Big Data Telefónica will Bewegungsprofile seiner Kunden verwerten

Der Telekommunikationskonzern Telefónica will die Bewegungsprofile seiner Kunden statistisch auswerten und zu Geld machen. Dies soll es Gemeinden und Gewerbe erleichtern, Personenströme vorherzusehen. Ob das Angebot auch in Deutschland eingeführt wird, ist derzeit unklar.

Telefónica-Hauptquartier in Madrid: Big Money mit Big Data?
REUTERS

Telefónica-Hauptquartier in Madrid: Big Money mit Big Data?


Sie spazieren durch die Stadt, doch weil es zu regnen anfängt, fliehen Sie in ein Einkaufszentrum und flanieren dort ein bisschen durch die Passagen, bevor Sie anschließend nach Hause fahren. Wie lang Sie dafür gebraucht haben, wissen Sie nicht mehr. Der Telefonanbieter Telefónica hingegen kann die Wege seiner Kunden sekundengenau nachvollziehen - und will dieses Wissen nun zu Geld machen.

Mit "Dynamic Insights" hat das Unternehmen eine Abteilung geschaffen, deren Aufgabe es ist, statistische Daten, wie sie etwa beim Mobilfunk anfallen, für lukrative Geschäfte zu nutzen. Der Telekom-Konzern hat angekündigt bei der Entwicklung von Angeboten auf Basis dieser Daten mit dem Marktforschungs-Institut GfK zusammenzuarbeiten.

Das erste Projekt der neuen Abteilung trägt den Namen "Smart Steps". Es soll ortsbezogene Daten sammeln, anonymisieren - und anschließend verkaufen. Wie viele Menschen an welchem Tag zu welcher Uhrzeit in einer Einkaufspassage unterwegs waren, kann auf diese Art und Weise rekonstruiert werden. Nützlich können derartige Informationen für die Geschäftsinhaber sein, die damit beispielsweise planen würden, wann sie wie viel Personal brauchen. Durch die Anonymisierung der Daten sollen Rückschlüsse auf einzelne Personen unmöglich gemacht werden.

Einwilligung der Kunden

In einer Mitteilung listet das Unternehmen die Vorteile seines Konzepts auf. Einer davon: Großstädte könnten anhand solcher ortsbasierten Informationen erkennen, ob und wie viele Menschen zusätzlich in der Innenstadt unterwegs sind, wenn die Geschäfte auch nachts geöffnet sind.

Auf Anfrage teilt Telefónica Deutschland mit, dass es hierzulande "derzeit keine konkreten Pläne gebe, ob und wie ein solches Produkt eingeführt wird". Sollte es aber dazu kommen, werde man sich an die gesetzlichen Richtlinien halten. Das heißt, die Kunden würden über das Vorhaben informiert und gebeten die Einwilligung zur Verarbeitung ihrer Daten abzugeben, heißt es weiter.

Auch Vodafone nutzt anonymisierte Daten

Dass Daten anonymisiert benutzt werden, ist in dieser Form nicht neu. Vodafone beispielsweise übermittelt die Datenspuren von Handys an den Stauprognose-Dienst von TomTom. Dessen Grundprinzip: Wo sich Handys auf den Straßen kaum bewegen, gibt es ein Problem. Aus den Handy-Zellen-Daten und den GPS-gestützten "Live-Navis" kann man ableiten, mit welchem Durchschnittstempo sich wie viele Fahrzeuge bewegen.

Das Problem bei der Anonymisierung: Je größer die Datensätze sind, desto schwieriger wird es, die Identität eines einzelnen effektiv zu verschleiern. Wenn beispielsweise nur Name oder Gerätenummer durch Pseudonyme ersetzt werden, könnte anhand der Bewegungsmuster erkennbar sein, wo ein Nutzer arbeitet, lebt, wann und wo er Urlaub macht. Im Einzelfall können diese Informationen ausreichen, um einer Person letztlich auch einen Namen zuzuordnen.

hat

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nervmann 30.10.2012
1. ...und Tschüss
Liebes O2, solltet ihr den Plan umsetzen, seid ihr mich als Kunden los! MfG
malcom1 30.10.2012
2. ?
Achtung liebe Handynutzer oder Laptopnutzer, nicht vergessen Handy usw. vor dem Gang zur Toilette ausschalten. Denn sonst könnte man Rückschlüsse ziehen wie oft Sie zur Toilette gehen und dies an Ihre Krankenversicherung melden, was dann eventl. zu höheren Beiträgen führen könnte. Sorry aber George Orwell beschrieb einen Kindergarten.
Spartacus 30.10.2012
3. ... und tschüs! - die 2.
Liebes Sauerstoffmolekül, alleine für die Anfrage auf Einwilligung zur diesbezüglichen Verarbeitung meiner Daten, bekommst Du als Antwort meine Vertragskündigung!
qoderrat 30.10.2012
4. persönliche Paranoia
Zitat von nervmannLiebes O2, solltet ihr den Plan umsetzen, seid ihr mich als Kunden los! MfG
Das sehe ich genauso, Anonymisierung, dass ich nicht lache. Da ich in der Regel zu hause übernachte, kann darüber schonmal mein Wohnort festgestellt werden, dann braucht es zur eindeutigen Identifizierung nur noch ein Merkmal. Und dann wollen sei einem noch Bezahlung per NFC schmackhaft machen, um die Zuordnung noch leichter zu machen...
Plasmabruzzler 30.10.2012
5.
Zitat von malcom1Achtung liebe Handynutzer oder Laptopnutzer, nicht vergessen Handy usw. vor dem Gang zur Toilette ausschalten. Denn sonst könnte man Rückschlüsse ziehen wie oft Sie zur Toilette gehen und dies an Ihre Krankenversicherung melden, was dann eventl. zu höheren Beiträgen führen könnte. Sorry aber George Orwell beschrieb einen Kindergarten.
Was für eine Panikmache. Bitte lesen Sie u. a. dies: Funkzelle (http://de.wikipedia.org/wiki/Funkzelle) Der Mobilfunkanbieter kann jemanden nur über die Funkzelle orten - anders als z. B. diverse Dienste von Google wie z. B. Latitude als Funktion der Maps. Die Ortung über die Funkzelle ist jedoch ein recht großer Bereich, teilweise mehrere Kilometer Radius. Also keine Panik. Die Weitergabe der Daten an Dritte ist für mein Rechtsverständnis ein Grund für eine fristlose Kündigung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.