Gaming-Drohne Luftschlachten im Großraumbüro

Stunts, Rennen, Luftangriffe: Ein Bremer Entwicklerteam will Drohnenflug und Computerspiel vereinen. Funktioniert das?

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Noch braucht man viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie diese Drohne zum Massenphänomen werden soll: Auf dem Platz vor dem Hamburger SPIEGEL-Gebäude jedenfalls hält es einen Prototyp von TobyRich.Vegas nur kurz in der Luft. Zu windig ist es an diesem Sommerabend. Mehrfach landet das Mini-Flugzeug auf dem Boden, einmal fällt der Propeller ab. Für die Entwickler ist das aber kein Grund, den Optimismus zu verlieren.

Die Vegas-Drohne ist das neueste Gadget von TobyRich. 2013 präsentierte das Unternehmen ein per Smartphone kontrollierbares Mini-Flugzeug. Das sogenannte SmartPlane sei vor allem in den USA gut angekommen, erzählt Tobias Dazenko, 31 und Mitgründer der Bremer Firma. TobyRich mache "Spielzeug für Männer", sagt Dazenko, "oder für Frauen, die es für ihre Männer kaufen".

Mit der Vegas-Drohne will Dazenkos Firma nun den großen Aufschlag wagen: Eine gerade laufende Kickstarter-Kampagne soll einerseits die Finanzierung sichern, anderseits das als Gaming-Drohne vermarktete Produkt bekannt machen. Versprochen wird eine Drohne, die das klassische Fliegen mit Funktionen aus Computerspielen verbindet. Einsteigerfreundlich, robust und mit leicht auswechselbaren Aufsteckteilen, für drinnen wie draußen, später ganz normal zu kaufen im Elektromarkt, für rund 180 Euro.

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TobyRich.Vegas: Diese Gaming-Drohne kommt aus Bremen
Der eigentliche Clou soll die Software zur Drohne sein. Die App bietet mehrere Spielmodi, vom Drohnenrennen über einen Stuntmodus bis zum Luftkampf. So kann man auf Zeit bestimmte Strecken abfliegen, Loopings perfektionieren oder andere Vegas-Drohnen mit virtuellen Waffen beschießen. Gesteuert wird die Drohne direkt per Smartphone oder Tablet, optional gibt es einen Mini-Joystick.

Schlachten im Büro

Ungewöhnlich ist, dass per App auch Menschen ohne eigene Vegas-Drohne bei Gefechten mitmischen können - kostenlos. Als Bodenschütze können sie mit virtuellen Waffen auf in der Nähe befindlichen Drohnen schießen, woraufhin ein Alarm losgeht. Die Drohne muss dann ausweichen. Auf diese Art sollen etwa Gefechte im Büro möglich sein. Die Drohne kann sich nämlich virtuell wehren.

Werbebild zu einem Bürokampf: So sieht es im Optimalfall aus
TobyRich

Werbebild zu einem Bürokampf: So sieht es im Optimalfall aus

Wie bei anderen Augmented-Reality-Gadgets, etwa der Rennbahn Anki Overdrive, wird den Mitspielern aber auch bei TobyRich.Vegas viel Vorstellungskraft abverlangt. Eine Attacke sieht in der Praxis so aus: Ein Spieler richtet sein Smartphone auf eine Drohne und drückt auf eine Displaytaste. Gleichzeitig muss er einem Fluggerät ausweichen, das er ob des geringen Gewichts eigentlich mit jedem Stift aus der Luft holen könnte.

Schwer absehbar, wie lange diese Phantomschlachten ihren Reiz haben - zumal die Vegas-Drohne keine Kamera an Bord hat, die das Geschehen zum Beispiel in den Nebenraum übertragen könnte. Eine Kamera ist nur bei einer teureren, TobiRich.Tokyo genannten Variante an Bord.

Drohne kommt, Feuer frei

Hört man Tobias Dazenko zu, wirkt seine Vision von der Gaming-Drohne ihrer Zeit voraus. Damit die Idee voll aufgeht, bräuchte man eine Lebensrealität, in der Spiel und Arbeit ineinander übergehen, in der man sekundenschnell zum Handy greifen kann, wenn eine Drohne um die Ecke fliegt. Heute dürften viele Smartphone-Nutzer erst einmal an ihrem Sperrcode scheitern und dann noch warten müssen, bis endlich die App geöffnet ist. Wer Spaß haben will, muss ihn planen.

Dazenko erwähnt bei einer Produktpräsentation auch Microsofts Datenbrille HoloLens, die eines Tages helfen könnte, die virtuellen Attacken im Sichtfeld des Nutzer zu visualisieren. Das Problem: Bislang ist noch nicht so richtig absehbar, wann Augmented-Reality-Brillen wie die HoloLens auf den Markt kommen - geschweige denn, ob sie hinsichtlich Preis, Anwendungsmöglichkeiten und Bedienbarkeit für den Massenmarkt taugen.

Prototyp der Drohne: Der Propeller lässt sich nach einem Crash austauschen, das Flugzeug besteht aus den widerstandsfähigen Materialien PPE und EVA
SPIEGEL ONLINE

Prototyp der Drohne: Der Propeller lässt sich nach einem Crash austauschen, das Flugzeug besteht aus den widerstandsfähigen Materialien PPE und EVA

Technisch bietet die Vegas-Drohne die üblichen Limitierungen: Das Mini-Flugzeug kann maximal 20 Minuten in der Luft bleiben, dann muss ungefähr genauso lang der Akku geladen werden. Ist das Handy leer, fliegt auch die Drohne nicht. Die Bluetooth-Verbindung reicht maximal 90 Meter weit. Und natürlich droht an vielen Orten Ärger, wenn man das Gadget dort benutzen will.

Firmenchef Dazenko weiß, dass ein prinzipiell harmloses Spielzeug wie die Vegas-Drohne nicht überall gut ankommt. Amerikaner hätten eine andere Affinität zu solchen Produkten, glaubt er: "Die sehen etwas Neues und denken 'Geil, das probier' ich mal aus'. Die Deutschen gucken erstmal, hinterfragen das erstmal."

Auf die Vorbehalte gegen Drohnen angesprochen hebt Dazenko die Indoor-Flug-Option hervor: Die Vegas soll sich schon in 20 Quadratmeter großen Räumen fliegen lassen. Damit hätte das Gadget tatsächlich einen Vorteil gegenüber größeren und weniger agilen Produkten. Denn in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus kann einem niemand vorschreiben, wo und wann man fliegen darf.

Auf den Markt kommen soll die Vegas-Drohne zum Jahresende, vorher wird sie bereits von Beta-Testern probegeflogen. Man darf gespannt sein, wie häufig das Gadget im Winter wirklich abheben wird - denn zumindest in Hamburg wird der Wind dann eher schlimmer als weniger.

Zusammengefasst: Die Bremer Firma TobyRich sammelt Geld für ein Mini-Flugzeug. Die Vegas-Drohne soll Ende des Jahres fertig sein, bislang existieren nur Prototypen. Per kostenloser App sollen auch Nicht-Besitzer mit dem Gadget interagieren können - bei Gefechten mit virtuellen Waffen.

Was es alles gibt: Kuriose Drohnen
Selfie-Drohne Airdog

Wer zu kurze Arme für einen Selfie hat, kann auch die Kameradrohne Airdog in die Luft schicken. Die Drohne folgt ihrem Nutzer von alleine und wird über seinen Sender gesteuert. Airdog kann fotografieren und filmen.
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Drohnenflug mit Videobrille

Sehen wie ein Vogel: Die Bilder der Kameradrohne Bebop lassen sich mit einer Videobrille in Echtzeit mitverfolgen. Gesteuert wird die Drohne über eine Smartphone-App.
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Paketkopter, die Drohne der Deutschen Post

Die Deutsche Post bezeichnet ihren „DHL-Paketkopter“ noch als Forschungsprojekt. Die Paket-Drohne wird testweise verwendet, um zum Beispiel dringend benötigte Medikamente vom Festland auf eine Nordseeinsel zu bringen. Auch Unternehmen wie Amazon testen Paketdrohnen.
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Disneys Puppenspieler-Drohne

Zurzeit gibt es nur ein Patent für diese Drohne - gebaut wurde sie noch nicht. Das Patent beschreibt Drohnen, die große Disney-Puppen auf Paraden oder in Freizeitparks steuern können. Dünne Drähte sollen die Drohnen mit den Armen und Beinen der Puppen verbinden.
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Pizza-Drohne statt Pizza-Bote

Um Fastfood noch schneller ausliefern zu können, haben bereits mehrere Entwickler Drohnen getestet. Schließlich eigenen sich solche Tests auch sehr gut als PR-Maßnahme. Das Bild zeigt den Drohnen-Testflug der Schnellrestaurantkette Domino’s.
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Aufklärungsflüge durch Polizei-Drohnen

Mit Kameradrohnen lassen sich nicht nur Selfies und Naturfilme machen. So verwendet auch in Deutschland die Polizei seit einigen Jahren Polizeidrohnen zu Aufklärungszwecken. Die Drohnen könnten bei Hochwasser und Bränden hilfreiche Bilder liefern – sind aber bei Datenschützern umstritten.
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Drohnen als Lichter-Spektakel

Für eine eindrucksvolle Werbeaktion sorgte vor zwei Jahren ein Drohnenschwarm am Londoner Nachthimmel. 30 Drohnen formten zum Kinostart des neuen Star Trek Films das vielen Science-Fiction-Fans bekannte Logo über der Tower Bridge.
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Drohnen aus dem Drucker

Künftig wird man sich Drohnen vielleicht nicht mehr fertig kaufen müssen, sondern sich zuhause das Grundgerüst per 3D-Printer ausdrucken. Steuerungstechnik und Motoren müssten freilich von Hand darauf montiert werden. Forscher der University of Virginia haben das schon mal ausprobiert
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Wartungs-Drohnen im Profi-Einsatz

Das Unternehmen Microdrones bietet verschiedene Drohnentypen für den kommerziellen Einsatz an. Dieses Exemplar wird zur Überprüfung von Stromleitungen eingesetzt. Die Geräte können bis zu 70 Minuten in der Luft bleiben und kosten fünfstellige Summen.
Mehr zu den Highspeed-Drohnen - und anderen Modellen - lesen Sie hier

Die Hochgeschwindigkeits-Drohne

Die meisten Drohnen, die man so zu Gesicht bekommt, bewegen sich eher langsam. Die Plexidrone ist da ganz anders. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 70 km/h könnte man sie durchaus verwenden, um sogar fahrenden Autos nachzustellen.
Mehr zur Plexidrone lesen Sie hier

Diese Drohne spinnt

So etwas können sich nur Forscher ausdenken: Ein kleiner Roboter umfliegt zwei gespannte Seile. Immer wieder stoppt er und schwebt auf der Stelle. Er beginnt vorsichtig, neue Seilverbindungen zu spannen, bis sich langsam ein stattliches Spinnennetz herausbildet. Erdacht und entwickelt wurde der Netze spinnende Flug-Roboter von Forschern und Architekten der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich.
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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
static_noise 26.07.2015
1. Klingt erstmal lustig..
Luftkampf im 'Cubicle Warfare'. Was sich mur grad überhaupt nicht erschließt: Wozu brauchte die Drohne überhaupt? Der Luftkampf ist virtuell, die Bodenverteidigung ist virtuell, eigentlich spielt sich alles in der AR ab. Dann kann ich auch gleich ein rein virtuelles Spiel ohne Hardware nehmen.
spon-facebook-10000181798 26.07.2015
2.
auch wenn ich der allerletzte Mensch bin der irgendwelche Apps auf einem Handy installiert und diesen ganzen Smartphone und Drohnen Wahn verteufele, finde ich das Ding irgendwie sau lustig. Sollte es denn funktionieren. Aber wieso im Büro? Ich arbeite dort eigentlich eher. Und in der Pause seh ich zu, dass ich rauskomme.
elgrande78 26.07.2015
3. Sehe ich auch so
Zitat von spon-facebook-10000181798auch wenn ich der allerletzte Mensch bin der irgendwelche Apps auf einem Handy installiert und diesen ganzen Smartphone und Drohnen Wahn verteufele, finde ich das Ding irgendwie sau lustig. Sollte es denn funktionieren. Aber wieso im Büro? Ich arbeite dort eigentlich eher. Und in der Pause seh ich zu, dass ich rauskomme.
Wieso sollte man diese Teile im Büro nutzen? Ich sehe mich mit meinen Kumpels auf einer schönen Alm-Wiese, wo wir uns bei ein paar Bierchen die Drohnen um die Ohren hauen. Auch wenn ich nicht eher nicht der Technik-Guru bin. Aber das Teil hat Potenzial!
Spiegelleserin57 26.07.2015
4. alles nur lustig solange man weiß wer es tut und
Zitat von spon-facebook-10000181798auch wenn ich der allerletzte Mensch bin der irgendwelche Apps auf einem Handy installiert und diesen ganzen Smartphone und Drohnen Wahn verteufele, finde ich das Ding irgendwie sau lustig. Sollte es denn funktionieren. Aber wieso im Büro? Ich arbeite dort eigentlich eher. Und in der Pause seh ich zu, dass ich rauskomme.
kein ernsthafter Hintergrund zu suchen ist. Es stellt sich nur die Frage was man daruas machen kann, mir würden auf Anhieb auch viele böse dinge einfallen die wir alle gar nicht nett finden und bestraft gehören. "Auf diese Art sollen etwa Gefechte im Büro möglich sein." Das würde ich tunlichst vermeiden wenn ich keine fristlose Kündigung erhalten möchte. Am Arbeitsplatz sollte man arbeiten und wenn es eine Pause wie zuvor gut beschrieben diese zur Entspannung im Freien nutzen.
kioto 26.07.2015
5. Wer das Flugzeug im Büro lustig findet
Sollte mal den Finger in den laufenden Propeller halten. Wenn sogar ein kleiner Lüfter im PC berührungssicher sein muß, ist so was zumindest fahrlässig. Und auch für diese Teil gilt Versicherungspflicht und Genehmigung zum Aufstieg durch den Grundstücksinhaber und grundsätzlich ist das Überfliegen von Menschen in niedriger Höhe immer zu vermeiden. Als Modellflieger fürchte ich, dass durch diesen Blödsinn das gesamte Hobby in Verruf kommt und immer stärker reglementiert werden wird. mfg Kioto
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