Tianhe-2: China wird Supercomputer-Supermacht

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Tianhe-2: 30 Billiarden Operationen pro Sekunde Fotos
Jack Dongarra

Gegen den neuen Mega-Computer aus China wirkt der bisher schnellste Rechner der Welt fast wie ein Rechenschieber. Der chinesische Tianhe-2 ist fast doppelt so schnell wie der amerikanische Titan.

Die USA haben ihre Vormachtstellung bei Supercomputern offenbar an China verloren. Dem Bericht eines amerikanisches Wissenschaftlers zufolge ist der chinesische Großrechner Tianhe-2 (zu Deutsch: Milchstraße 2) bedeutend früher als vermutet fertig geworden. Ursprünglich war erwartet worden, dass die Maschine erst 2015 in Betrieb gehen kann. Jetzt wurde Superrechner-Experte Jack Dongarra bei einem Besuch in China von seinen dortigen Kollegen mit der Mitteilung überrascht, dass der Rechner bereits läuft - und fast doppelt so schnell ist wie der bisher schnellste Computer der Welt.

Dongarra, der die halbjährlich veröffentlichte Supercomputer-Hitliste Top 500 mitorganisiert und das Supercomputer-Testprogramm Linpack entwickelt hat, zeigt sich in seinem Bericht über Tianhe-2 (PDF) begeistert. Der chinesische Superrechner habe bei einem Lauf seines Linpack-Programms eine Leistung von 30,65 Petaflops erreicht. Das ist fast doppelt so viel wie der bisherige Spitzenreiter, Titan vom Oak Ridge National Laboratory, schafft. Der US-Rechner kommt auf 17,59 Petaflops. Ein Petaflop sind eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde.

Die theoretische Maximalleistung des Systems wird sogar mit 55 Petaflops angegeben. Die chinesischen Wissenschaftler arbeiten daran, das System näher an diesen Höchstwert heranzubringen. Damit, so Dongarras Einschätzung, dürfte den Chinesen der Spitzenplatz in der Computer-Hitliste auf Jahre sicher sein. Die Anschaffung eines ähnlich leistungsfähigen Superrechners durch das US-Department of Energy sei erst für 2015 geplant.

USA auf Platz zwei

Die Aussicht, auf absehbare Zeit auf den zweiten Platz abzurutschen, lässt die amerikanische "Wired" die Frage stellen, ob die USA genug Geld in Supercomputertechnik investieren. Das Blatt bezeichnet Supercomputer als Prüfstand für die Entwicklung von Zukunftstechniken. Aktuelle Technik, "vom Multikern-Prozessor, über Apples iPhone bis zu Googles Rechenzentren", wäre ohne Supercomputer nicht möglich.

Zudem zeigt sich, dass Chinas Wissenschaftler zusehends unabhängiger von amerikanischer Technik werden. Zwar sind in Tianhe-2 Zigtausende Intel-Serverprozessoren verbaut, doch die Platinen, auf die sie gesteckt werden, hat die chinesische Firma Inspur beigesteuert. Auch die 4096 sogenannten Frontend-Prozessoren vom Typ FT-1500, die das Zusammenspiel der Rechnerkomponenten regeln, stammen aus heimischer Produktion. Dasselbe gilt für die Netzwerktechnik und das Betriebssystem Kylin, eine chinesische Linux-Variante.

China macht sich unabhängig

Dongarra wertet das als essentiell: "Das Wichtigste an diesem System ist nicht, dass es Höchstleistung liefert, sondern, dass es substantielle Investitionen in Technologie demonstriert." Der Großrechner ist Teil des Programms 863, mit dem die chinesische Regierung die Entwicklung neuer Technologien fördert, die das Land unabhängig von ausländischen Produkten machen sollen. Auch der Longsoon-Prozessor gehört zu diesem Programm.

In den USA dagegen seien die Investitionen aufgrund der Rezession stark zurückgefahren worden, klagt Horst Simon vom Lawrence Berkeley National Laboratory. Vor fünf Jahren habe es noch Pläne für Großrechner ähnlich Tianhe-2 gegeben. Sogar sogenannte Exascale-Computer, 30-mal schneller als Chinas neuer Rechner, sind vorgesehen. Doch derzeit sei es in den USA nicht möglich, die für solche Projekte nötigen Mittel zu bekommen, sagt Dongarra.

Kein Stromsparmodell

In China hingegen soll Tianhe-2 mit seinen 3,12 Millionen Prozessorkernen Ende dieses Jahres ins National Supercomputer-Center im südchinesischen Guangzhou umziehen und dort für Forschung und Bildung genutzt werden. Dort angekommen, dürfte er die Stromrechnung der Betreiber deutlich belasten, denn ein Stromsparmodell ist der Milchstraßenrechner nicht. Die Rechenanlage verbraucht unter Last bereits 17,6 Megawatt, die dringend nötige Wasserkühlung schlägt mit weiteren 6,4 Megawatt zu Buche. Zum Vergleich: Der amerikanische Titan benötigt nur knapp über acht Megawatt.

Offiziell allerdings wird Tianhe-2 erst am Montag zum schnellsten Rechner der Welt gekürt - dann nämlich wird die neue Top-500-Liste veröffentlicht. Dass der chinesischen Führungsanspruch jetzt schon bekannt wurde, ist Jack Dongarra zu verdanken, der seinen Reisebericht aus China offenbar früher als erwartet online gestellt hat. Chiphersteller Intel wollte Informationen über den neuen Superrechner erst am Montag veröffentlichen.

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insgesamt 140 Beiträge
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1. wird sicher nicht lange dauern,
wolle0601 15.06.2013
bis hier die ersten Relativierer und Beschwichtiger posten...klar, die bösen k Konzerne, die nur mehr Kohle für ihre Hightech-Projekte wollen. Träumt weiter. China will nicht ewig eure Billigware zusammenschustern. Wenn hier erstmal die Industrie duch die Billigkonkurrenz ganz weg ist oder Staatskonzernen gehört, seid ihr an der Reihe, Billigproduzent zu sein.
2.
Ha.Maulwurf 15.06.2013
Zitat von sysopJack DongarraGegen den neuen Mega-Computer aus China wirkt der bisher schnellste Rechner der Welt fast wie ein Rechenschieber. Der chinesische Tinahe-2 ist fast doppelt so schnell wie der amerikanische Titan. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/tianhe-2-macht-china-zur-supercomputer-supermacht-a-905915.html
Das iPhone wurde wohl eher mit Hilfe eines C64 möglich gemacht. Anders ist ja kaum zu erklären, dass ein Viertel aller iPhones noch während der Garantiezeit verreckt. Oder das die Dinger mit unbrauchbarer Antenne ausgeliefert werden. Oder schon mit verkratztem Gehäuse aus der Verpackung kommen. Wohlgemerkt Geräte, die bis zu 900 Euro kosten (Herstellungspreis: ca. 180 Euro).
3.
fridolinkiesewetter 15.06.2013
Was hat es den USA gebracht so ein Mordsgerät zu besitzen? Was wird es China bringen? Unsinniger Kram. China hat Probleme mit den geologischen Konsequenzen seines Stausees, soziale Konflikte schwelen und das Renten/Seniorenproblem wird auch bald akuter .. aber man punkt lieber alles in neue Computer, die nichtmal effizient arbeiten. So gesehen ist der Rechner auch nicht besser als der der USA, wenn man anhand der Daten, die im Artikel stehen mal die Leistung/Watt errechnet. Es war in den USA eine Spielerei und das bleibt sie auch ...
4. flopp flopp flopp hopp hopp
limubei 15.06.2013
Da kommen einem die Tränen der westlichen Unterlegenheit.
5. Nur Geld für Waffen ?
syssifus 15.06.2013
"....Exascale-Computer, 30-mal schneller als Chinas neuer Rechner, sind vorgesehen. Doch derzeit sei es in den USA nicht möglich, die für solche Projekte nötigen Mittel zu bekommen,...." Zumal, wenn die verschenkt und später wieder eingesammelt werden müssen,bleibt halt nicht's mehr für solche Projekte übrig.Die USA rüsten sich noch zu Tode.
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