TV trifft Internet Sofa-Surfen mit dem Fernseher

Ein Fernseher mit Internet-Anschluss? Das ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Aber kann so ein TV-Gerät den PC ersetzen? Matthias Kremp hat den Selbsttest gemacht und einen Philips-Fernseher mit Net-TV und W-Lan ins digitale Zentrum seines Heims gestellt.


"Wir blasen die Jungs aus der Unterhaltungselektronik einfach weg", tönte Dell-Marketingleiter Mike George 2004. PC-Hersteller wie Dell und HP versuchten damals, den Fernseher durch Multimedia-PC mit Flachbildschirm zu ersetzen. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen rüsten nun die TV-Hersteller auf, machen ihre Fernsehgeräte Web-fähig. So auch der niederländische Elektronikkonzern Philips, der versucht, Couch-Surfern das Internet mit speziell an Fernseher angepassten Web-Seiten schmackhaft zu machen.

Zum Test der neuen Technik wurde das Modell 32PFL9604H/12 geliefert, der kleinste Internet-fähige TV aus der 9000er-Serie von Philips. Deren herausragenden Merkmale: Full-HD-Auflösung, integrierter DVB-T/DVB-C-Tuner, aufwendige Bildverbesserungstechnik und Ambilight, jene LED-Lichtleisten, welche die Wand hinter dem TV-Gerät in jenen Farben des aktuellen TV-Bildes ausleuchten. Soll den Bildschirm optisch vergrößern und die Augen schonen - sagt Philips. Das Gerät kostet laut Preisliste 1300 Euro - im Laden kann er durchaus mal einige Hunderter günstiger sein.

Nach dem Auspacken zeigt sich zunächst, dass der Hightech-Fernseher edel gewandet ist. Dem Vollplastik-Hochglanz-Klavierlack-Look vieler Konkurrenten setzt er gebürstetes Aluminium in einem Braunton entgegen, der an Porsches Macadamia-Metallic erinnert - allerdings nur vorn. Die Rückseite besteht aus dem üblichen schwarzen Plastik und steckt voller Kühlschlitze. Steht oder hängt der TV vor der Wand, stört das nicht, bei mir, wo der Fernseher mitten im Wohnzimmer haust, schon.

Manchmal wird das Bild zu gut gerechnet

Der matte Rücken offenbart allerdings eine Fülle von Anschlussmöglichkeiten: Unter anderem sind dort vier HDMI-Buchsen, zwei Scart-Anschlüsse, eine Netzwerkbuchse und außerdem noch YUV-, Audio- und VGA-Buchsen verbaut. Zusätzlich sind an der Seite sieben weiteren Anschlüsse untergebracht. Darunter eine fünfte HDMI-Buchse, ein USB-Anschluss und der Common-Interface-Steckplatz, den man beispielsweise für Pay-TV oder digitales Kabelfernsehen braucht.

Fertig mit der Heimkinoanlage verkabelt dauert es nach dem ersten Einschalten nicht lange, bis ich von der Bildqualität überzeugt bin. Selbst analoge TV-Signale bereitet der Apparat brauchbar auf. Digitales Kabelfernsehen und DVD-Einspielungen wirken fast wie HDTV. Richtig fein wird es aber, als ich via Apple TV HD-Filme abspiele. Die Pixel sind so klein, dass keine einzelnen Bildpunkte auszumachen sind.

Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Hochglanz-Displays bei Fernsehen sehr löblich ist die entspiegelte Oberfläche des Bildschirms. Selbst schräg einfallendes Sonnenlicht macht sich darauf höchstens als leichte Aufhellung bemerkbar. Die Bildverbesserungsfunktion Pixel Perfect HD geht allerdings manchmal etwas zu enthusiastisch zu Werke, schärft Hollywood-Blockbuster dermaßen, dass sie eher nach Videofilm als nach Cinemascope aussehen.

Wo ist das Handbuch?

Schlimmer noch: Für die Bildverbesserung braucht die Elektronik in höchster Einstellung rund 200 Millisekunden. Schaue ich damit eine DVD oder TV über den Festplattenrecorder und höre den Ton über meine Surroundanlage, sorgt diese Verzögerung dafür, dass Bild und Ton auseinanderdriften, Sprache nicht mehr lippensynchron aus den Lautsprechern tönt. Abhilfe würde ein Audioverstärker bringen, bei dem man eine entsprechende Verzögerung einstellen kann. Mein etwas älteres Modell beherrscht diesen Trick nicht. Abhilfe kann ich nur schaffen, indem ich die Bildverbesserungsfunktion HD Natural Motion abschalte. Das ist schade, aber zu verschmerzen.

Weniger leicht zu verschmerzen erscheint mir dagegen die völlige Abwesenheit eines Handbuchs. Lediglich eine Kurzanleitung klärt darüber auf, wie man den Fernseher anschließen und in Betrieb nehmen soll. Erst später erkenne ich, dass Philips auch die Bedienungsanleitung konsequent digitalisiert hat. Sie ist im Hauptmenü des Fernsehers hinterlegt. Eine PDF-Version davon kann man von der Web-Seite des Herstellers herunterladen.

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insgesamt 8 Beiträge
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Heribert Mühlberger, 23.07.2009
1. Server-fehler 404
Zitat von sysopEin Fernseher mit Internetanschluss? Das ist längst nicht ungewöhnliches mehr. Aber kann so ein TV-Gerät den PC ersetzen? Matthias Kremp hat den Selbsttest gemacht, einen Philips-Fernseher mit Net-TV und W-Lan ins digitale Zentrum seines Heims gestellt. http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,637660,00.html
Bitte den Link korrigieren.
freak34 23.07.2009
2. wer soll das kaufen
Für mich stellt sich die Frage für wen sich diese Idee überhaupt eignet. Für alle, die genau diesen Bedarf haben, empfehle ich eine Mac Mini von Apple, der neben der notwendigen WLAN-Tauglichkeit, Internet etc. auch die Verwaltung der eigenen Musiksammlung und der Fotos ermöglicht. Das Ding sieht schick aus, hat einen hohen WAF (Women Acceptance Factor) mit silberner Tastatur und ist mit seinen 600 € für seinen Funktionsumfang vergleichsweise günstig (Software ist schon drauf) und das Wichtigste... auch portierbar auf verschiedenste Endgeräte...vom kleinen Schlafzimmerfenster bis zur Beamerzentrierten Dolby Surround Heimkinoanlage.
rumsfallera 23.07.2009
3. Brauchts nicht!
Ein kleiner leiser PC, oder von mir aus auch ein Mac, angeschlossen an einem Full HD Fernseher, ist zusammen mit einem handlichen Eingabegerät die (noch) bessere Lösung.
werner51, 23.07.2009
4.
Meine Apple-Sammlung umfasst auch einen iMac mit 25" Screen. Da fehlen nur noch 7", dann ist der 32" Fernseher eingeholt. Mr. Jobs: Bitte übernehmen Sie. (Das geschilderte Gefummele ist doch nicht zum Aushalten.)
wrzlbrnft 23.07.2009
5. Nichts Halbes und nichts Ganzes
Internet eingeschränkt, Benutzerführung wie schon gesagt ein "Gefummel". Selbst Loewe mit dem vielgerühmten Connect ist wohnzimmeruntauglich, wenn man seine Funktionalität ausnutzen will. Apple TV oder Mac Mini ist ein sinnvoller Ansatz (gute Benutzerführung), aber auch hier fehlt noch etwas (etwa einfacher Tuneranschluss).
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