Betriebssystem im Test: Einmal Ubuntu - immer Ubuntu?

"Nie wieder Viren" hieß im Februar 2012 der Auftakt einer Artikelserie, in der Frank Patalong seinen Umstieg auf die Linux-Software Ubuntu schilderte. Ein Jahr danach zieht er Bilanz: Ist das Open-Source-Betriebssystem wirklich die Lösung für jedermann?

Ubuntu: Erste Schritte Fotos

Als Anfang Januar 2012 ein Trojaner meinen eigentlich gut geschützten Windows-Rechner in Sekunden unbrauchbar machte, stand ich mit dem Rücken zur Wand: Auf der nicht mehr zugänglichen Festplatte lagen ein Manuskript und Hunderte Bilder für ein Buch vergraben, das Resultat mehrerer Monate Arbeit. Mein Umstieg auf Linux war also mehr als nur die Konsequenz des Virenfrusts - er war eine Notmaßnahme.

Und zwar eine erfolgreiche. Ubuntu-Linux machte die verschütteten Daten wieder zugänglich. Mein Rechner mutierte darüber hinaus zur Rennmaschine. Den dreiteiligen Bericht und Workshop, den ich über meine Erfahrungen veröffentlichte, verfolgten fast 600.000 Leser - nicht schlecht für ein vermeintliches Nischenthema über ein "Minderheiten-Betriebssystem" (weltweiter Desktop-Marktanteil laut Net Applications: 1,17 Prozent im April 2013).

Rund ein Jahr danach ist es Zeit für eine Bilanz. Hat Linux in einem Jahr Nutzung die Hoffnungen erfüllen können?

Zufriedenheit und Usability

Wenn Linux läuft, dann gut. Die meisten Nutzer, die vor allem schreiben, das Internet nutzen, ein wenig Fotobearbeitung treiben und Medieninhalte abspielen, bleiben bei Linux, wenn sie sich einmal darauf eingelassen haben - das gilt auch für mich und mein Umfeld. "Mir fällt da gar nichts ein", antwortet mir meine Linux nutzende Tochter auf die Frage nach kritischem Feedback, "ich hab da nix zu meckern."

Das ist meistens so. Einmal installiert ist Linux vor allem eines - unauffällig. Es läuft ohne viel Zicken. Ab und zu wird es langsam, wenn automatisch Sicherheits-Updates gezogen werden, aber das ist schnell vorbei.

Viel umlernen muss man auch nicht, wenn man zu Ubuntu oder zum eng verwandten Mint wechselt. Die Office-Programme sind von denen in der Windows-Welt kaum zu unterscheiden, die Internetbrowser sind identisch, Grafik- und Mediensoftware funktioniert sehr ähnlich. Gut kommt bei pragmatischen Nutzern der "Software-Shop" an, über den die Suche nach Programmen und deren Verwaltung läuft: Er ist eine Art "App-Store", wie man das inzwischen aus der Smartphone-Welt gewöhnt ist - und sehr bequem.

Also alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz.

Schattenseiten

Der 16-jährige Sohn eines Freundes, der aus Virenfrust zeitweilig umgestiegen war, ist zu Windows zurückgekehrt. Ihn frustrierte, dass zu viele aufwendige Windows-Spiele unter Ubuntu nicht funktionieren.

Im Laufe der Zeit stellt so mancher kleine Lücken fest. Meist geht es dabei um das Funktionieren von Windows- oder Mac-Software (z.B. iTunes). Viele Programme sind über den kleinen Umweg eines Emulators unter Linux ja prinzipiell lauffähig. Ob es dann am Ende wirklich funktioniert oder nicht, hängt von der spezifischen Hardware des Rechners ab: Beim einen klappt es, beim anderen nicht. Das kann ärgerlich sein.

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Ubuntu-Erfahrungen

Noch immer ist es eine Minderheit, die sich eingehender mit Linux befasst hat oder es regelmäßig nutzt. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Apropos Hardware: Mein Scanner funktioniert unter Ubuntu nicht, weil Hersteller Canon keine Linux-Treiber zur Verfügung stellt. HD-Videos aus meiner Lumix-Kamera kann ich nicht importieren, weil die für den Import nötige Spezial-Software nicht zum Laufen zu bringen ist. Auch das ist typisch: Immer dann, wenn Hersteller bei ihrer Hard- oder Software proprietäre Lösungen wie eigene Dateiformate oder von Standards abweichende Schnittstellen einsetzen, steigt das Risiko, dass Dinge unter Linux nicht funktionieren.

Im Extremfall gilt das dann für einen ganzen Rechner. In einem Fall gab ein nagelneues Acer-Laptop, das laut Ubuntu-Hardware-Verzeichnis eigentlich Linux-kompatibel sein sollte, nach der Installation komplett den Geist auf. In dem Rechner war eine andere Grafikkarte verbaut worden, als vom Hersteller offiziell angegeben - und die war nicht Linux-kompatibel. So etwas ist selten, aber extrem ärgerlich und ein Risiko, das man in der Welt der Windows-PC nicht hat.

Auch wenn das Ausnahmen sind, der Umstieg ist also nicht ganz so narrensicher, wie man sich das wünschen würde. Ein ausgiebiger Test mit einem ab DVD gestarteten Betriebssystem ist darum unbedingt anzuraten, bevor man einen Betriebssystemwechsel vollzieht. Die klügste Lösung ist die Parallelinstallation neben Windows - dann hält man sich alle Möglichkeiten offen.

Performance und Sicherheit

Im Normalfall verläuft die Installation reibungslos, selbst uralte Rechner funktionieren unter Linux. Meist stellen Nutzer auch keine Lücken im Softwareangebot fest (fast 40.000 kostenfreie Programme). Für viele Bedürfnisse gibt es gleich mehrere Programme, die man schnell installieren, ausprobieren und vergleichen kann - in der Regel bekommt man, was man sucht.

Ein positives Erlebnis ist der Performance-Zuwachs. Mit Ubuntu startet mein Arbeitslaptop rund viermal schneller als unter Windows, auf meinem Netbook fällt der Unterschied noch größer aus. Das nutze ich unter anderem als Medienserver, der per HDMI unseren Fernseher beschickt - völlig problemlos und in bester Qualität. Vier Rechner laufen nun seit einem Jahr allein in unserer Familie unter Linux, keiner hat in dieser Zeit Probleme gemacht. Meine Arbeitsrechner sind über eine verschlüsselte Ubuntu-Cloud-Applikation ständig synchronisiert, Manuskripte wird mir kein Virus mehr ins digitale Nirvana befördern können.

Bin ich also zufrieden? Ohne jede Einschränkung. Aber das gilt wie gesagt nicht für jeden. Wer viel spielt, Apparate nutzt, die für die Datenkommunikation keine Standardformate nutzen oder hoch spezialisierte Software brauchen, fährt mit Windows oder Apples OS X oft besser.

Wem es aber nur darauf ankommt, Office-Programme, Internet und Medien zu nutzen, der ist mit einsteigerfreundlichen Linux-Versionen wie Ubuntu oder Mint bestens bedient. Das Versprechen, das Linux hier tatsächlich hält, ist das von Stabilität, Performance und Sicherheit - und einer erfrischend unkomplizierten Aufgeräumtheit. Das macht es zum idealen Betriebssystem für Leute, die sich als reine Nutzer verstehen, die sich mit Fragen der Software und Sicherheit nicht befassen wollen oder können. Unverzichtbar bleibt jedoch der Test, ob die Hardware auch fit ist für Linux - ausprobieren kostet ja nichts.

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insgesamt 544 Beiträge
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1. Linux sicherer?
mongolord 08.04.2013
Linux ist nur deshalb weniger von Viren und Trojanern betroffen, weil das Betriebssystem schlicht auf dem Markt kaum eine Rolle spielt. Als Hersteller von Schadenssoftware will man möglichst viele Rechner erreichen und programmiert deswegen natürlich für Windows-Systeme. Hätten plötzlich Linux Distributionen einen nennenswerten Marktanteil, dann würde es auch sehr schnell dafür Viren geben. Ich persönlich hatte seit Ewigkeiten kein Virus mehr. Vernünftiger Umgang mit dem Internet, regelmässige Updates, und die Hardwarefirewall des Routers genügen normalerweise. Windows liefert sogar mit Security Essentials ein hauseigenes Gratistool zur Überprüfung mit. Ich bin mit meinem Windows7 sehr zufrieden, alles läuft auf Anhieb (kein Rumgefrickel wie bei Linux), Abstürze kenne ich keine und das System ist gestartet nichtmal 10 Sekunden nachdem ich den Knopf am Gehäuse betätigt habe (SSD sei dank). Für mich sehe ich keinerlei Notwendigkeit auf Linux zu wechseln, auf dauerhaftes Rumkonfigurieren am Betriebssystem verzichte ich gerne.
2. Unseriöse Vergleiche
koflor 08.04.2013
Wie kann man pauschal schreiben, dass Ubuntu 4x schneller als Windows startet, wenn noch nicht mal die Version angegeben wird? Win7 z.B. startet auch ein vielfaches schneller als XP, Win8 nochmals schneller. Auch der Grund der Virenverseuchung, was schließlich zum Wechsel geführt hat: Hier wird mit keinem Wort die Windows-Version genannt. Vermutlich war es einfach XP. Dazu kann man nur noch sagen, dass man Nutzern nicht mehr helfen kann, die mit einem über 10 Jahre alten Betriebssystem unterwegs sind. Da ist dann jedes aktuelle Betriebssystem besser!
3.
Atheist_Crusader 08.04.2013
Zitat von mongolordIch persönlich hatte seit Ewigkeiten kein Virus mehr. Vernünftiger Umgang mit dem Internet, regelmässige Updates, und die Hardwarefirewall des Routers genügen normalerweise.
Eben. Das größte Sicherheitsproblem sitzt immer vor dem Bildschirm. Seltene Betriebssysteme oder teure Sicherheitssoftware ersetzen kein verantwortungsvolles Handeln.
4. Canon Treiber
mully 08.04.2013
Canon bietet eigentlich eine recht gute Linux-Unterstützung, wenngleich die passenden Treiber manchmal etwas versteckt sind (z.B. auf dem chinesischen FTP liegen). Mein Multifunktions-Drucker MG5350 läuft ohne Einschränkungen unter Ubuntu. Aber vor dem Kauf ein Blick auf Kompatibilität ist sicher anzuraten.
5. GNU/Linux
a.weishaupt 08.04.2013
Nach über 15 Jahren Erfahrung mit GNU/Linux freue ich mich natürlich, dass inzwischen auch absolute Nicht-Fachleute den Nutzen des Systems für sich sehen. Trotzdem gilt, dass sich die eigentliche Mächtigkeit der Plattform erst erschließt, wenn man in die Details der Kommandozeilenebene einsteigt und damit etwas schaffen kann, das komplett auf einen selbst angepasst ist. Das geht anders als bei Windows ohne den Einsatz einer Programmiersprache. Auch sollte man wissen, was die Eigenschaft eines freien Systems bedeutet und was das von Richard Stallman aufgestellte GNU-Projekt ist. Technische Qualität für Endanwender ist nur eine unter mehreren günstigen Eigenschaften.
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Ubuntu: Welche Version sollte man installieren?
Ubuntu bekommt jedes Jahr - neben fortlaufenden Sicherheitsupdates und Aktualisierungen - zwei große Updates: Das im April erfolgende Frühjahrsupdate hat grundsätzlich die Kennung ".04" (so wie in Version 11.04 oder 12.04.), das Herbstupdate im Oktober die Kennung ".10" (z.B. 11.10 oder 12.10).

Die Updates ohne weitere Kennzeichnungen sind aktuelle Versionen mit relativ kurzem Support durch den Hersteller. Für die so genannten LTS-Versionen garantiert Ubuntu fünf Jahre Support, sie eignen sich darum besser für den langfristigen Einsatz, beispielsweise in Unternehmen.

LTS-Versionen sind stabil und intensiv getestet. Aktuelle Releases können experimentelle Änderungen enthalten. Die letzte LTS-Version war Ubuntu 12.04, zuletzt ergänzt am 14. Februar 2013. Hier wird der Support bis April 2017 garantiert. Die aktuellste Zwischenversion ist 13.04 (Ende April 2013), mit einem Support bis Januar 2014.

Für Heimanwender, die so wenig Risiken wie möglich eingehen wollen, empfiehlt SPIEGEL ONLINE grundsätzlich die LTS-Versionen. Für ältere Rechner sollte man auf eine ältere Programmversion zurückgreifen, die weniger Ressourcen verlangt, oder auf spezialisierte Ubuntu-Derivate für schwache Hardware (z.B. Xubuntu oder Lubuntu).

Es gibt weitere Linux-Distributionen, die auf Ubuntu basieren, sich aber optisch und in einzelnen Funktionalitäten sowie im Handling unterscheiden können (z.B. Mint oder Kubuntu). Letztlich ist das Geschmackssache: Alle Systeme sind kostenfrei und können vorher ausprobiert werden, z.B. von einer Live-DVD aus, die man herunterladen kann.


Gründe für Ubuntu / Linux
Anforderungen an den Rechner
Das System ist überraschend bescheiden in seinem Ressourcenhunger (Prozessor mind. 1 GHz, 1 GB RAM, 5 GB Festplatte). Für den Nutzer heißt das auch, dass der Rechner in der Regel eine spürbar bessere Performance zeigt als unter Windows. Generell gilt jedoch: Ubuntu verträgt sich - wie alle Linux-Distributionen - besser mit Desktop-PC als mit Laptops. Vor der Installation auf Flachrechnern sollte man deshalb erst die "Ausprobieren"-Option der Installations-CD wählen, um die Kompatibilität zu prüfen.
Viren und Sicherheit
Ubuntu hat bisher kein nennenswertes Problem mit Viren: Jedes System ist natürlich angreifbar, wenn das gezielt geschieht, auch Linux. Die Probleme, die Windows aber mit der Flut der Internetviren hat, gibt es bei Linux nicht. So bietet das Unternehmen Kaspersky zwar ein Virenprogramm für Linux an, aber nur für Linux-Mailserver: Das Programm dient dazu, Windows-Viren auszufiltern. Prinzipiell sind zwar auch Linux-Viren denkbar, bisher wurden aber nur zwei bekannt - 1996 und 1997. Zum Vergleich: Die Windows-Virensignaturliste von Symantec/Norton umfasste Anfang 2012 rund 19,9 Millionen bekannte Viren. Sicherheitslecks treten auf, werden aber meist ungewöhnlich schnell wieder geflickt. Lecks in Fremdsoftware (Browser, Flash, PDF etc.) treten auf, verursachen aber nur wenig bis keine Schäden. Viele Angriffs- und Schadsoftwaremethoden verpuffen unter Linux, weil sie auf Windows-Architekturen zugeschnitten sind. Updates werden zentral verwaltet und regelmäßig angeboten.
Dateien weiter nutzbar
Mit Windows-Programmen erarbeitete Dateien (Texte, Fotos, Filme etc.) bleiben nutzbar. Bei paralleler Installation wird aus der Windows-Partition von Ubuntu aus gesehen so etwas wie ein weiteres Laufwerk. Man nutzt es einfach weiter. Und wenn man Windows braucht, ruft man es eben auf - man kann mit beiden Systemen auf einem Rechner arbeiten.
Standardformate aus dem Arbeitsleben
Standardformate werden auch von Linuxprogrammen bedient. Wer also im Arbeitsleben mit Word-Dokumenten, Excel-Dateien, PDFs oder Powerpoint-Präsentationen arbeitet, kann das weiterhin tun. Die nötigen Programme bringt Linux mit, sie sind vorinstalliert.
Kostenlose, legale Software
Ubuntu kann man kostenlos und legal vom Entwickler aus dem Internet herunterladen. Auch Software für Ubuntu ist meist kostenlos, frei und legal verfügbar. Bei Ubuntu läuft die Installation über eine Art App-Store, der zurzeit rund 36.000 Programme umfasst. Der Anteil kostenpflichtiger Programme liegt im kleinen einstelligen Prozentbereich - wenn überhaupt. Das Angebot deckt die meisten Bereiche und Bedürfnisse ab - mit Stärken bei den pragmatischen Nutzanwendungen und Schwächen beim Entertainment (vor allem beim Spiele-Angebot).
Ease of use - ideal für Einsteiger
Umgewöhnen auf Linux ist keine große Sache: Das Programm ist anders als Windows, aber auch kein fremder Planet. Die Arbeitsoberfläche und Navigation ist erheblich übersichtlicher und aufgeräumter als bei Windows. Für Späteinsteiger in die Welt der Rechner - beispielsweise Senioren - ist Ubuntu darum geradezu ideal, und nicht nur wegen der zahlreichen barrierefreien Features. Die systemimmanente Logik gibt dem Anwender das Gefühl, sich selbst bei Programmwechseln immer in der gleichen Software-Umgebung zu bewegen. Vieles erschließt sich weitgehend intuitiv und ohne dass man viel Hilfe bräuchte. Das ist allerdings vor allem aus einem Grund gut, der absolut kein Vorteil ist: Wenn man einmal Hilfe braucht, ist die für Normalsterbliche selten verständlich.
Eingebaute Cloud
So etwas wird immer mehr zum Standard: Auch Ubuntu bietet Cloud-Dienste an, bei denen man fünf Gigabyte Daten kostenfrei auf den Servern des Ubuntu-One-Dienstes parken kann. Die werden auf Wunsch ständig abgeglichen mit den Dateiversionen auf dem Desktop - eine feine Sache, wenn man Zugang zu eigenen Daten braucht, auch wenn man unterwegs ist. Der ist dann per Browser auch von einem Windows-PC oder Mac aus möglich.
Kostenfrei
Prinzipiell ist Ubuntu wie alle Linux-Distributionen kostenlos. Hersteller Canonical bittet vor dem Download um eine Spende in selbst zu bestimmender Höhe, die man leisten kann, aber nicht muss. Wer mit Ubuntu zufrieden ist und es als Ersatz für ein hochpreisiges Betriebssystem nutzt, sollte sich überlegen, ob das nicht nur recht und fair wäre - Spenden kann man auch noch im Nachhinein.
Gründe gegen Ubuntu / Linux
Kein Spielzimmer
Ubuntu ist nichts für Leute, die gern spielen - und zwar mit populärer, kostenpflichtiger Game-Software. Das Angebot an solchen kommerziellen Produkten ist kaum nennenswert. Browserspiele laufen dagegen. Emulatoren, die Windows-Software zum Laufen bringen, gibt es zwar: Sie werden mit vielen Spielen fertig, längst aber nicht mit allen.
Manche Sachen gibt es nicht
Linux-Fans bestreiten das gern, aber es ist und bleibt Tatsache: Es gibt Angebote, die für Linux nicht gelten. iTunes ist so eine Sache: Das Apple-Programm läuft nur in bestimmten Linux-Konfigurationen, und auch dann mehr schlecht als recht. Wer bisher alle seine Medien via iTunes organisiert hat und nun von Ubuntu nur Ersatzsoftware geboten bekommt, ist damit kaum glücklich zu machen. iTunes ist nur ein Beispiel von vielen. Was Ubuntu mitbringt oder im eigenen Shop offeriert, läuft phantastisch - und was von Drittanbietern kommt oder von "extern" installiert werden soll, macht oft und gern Probleme - wenn es überhaupt läuft. Es ist ein Problem, dass alle Betriebssysteme teilen: Die Durchlässigkeit zwischen den Plattformen ist eingeschränkt.
Programme, die es nur für Windows gibt: Nichts als Notlösungen
Wer unbedingt bestimmte Windows-Programme nutzen muss, für die Linux keine oder nur Ersatzprodukte anbietet, aber keine eigene Version, dem bleiben nur Notlösungen. Linux bietet Schnittstellen zu Windows, die mal besser, mal schlechter laufen. Emulatoren, die Programmen eine Windows-Umgebung vortäuschen, sind ein Ansatz. Virtuelle Systeme, bei denen Windows als Anwendung unter Linux läuft und darauf wieder die gewünschten Programme, sind der andere. Prinzipiell gilt bei allen Ansätzen: Je älter die emulierte Windows-Software, desto höher die Chance, dass sie läuft - bei Neuware, insbesonders bei aufwendigen programmen, sind Probleme häufig.
Hardware-Konflikte
Probleme sind sehr selten geworden, aber sie kommen weiter vor und können dann echte Ärgernisse sein - vor allem bei Laptops: Für manche Hardware-Komponenten gibt es keine oder nur unzureichende Treiber, sie funktionieren dann nicht, nur schlecht oder eingeschränkt. Manche Hardware wird sogar gar nicht erst erkannt. Auch das ist selten, aber nicht auszuschließen. Im schlimmsten Fall endet dann schon die Installation im Fiasko. Darum gilt grundsätzlich: Vor der Installation erst "ausprobieren" - die Installations-CD bietet das an.
Eingeschränkte Laufzeit
Lange Zeit galt Linux zwar als wenig ressourcen-, dafür aber als stromhungrig. Soll heißen: Mängel in der Energieverwaltung führten dazu, dass Laptop-Akkus schneller erschöpft waren als unter Windows. Das Problem ist nicht mehr so groß, mag aber fortbestehen (da gehen die Meinungen und Messungen auseinander): Zumindest mit leichten Einbußen der Laufzeit wird man rechnen müssen.
Netbooks: Nur abgespeckte Spezialversionen
Ubuntu ist zwar wenig ressourcenhungrig, in wirklich kleinen, eher schwächlichen PC-Konfigurationen gewinnt man damit aber auch keine Geschwindigkeitsrekorde: Auch Microsoft hat sein Windows beispielsweise auf Netbooks abgestimmt. So etwas gibt es auch im Ubuntu-Universum: Die Derivate Xubuntu und Lubuntu gelten als besser geeignet für alte oder schwache Hardware. Ansonsten ist es möglich, ältere Programmversionen zu installieren. Zurzeit gibt es 24 Netbooks, für die die Kompatibilität garantiert wird (Stand: April 2013).
Laptops: Sieben Hersteller geben "Garantien"
Ähnlich sah das lange bei Laptops aus - vieles lief nicht. Inzwischen zertifizieren sieben Hersteller die Eignung ihrer Laptops für Ubuntu, vor Jahresfrist waren es erst drei. Stand April 2013 sollen 360 Laptop-Modelle garantiert Ubuntu-kompatibel sein. Ein Jahr zuvor waren es nur 84 - die Kompatibilität liegt also prinzipiell im Trend. Welche Modelle welcher Hersteller in allen Produktkategorien für Ubuntu zertifiziert sind, kann man nachsehen: www.ubuntu.com/certification
Dokumentation und Hilfe
Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass es wohl kein Betriebssystem gibt, das öffentlich zugänglich besser dokumentiert ist als Linux - das Ding ist schließlich Open Source. Auch für Ubuntu gibt es Dokumentationen, Anleitungen und Hilfeforen in Massen. Keine Frage, die da nicht beantwortet wird - wenn man die Antwort versteht. So etwas wie ein Hilfe-Buch oder eine Anleitung für Normalsterbliche gibt es nicht. Was die Linux-Fans und Programmierer an Hilfestellungen geben, ist mitunter ähnlich leicht verständlich wie Klingonisch - sie kommunizieren in einer mit Linux-eigenen Vokabeln gespickten Fachsprache. Immerhin: Man kann nicht sagen, dass sie sich nicht bemühen. In den Foren von Ubuntuusers.de gibt es für Einsteiger Anleitungen mit Abbildungen.

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