Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tilt-Shift-Videos: So schrumpft man eine Großstadt

Es ist ein weltweiter Trend: Filmemacher produzieren Stadtporträts im sogenannten Tilt-Shift-Format - und inszenieren die Realwelt im Stil einer Modelleisenbahn. Für die Miniaturoptik braucht man eine spezielle Linse. Der Berliner Sammy Metwalli zeigt, wie es auch ohne geht.

Sammy Metwalli

Winzige S-Bahnen holpern über Schienen, Miniaturmenschen rennen hektisch über Kreuzungen, ein Modellhubschrauber startet am Flughafen. Ein Modellhubschrauber? Von wegen. Was man in dem Video "Tiny Town" von Sammy Metwalli sieht, sind keine Miniaturen. Es sind echte Bahnen, echte Menschen und ein echter Hubschrauber. Nur hat der Filmemacher seine Aufnahmen mit der sogenannten Tilt-Shift-Technik so bearbeitet, dass die Realbilder wirken wie Aufnahmen einer ferngesteuerten Miniaturlandschaft.

Normalerweise braucht man Spezialobjektive, um derartige Filme drehen zu können. Die verbiegen den Strahlengang des einfallenden Lichts so, dass der in "Tiny Town" zu sehende Miniatureffekt entsteht. Allerdings sind solche Objektive teuer. Für einfache Modelle muss man mindestens 1000 Euro ansetzen, Profi-Ausführungen kosten leicht das vierfache. Populär ist die Technik längst: Inzwischen bedienen sich auch Werbespots der Spielzeugland-Ästhetik.

Dass es auch anders geht, beweist Metwalli, der die Videos für seinen Film mit einer ganz normalen Videokamera und einem Standardobjektiv gedreht hat. Den Tilt-Shift-Effekt hat er den Aufnahmen erst im Computer hinzugefügt. Wichtig war dem jungen Filmemacher zufolge dabei vor allem, in der Totalen und von möglichst hochgelegenen Positionen aus zu drehen. Nur so lässt sich das typische Gefühl erzeugen, man wäre viel größer als die betrachtete Landschaft, würde quasi über den Dingen stehen. Im Video erklärt Metwalli, wie er genau vorgegangen ist.

Die Feinarbeit erledigte er mit Videoschnittsoftware. Um das Gefühl zu verstärken, man schaue auf eine Miniaturwelt, beschleunigte er die Videos mit einem Zeitraffer, weshalb alle Bewegungen ein wenig hektisch wie bei einer Modelleisenbahn wirken. Um diesen Modellcharakter zu verstärken, erhöhte er die Intensität der Farben so weit, dass sie unwirklich überhöht scheinen und beispielsweise Büsche wie aufgeklebt wirken. Zum Schluss legte er noch einen Unschärfefilter über jede Szene, der dafür sorgt, dass rund um einen von ihm festgelegten Fixpunkt die Schärfe nach außen hin drastisch abnimmt.

Das Ergebnis dieser Feinarbeit kann sich sehen lassen: Eine etwas über sieben Minuten lange, knallbunte Reise durch Berlin, wundersam verkleinert. So werden selbst Alltagsszenen plötzlich wieder spannend.

Video: Katja Döhne, Text: Matthias Kremp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: