Technik-Tipp USB-Sticks: Bitte mal flachlegen

Muss man einem USB-Stick ansehen, wie viel Kapazität er hat? Überhaupt nicht, findet Matthias Kremp und benutzt nur noch besonders schlanke Speichersticks. Die passen auch viel besser zu schlanker Hardware. Nur vertragen sie sich nicht immer mit Portemonnaies.

Viel Speicher auf wenig Platz: Mini-USB-Sticks Fotos
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Betrachte ich meine ansehnliche Sammlung von USB-Sticks, kommen mir Zweifel. Zweifel, ob diejenigen, die von fortschreitender Miniaturisierung in der Elektronik sprechen, nicht vollkommen irregleitet sind. Die Kapazitäten der Speichersticks in meiner Schublade schnellen immer weiter nach oben und doch sehen die aktuellen Modelle fast genau so aus wie jene, die schon seit Jahren in jener Schublade schlummern: Sie sind etwa so lang wie mein Daumen und so dick wie mein Smartphone.

Dass da so viele Sticks liegen, ist den Presseabteilungen etlicher Unternehmen zuzuschreiben, die dazu übergegangen sind, Pressemitteilungen und -fotos per USB-Stick zu verteilen, statt auf Papier und CD. Ist ja auch viel praktischer. Vor allem angesichts der vielen Journalisten, die mit einem ultraflachen Notebook oder Netbook unterwegs sind. USB-Anschlüsse haben die alle, ein optisches Laufwerk kaum noch jemand.

Aber was man da so in seine USB-Buchse stecken soll, ist meist zum Haare raufen gestrig - und stammt oft aus den Auslagen der Elektronik-Supermärkte: Sticks die fast genau so aussehen wie jene Modelle, die man zur Jahrtausendwende mit 8 oder 16 Megabyte bekommen hat, nur eben mit Speicherplatz im Gigabyte-Bereich. Man muss ihnen zugute halten: Nur auf einem so dicken USB-Brummer ist Platz für ein gut sichtbares Firmenlogo. Privat würde ich mich mit solchen Speicherklumpen aber nicht mehr belasten, es geht doch auch anders.

Wie herum muss das jetzt rein?

So wie mit den Micro-USB-Sticks, die Firmen wie Verbatim, Kingston und Super Talent anbieten. Lächerliche zwei Millimeter sind die dünn, wiegen kaum mehr als ein Gramm. Damit sind sie erheblich kleiner und leichter als der Schlüssel zu meinem Fahrradschloss, mit sich ein solcher Stick den Platz an meinem Schlüsselbund teilen muss. Denn das ist das Gute an dem kleinen USB-Speicher: Ich kann ihn immer dabei haben, genau wie Haustür-, Fahrrad- oder Autoschlüssel. So ist der flache Stick für mich zum dauerhaften Turnschuh-Netzwerk geworden, mit dem ich Daten zwischen Büro und Zuhause transportiere.

Erstaunlich ist , dass in rund einem Jahr Benutzung weder der dünne Stick, noch dessen bindfadenartiges Trageband Schaden genommen haben, trotz teils rabiater Behandlung. Der Stick ist samt Elektronik komplett in Plastik eingekapselt und deshalb kaum zerbrechlich. Der einzige Nachteil, der mich immer wieder nervt: Weil der kleine Stick keinen richtigen Stecker hat, sondern die Kontaktbahnen frei auf dem Plastik liegen, muss ich immer wieder ausprobieren, wie herum der Stick denn nun richtig in die jeweilige USB-Buche gesteckt wird. Da hilft nur Ausprobieren.

Kaum größer als ein USB-Stecker

Fast genau so nützlich ist eine andere Kategorie USB-Sticks. Jene Modelle, die kaum größer als ein USB-Stecker sind und nur wenige Millimeter aus der USB-Buchse herausragen. Als dauernde Begleiter am Schlüsselbund sind die nicht geeignet. nicht einmal im Portemonnaie würde ich ihn aufbewahren wollen, aus Angst, der Stick könnte beim Kleingeld abzählen verloren gehen.

Ihre Bestimmung sind Netbooks, Ultrabooks oder das Macbook Air. Computer jedenfalls, die viel zu dünn und klein sind, um mit Standard-Sticks belastet zu werden. Dabei können gerade solche Geräte eine Speichererweiterung oft gut gebrauchen. Manches Netbook kommt mit nur acht Gigabyte-Speicher zum Kunden, im billigsten Macbook Air stecken magere 64 Gigabyte. Ein unauffälliger Stick, der immer am Gerät verbleiben kann, beim Transport nicht stört und nicht Gefahr läuft, irgendwo anzuecken, kommt da gerade richtig - auch zum gelegentlichen Datenaustausch.

Ubiquität schlägt Geschwindigkeit

Zwei Nachteile haben die Micro-, Mini-, Nano- und Pico-Sticks dann aber doch. Zum einen sind sie teurer als die Standardausführungen. Manchmal nur ein paar Cent oder wenige Euro, die verschmerzbar sind. Manchmal kosten sie aber auch doppelt so viel wie günstige Normalmodelle. So wie Verbatims Netbook USB-Drive, der in der 32-GB-Ausführung für 40 bis 50 Euro angeboten wird, während man für andere Sticks gleicher Kapazität wenig mehr als die Hälfte dieses Preise bezahlen muss.

Überdies sind kleine Sticks keine Leistungsmeister. Wer es auf Geschwindigkeit abgesehen hat, sollte lieber bei normalgroßen Speichersticks bleiben. Die erreichen Schreib-/Leseraten von 10, 20 oder 30 MB/s. Neue, sehr teure Modelle schaffen per USB 3.0 theoretisch sogar mehr als 100 MB/s. Dagegen gehen die Sticks der Flach- und Klein-Fraktion mit Datenraten um 10 MB/s eher gemächlich zur Sache.

Das mag ein Nachteil sein und fordert manchmal meine Geduld heraus, am Ende aber bin ich doch froh, dass die Dinger so klein und praktisch sind, am Schlüsselbund baumeln. Sie sind einfach immer da, wenn ich sie brauche.

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
ichliebeeuchdochalle 06.12.2011
Zitat von sysopDer einzige Nachteil, der mich immer wieder nervt: Weil der kleine Stick keinen richtigen Stecker hat, sondern die Kontaktbahnen frei auf dem Plastik liegen, muss ich immer wieder ausprobieren, wie herum der Stick denn nun richtig in die jeweilige USB-Buche gesteckt wird. Da hilft nur Ausprobieren.
Nö, Hirn an geht auch. Adressaufkleber oder Etikettenaufkleber ... kleinen Schnipsel abschneiden und auf dem Stick "oben" aufkleben ... fertig
2. Systemimmanentes Problem
michaelXXLF 06.12.2011
Zitat von ichliebeeuchdochalleNö, Hirn an geht auch. Adressaufkleber oder Etikettenaufkleber ... kleinen Schnipsel abschneiden und auf dem Stick "oben" aufkleben ... fertig
USB nervt von Anbeginn an damit, daß man nie weiß, wierum der Stecker denn jetzt gehört. FireWire war (nicht nur) da deutlich überlegen.
3.
pannenbaker 06.12.2011
Zitat von michaelXXLFUSB nervt von Anbeginn an damit, daß man nie weiß, wierum der Stecker denn jetzt gehört.
Die Steckerseite mit dem USB-Symbol ist oben...
4. Da war doch was
Luebke 06.12.2011
Zitat von michaelXXLFUSB nervt von Anbeginn an damit, daß man nie weiß, wierum der Stecker denn jetzt gehört. FireWire war (nicht nur) da deutlich überlegen.
FireWire? Kennen wenig dämlichere Anschlüsse als FireWire. USB ist Schrott, aber Firewire ist noch deutlich schlimmer. Wenn man einen FireWire Stecker falsch herum reinsteckt (geht dank billiger Toleranzen oft einfacher als bei USB, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht) liegen 25V auf den Datenleitungen. Das verzeiht allerdings kein Gerät. Habe mehrere Kameras im Wert von tausenden Dollar daran sterben sehen.
5.
Psykhe 06.12.2011
Zitat von michaelXXLFUSB nervt von Anbeginn an damit, daß man nie weiß, wierum der Stecker denn jetzt gehört. FireWire war (nicht nur) da deutlich überlegen.
Nicht wirklich. Firewire - anschauen wo die breitere Seite ist bzw schauen wo das Symbol auf dem Anschluss ist (wenn vorhanden). USB - anschauen wo die gefüllte Seite ist (= unten) bzw schauen wo das Symbol auf dem Stick ist (= oben; wenn vorhanden). Wenn der USB Anschluss vertikal ist ist "oben" rechts. Ich sehe in dieser Hinsicht nicht wirklich Unterschiede zwischen den beiden Systemen. Wenn man weiss was die Konventionen sind passt es sofort, wenn nicht (oder sich der Hersteller nicht an diese hält) probiert man blind rum. Ist bei beiden absolut identisch.
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