kunden bereits Zugriff haben - die Auslands-Hotspots kosten aber oft extra und werden nach Zeit abgerechnet. Alternativ zahlt man vor Ort mit der Kreditkarte.

Bei der Nutzung eines Hotspots oder eines Hotel-Lan muss man allerdings daran denken, dass die Daten ungesichert übertragen werden und damit ein Mitschneiden möglich wird. Vertrauliche Daten, etwa Benutzername und Passwort für den E-Mail-Abruf sollte man daher nur über per SSL oder TLS verschlüsselte Verbindungen übertragen.

Fazit - welches Angebot das beste ist, entscheidet die Netzqualität

Die Internet-Pakete von O2 locken mit niedrigen Preisen und Vertragslaufzeiten von nur drei Monaten, und für Nutzer in den großen Ballungszentren ist auch die Surfgeschwindigkeit attraktiv. Doch auf dem Land oder bei Zugreisen merkt man den Qualitätsunterschied zu den teureren Netzen von T-Mobile und Vodafone.

Das individuell beste Angebot hängt also nicht nur von einer passenden Drosselungsgrenze, sondern auch vom Wohnort und der Mobilität ab. Beim iPhone 4 führen allerdings nur wenige und ebenfalls sehr teure Wege an der Telekom vorbei, wenn man sich das Gerät nicht direkt aus dem Ausland besorgen kann.

Die teilweise unverschämten Roaming-Gebühren der Provider sollte man in jedem Fall meiden. Wenn Susi Sorglos von einem Auslandsaufenthalt in Übersee mit Internet-Sitzungen zum Standard-Tarif zurückkehrt, wartet womöglich zu Hause bereits eine vierstellige Rechnung auf sie. Bei zweistelligen Megabyte-Preisen braucht man dafür nur wenige Minuten.

Tabelle Tarifbeispiele für Smartphones

Gefunden in: Themenheft "Thema iPhone, iPad & Co" vom Computermagazin "c't" © c't Heise Zeitschriften Verlag

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